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Abenteuer mit Gigo

3 August, 2010 von · Keine Kommentare

Julia Spiridonova – Yulka

Gigo
Photo:tinou bao

Sehr, sehr weit weg von hier, hinter einem sooo großen Ozean, hinter jeder Menge von Bergen, Wäldern, Städten und Dörfern, Satellitenschüsseln, Hunden und natürlich Kindern wuchs ein großer Baum. Das war zwar ein gewöhnlicher Baum, aber eben auch ein ungewöhnlicher. Gewöhnlich, weil es auf ihm ein normales Vogelhäuschen gab. Ungewöhnlich jedoch, weil in dem Häuschen kein Vogel lebte, sondern ein kleiner Junge. Ein ungewöhnlicher Junge mit Namen Gigo…

Gigo geht zur Schule
(aber nur für kurze Zeit)

Manche Kinder gehen sehr gern zur Schule, manche weniger gern.
„Sag mal, Julka, gehst du gern zur Schule?“ fragte Gigo.
Ach, jeh! Was für eine unangenehme Frage.
„Also weißt du, Gigo…“
„Sag mir die Wahrheit!“

Gigo wirkt sehr streng. Ich kann nicht anders. Ich muss alles zugeben. So peinlich das auch ist, aber ich bin nie gern zur Schule gegangen. Jeden Morgen tat ich, als sei ich schwer krank und hätte:

a) Masern
b) Rheuma
c) Schüttelfrost
d) das allerhöchste Fieber der Welt
e) den am stärksten geröteten Hals der Welt
f) Keuchhusten, was immer das auch bedeutet

Und ich stöhnte: Oh! Ooh! So stöhnt man doch, wenn es einem sehr schlecht geht, oder? Bloß dass meine Mutter mich durchschaute und mich trotz allem in die Schule schickte. Nun, ja, wenn ich nicht zur Schule gegangen wäre, würde ich jetzt die Buchstaben nicht kennen, wie könnte ich da Erzählungen schreiben…
„Ein Hoch auf Julkas Mutter!“ lacht Gigo.

Lach nur, lach nur, denke ich mir. Mein werter Gigo, jetzt wirst du sehen, was es heißt, zur Schule zu gehen, ha, ha!
Früher ging Gigo nicht zur Schule. Schließlich ist er sehr klug, denn er trägt eine Brille, warum sollte er da zur Schule gehen? Außerdem können ihn die Erwachsenen nicht sehen. Jedes Mal, wenn die Lehrerin prüft, ob alle in der Klasse sind, würde sie gar nicht erkennen, dass Gigo die Hand hebt. Und sie würde vermerken, dass er fehlt.

Tja, aber schließlich machte sich Gigo trotzdem auf den Weg zur Schule. Wie das geschehen konnte? Nun, Sissi hat ihn dazu gebracht. Sie hat Gigo zu Hilfe geholt. Jetzt werdet ihr erfahren, warum. Sissi ging in die Klasse 2 b und hatte eine sehr hübsche Lehrerin, die reinste Prinzessin. Alle Lehrerinnen sind sehr schön und lieb, ohne die Mathelehrerinnen natürlich.

„Julka, nun hör endlich auf! Warum glaubst du, dass alle Kinder so wie du sind und Mathematik nicht mögen?“ schimpft Gigo.
Aber hallo! Meinst du, es gibt jemanden, der Mathe mag? Doch jetzt reden wir von Sissis Lehrerin, und nicht von so etwas wie Mathematik.
Alle Kinder aus der Klasse 2 b mochten ihre Lehrerin sehr. Und sie wollten, dass sie immer lächelt.

Auch Sissi wollte, dass ihre Lehrerin stets zufrieden ist. Aber irgendwie klappte das nicht. Manchmal war die Lehrerin sehr traurig, weil Sissis Hefte furchtbar aussahen. Ihre Sätze waren die schmutzigsten und verschmiertesten auf der Welt. Wer sie sah, konnte eine ganze Woche lang nicht ruhig schlafen.

Jetzt denkt ihr sicher, dass Sissi daran Schuld war. Das stimmt aber nicht. Sissi war eine gute Schülerin. Schuld war der Fleck Klacks.
Der Fleck Klacks ist ein schmieriges Wesen, eher ein verschmiertes. Und ein schrecklich heimtückisches dazu! Es taucht in den Heften der Kinder auf, wenn sie es am wenigsten wollen. Es verschmiert und bekleckert, verschmutzt und ätzt. Aber wie soll man den Erwachsenen beibringen, dass der Fleck Klacks an allem Schuld ist? Sie glauben nicht an solche Dinge. Für Mutti, Pappi, Oma, Opa und meine große Schwester sind das Flausen. Sie nörgeln nur herum und schimpfen:
„Kannst du dir nicht ein bisschen mehr Mühe geben?“

Der Fleck Klacks machte Sissi das Leben schwer. Was tat sie nicht alles! Sie kämpfte mit dem Radiergummi gegen Klacks. Aber er verschmierte alles nur noch mehr. Sie übergoss ihn mit Wasser. Das Ergebnis war das gleiche. Sie rieb ihn mit dem Ärmel ab. Klacks heftete sich an ihre Bluse. Sie warf ihr Heft weg. Doch der Fleck Klacks grinste sie schon aus ihrem neuen Heft an.
Da wandte sich Sissi an Gigo. Und Gigo kam in die Schule. Alle Kinder freuten sich ungemein – wer kannte Gigo nicht! Die Lehrein sagte allerdings nichts, einfach weil sie ihn nicht sehen konnte.
Und Klacks? Nicht nur, dass er nicht erschrak, er steckte Gigo sogar die Zunge heraus.

„So-so-so-sooo!“ grölte er und beschmierte alles um sich herum.
Gigo platzte der Kragen. Und während die Lehrerin ihren Stoff erklärte – die Lektion über die großen Zahlen -, holte Gigo das spezielle Netz heraus, mit dem man Flecken fängt, und stürzte sich auf Klacks.
Mein Gott, war das eine Jagd! Den Kindern fiel es furchtbar schwer, den Worten der Lehrerin zu folgen und nicht zuzusehen, wie der Fleck über die Hefte flitzte.

Klacks rannte, so schnell er konnte, aber schließlich fing Gigo ihn doch mit seinem Netz ein. Der Fleck ärgerte sich sehr und begann, sich hin und her zu werfen. Noch mehr ärgerte er sich freilich, als Gigo den Kindern zum Abschied zuwinkte und sich auf den Rücken der Taube schwang, die auf dem Fenstersims auf ihn wartete. Die Taube flog fort und Klacks wäre vor Ärger und Wut beinahe gestorben.

Sissi war sehr zufrieden, weil ihre Hefte nun erneut sauber und untadelig waren und die Lehrerin sie immer wieder lobte. Das Dumme war, dass Klacks unterwegs aus dem Netz schlüpfen konnte und sich nun in irgendeiner anderen Schule herumtreibt. Falls ihr ihn irgendwo sehen solltet, müsst ihr unbedingt Gigo holen.

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