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Alan Rosin: “Leb dein Leben, indem du das machst, was du magst”

26 August, 2009 von · 1 Kommentar

Interview von Vanya Nikolaeva mit Alan Rosin
Übersetzung: Rossitza Yotkovska

Alan Rosin ist Werbeproduzent und qualifizierter Boxschiedsrichter. Im Laufe der Jahre hat er mit mehreren berühmten Persönlichkeiten, Sportlern und Staatsoberhäuptern gearbeitet. Er hat für Spielfilme wie „Blade Runner” und für „CBS-News“ mit Walter Cronkite gearbeitet, er hat eine Videoaufnahme von Golda Meir gemacht, Werbungen für Mc Donalds mit Michel Jordan und Werbungen für Rice Krispies mit Jerry Lewis produziert und er hat in den Aufnahmestudios in Hollywood u.a. mit Stevie Wonder, Jackson Browne und James Taylor zusammengearbeitet. Er mag Filme, Boxen, Jazz, Blues, Kunst, Wissenschaft, Science-Fiction, Theater, gutes Fernsehen, viele Musikstile und das Reisen.

Wann und wie wurde Dir bewusst, dass deine Berufung mit der Filmindustrie verbunden ist?

Ich begann meine Berufskarriere bei den „CBS News“, als Assistent des Hauptredakteurs. Teil meiner Arbeit war es, Walter Cronkite seine Tageszeitungen bereitzustellen und auch den Autoren/ Textern Materialien aus den Nachrichtenagenturen AP, UPI und Reuters zu liefern. Der beste Teil aber bestand darin, Nachrichtenteams, die die Geschichten in der ganzen Welt zu verfolgen hatten, anzuweisen sowie jeden Tag das unbearbeitete Filmmaterial über den Vietnamkrieg von den Satelliten herunterzuladen und den Autoren und Redakteuren zur Verfügung zu stellen.

Zu jener Zeit nahm ich mich mehr als Nachrichtenreporter und nicht als ein Teil der Filmindustrie wahr. Damals machten wir aber Filme für die Nachrichten, keine Videoaufnahmen. Ich lernte zwar die Filmproduktion während meiner Arbeit für die Nachrichten kennen, aber erst nachdem ich „CBS-News“ in New York verließ und in Los Angeles in der „CBS- Station“ zu arbeiten begann, habe ich begriffen, dass ich zum Filmproduzenten werde. Nach drei Jahren bei den Nachrichten habe ich begonnen, Dokumentarsendungen für dieses Fernsehen zu machen und es wurde mir bewusst, dass das für mich der Anfang einer Karriere beim Film ist.

Wenn Du kein Produzent oder Boxschiedsrichter geworden wärst, was würde Dein Beruf sein?

Vielleicht klingt das seltsam, aber es ist die Wahrheit. Mein Vater war ein Physiker im Bereich der Optik. Er hat hochoptische Geräte für Militärausstattungen wie Bombenmechanismen und Spektroskope für die frühesten astronomischen Orbitalsternwarten usw. entworfen. Ich habe die Wissenschaft immer geliebt, aber ich war der Meinung, dass ich nicht klug genug war, um in diesem Bereich richtig gut zu sein.

An der „Columbia University“ in New York gab es keinen wissenschaftlichen Abschluss in Optik, deshalb hat mein Vater sein Diplom in der Atomphysik bekommen und eine Dissertation mit seinem guten Freund I.I. Rabi, Nobelpreisträger, geschrieben. Ich wusste, dass ich in keinem Wissenschaftsbereich mit ihm wetteifern konnte, deshalb ging ich meinen eigenen Weg.

Eine Tatsache ist aber, dass mich das Wetter immer fasziniert hat und wahrscheinlich wäre ich Meteorologe geworden, wenn ich mich nicht an dem Filmberuf orientiert hätte. Ich habe immer noch sieben oder acht meteorologische Webseiten in meinem Computer gespeichert, die ich in der Hurricane-Saison oder wann immer ein Sturm kommt, regelmäßig besuche.

Wer ist der interessanteste Mensch, mit dem Du gearbeitet hast?

Diese Frage ist wirklich schwer. Wie kann man die Arbeit mit Michel Jordan mit der Zusammenarbeit mit der großen historischen Figur Golda Meir vergleichen? Die beiden sind interessant und einflussreich auf ihre eigene Weise.

Ich meine, dass es die Summe der vielen einflussreichen Menschen ist, jeder davon mit seiner eigenen Persönlichkeit, die meine Arbeit so interessant für mich gemacht hat. Der Spaß für mich lag darin, mit jedem von ihnen zu kommunizieren, ihre Meinungen über die großen und kleinen Dinge zu erfahren, das ist es, was meine Karriere so bereichert hat.
Eigentlich sind die meisten von den interessanten Menschen nicht berühmt. Sie sind erfahrene, kreative Schöpfer: Künstler und Modellbauer, Puppenspieler, Luftbild-Kameramänner und andere technische Fachleute mit beeindruckenden Fähigkeiten, die eine Faszination auf mich ausüben.

Ich traf einen Mann, der war „ Insektentrainer“ für Filme. Er lieferte Spinnen und andere Insekten für die Filme und war ein Experte in diesem Bereich. Wir haben eine Szene mit ihm aufgenommen, in der er Taranteln in der Wüste aufstöberte und gefangen hat. Das war sein Leben. So einzigartig, sonderbar, interessant. Im Laufe der Jahre hab ich hunderte von Menschen wie diesen getroffen und alle haben mich beeindruckt.

OK, Sie möchten eine Antwort? Vielleicht war Golda Meir für mich am interessantesten. Eine Frau, die in der Ukraine geboren und in Milwaukee gelebt hat – die Frau, die zur ersten Ministerpräsidentin von Israel wurde. Sie war „knallhart“. Mit Mitte Zwanzig, als ich noch ein Jugendlicher war, hab ich ein Interview mit ihr für die „Stiftung zur Sammlung von Finanzmitteln für United Jewish Appeal“ in Los Angeles gemacht. Ich war so eingeschüchtert von ihr, dass ich kaum in der Lage war, ihr das Mikrofon an der Bluse zu befestigen. Sie hat mich schroff dazu aufgefordert, damit keine Zeit zu verlieren, sondern uns an die Arbeit zu machen. Sie war eine Frau, die in die Geschichte einging und das Treffen mit ihr hat mich mehr als jedes anderes beeinflusst. Ich bewundere sie mehr als alle Filmstars und Sportler, mit denen ich mich je getroffen habe.

Was ist das Beste an Deiner Arbeit mit Musik- und Filmprofis?

Das Beste sind die Gespräche, die ich mit diesen Menschen führte. Gewöhnlicherweise sprach ich mit ihnen über Themen, die nicht mit ihrem Beruf verbunden waren, Interessen über die wir unter gleichen Voraussetzungen miteinander sprechen konnten, ganz aufrichtig. Das entspannte sie und erleichterte die Arbeit mit ihnen. Ehrlich gesagt, versuchte ich aus ihnen das Notwendigste für den Film herauszuholen, deshalb wollte ich, dass sie in der Zeit mit mir glücklich waren und dazu nutzte ich das Gespräch mit ihnen. Aber das Beste kommt danach, wenn ich zum Beispiel meinen Freunden erzähle wie es war, mit Michel Jordan einen 10 Stunden-Tag verbracht zu haben – oder mit meiner Frau und meinem fünfjährigen Sohn Zeit verbringe und mit ihm und seinen „Transformer toys“ spiele.

Gibt es etwas, das Du bedauerst?

Nicht viel. In meiner Laufbahn hab ich mich dazu entschlossen, interessante Dinge zu machen und nicht einfach nur reich werden zu wollen und ich weiß, dass ich die richtige Wahl getroffen habe. Ich würde sagen, dass ich immer, wenn ich zurückblicke, spüre, dass ich manche Sachen anders hätte machen könnte, dass ich die Werbung verbessern oder mit bestimmten Situationen besser hätte umgehen können, aber ich denke wir alle machen das, nicht wahr?

Wie würdest Du den Erfolg definieren?

Für mich ist das einfach. Leb dein Leben, indem du das machst, was du magst.

Gibt es in Hollywood echte Freundschaft?

Ich betrachte mich nicht als einen Teil von Hollywood. Nach einem Jahrzehnt, das ich bis jetzt dort verbracht habe, kann ich die Schlussfolgerung ziehen, dass viele der Großen in der Filmindustrie dem stereotypischen ichbezogenen Persönlichkeitstyp, den wir in den Filmen sehen und über den wir in den Boulevardzeitschriften lesen, folgen.

Aber die Menschen, die ich kenne, die sich in der Produktion schöpferisch ausdrücken, sind zum größten Teil gute, interessante und sehr hart arbeitende Personen. Deshalb würde ich “ja” antworten. Auf der Ebene, auf der ich arbeite, gibt es echte Freundschaft genauso wie gegenseitigen Respekt.

Was ist Dein Lieblingsfilm / Deine Lieblingswerbung?

Das ist eine leichte Frage. In der Internet-Filmdatenbank befindet sich „Blade Runner” ungefähr auf dem hundertsten Platz der Liste mit den besten Filmen, die jemals gemacht wurden. Die Arbeit an diesem Film war ein Höhepunkt in meinem Leben.

Arbeitest Du lieber in einem kleineren oder in einem größeren Team?

So sehr ich es auch genossen habe, an „Blade Runner” zu arbeiten, bevorzuge ich es Werbefilme zu machen. Ich arbeite mit einer sich ständig ändernden Gruppe von Menschen, mit unterschiedlichen Talenten, in Abhängigkeit vom Projekt. Jede Gruppe ist unterschiedlich. Ich arbeite sowohl mit Komödien-/Dialogregisseuren als auch mit Menschen, die Lebensmittel bzw. Verpackungsartikel aufnehmen, wir nennen diesen Bereich “Küchenarbeit“. Ich arbeite mit Menschen, die für die Spezialeffekte sorgen und auch mit denjenigen, die für die gute Darstellung der Kinder verantwortlich sind.

Jeder Regisseur verfügt über ein eigenes Team, das aus Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten besteht. Was mich selbst angeht, so schützt mich die Mannigfaltigkeit der Projekte vor der Langeweile bei der Arbeit. Ich mag die Größe des Teams sowie die Dauer und die Vielseitigkeit bei der Arbeit an Werbefilmen.

Was ist das schönste und unvergessliche Erlebnis, das Du bisher gehabt hast?

Ich erinnere mich an dutzende von Erlebnissen, aus denen ich wählen kann. Heute hab ich einen neuen Blog bei „My Space“ geschrieben, über das Gefühl, in einem Helikopter zwischen den Gebäuden des Stadtzentrums von Chicago zu fliegen und dabei einen Werbefilm zu drehen. Das war eine der aufregendsten Erfahrungen, die ich je gemacht habe.

Wo erholst Du Dich am besten?

Nach einem langen Arbeitstag ist mein Haus der einzige geeignete Ort für mich. Wenn ich mehr Zeit zur Verfügung habe, genieße ich es, in Griechenland zu sein –dort gefällt es mir besser, als an jedem anderen Ort, an dem ich bisher gewesen bin.

Was sollten alle Anfänger der Filmindustrie wissen und worauf sollten sie vorbereitet sein?

Seid auf den großen Egoismus, vor allem der Schauspieler und Regisseure, vorbereitet. Stellt euch auf stundenlange Arbeit ein, manchmal auf sehr viele Überstunden. Aber wenn ihr wie ich seid und lieber arbeitet, anstatt andere Sachen zu machen, dann ist das nicht so schlimm, oder?

Mit welcher Musik würdest Du dein Leben vergleichen?

Mit der klassischen Musik. Jeder Film ist wie eine Symphonie. Er besteht aus mehreren Teilen und während des ganzen Ablaufes gibt es Solokünstler. Der große Film verlangt aber nach Teamarbeit und der richtigen Zeitberechnung (timing). Wenn Sie das richtig hinbekommen und wenn alle durch ihre Fähigkeiten zur Arbeit beitragen, wird das Ergebnis großartig und sinnvoll sein. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.

Kategorien: Frontpage · Szene

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