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April. Das Nachtmeer In Frankfurt; Eine Einseitige Straße

16 September, 2010 von · Keine Kommentare

Oleg Jurjew

Aus dem Buch: Oleg Jurjew, „VON ORTEN. EIN POEM“ (Gutleut Verlag Frankfurt am Main & Weimar 2010)

night_streetPhoto: Adolph B. Rice Studio

Eine Allee, quasi längs halbiert. Auf der einen Seite Sechs-Familien-Reihenhäuser mit langen Loggien wie in Sanatorien und kleine unschöne Villen, zur anderen ein steiler Abhang.

Den Hang entlang stehen Platanen, deren Äste so stark beschnitten sind, daß sie nur noch Stümpfe zu sein scheinen. Die großen Stümpfe sind etwas angehoben (für unsichtbare Krücken), den kleinen ist das grüne Haar noch nicht gesprossen.

Über den Hang hin drängt sich durchdringend-gelb Forsythia, auch Goldglöckchen geheißen, von manchen auch ungerechtfertigt „japanischer Ginster“ gerufen.

Hangabwärts folgen terrassiert Rabatten und Rondelle, schartige Stufen, halbverrostete Geländer. Die etwas dumpfe, glückselige Luft eines vergessenen Kurorts. Und scharf entsteht das Bild – besonders, wenn die Lichter der Riesenräder von der Dippemess angehen: Da unten, hinter den Bäumen, muß ein Meer sein.

… Tief in der Nacht, wenn die Dippemess ihre Lichter löscht, ist dieses Gefühl noch schärfer: Die obere Hälfte Deutschlands ist abgebrochen und irgendwohin abgetrieben, ein kaltes gläsernes Meer ist gekommen und liegt da unten hinter den Bäumen, lautlos, es schaukelt ein wenig, schimmert hin und wieder, feuchten Kalk hauchend.

Natürlich gibt es kein Meer hier. Was hätte es, das Meer vom Norden, hier zu suchen in dieser fast südlichen Stadt? Andererseits … niemand ist wohl je nach unten nachsehn gegangen …

Kategorien: Art Café · Frontpage

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