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Artist of the Week – Chinawoman

3 Januar, 2011 von · Keine Kommentare

Interview von Yana Radilova mit Chinawoman
Übersetzung aus dem Englischem: Kornelia Weinert

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Foto: Pascal Paquette

Erinnerst du dich an deinen ersten Auftritt auf der Bühne?

Ja es ist jetzt fast fünf Jahre her. Das war in einer kleinen Bar in Toronto und ein paar meiner besten Freunde sind mit mir aufgetreten. Ich war sehr betrunken aber es hat alles gut geklappt.

Was hat dein Interesse an der Musik geweckt?

Ich bin mit einem Musiker ausgegangen, hab mich in einen anderen Musiker verknallt und hab dann festgestellt, dass plötzlich immer mehr meiner Freunde Musiker waren. Ich habe angefangen mit der Gitarre herumzuspielen. Eines Tages bin ich mit meinem besten Freund auf MySpace rumgesurft und er schlug vor, dass ich mir eine eigene Seite machen sollte. Ich sagte: „Wozu? Ich habe überhaupt keine Songs.“ und er sagte: “Mach dir eine Seite und vielleicht schreibst du dann auch welche.“. Eine Woche später hatte ich meinen ersten Song geschrieben, er hieß: “ I Kiss The Hand of My Destroyer.”

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Foto: Jeff Coussin

Warum hast du dir den Namen “Chinawoman” ausgesucht?

Die Leute fragen mich oft, ob ich Asiatin bin. Als ich meinen ersten Song schrieb, öffnete ich zum ersten Mal „Garageband“(ein Programm um eigene Musik aufzunehmen oder ein Instrument zu lernen) auf meinem Mac Laptop und spielte damit rum. Das Programm forderte mich auf, einen Bandnamen zu nennen und aus Spaß schrieb ich “Chinawoman”.

Wie kannst du deine Musik beschreiben?

Sentimental, melodisch, tragikomisch, Chanson, weinen während man lacht, dunkel romantisch, theatralisch, wo das Erfundene das Echte trifft, filmisch.

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Foto: Pascal Paquette

Deinen Stil könnte man als “slowcore.” bezeichnen. Stimmt dein Temperament mit dieser Art von Musik überein?

Ja ich habe etwas von einem sich langsam bewegenden Geschöpf, sanft, zurückhaltend und emotional. Aber insgesamt bin ich lebendiger als meine Musik, weniger seriös und mehr ein Clown – als sich viele Leute das vorstellen können, unbedarft, ein bisschen überzogen und auch gerissen. .

Was ist die Hauptbotschaft die du durch deine Songs vermittelst?

Hm, das Ziel ist zumindest, ein Gefühl für das Leben – zugleich traurig und feierlich. Eine Anerkennung dieses Momentes zusammen – du und ich trinkend an diesem Tisch, unsere Gefühle füreinander, zwiespältig und unvollständig, großartig und verdammt tragisch!

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Foto: Jaime Hogge

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Den “Live-Aspekt” weiter auszubauen, weiter Songs zu schreiben, meine besten Songs zu schreiben, wunderschöne Melodien zu schreiben, mein Bestes zu geben. Dann in einer Holzhütte am Strand zu wohnen und Hühner zu züchten.

Wo warst du auf Tour?

Ich habe Shows in Toronto und entlang der Westküste von Kanada und den Vereinigten Staaten gespielt. Ich bin gerade wieder nach Berlin umgezogen und habe bei einer europäischen Buchungs-Agentur unterschrieben – also wird es jetzt wieder mehr Konzerte geben.

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Foto: Pascal Paquette

Bist du ein “Partygirl”?

Manchmal. Ich meine, ich muss raus in die Welt gehen, mich präsentieren, mehr oder weniger entzifferbare Wörter und Mimiken benutzen, um mit anderen Menschen in Verbindung zu treten. Du nimmst persönlichen Kontakt auf, indem du einen komplexen / komplizierten Code verwendest – Augen, Wörter, Haare und Accessoires – danach könnt ihr hoffentlich zusammen in den Wald laufen, euch wirklich kennenlernen, ohne Besteck essen, etc.

Deinen Song “Russian ballerina” hast du vermutlich über deine Mutter geschrieben… Welche Rolle spielt sie bei deiner beruflichen Entwicklung?

Sie ist mein #1 Fan. Und ich bin ihrer.

Gib ein paar Ratschläge für junge Musiker!

Wenn ich mir erfolgreiche Musiker und Künstler im Allgemeinen anschaue und von ihnen lerne, dann erkenne ich immer mehr, dass es auf eine starke Arbeitsmoral und die Fähigkeit ankommt, dich selbst zu sehen und deine Talente und Grenzen auf bestmögliche Weise zu nutzen. Um „Rock’n’Roll” zu sein, musst du auch ein Buchhalter sein.
Und der vielleicht beste Rat, den ich zum Songschreiben jemals erhalten habe (wieder von meinem besten Freund), den ich aber nicht oft genug nutze: Schreib den schlechtesten Song, den du dir vorstellen kannst.

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Foto: Cindy Blazevic

Biography:

Chinawoman’s Songs “manövrieren zwischen grandiosen Retro-Motiven und einer überraschenden Ernsthaftigkeit” (music.com.ua, Mai 2010)—sie sind tragikomisch, angetrieben von der Melodie, sentimental und existieren suspendiert in einem schattigen Glamour.
Ihr Debüt-Album “Party Girl” (2007), von einer schicksalhaften unbekannten Hand, wurde dem Land ihrer Vorfahren übergeben und ihre Musik schmettert nun regelmäßig aus den offenen Fenstern russischer psychiatrischer Kliniken, ist auf elitären litauischen Teegesellschaften, Moskauer Mode-Laufstegen und als Klingeltöne von Müttern in der ganzen Ukraine zu hören. Als Tochter einer Kirov Ballerina und einem Ingenieur aus Leningrad wuchs sie im russischen Viertel von Toronto unter den Klängen der “Sammlung sowjetischer und europäischer 70er Jahre Musik“ ihrer Eltern auf.
Ihr neues Album “Show Me The Face” macht nun deutlich, was den Kern ihrer Musik die ganze Zeit ausgemacht hat: klassische europäische Balladen. Dekandent, dramatisch und ernsthaft, diesmal ist die Vortragsweise rauer und schmückender, die Palette des Euro-Spektrums breiter und kräftiger und Melodrama und Humor nebeneinander versichern, dass es immer auch Helligkeit in der Dunkelheit gibt.
Man sagt, dass man am meisten über Künstler erzählen kann, wenn sie sich selbst hingeben und auf dieser Platte, durch Lieder wie “Drawn To You, Show Me The Face, and GBMSRF” frönt Chinawoman ihrer tiefen Liebe für große Balladen. Mittlerweile sind klassische Strukturen mehr wie Echos inmitten von experimentellen Angeboten – “Acid Broke The Spell” ist ein psychedelisch thematisierter, lockerer Tango; “Let’s Meet” klingt wie eine Laurie Anderson trifft Corpse Bride Ein-Frau-Bühnenshow; und mit der verhexten „Wrong Side of The Fence“ findet Chinawoman einen Zauber über heulende Winde. Melodien bleiben einfach aber präzise, Vintage-Keyboards und Synthesizer-Strings bieten die abgeschlossene Wiedergabe einer großen Erfahrung, Drum Machines und Organe haben sich von jeher wiederholt und eine Stimme liefert das Leitmotiv – vertraut und doch unmöglich, genau zu bestimmen.
Chinawoman hat einen Vergleich mit Nico, Leonard Cohen und Marc Almond, sowie mit zur Sowjetzeit singenden Stars wie Edita Peha und der frühen Alla Pugacheva gezogen. Ihre Stimme wurde mit schamanischen und Morrison-artigen Intonationen beschrieben, mit einem Timbre, das dem von Tanita Tikaram ähnelt, mit hypnotischen und einer „fast jugendlichen“ Qualität. Inmitten der Welle von Künstlern des osteuropäischen Stils, wie Beirut, Devotchka und Gogol Bordello, hat nur Chinawoman die romantische russische Domäne dieses Wiederauflebens erobert. Ein Genre, das teilweise auf Elementen von Melodie und Stil basiert, aber mehr noch auf einer fatalistisch-feierlichen Einstellung zum Songschreiben.
www.chinawoman.ca
partygirl@chinawoman.ca
www.myspace.com/chinawoman

Kategorien: Frontpage · Modern Times · Szene

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