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Artist Of The Week – Dare Darlington

11 Oktober, 2010 von · Keine Kommentare

Interview von Adriana Dimitrova mit der Fotografin Dare Darlington

Übersetzung ins Deutsche Rossitza Yotkovska

Self Portrait - Bang-a-licious
Self Portrait – Bang-a-licious

Einem Fotografen Fragen zu stellen, ist nicht besonders leicht. Deshalb als Anfang: Wie würdest du selbst deine Werke vorstellen?

Gott, das ist ja schwierig … Ich meine, dass ich etwas dieser Art sagen würde: Mein größter Wunsch ist, dass meine Kunst Emotion ist. Ich will, dass sie empfunden und gespürt wird, ich will, dass sie inspiriert – zum Guten oder zum Bösen.

Was ist deine Grundtätigkeit? Wie wichtig ist die Fotografie in deinem Leben? (Was möchtest du werden, nachdem du “groß“ wirst?)

Die Kunst wird nicht immer sofort belohnt (leider), deshalb haben ich mit meinem Ehemann eine Webseite, woran wir beide arbeiten. Aber ich habe auch genauso viel Freizeit, um mich mit meinen Werken zu beschäftigen. Ich sehe mich gerne als eine Künstlerin auf Vollzeit an, außerdem schreibe ich.

Something
Something

Jetzt arbeite ich an einem neuen Roman. Ich bin glücklich, ein Leben zu führen, das mir die Zeit gibt das zu machen, was ich mag. Am Anfang dachte ich nicht, dass ich Geld dafür bekommen muss, aber jetzt sehe ich das anders an. Ich habe einige Gelder von Freunden/Familie bekommen, die mir mehrere Möglichkeiten gaben. Ich muss nur wählen, in welche Richtung ich mich aufmachen werde.

Die Fotografie ist etwas ständig Veränderliches für mich. Als ich darauf zurückkehrte (2004), nahm ich sie zu ernst wahr, aber jetzt möchte ich alle kleinen Berufstricks und Details lernen. Ich habe sogar daran gedacht, nur zu diesem Zweck wieder in die Schule zurückzukehren.

Dear Kitty New York
Dare Playing Card: Dear Kitty New York

Ziehst du Photoshop vor den alten Möglichkeiten der Kammer vor?

Ich meine, dass der Arbeitsvorgang bei der altmodischen Fotografie sehr romantisch ist. Ich erinnere mich mit Innigkeit an die Tagen in der dunklen Stube, aber es war zugleich auch unbequem. Ich gestehe, dass ich nicht so gut in dieser Sache war. Es gefiel mir doch sehr. Das, was mir an der Digitalära gefällt, ist die Augenblicklichkeit von allem.

Es ist fantastisch zu wissen, dass ich ein Foto machen, die Einrichtung in den USB-Eingang stecken, Photoshop einschalten und daran arbeiten kann. Ich denke, dass die Digitalcameras, die zugänglichen Fotobearbeitungsprogramme wie PSP und Photoshop, die Online-Fotosharingplätze wie Flickr, uns allen ermöglichen, sich auf diese Kunst einzulassen.

Dare Digital_The Scrabble Girls
Dare Digital – The Scrabble Girls

Deine Werke sind konzeptuell und sehen wie handgemalt aus. Welche ist deine Lieblingsmuse bzw. Lieblingsthema?

Es ist seltsam, denn nachdem du schon einmal viele Fotos gemacht hast, beginnst du auch die Welt durch andere Augen zu sehen. Ich nehme meine Kamera überall wo ich gehe mit, sogar beim Spaziergang zum Laden, man weiß ja nie, worauf man stoßen kann. Ich versuche, die Magie im Alltag zu entdecken und ich meine, dass ich eine verdrehte Einbildung über die Möglichkeiten in den üblichen Dingen habe. Gewöhnlicherweise entsteht die Idee in meinem Kopf und ich stürze mich in eine Suche der Partikelchen, die ich brauche, um sie als etwas Gänzliches zu sehen.

Wer oder was hat einen Einfluss auf dich? Spielen die Literatur und die Musik eine wichtige Rolle in dem, was du machst?

Die Musik ist eine Großinspiration für mich. Um mich herum klingt ständig Musik – das ist etwas, die ich haben muss, wenn ich schaffe. Die Träume haben auch eine Bedeutung für meine Kunst. Wenn ich etwas geträumt habe, das mich inspiriert, nehme ich es auf, damit ich es später verwenden kann.

Meine alten Tagebücher (ich führe immer Tagebücher) spielen eine große Rolle in meinem Schreiben und in der visuellen Kunst. Ich nehme an, dass ich dadurch Emotionen finde und dass ich mich an alle Menschen erinnere, die mich inspiriert haben. Der Abstand schafft Wunder für die alten Wunden und Tragödien … die Narben machen keine so großen Schmerzen, deshalb können sie auch nützlich sein.

Dare Digital - When you walked me home
Dare Digital – When you walked me home

Ich sehe, dass du eine Verehrerin von Hugh Grant und Starbucks bist. Und natürlich – auch von deinen Katzen!

Oh, ja. Ich verliebte mich in Hugh Grant Hugh Grant, als ich siebzehn war. Ich hielt ihn für charmant und ich meine, dass er prima ist. Meine Liebe zu Hugh Grant brachte mir sehr schöne Dinge. Ja, ich weiß, dass es verrückt klingt, aber es ist wahr. Ich unternahm mit Evelyn Waugh zwei Reisen nach England wegen ihn. Meine Mädchenträume ihn zufällig zu treffen, verwirklichten sich natürlich nicht.
England ist aber ein wunderschönes Land. Ich habe immer gesagt, dass es unmöglich ist, ein schlechtes Foto in England zu machen.

Dare Memory Box_England
Dare Memory Box – England

Und Starbucks ist immer in meinem Herzen. Ich habe viele (vielleicht zu viel) Stunden in Starbucks verbracht, besonders in meinen Collegejahren. Ich habe dort sogar 4 Jahre gearbeitet!

Meinen Katzen, besonders Gabby the Tabby, wird viel Aufmerksamkeit in Flickr geschenkt. Gabby ist ein absoluter Süßer und ist ein sehr schöner Kater … außerdem ist er sehr ausdrucksvoll. Zelda ist eine schwarze Katze, es ist schwierig sie aufzunehmen, sie mag nicht unbeweglich stehen.

Dare Photo_Zelda Green
Dare Photo – Zelda Green

Du bist aus San Francisco, aber du reist oft nach Europa. Wo kannst du Inspiration finden?

Hier, in dieser Stadt ist es leicht, sich von so vielen Sachen bombardiert zu lassen. Auf dich kommt alles auf einmal zu und es ist irgendwie schön. Du kannst an fast jeder Ecke ein Foto machen, es befindet sich alles in Eile. In Europa (ich habe England und Frankreich gesehen) ist es völlig anders. In Europa gibt es Vibrationen, die ich einfach anbete. Die Landschaften in England waren immer meine Lieblingslandschaften.

Dare Photo - At the Park
Dare Photo – At the Park

In Frankreich habe ich Menschenmengen und Treffpunkte aufgenommen. Ich meine, dass Europa etwas ganz anderes dem Fotografen anbietet, dort ist der Mensch von viel Geschichte umgeben. Ich erinnere mich, wie ich mit den Fingern die alten Gebäude berührte … In Europa ist das Gesamtbild mit größeren Maßstäben.

Dare Digital - Let's Play
Dare Digital – Let’s Play

Was ist deine größte Genugtuung als Schöpfer und was ist deine größte Herausforderung?

Meine größte Genugtuung ist, wenn ich alles von mir in ein Bild hineinlege und eine Reaktion von den Menschen bekomme – egal ob gute oder schlechte – aber unbedingt feurige. Ich mag, wenn mir jemand eine E-Mail sendet, um zu sagen, dass er von dem, was ich getan habe, bewegt wurde.

Ich fühle mich etwa als Außenseiterin, aber wenn die Leute auf meine Kunst reagieren, fühle mich weniger einsam. Ich wünsche mir die Möglichkeit zu haben, Fotos an jedem Ort dieser Welt zu machen. Ich würde gerne vor allem Afrika und Asien sehen und eine erstklassige fotografische Ausrüstung bei mir haben.

Dare Digital_Flip Flop Fairies
Dare Digital – Flip Flop Fairies

Woran träumst du?

Mein Traum ist, viele Dinge zu sehen, viele Orte zu besuchen. Zuletzt sind meine Träume mit Menschen und alten Orten, die mich am meisten inspirieren, verbunden. Ich habe lange zwischen Personen und Situationen geschwebt, und das inspirierte auch meine Arbeit.

Und was betrifft die großen Träume und Ziele, darin bin ich wirklich sehr gewöhnlich. Ich will Liebe und Zustimmung in meinem Leben haben. Ich will in der Nähe von meinen Freunden sein. In meinen frühen Jahren habe ich viel Unstabilität und Dramatik erlebt und deshalb freue mich heute auf gewöhnliche Dinge. Auf meinen Ehemann, auf meine Freunde, meine Katzen, auf die Kunst – auf ein gutes kaltes Bier jedes Mal, wenn ich mir sagen kann: “Ich bin gut!”

Dare Dolly -  Kennedy Yellow
Dare Dolly – Kennedy Yellow

http://www.flickr.com/photos/daredarlington/


Dare Darlington ist Fotografin. Sie lebt in San Francisco mit ihrem Ehemann und mit zwei Katzen. Sie war das einzige Kind und während ihres Aufwachsens führte sie ihre Mutter immer in Theatern, Galerien und Museen. Sie glaubt, dass dies ihr die lebendige Einbildungskraft gegeben hat und ihr ermöglichte, die Welt von unterschiedlichen Gesichtspunkten zu sehen.

1997 hat sie einen Fotografiekurs im College besucht. Später begann sie sich wieder mit Fotografie zu beschäftigen, als sie sich 2004 ihre erste digitale Kamera kaufte. Darlington hat sich mit Paint Shop Pro und später auch mit Photoshop dank ihres Ehemannes Jack eingearbeitet. Sie ist autodidakt im Bereich der Digitalfotografie und entnimmt die meisten Tipps/Tricks von anderen Fotografen und von unterschiedlichen Webseiten. Jetzt arbeitet Darlington an “Small Worlds Series” und sie sagt in Bezug darauf, dass ihr Ziel ist, Magie an unerwarteten Stellen zu entdecken.

Dare Darlington wurde zuletzt in der zehnten Ausgabe von „Schmap Cambridge Guide” veröffentlicht.

Kategorien: Frontpage · Szene · Visual Arts

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