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Artist of the Week – Ginger Nielson

6 Dezember, 2010 von · Keine Kommentare

Interview mit Ginger Nielson von Galya Mladenova
Übersetzung aus Englischem ins Deutsche: Kornelia Weinert

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Ginger Nielson beschreibt das Dasein als Autorin und Illustratorin für Kinderbücher als eine Welt, in der Träume wahr werden können, Menschen unglaubliche Heldentaten vollbringen können und Tiere miteinander in einer von Bildern entworfenen Sprache sprechen können. Auf ihrem Schreibtisch befindet sich ein Zauberstab und in ihrem Keller ein Drache – alles Andere ist annähernd normal.

Ihre Wurzeln in der Kunst basieren auf dem traditionellen Malen mit Öl- und Wasserfarben – aber in den letzte 10 Jahren kreierte sie ihre Illustrationen mit hochwertigen, digitalen Softwareprogrammen. Sie ermöglichen es ihr, „Pinsel, Füller, Marker, Wasserfarben, Ölfarben und mehr” auf andere Art und Weise zu benutzen. Die Kombination von traditionellem mit digitalem Malen macht aus ihr eine “tradigitale” Malerin.

Seit mehr als 7 Jahren illustriert Ginger Nielson nun Kinderbücher. Während dieser Zeit illustrierte sie 14 Bilder- und Textbücher und freut sich schon auf ihre nächsten Aufgaben. Eine davon wird ein Buch sein, für das sie selbst geschrieben hat und das sie illustrieren wird.

Ihr Vater hat ihr ein Motto mit auf den Weg gegeben: “Nutze eine Chance!”

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Hat der Drache in deinem Keller einen Namen? Wie lange lebt er schon dort? Hilft er dir bei deiner Kunst?

Der Drache in unserem Keller heißt SCUMME. Er ist das Überbleibsel eines riesigen Drachens, den ich für ein Kindertheaterstück in unserer Stadt aus Pappmaché gemacht habe. Sein großer Kopf ist so entworfen, dass er sich von einer Seite zur Anderen bewegen kann, während ein Schauspieler seinen Part im Hintergrund singt. Ich bewahre SCUMME sicher auf und besuche ihn von Zeit zu Zeit. Er hilft mir bei meiner Kunst, indem er mich daran erinnert, dass in der Welt der Kunst und Illustration alles möglich ist.

Benutzt du den Zauberstab auf deinem Schreibtisch? Wofür?

Den Stab auf meinem Schreibtisch, hat meine Tochter gemacht und mittlerweile habe ich auch einen Zweiten von meiner Nichte. Ich habe sie gerne in meiner Nähe, um mich daran zu erinnern, dass Illustrationen und Bücher ihre eigene Magie erzeugen können. Ich mag es gerne, so zu tun als ob.

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Warum hast du dich dazu entschlossen das Illustrieren von Büchern zu deinem Hauptberuf zu machen?

Seit meiner Kindheit habe ich immer kleine Geschichten illustriert, die ich mir ausgedacht habe oder kleine Comics gestaltet. Als Lehrerin habe ich mir immer kleine Geschichten über jede meiner Klassen ausgedacht, bevor die Sommerferien anfingen. Ich habe sie dann illustriert und jedem Kind eine Kopie gegeben.

Welche Programme benutzt du für deine Werke? Vermisst du manchmal das traditionelle Malen?

Das traditionelle Malen und Zeichnen kommt bei mir nicht zu kurz – aber mein Hauptfokus liegt auf dem digitalen Malen. Ich benutze “Painter X und 11” und ein bisschen „Photoshop“.

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Was sind die Vor- und Nachteile der “tradigitalen”-Malerei?

“Tradigitale-Malerei“, ein Wort, dass ich zusammengesetzt habe, verbindet das Beste von Beidem – die Methoden der traditionellen und der digitalen Kunst. Normalerweise beginne ich ein Projekt mit dem traditionellen Füller, mit Stift und Papier oder auch mit einigen Wasserfarben. Dann übertrage ich es auf den Computer, um es mit den Malprogrammen dort fertig zu stellen. Die Möglichkeit Dinge zu ändern, ohne noch mal ganz von vorne anfangen zu müssen, ist der Hauptvorteil des digitalen Malens. Es ist ebenfalls eine sehr „saubere“ Kunst. Im Computer sind keine Flecken – ausgenommen man malt oder zeichnet welche. Was ich vermisse, ist das Gefühl des Pinsels auf dem Papier – deshalb unterbreche ich meine Arbeit fast jeden Tag an einem gewissen Punkt und male und zeichne mit Pinseln und Füller etwas auf Papier.

Was war dein Lieblings–Kinderbuch-Charakter?

Heidi habe ich immer geliebt und ich habe gerne Geschichten über Prinzessinnen und Hunde gelesen…ich würde gerne mal ein Buch über eine Prinzessin und einen Hund schreiben.

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Einer deiner Blogs ist ein Journal für Illustratoren. Wo kommt diese Idee her? Seit wann bloggst du schon?

Das ist eine gute Frage. Weil ich nicht allzu viele persönliche Dinge im Internet verbreiten möchte, hab ich mich dazu entschlossen, meine Illustrationen und den Prozess der dahinter steht, mit den Menschen zu teilen. Vielleicht fließen auch einige Künstlergedanken mit ein, aber hauptsächlich ist es ein Ort um Feedback für laufende Projekte zu finden. Der Nachteil ist, dass die Leute viel zu nett sind. Es macht mir nicht wirklich etwas aus, wenn jemand meine Arbeit nicht mag – ich möchte auch das hören, da es immer hilft einen anderen Standpunkt zu haben.

Ich glaube ich habe mit meinem Blog vor ungefähr 6 Jahren angefangen – vielleicht auch vor 5.

Welchen Rat würdest du Künstlern geben, die Buchillustratoren werden wollen?

Ich denke ich würde ihnen den gleichen Rat geben, wie so viele andere auch. Du musst zeichnen. Du musst lesen. Ich denke Bücher von dem Typ zu lesen, den man illustrieren möchte, ist der Schlüsselfaktor. Man kann so viel von anderen aus diesem Fachgebiet lernen, indem man ihre Herangehensweise an ein Geschichte, die Perspektive einer Illustration, die Farb-, Struktur- und Designelemente aller Formen studiert – das sind Grundlagen, um das Handwerk zu erlernen. Ich besuche auch die Blogs und Webseiten von vielen verschiedenen Künstlern und Illustratoren, weil ich dort ebenfalls etwas lernen kann.

Schließe dich Organisationen an, die Illustratoren unterstützen, wie beispielsweise der „Society for Children’s Book Writers and Illustrators“. Erschaffe eine Onlinepräsenz – mit einer Webseite oder einem Blog. Kommuniziere mit anderen aus diesem Fachgebiet. Wenn du einige deiner besten Arbeiten angesammelt hast, dann fang an sie an Hauptverlage zu schicken.

Wenn du die Möglichkeit hast, einer Kritiker-Gruppe deiner Fachkollegen beizutreten, dann ist das eine großartige Chance mehr über deine Kunst, deine Stärken und deine Schwächen herauszufinden.

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Was hat es mit deinem anderen Blog auf sich – die Abenteuer von Winston dem Wunderhund?

Ich versuche immer Zeit für diesen Blog zu finden, aber oft – aufgrund von laufenden Aufträgen – vernachlässige ich seine Geschichte. Ich habe sie seit einigen Jahren als Fortsetzungsgeschichte im Internet. Eine zusätzliche Webseite zu pflegen war zu aufwendig, daher habe ich Winston einen eigenen Blog gegeben. Winston war unser erster Beagle und er war extreme anfällig für Abenteuer.

Die Geschichte ist fertig, aber die Zeit sie zu illustrieren ist leider sehr knapp.
Während ich beim „AOL Grafik-Forum“ mitgearbeitet habe, entwarf ich seine Geschichte – sie war viele Jahre Teil meines Online-Notizbuches, bevor dieser Teil von AOL eingestellt wurde. Also führte ich seine Geschichte im Internet fort und jetzt in einem eigenen Blog.

Du planst dein eigenes Buch zu veröffentlichen. Kannst du uns mehr darüber erzählen?

Mein Buch wird von einem kleinen Presseverlag hier in den Vereinigten Staaten veröffentlicht – “4RV Publishing LLC“ ist in Oklahoma ansässig und druckt viele Bücher jedes Jahr.

Ich habe für diese Firma bereits 4 Bücher illustriert und 2 weitere, die nächstes Jahr herauskommen sollen..

Mein eigenes Bilderbuch „ Gunther der Unterwasser Elefant“ soll Ende 2012 herauskommen.

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Um dem Motto deines Vaters “ Nutze eine Chance!” zu folgen: Welches war die wichtigste Chance, die du in deinem Leben genutzt hast?

Mein Vater hat immer gesagt, dass wenn sich Menschen nach einem Besuch verabschieden, sie immer “ Pass auf dich auf!” sagen würden – es jedoch viel anspruchsvoller wäre, „Nutze eine Chance!“ zu sagen.

Die größte Chance, die ich in den letzten Jahren genutzt habe, war es meinen Hauptberuf zu verlassen und Vollzeitillustratorin zu werden. Das war nicht leicht und hat auch mit viel Arbeit zu tun, aber ich werde jeden Tag daran erinnert, wie sehr ich es liebe eine Illustratorin zu sein.

Kategorien: Frontpage · Visual Arts

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