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Artist of the Week – Kevin Thom

14 März, 2011 von · Keine Kommentare

Interview mit dem Fotografen Kevin Thom von Yana Radilova
Übersetzung: Kornelia Weinert

Kevin Thom: “Solange meine Augen offen sind (manchmal auch in meinen Träumen), schaue ich auf die Welt, als würde ich sie fotografieren.”

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Birth of Kalla *

Kevin Thom ist ein preisgekrönter Fotograf, der sich auf Kommerz-, Werbe- und Portraitfotografie von Künstlern und Geschäftsleuten spezialisiert hat. Sein Studio befindet sich in Hamilton, Ontario, Kanada.

Kevin nutzt einen kunstzentrierten Ansatz bei all seinen Fotografien. Ein Markenzeichen seines Stils, ist ein deutlicher Schwerpunkt auf der visuellen Kommunikation. Diese Tendenz kommt von der laufenden Entwicklung seiner konzeptuellen Serie “Elemental”. Diese Serie destilliert ihren Gegenstand auf sein wesentlichstes Element, sei es eine Form, Textur, Farbe, Haltung oder Gefühlsregung. Kevin betont dieses Element dann mit dramatischer und unorthodoxer Beleuchtung, Winkel, Perspektive und Komposition.

Kevin’s Arbeiten erschienen in zahlreichen Zeitschriften, auf Buchcovern und in anderen Veröffentlichungen auf der ganzen Welt. Er hat seine künstlerische und konzeptionelle Fotografie in Kanada und den USA, sowie im Ausland ausgestellt.

Kevin ist stark von den dramatischen, filmischen Beleuchtungsstilen der Hollywood-Filme beeinflusst. Zu seinen frühen Einflüssen zählen George Hurrell, ein Pionier dieses Beleuchtungsstils und Yousuf Karsh. Kevin bewundert auch die Arbeit von Erwin Olaf, Platon, und Annie Leibovitz.

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Kevin Thom

Kevin, du scheinst unglaublich von der Fotografie fasziniert zu sein! Wie wurdest du von dieser Kunst verzaubert?

Ich fotografiere, seit ich ein Kind war. Irgendetwas daran wirkte schon in sehr frühen Jahren hypnotisierend auf mich. Als ich ungefähr 12 war, hat mein Vater mich an die Kunst herangeführt, indem er mir eine sehr einfache manuelle Kamera und eine Reihe von „Time Life Büchern“, die viele Gesichtspunkte der Kunst behandelten, gegeben hat. Die Vorstellung, einen Moment oder eine Szene einzufangen, hat mich sehr fasziniert. Ich liebte auch die Wissenschaft, die dahinter steckt – die auf dieser einfachen und perfekten Balance zwischen Zeit und Licht basiert. Als ich mehr darüber lernte, fing ich an das Element der Bearbeitung der Realität zu lieben – zu entscheiden, was gesehen wird und was verborgen bleibt, um die Bilder etwas aussagen zu lassen.

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Girls just wanna…

Der Lohn für meine Liebesbeziehung mit der Fotografie überstieg meine kühnsten Träume. Ich fand mich fröstelnd in verschneiten Wäldern, kletternd in Berggipfeln in Südchina, im Wind der Steppen der Inneren Mongolei lehnend, schlendernd durch die glänzendsten Städte Europas, Asiens und Nordamerikas, hängend über den Balkonen halbfertiger Wolkenkratzer, schwitzend im tropischen Dschungel und in Dutzend anderen reichen Erfahrungen – alles auf der Suche nach dem perfekten Foto.

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Bangkok rush

Was ist deine wichtigste Quelle der Inspiration?

Ich bin immer von dem inspiriert, was ich am schönsten oder am interessantesten an einem Thema finde. Ich habe einmal beschlossen, dass die Möglichkeiten für die Hervorhebung und Betonung endlos sind. Ich bin auch von der Gegenwart inspiriert. Wenn du dir Zeit nimmst, das zu betrachten, was gerade jetzt passiert, wirst du immer etwas finden, das du fotografieren kannst.

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Whack a mole

Wie siehst du die Fotografie – als eine Art Job oder als Hobby?

Ich bin ein professioneller Vollzeit-Fotograf, also betrachte ich sie als Job. Dennoch habe ich eine Leidenschaft für sie und ich liebe sie wie ein Hobby.

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Hot lawyer

Erinnerst du dich an deine ersten Schritte auf dem Weg der Fotografie?

Ja. Ich war schrecklich darin! Ich hatte diese kleine manuelle Sucherkamera, bei der ich den Fokussierabstand und die Belichtung manuell einstellen musste. Ich konnte die erwünschten Ergebnisse in meinem Kopf sehen, aber nachdem ich eine Menge Geld in meiner Kindheit für die Entwicklung der Bilder ausgegeben habe, war ich ziemlich oft enttäuscht von den Ergebnissen. Ich schätzte den Abstand oft falsch und die Fotos wurden unscharf. Ich verstand auch das Licht nicht wirklich und so wurden die Fotos nur schlecht belichtet oder uninteressant. Aber ich versuchte es immer weiter, weil ich es liebte. Es brauchte viele Jahre der Übung und des Scheiterns, bevor ich anfing vorhersehbare Ergebnisse zu erhalten.

Welches Gefühl ist am schwierigsten mit einer Kamera einzufangen?

Das schwierigste Gefühl ist das, was nicht da ist. Wenn du versuchst etwas einzufangen, das nicht da ist, wirst du immer zu einem Ergebnis gelangen, das falsch erscheint. Ein Gefühl das da ist einzufangen, ist leicht – solange man sich die Zeit nimmt selbst in den Moment einzutauchen, zuzuhören, zu beobachten und es selbst zu fühlen. Klar, wenn du ein Gefühl erzeugen musst, kann Alles durch das Verständnis der Wirkung von Licht, Schatten, Komposition, Entfernung, Perspektive, Farbe, Körpersprache und Ausdruck erfolgen.

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Red tree in the forest *

Beeinflusst die Fotografie deine Lebensauffassung?

Absolut. Solange meine Augen offen sind (manchmal auch in meinen Träumen), schaue ich auf die Welt, als würde ich sie fotografieren. Ich weiß nicht, ob die Fotografie das in mir erschaffen hat, oder ob ich einfach so bin – aber es macht mich glücklich, dass ich die Fotografie als Ventil entdeckt habe.

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Paris stability

Du hast auch schwangere Frauen fotografiert. Was macht eine schwangere Frau in deinen Augen so wunderschön?

Schwangerschaft ist so verbreitet und doch so wunderbar. Ich liebe, dass das so ist – auch nach Millionen von Jahren unseres Bestehens als Spezies. Jede Frau erlebt ihre Schwangerschaft auf eine zutiefst persönliche und einzigartige Weise. Die Schwangerschaft ist zudem eine sehr starke emotionale Erfahrung für eine Frau. Ich denke, dass die meisten Frauen während der Schwangerschaft eine breite Palette von Gefühlen durchleben – von extremer Freude bis zu Wut und Frustration. Wenn du all diese Faktoren zusammen tust, hast du ein Rezept für ein großartiges fotografisches Motiv.

Nimmst du an nationalen und internationalen Fotowettbewerben teil?

Ja, ich habe an Wettbewerben teilgenommen – als Wettbewerber und auch als Jurymitglied. Egal ob du gewinnst oder nicht, Wettbewerbe sind großartige Ausgangspunkte für Inspiration und eine gute Möglichkeit, um deine Kreativität anzukurbeln.

Was ist anstrengender zu fotografieren – eine Landschaft oder ein Portrait?

Ich denke an keins von beidem als etwas anstrengendes. Wenn ich etwas als anstrengend zu fotografieren empfinde, dann würde ich mir nicht die Mühe machen es zu fotografieren! Warum die Zeit damit verbringen, etwas zu tun, das man nicht liebt? Glücklicherweise liebe ich beides. Wie du dir vorstellen kannst, sind Landschaftsaufnahmen und Portraits ganz verschiedene Dinge. Bei einem Portrait kann ich viele Dinge – einschließlich Beleuchtung, Hintergrund, Garderobe, Farbtiefe, etc. – im Voraus planen, um meine eigene Vorstellung mit dem Endergebnis abzugleichen. Die Portraitfotografie ist ziemlich kollaborativ. Ich arbeite mit meinem Motiv, um zu einem visuellen Ergebnis zu kommen. Aus der Perspektive der Kontrolle ist die Portraitfotografie ziemlich reizvoll –du kannst die idealen Bedingungen für die Aufnahme im Studio arrangieren – als Rahmen, in dem die Arbeit mit dem Motiv dann spontan erscheint. Somit ist dir ein guten Ergebnis fast schon garantiert.

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Parasol

Bei der Landschaftsfotografie hingegen, musst du die Kontrolle der Natur überlassen. Wenn du fotografierst, kannst du das Wesentliche wie Tages- und Jahreszeit planen, du kannst die richtige Ausrüstung und all deine technischen Kenntnisse mitbringen – aber am Ende musst du das Beste aus dem machen, was vor der Kamera ist. Oft, obwohl die Aufnahmebedingungen sich anders gestalten als du dir anfangs als ideal vorgestellt hast, präsentiert dir die Natur Überraschungen und Möglichkeiten, mit denen du nicht gerechnet hast. Du musst flexibel genug sein, um diese Überraschungen als Geschenk anzusehen. Ich finde, dass die größten Freuden darin zu finden sind, sich dem hinzugeben, was der Moment dir anbietet.

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Paradise Lamai

Hast du Fotografien von exotischen Orten oder außergewöhnlichen Menschen gemacht?

Das könnte kitschig klingen, aber ich denke es ist absolute wahr: Jeder Ort und jeder Mensch kann außergewöhnlich oder exotisch sein. Es hängt alles von der Perspektive ab. Wenn es um Orte geht weiß ich, dass mir und meinen eingefrorenen kanadischen Landsleuten eine winzige, einsame tropische Insel exotisch erscheinen mag. Aber für die Menschen, die dort leben, ist sie einfach nur gewöhnlich. Deshalb versuche ich mein Bestes, um Orte so zu fotografieren, dass selbst die Einheimischen sie in gewisser Weise überraschend und spannend finden. Ich möchte die Kamera und das Licht so verwenden, dass das Erlebnis des Betrachtens vergrößert wird. Ich habe mehr Freude daran außergewöhnliche Bilder in banalen Gegenständen zu finden, als das zu fotografieren, von dem jeder schon denkt es sei exotisch.

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Paris dichotomy

Was die Menschen betrifft, so hat jeder etwas Besonderes an sich, das eine Fotografie offenbaren kann. Die beste Art zu finden, jemandem zu zeigen, was er über sich selbst nicht wusste und dies auf eine Weise zu tun, die ihm ein guten Gefühl gibt, macht wirklich sehr viel Spaß.

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Mountain man redux

Es kann auch sehr viel Spaß machen, mit Künstlern und Darstellern zu arbeiten – um Ideen zu entwickeln, die das aufwerten, was sie über sich selbst auszusagen versuchen, so dass du auf das endgültige Foto schaust und weißt was sie ausmacht.

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Kung fu

Was sind deine beruflichen Pläne?

Ich werde weiter das fotografieren, was ich liebe und auch neue Dinge finden, die ich lieben werde zu fotografieren. Ich werde immer auf der Suche und neuen Möglichkeiten gegenüber offen sein. Ich werde weiter lernen und an meinem Handwerk und meinen Techniken arbeiten, so dass ich ständig besser und besser werde in dem was ich tue.

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Black fairy in swamp *

Wie siehst du die Zukunft der Fotografie?

Es gibt immer neue Technologien und Ausrüstungen. 3D, super hohe Bildauflösung, automatisches dies, cyber-nano das, was auch immer. Ich liebe all die neuen Spielsachen, die die Kamerahersteller uns jedes Jahr präsentieren, aber es ist sehr schwer viel mehr als ein paar Jahre in diesen Tagen vorherzusagen. Trotzdem wird eine Sache sich nie ändern: die Fähigkeit zu sehen – unter die Oberfläche von etwas zu gelangen und Bilder zu erschaffen, die das Herz ansprechen – dafür wird es immer eine Nachfrage geben. Ich denke, die Zukunft der Fotografie wird so aussehen wie ihre Vergangenheit. Diejenigen, die wissen wie man sieht und auch wissen wie man flexibel genug ist, um mit den Veränderungen mitzuhalten, werden es sein, die die Kunst nach Vorne bringen.

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Bangkok car candy

Gib allen unerfahrenen Fotografen ein paar Ratschläge!

Ich weiß, dass es vielleicht offensichtlich ist, aber lerne deine Kamera zu benutzen! Ich meine lerne es wirklich. Jetzt, da alles digital ist, gibt es keine Ausrede mehr, nicht viele Fotos mit unterschiedlichen Einstellungen zu machen um zu sehen, wie sie dein Endergebnis beeinflussen. All diese harte Arbeit wird sich später auszahlen, weil du darüber nicht mehr nachdenken musst, das verspreche ich dir. Sobald die technischen Fähigkeiten in Fleisch und Blut übergegangen sind, wird es dir möglich sein, die Bilder in deinem Kopf in Fotografien zu übersetzen. Es ist wie Fahrrad fahren. Die ersten paar Male kannst du herunterfallen, aber schon bald wird es für dich vollkommen selbstverständlich sein.

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Paris sun shower

Mach dir keine Sorgen über den Kauf der neuesten und größten Ausrüstung. Das macht dich nicht zu einem besseren Fotografen. Stattdessen lerne das was du hast, an seine Grenzen zu bringen. Einige meiner Lieblings-Fotografien wurden mit einer sehr bescheidenen 3MP Digitalkamera gemacht – mein erster Ausflug in die digitale Welt. Erst wenn du die Grenzen von dem was du hast wirklich kennst und ständig dagegen stößt, dann wird es Zeit deine Ausrüstung zu aktualisieren.

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Mamela pink

Versuche immer Wege zu finden, mit deinen Fotografien etwas auszusagen. Ein großartiges Foto ist nicht nur ein Bild von etwas. Es ist eine Aussage über etwas. Du kannst viel über etwas aussagen, indem du deinen Aufbau änderst, eine Pose anpasst, deinen Winkel, in dem das Licht auf das Motiv trifft berichtigst und noch vieles mehr.

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Eve

Tritt Online-Communities bei, die dir seriöse und ehrliche Kritik bieten. Auch wenn du nicht immer ihrer Meinung bist, ist es doch sehr nützlich zu wissen, wie andere deine Arbeit sehen.

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Matt dusk

Beschäftige dich nicht damit, Dinge zu fotografieren, die du langweilig findest – auch wenn dir jemand Geld dafür geben will. Schmeichelei durch Geld ist den kreativen Tod nicht wert. Fotografiere Dinge, für die du eine Leidenschaft hast und finde neue Wege dies zu tun. Arbeite härter, komme voran, mach mehr als du denkst, dass du im Stande bist – im Dienste deiner Kunst. Wenn du immer versuchst dies zu tun, wirst du großartig darin werden. Vor allem aber habe Spaß!

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Merke

* Die drei Bilder Birth of Kalla, Black Fairy in Swamp, und Red Tree in the Forest sind eine Zusammenarbeit mit Kevin Thom`s Freundin Laura Hollick, die Model stand und die Kostüme und das Konzept entworfen hat.

Kategorien: Frontpage · Modern Times · Visual Arts

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