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Artist of the Week – Michael Cho

9 Januar, 2012 von · Keine Kommentare

Ein Interview mit dem Cartoonisten und Illustrator Michael Cho von Jasmina Tacheva

Übersetzung aus dem Englischen: Kornelia Weinert

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In seinem persönlichen blog, beschreibt sich Michael Cho selbst als “Freiberuflichen Illustrator, Cartoonisten und gelegentlichen Schriftsteller, mit Sitz in Toronto, Kanada.” Hinter dieser schlichten Beschreibung steht der Künstler, der sowohl für die Illustration, als auch für das Design der 25-jährigen Penguin-Jubiläums -Ausgabe von “White Noise” von Don DeLillo und Random House’s “The Amazing Absorbing Boy” von Rabindranath Maharaj verantwortlich ist. Er hat Illustrationen für die New York Times Book Review gemacht und ist der Schöpfer des Webcomic Papercut.

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A Family Portrait von Michael Cho

Deine Arbeit ist vielfältig und voller Kreativität. Was inspiriert dich?

Das ist eine sehr offene Frage. Ich denke einfach nur das Leben und Lebenserfahrung ist genug, um mich zu inspirieren. Ich genieße den Versuch Momente, die ich erlebt habe, auf das Papier zu übertragen.
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Madman and the Atomics von Michael Cho

Kannst du uns einen typischen ‘von Anfang bis Ende’-Ablauf bei der Arbeit an einer Illustration beschreiben?

Klar. Wenn die Arbeit für einen Kunden ist, dann bekomme ich normalerweise vorher einen Artikel oder ein Exposé zum Durchlesen – das mache ich dann während ich mental die ersten Ideen ausarbeite. Dann verbringe ich einige Zeit mit skizzieren und dem Ausprobieren verschiedener Konzepte für die Darstellung.

Daraus mache ich eine knappe, grobe Farbskizze, die ich dann dem künstlerischen Leiter schicke. Manchmal fertige ich diese Skizze digital an und zu anderen Zeiten mit Markern und Tusche. Sobald die Skizze genehmigt wurde, zeichne ich eine enge Zeichnung, die ich dann als Grundlage für das endgültige Bild benutze. Oft wird mit Gouache gemalt, aber ich arbeite auch mit Markern oder digital – wie es die Darstellung verlangt.

Wenn es sich um eine persönliche Arbeit für mich handelt, dann höre ich in der Regel sehr viel Musik während ich an einigen groben Zeichnungen arbeite, die ich dann mit Gouache und Tusche anmale – während ich weiter viel Musik höre.

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The Adventures of Superboy von Michael Cho

Welche Bezeichnung ist dir lieber: Illustrator oder Künstler?

Das ist mir egal.

Du hast kürzlich angekündigt, dass du keine Anfragen für Auftragsskizzen mehr annimmst und dass du dich jetzt vor allem auf freiberufliche Aufträge und deine eigenen persönlichen Projekte konzentrierst. Kann man aus dieser Aussage schließen, dass du es nun vorziehst, deinen eigenen Ideen und nicht den Ideen der Kunden zu folgen?

So ungefähr. Zunächst sollte ich klarstellen, dass ich mit “Auftragsskizzen” die Art von Grafiken meine, die Comic-Fans vom Künstler wollen – in meinem Fall sind das Bilder von großen Superhelden-Themen. Ich werde immer noch normale redaktionelle / werbebezogene / „was auch immer“ Arbeiten als Illustrator anfertigen. Es macht mir immer noch Freude, Superhelden-Bilder zu malen, aber mir macht es einfach keinen Spaß, eine Liste von Aufträgen ständig in meinem Hinterkopf mit mir herum zu tragen.

Comic-Sammler sind ein sehr netter und geduldiger “Haufen” und belästigen mich nicht mit Erinnerungen und Ermahnungen – aber ich habe einfach keine Lust auf noch mehr Arbeit, die über meinem Kopf hängt. Also ja, ich würde lieber nur Superhelden-Bilder malen, wenn ich mich danach fühle – unbelastet von einer Auftragsliste.

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A Night at the Opera Pt. 2 von Michael Cho

Was sind die anspruchsvollsten Aspekte deiner Arbeit?

Wahrscheinlich ein gutes Konzept innerhalb einer kurzen Frist zu entwickeln. Die ersten Schritte der Konzepterstellung machen am meisten Spaß, aber sie könne auch furchtbar nervenaufreibend sein, wenn es 3 Uhr morgens ist und dir immer noch keine gute Idee gekommen ist.

Und auch, weil ich – seit ich Vater geworden bin – versuche, die Erziehung eines Kleinkindes mit den Anforderungen der Arbeit unter einen Hut zu bringen.

Wie hat der Computer die Art und Weise verändert, in der du ein Werk zeichnest oder beendest?

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Crossroads – pencil von Michael Cho

Hmmm, das ist eine interessante Frage, weil ich während meines ganzen beruflichen Lebens Computer benutzt habe. Ich bin nicht alt genug, um mich an eine Zeit zu erinnern, in der Illustratoren nicht wenigstens ein paar Computerkenntnisse brauchten. Ich begann zu der Zeit, als die Illustratoren begannen Dateien per E-Mail zu versenden, anstatt Originalkunst mit Fed-Ex zu verschicken. Also hab ich immer schon, unter Verwendung eines Computers, zumindest gescannt und die Farbe korrigiert.

Natürlich benutze ich Software heute wesentlich mehr. Es ist einfach ein weiteres Werkzeug in meinem Werkzeugkasten. Ich habe ein Cintiq (Grafiktablett), das es mir erlaubt „auf dem Bildschirm“ zu malen – und das könnte die größte Auswirkung der letzten Zeit sein. Es erlaubt mir einige Dinge komplett digital zu tun und erlaubt mir außerdem, eine Menge Risiken einzugehen – wohlwissend, dass ich immer alles rückgängig machen kann.

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Crossroads von Michael Cho

Was denkst du, welchen Beitrag leistet deine Arbeit für die Gesellschaft?

Im besten Fall sind die Künstler die Visionäre unserer Kultur – die Träumer, die sich neue Möglichkeiten vorstellen. Ich mag die Hoffnung, dass meine Arbeit zu einer ehrlichen visuellen Dokumentation der Zeit, in der ich lebe, beiträgt..

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Jon Snow from “Game of Thrones” von Michael Cho

Welchen Rat würdest du jemandem geben, der die Welt der Illustration gerade erst betritt?

Zu den Menschen, die gerade anfangen, würde ich sagen: zeichne jeden Tag. Halte deinen Geist offen und habe keine Angst davor dich zu irren. Bewerte die Kunst und die Zugänge zur Kunst, die du bereits verloren gegeben hast, ständig neu. Sei professionell und höflich. Beachte die Fristen und versuche nicht zu viel Zeit auf Facebook und Twitter zu verschwenden.

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Back Alley – Fall von Michael Cho

Hast du das Gefühl, dass du als Illustrator die Dinge um dich herum anders siehst, als andere?

Ich denke das gilt für die meisten kreativen Menschen. Ich bin mir sicher, dass Musiker und Schriftsteller die Dinge ähnlich erleben wie Illustratoren. Ich achte mehr auf visuelle Dinge, seit ich ein visueller Mensch bin. Ich suche immer nach interessanten Details in den Dingen, die ich betrachte. Ich versuche den Aufbau der Dinge zu verstehen und die Art und Weise zu prüfen, in der Licht und Farbe auf einer Oberfläche spielen und welche Emotionen das hervorruft. Aber ich hoffe immer, meine „Vision“ und meine Fähigkeit richtig zu sehen und Dinge um mich herum wahrzunehmen ,verbessern zu können.

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White Noise Cover Colour Rough 1 von Michael Cho

The Amazing Absorbing Boy - Book Cover Art
The Amazing Absorbing Boy – Book Cover Art von Michael Cho

Über Michael’s neueste Projekte, könnt ihr euch auf seiner website informieren.

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Christmas Card 2009 von Michael Cho

Kategorien: Frontpage · Graffiti · Modern Times

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