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Artist of the Week — Carl Warner

20 September, 2011 von · Keine Kommentare

Ein Interview von Yana Radilova mit dem Fotografen Carl Warner
Übersetzung: Petya Hristova

carl warner
Carl Warner: “My photos are a pleasant deception”

Carl Warner: „Meine Fotos sind eine schöne Täuschung.“

Was weckte dein Interesse an der Fotografie?

Mein Interesse an Fotografie begann beim Betrachten von Plattenhüllen in den 70 Jahren, die meisten von denen von Hipgnosis geschaffen worden waren. Bands wie z.B. Led Zeppelin und Pink Floyd verwendeten Fotografien, um ihre Ideen darzustellen und eine surreale Fantasie zu schaffen, die ich vorher nur in den Werken von Malern und Zeichnern beobachtet hatte. Die Zusammensetzung und das Retouchieren von Fotos wurde für Ausdehnung der Horizonte der konventionellen Fotografie angewandt, um eine kreativere und fantasievollere Form des Bildschaffens zu erforschen, und als jemand, der Illustrator werden wollte, fand ich, dass die Fotografie ein viel spannenderes und unmittelbareres Medium ist.

Warum ziehst du die Fotografie der Zeichnerei vor?

Ich mag das Zeichnen noch, aber obwohl ich ziemlich gut skizzieren kann, sind meine Fotografie-Fertigkeiten viel besser. Das Zeichnen meiner Ideen ist der erste Schritt zum Abladen der Snapshots von meiner Vorstellungswelt; das erlaubt mir die Struktur und die Form der Kompositionen, die ich undeutlich wie durch ein dunkles Glas vor meinem geistigen Auge sehe, klarer festzunageln. Sobald ich diese Vision auf Papier habe, ist es viel leichter für mich die Inhaltsstoffe zu finden, mit denen das Bild zum Leben erwacht, und ich kann das meinem Team von Modellbauern und Foodstylisten mitteilen, die einsehen können, worauf ich abziele, und die mir helfen können, das zu erstellen.

Gondola
Gondola sketch

Wenn das Fotografieren beginnt, bin ich sehr aufgeregt. Die Komposition und die Beleuchtung sind Faktoren, wovon ich viel Freude ableite.

Ich sehe das als Erweiterung meiner Zeichnungsfertigkeiten, als ob es ein und dasselbe ist, in mancher Hinsicht. Aber zum Beantworten eurer Frage: da das endgültige Bild eher Foto, als Skizze ist, vermute ich, dass ich eigentlich die Fotografie bevorzuge.

Ich bewundere wirklich deine „Foodscapes“! Was hat dir die Anregung gegeben, aus Lebensmitteln Kunst zu schaffen?

Das Essen ist etwas, was ich unglaublich faszinierend finde, nicht nur wegen der spezifischen ästhetischen Schönheit und der Tatsache, dass es eine Vielfalt von Farben und Konsistenzen, eine Fülle von Geschmack und Duft ausmacht. Die Nahrung spielt eine wichtige Rolle bei der Lebenserhaltung, bei der Prägung der Kulturen, eine Rolle als Bindung zwischen dem sozialen und dem kommunalen Aspekt im menschlichen Leben.

salami river
Salami river

Ich finde, dass die Schaffung von Kunst aus Lebensmitteln nicht nur ihre Zelebration ist, sondern auch eine Möglichkeit zur Erforschung der Verbindungen zwischen den Bio-Gütern und der Auswirkung winziger Naturelemente auf ihre größere Gegenstücke. Ich freue mich an der witzigen und seltsamen Idee, neue Welten aus unseren Lebensmitteln so zu schaffen, dass die Leute dank meiner Bilder diese Verwunderung schätzen können und inspiriert werden, die Welt anders zu betrachten.

cabbage sea
Cabbage sea

Mein erstes Foodscape-Bild war „The Mushroom Savanna“(“Die Pilze-Savanne”) und ich wurde beim Einkaufen von großen Pilzen auf dem Lokalmarkt inspiriert, die Bäume aus der afrikanischen Landschaft in meiner Erinnerung gebracht hatten. Ich brachte sie zu meinem Studio zusammen mit Reis und Bohnen und schuff das erste Bild. Es ging bloß weiter und heute zählen zu meiner Sammlung mehr als 50 Bilder.

mushroom savana
Mushroom savana

Wie wirkt sich deine Kunst auf die Einstellung der Leute zum Essen aus?

Ich hoffe, dass sie zu der Wertschätzung der ästhetischen Qualitäten der Lebensmittel, die wir essen, beitragen, während Tendenzen in der Küche und in der Gastronomie ein größeres Interesse an der Präsentation von Rezepten und Gerichten widerspiegeln, die danach strebt, uns in eine lustvollere Freude an dem Essen anders als nur an dem Geschmack zu engagieren.

Meine größtes Besorgnis und meine größte Hoffnung ist, dass mein Schaffen zur Änderung der Sichtweise zum Essen bei Kindern beitragen könnte, damit sie zu den Erkenntnissen einer umfangreichen Esskultur erzogen werden, versuchen neue Sachen auszuprobieren und einen Wunsch nach gesunderem Essen inspiriert werden. Ein besseres Verständnis für Diät und Ernährung kann unsere Essgewohnheiten ändern, wiederum kann das zur Verbesserung der Weise führen, in der unsere Gesellschaften mit den Aspekten Gesundheit, Ausbildung und soziale Harmonie umgehen.

banana balloon
Banana baloon

broccoli forest
Broccoli forest

Es ist eine Tatsache, dass das, was wir essen, sich darauf auswirkt, was wir fühlen, und das wiederum unsere Handlungen beeinflusst. So vermag die Beeinflussung der Essgewohnheiten mittels meiner Kunst eine kleine Rolle in den Wandlungsprozessen unserer Lebensweise zu spielen, die Anwendung von etwas so einfachem wie Lebensmittel, um etwas so Schönes und Wundersames wie eine Landschaft darzustellen ist ein Beweis für seine lebensverändernde Eingenschaften.

coralscape
Coralscape

Es ist interessant, dass die meisten deiner Fotos eher Obst und Gemüse, Pilze, Fisch, als Fastfood und Nachtisch enthalten. Hebst du das gesunde Essen absichtlich hervor?

Ich neige dazu, viele ungekochte Zutaten anzuwenden, da ihre organische Formen Naturszenen und –landschaften leichter kopieren können, das bringt mit sich eine viel leichtere und gesündere Botschaft. Allerdings habe ich neulich eine Bilderreihe für ein Kinderbuch aufgenommen, in der ich Speiseeis, Pralinen und Süßigkeiten verwendet habe, um Märchenszenen und –landschaften zu schaffen. Das billigt keinesfalls ungesundes Essen, aber es ist nichts Falsches daran, Süßigkeiten oder Fastfood zu genießen, in meiner persönlichen Essphilosophie handelt sich meht um Gleichgewicht und nicht um Nachsicht. Ich mag gute Frischkost, die mit Zutaten von guter Qualität zubereitet ist, häufiger bedeutet das, dass meine Diät äußerst gesund ist.

celery forest
Celery forest

Wie schaffst du das, mittels deiner Kunst unbeseelte Objekte zum Leben zu erwecken ?

Ich erwecke die Dinge zum Leben auf unterschiedliche Art und Weise, wie z.B Ausnutzung ihrer visuellen Ähnlichkeit mit etwas, das in der großen Welt lebendiger oder beseelter ist. Ich schaffe Emotionen und Atmosphären mit der Anwendung von Beleuchtung und Kompositionen, die eine Raumwahrnehmung gestalten, mit der der Zuschauer sich engagieren kann. Ich suche nach interessanten, ungewöhnlichen Winkeln und Betrachtungsweisen, um entweder einen dramatischen oder witzigen Aspekt zum Bild hinzufügen, oder eine emotionale Verbindung zu finden, die meine Bilder umsetzen und den Zuschauern vermitteln können.

vege head
Vege head

Was können wir in deinem Buch „Food Landscapes“ finden?

Die Food Landscapes von Carl Warner zeigen mehr als 25 „Foodscapes“ von der ersten (Mushroom Savanna) bis zu einigen der letzen Bilder. Ich spreche darüber, wie jedes Bild von der Inspiration in der Bau- und in der Fotophase geschaffen wurde. Es gibt Anfangsskizzen, Zutatenliste für jedes Bild, sowie Bilder hinter den Kulissen von mir und meinem Team bei der Arbeit.

book`s cover
“Food Landscapes” cover

Mit welchen Werbefirmen hast du gearbeitet?

Ich habe mit den besten Werbeagenturen in unterschiedlichen Ländern gearbeitet und habe auch Erfahrungen in dem Reich der Filme durch Regissieurung von Fernsehwerbungen und Schaffung kurzer Filme gemacht, was eine interessante dafür aber anspruchsvolle Entfaltung meiner Arbeit ist.

Was gefällt dir am meisten in deiner Arbeit?

Ich mag alle Aspekte meiner Arbeit, von dem ersten Gedanken an eine Idee, über den Produktionsvorgang, das Einkaufen der Lebensmittel, die Einrichtung der Garnituren und der Beleuchtung, das Fotografieren, das Retouchieren und schließlich das Aufhängen des gedruckten Bildes an die Wand in der Galerie. Alle dieser Freuden sind aber eigennützig, das größte Vergnügen bereiten mir die Lächeln der Leute, die sich zuerst getäuscht haben, dass sie eine echte Landschaft beobachten, und dann erkennen, dass es um Lebensmittel geht. Ich bin der Meinung, dass mir die Betrachtung der Reaktion auf meine Arbeit nie langweilig wird.

carl at work
Carl at work

Beschreibe deine Fotos in drei Worten!

Eine schöne Täuschung!

Chocolate express

Lebenslauf:
1963 in Liverpool, England geboren, im Alter von 7 Jahren zog er nach Kent um, wo er als Einzelkind lange Stunden in seinem Zimmer zeichnete und fantastische Welten schuff, inspiriert von Künstlern wie Salvador Dali, Patrick Woodroofe und Plattenhüllenzeichner wie Roger Dean und Hipgnosis. Carl begann seine Karriere in der Kunsthochschule mit der Aussicht, wegen seiner Zeichnungsgabe, Illustrator zu werden, entdeckte aber schnell, dass seine Ideen und seine Kreativität zu der Fotografie als spannenderes Medium besser passen. Nach einem Jahr Grundstudium an Maidston Art College wechselte er 1982 zur London College of Printing, um ein dreijähriges Fotografie, Film- und Fernsehstudium zu absolvieren.1985 begann er für ein Jahr zahlreichen Werbungsfotografen weltweit auszuhelfen, danach wurde er selbst zum Werbungsfotografen.

Obwohl er ein begeisterter Landschaftsfotograf war, etablierte sich anfänglich als erfolgreicher Lifestyle-Fotograf, danach begann er sich in verschiedenen Fototgrafiebranchen in der Werbungswelt zu verzweigen, nahm Leute und Landschaften für eibe Vielzahl von Produkten und Marken. In den letzten zehn Jahren entwickelte er sein Schaffenswerk, die Food-Landschaften, und wurde von mehreren Werbungsagenturen weltweit beauftragt, Foodscapes für Kunden in der Ernährungsindustrie zu schaffen.

Nachdem sie im Januar 2008 in the Sunday Times gezeigt wurden, öffneten sich die Schleusentore für die Medienaufmerksamkeit von Zeitschriften und Zeitungen bis zu Fernsehberichten, Dokumentarfilmen und Interviews, einschließlich einer Erscheinung in the Richard and Judy Show. Die Veröffentlichung der Bilder in vielen Fernseh- und Zeitungsinternetseiten führte zu der Schaffung vieler Virus-E-Mails in PDF-Format, die noch rund um den Globus geschickt werden.

Diese Virusmails führten zur Anerkennung von seinem Werk weltweit, woraus sich ein Buchgeschäft mit einem bedeutenden U.S.-Herausgeber, die Lizenzierung seiner Bilder für viele Vermarktungsangelegenheiten, sowie für Werbeagenturen und einige der berühmten Namen in der Ernährungsindustrie. Manche dieser Kampagnen lenkten Carl dazu, seine Arbeit in der Filmbranche auszudehnen, in der er bei Fernseh- und Internetwerbungen Regie zu führen begann.

Die „Foodscapes“ werden im Carls Londoner Studio gestaltet, wo sie auf einem großen dreieckigen Tischplatte errichtet werden. Die Szenen werden in Schichten von dem Vordergrund nach dem Hintergrund fotografiert, da der Prozess aufwändig ist und die Lebensmittel unter der Beleuchtung schnell verwelkt. Die Elemente sind nach Abschluss der Aufnahmen zusammengebracht, um das Schlussbild zu schaffen.

Kategorien: Art Café · Frontpage · Visual Arts

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