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Artist of the Week — Eleanor Leonne Bennett

22 August, 2011 von · Keine Kommentare

Ein Interview von Yana Radilova mit der 15-jährigen Fotografin Eleanor Leonne Bennet

Übersetzung: Petya Hristova

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Eleanor Benett

Eleanor Leonne Bennet ist eine britische Teenagerin, deren Bilder weltweit in Galerien ausgestellt und in Zeitschriften veröffentlicht wurden.
Sie hat den UK National Geographic Kids Photography Contest 2010, The World Photography Organization’s Photomonth youth award 2010 und den Preis im Februar 2011 für die beste Naturfotografie gewonnen; dazu auch drei nationale Kunstwettbewerbe mit den Woodland Trust Nature Detectives, den ersten im Alter von 11 Jahren.
Im Jahre 2009 war sie die einzige Teilnehmerin aus dem Vereinigten Königreich an dem von Airbus und National Geographic veranstalteten Wettbewerb “See the bigger picture”, für den sie sehr empfohlen wurde.
Zu den Zeitschriften, die ihre Werke veröffentlichen, gehören: Dot Dot Dash (Australien), Alabama Coast and Alabama Seaport (USA), The Guardian (UK)Revolution Art (USA) , The Big Issue In The North (UK) , RSPB Birds and RSPB Birdlife magazines (UK) und die berühmteste Kinderzeitschrift weltweit NG Kids!.
Eines von ihren Bildern wurde außerdem für die Kinderhilfe Great Ormond Street versteigert.

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Cute / Niedlich

Du bist erst fünfzehn Jahre alt und hast schon in so vielen Wettbewerben den ersten Platz belegt! Ich möchte dieses Interview mit der folgenden Frage beginnen: Fühlst du dich, als ob du vorzeitig erwachsen geworden bist?

Definitiv nicht, Gewinnen kommt von meiner Selbstdarstellung. Fotografie ist mein Versuch, all das zu vermitteln, was ich nicht leicht in Worte fassen kann.
Als ich jünger war hatte ich das Gefühl, dass ich für alle außerhalb meiner Phantasie unsichtbar war. Oft, wenn schöne, seltsame oder lustige Dinge passierten, konnte ich sie nicht aufnehmen. Dank der Fotografie merke ich, dass ich in der Lage bin, meine Kindheit mit allen damaligen Emotionen zurückzuholen.

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Falling upwards / Aufwärts fallen

Was beeinflusste deine rasante Entwicklung am meisten– Familie, Schule, Freunde oder sozialer Hintergrund?

Ich habe Hausunterricht bekommen, aber eine kurze Zeit in der Schule verbracht; allerdings kann ich das nicht als einen künstlerischen Einfluss bezeichnen.

In meiner Familie gibt es außer mir keine Fotografen, aber nachdem ich neulich eine Fülle von schönen historischen Fotografien gefunden habe, die von Familie Wilde in den frühen 1900er Jahren aufgenommen wurden, glaube ich, dass ich einen Teil von meinem Sinn für Fotografie von meinem Urgroßopa und meiner Urgroßoma geerbt habe.

Ich bin der Meinung, dass mein Mantra, das über allen meinen Einflüssen steht, die Tatsache ist, dass ich nur zufrieden bin, wenn ich ein Foto habe, das sonst niemand hat, und das ist sehr schwer aufzunehmen.

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Do you feel white frost? / Fühlst du den weißen Frost?

Ich denke, dass mein sozialer Hintergrund bestimmt eine wichtige Rolle gespielt hat. Ich bin in der freien Natur aufgewachsen, habe die wilde und ländliche Umgebung kennengelernt. Der erste Grund dafür, die Kamera in die Hände zu nehmen, war das Dokumentieren von Tierlebenszyklen in meinem Garten.

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Share a lift home / Ein transportable Zuhause teilen

Wann hast du eigentlich mit dem Fotografieren angefangen?

Im Juni 2008 mit der Kompaktkamera meiner Mutter, aufgrund eines Wettbewerbs, bei dem man die Naturereignisse in der örtlichen Umgebung in einem Tagebuch dokumentieren sollte. Leider habe ich nicht gewonnen, aber ich habe die wahre Liebe für die Kamera entdeckt, obwohl sie ständig versagte und mich die Energieversorgung viel gekostet hat. Ich habe zunächst nur Wildtiere fotografiert, aber jetzt gefallen mir auch Portrait, abstrakte Fotografie und bildende Kunst und ich würde es gerne einmal mit Mode-, Sport- und Dokumentarfotografie probieren.

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Laughing animals – WPO winning image / Lachende Tiere – von der Weltfotografieorganisation preisgekrönte Abbildung

Hast du spezielle Fotografiekurse belegt?

Nein, ich hatte nur einen Schulungtag, als ich im vorigen April bei dem World Photography Festival in London einen Mentorentag mit Reza Deghati gewonnen habe. Es war ein unglaublicher Unterrichtstag, ich werde ihn nie vergessen!

Als ich zum ersten Mal eine Kamera benutzt habe, war alles überwiegend instinktiv und mit viel Ausprobieren. Ich weiß, dass ich viele schlechte Angewohnheiten habe und dass ich vieles besser machen kann. Rückblickend glaube ich, dass ich es besser hätte machen können. Bei jedem gewonnenen Wettbewerb überkommt mich der Zweifel, dass mein Name wahrscheinlich mit einem anderen verwechselt worden ist oder dass ich vielleicht nur durch Glück gewonnen habe.

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Get back better on / Kehr lieber auf den rechten Pfad zurück

Obwohl meine Fotografie 2009 zum ersten Mal ausgestellt worden ist, finde ich es noch manchmal schwierig zu begreifen, dass meine Werke im Retiro Park für die Internationale Buchmesse 2010, im Kanadischen Kulturzentrum für die Winterolympiade, im MTV-Gebäude in London und vor dem Gebäude der Ausbildungs-, Wissenschafts- und Kulturorganisation der Vereinten Nationen in Paris ausgestellt wurden.

An manchen Tagen zweifle ich so sehr an mir selbst, aber mir ist klar, dass nicht meine Kamera die Bilder aufnimmt, sondern mein Herz und mein Verstand. Solange ich meine Prinzipien und die Leidenschaft für die Dinge, die ich beobachte, habe, hoffe ich darauf, dass ich Bilder aufnehmen kann, die das, was ich liebe, widerspiegeln.

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Worry / Besorgt

Was beeindruckt dich am meisten? Lässt du dich leicht von der Welt um dich herum bezaubern?

Ja, mit einem Großteil meiner Fotografien, die ich zu Hause aufgenommen habe, muss ich neue Wege finden, etwas zu sehen.
Ich mag es, so genanntes „Gerümpel“ wiederzuverwerten und dann in meine Fotografie einzubinden. Man kann in den meisten Dingen etwas Schönes finden, man muss nur danach suchen.

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Uch

Sogar typisch melancholische Bilder können großartige Schönheit enthalten. Ich habe meine Kamera überall dabei. Sogar im Krankenwagen, als meine Mutter zur Notaufnahme musste. Eine der Krankenschwestern hat fast mit mir geschimpft. Ups!

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Crater leg / Kraterbein

Ich habe dich nie persönlich getroffen, aber aus deinen Fotos kann ich schließen, dass du emotional, sensibel, erfinderisch und neugierig bist. Stimmt das?

Vielen Dank und ich würde sagen, dass du es sehr genau getroffen hast. Ich bin darüber hinaus auch zwanghaft, wetteifernd, aufgedreht und entschlossen, haha.

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Double self-portrait – through the looking glass / Doppelselbstporträt – durch das Schauglas

In deinem Portfolio definiert man dich als „weltweit ausgestellt“. In welchen Ländern werden deine Werke ausgestellt?

Meine Fotografie wird in England, Schottland, Italien, Japan, Deutschland, Spanien, Frankreich, Australien und in den USA gezeigt. Sie ist aber auch in vielen anderen Ländern zugänglich, weil meine Werke regelmäßig in Kunstzeitschriften und Journalen veröffentlicht werden, die weltweit zu kaufen und zu lesen sind.

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Betrachtest du die Fotografie als Beruf?

Nicht wirklich, es gefällt mir so sehr. Immer wenn ich künstlerisch tätig bin kommt es von einem Teil von mir, der es nicht mit harter Arbeit assoziiert.
Ich kann um 4 Uhr morgens aufstehen und es tun, weil ich weiß, wie viel Spaß ich dabei habe.

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Energy from food / Futterenergie

Was ist deiner Meinung nach dein größter professioneller Erfolg?

Ich bin kein Profi, ich bin doch gerade mal eine Teenagerin. Mein glücklichster Tag müsste der Tag gewesen sein, als ich Eintrittskarten für das World Photography Festival gewonnen und Reza getroffen habe. Er ist ein hervorragender Fotograf und hat so viel gemacht, um anderen Menschen zu helfen. Er hat mir sehr wertvolle Ratschläge gegeben.
Ich besuche selten Veranstaltungen, die mit Kunst oder Fotografie zu tun haben, deshalb war das eine wirklich unglaubliche Erfahrung.

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Everything / Alles

Pflegst du Kontakte zu anderen jugendlichen Fotografen? Ist es hilfreich für dich, Ideen mit gleichgesinnten jungen Leuten zu teilen?

Ich unterhalte mich sehr gerne mit Leuten, die meine Leidenschaft teilen. Viele meiner engen Freunde schreiben, illustrieren, fotografieren, zeichnen und entwerfen.
Ich habe nicht so viele junge Bekannten, die sich mit Fotografie beschäftigen. Die meisten Leute, mit denen ich über meine Leidenschaft rede, sind älter als ich. Für Kritik und Ratschläge habe ich immer ein offenes Ohr.
Ich neige dazu, mit Fotografen, die in meinem Alter sind, zu konkurrieren, hehe. Trotzdem ermutige ich gerne andere Leute, besonders wenn sie dieselben ökologischen und psychologischen Interessen haben, aber es gab einige, die meine Ideen neu interpretiert haben und dann versuchten, sie als ihr eigenes Konzept auszugeben (Gott sei dank gibt es Exif Dateien!). Aufgrund solcher Begebenheiten und der selbst erfahrenen Ablehnung, habe ich gelernt zu versuchen so zu sein, wie ich bin, und auch sehr vorsichtig zu sein, wenn das nötig ist.

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See city through me / Sieh die Stadt durch mich

Interessierst du dich für andere Kunstarten?

Ja, ich schwärme für fast jede Art der Kunst. Der einzige Grund, dass ich nicht so viel wie möglich ausprobiere, ist der Mangel an Zeit. Einer der besten Ratschläge, die ich bekommen habe, lautet, dass ich die klassische Komposition in der Malerei, der Bildhauerei und den Fresken lernen muss, um ein gutes Bild zusammenzusetzen. Ich habe drei nationale Kunstwettbewerbe für Mixed Media mit den Woodland Trust Nature Detectives gewonnen, indem ich Werkstoffe aus dem Garten verwendet habe. Ich würde in diesem Jahr gerne an mehr Zeichen- und Collagenwettbewerben teilnehmen.

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Ice and mesh / Eis und Netz

Ich lese ständig Kunstzeitschriften, um einen Einblick in alternative Kunstformen zu bekommen. Es gibt so viele unglaubliche Talente da draußen. Kunst macht mich sehr glücklich und ich bin wirklich froh darüber, dass ich auch ein Teil des künstlerischen Schaffens bin.

Kategorien: Frontpage · Modern Times · Visual Arts

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