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Artist of the Week — Malek Jandali

1 Juni, 2010 von · Keine Kommentare

Interview mit dem syrischen Komponisten und Pianisten Malek Jandali
Übersetzung aus dem Englischen: Kornelia Weinert

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„Die Berührung der Hand mit dem Klavier ist der unverfälschteste Ausdruck der Seele. Zumindest fühle ich das so.“

Ist es möglich, klassische moderne Musik mit Melodien zu verbinden, die auf der ältesten Notenschrift der Welt basieren und in der antiken Stadt Ugarit in Syrien 3400 vor Christus entdeckt wurden? Ja sicher ist es möglich, wenn der Initiator Malek Jandali heißt.!


Malek Jandali-“Piano Dream”

Geboren 1972 in Deutschland, als Sohn syrischer Eltern, lernte er das Klavierspielen zunächst an der Jugendmusikschule, dann am arabischen Konservatorium der Musik und schließlich am “High Institute of Music“ in Damaskus mit Vladimir Zaritski und Victor Bunin vom Moskauer Tchaikovsky Konservatorium. Als kleines Kind mochte Malek alle Arten von Kunst und im Alter von 9 Jahren trat er das erste Mal bei einem öffentlichen Klavierabend in seiner Heimatstadt Homs auf. Er begann schon früh klassisches Klavier zu lernen und trotz seiner Begeisterung für die Kompositionen von JS Bach, Beethoven und Rachmaninoff, zeichnete sich schon bald sein Talent zur Improvisation ab.

1995 erhielt er ein Stipendium für die Vereinigten Staaten, um sein Studium der Musik an der “North Carolina School of the Arts“ mit Eric Larsen fortzusetzen. Viele Jahre war er schon aktiv als Klavierkünstler tätig, als er sich, nach seinem Bachelor of Arts Abschluss an der Queens University, dazu entschied, seine Aufmerksamkeit der Komposition zu widmen. Während seines Studiums unter Paul Nitsch, erhielt er zahlreiche Preise: unter anderem den „Stegner Foundation for the Arts Fellowship“ und 1997 den Preis für den herausragenden musikalischen Interpret. Er studierte Komposition und Orchestrierung mit Eddie Horst, Harry Bulow, Lawrence Dillon und Richard Prior. 2004 schloss er die University of North Carolina mit seinem Master ab.

Im Aufnahmestudio erschuf er einen umfassenden und ungewöhnlichen Rahmen für seine Kompositionen. Malek schreibt und komponiert gerne Musik für dramatische Zwecke und zieht seine musikalische Inspiration oft aus Bildern. Seine Kompositionen erstrecken sich von instrumentellen Solostücken bis zu Arbeiten für große Ensembles und Orchester. Seine Musik ist dynamisch, kraftvoll und voller Energie; er kombiniert Orchester mit Klavier und arabischen Formen und Melodien.

Können wir mit deinen jüngsten Nachrichten, Projekten und anstehenden Konzert-Tourneen anfangen?

Mit Vergnügen! Zurzeit arbeite ich an neuer Musik für mein anstehendes Konzert, mit dem Syrischen Sinfonieorchester, im Opernhaus in Damaskus. Dieses Konzert wird am 1. April stattfinden. Meine Konzert-Tournee 2010 umfasst Auftritte in Dubai, Kairo, Istanbul, Damaskus, Homs und Beirut, bevor ich wieder in die Vereinigten Staaten zurückkehre und meine Tour in Washington, DC, Detroit, Los Angeles und am Ende mit dem Ludwig Sinfonieorchester in Atlanta – wo ich derzeit wohne – fortsetze. Europa ist dieses Mal nicht in meinem Tourplan enthalten, da ich erst letztes Jahr dort war.

Du hast in vielen angesehenen Konzerthallen auf der ganzen Welt gespielt. Paris, London, Kairo, im Opernhaus in Moskau, New York und Atlanta. Wenn du nach Bulgarien eingeladen würdest, könntest du dann ein Konzert in Sofia spielen?

Das wäre mir eine Ehre. Sofia ist so wunderschön, die Architektur, Konzerthallen und nicht zu vergessen die fantastischen Sinfonieorchester. Das Sofia Sinfonieorchester ist eines der berühmtesten in Europa!

Wie wäre es mit einer Autogrammstunde bei Virgin?

Nun, ich hatte eine Reihe von Autogrammstunden bei Virgin und meine bevorstehende ist am 11. März bei „Virgin Megastore Dubai“ in ihrer “Mall of the Emirate” Niederlassung. Für mich ist das eine großartige Gelegenheit, um meine wunderbaren Fans zu treffen.

Kannst du uns erzählen, wie du zur Musik gekommen bist? Gibt es in deiner Familie einen Musiker?

Musiker zu werden ist mehr eine Sache der Selbstfindung, als eine Wahl. Ich habe die Liebe zur Musik schon früh in meinem Leben, durch Konzerte, die Aufnahmen meines Vaters und das Spielen auf dem Klavier in unserem Wohnzimmer, entdeckt.

Ich erinnere mich noch genau an das eine Konzert, auf das ich mit meinen Eltern ging. Ich war damals 8 Jahre alt in Homs, einer kleinen Stadt in Syrien. Am Ende des Stückes, vor einem langen Applaus, dachte ich: “Ich will das auch machen”. Ich wusste, dass ich nicht ohne mein Klavier leben könnte, als ich das erste Mal meine eigene Musik mit einem Orchester spielte. In meiner Familie gibt es Musikliebhaber, aber keine Musiker. Ohne die Unterstützung meiner Familie, meiner Freunde und meiner treuen Fans, wäre ich nicht dort, wo ich heute bin.

Was bedeutet dir die Musik?

Musik ist Magie, die ihre Tricks mit Liebe darstellt. Musik gibt mir einen tieferen Einblick bei der Suche nach Schönheit und Wahrheit. Alles was du hast, was wirklich wichtig ist, sind Gefühle. Das bedeutet mir die Musik…Ich glaube, dass die Seele nicht ohne Musik leben kann.

“Unverfälschte Klarheit und Logik” schrieb der Observer (USA) – starke Worte und sehr wahr. Was fühlst du in deiner eigenen Musik? Was ist deine Philosophie?

Ich suche tief in meinem Herzen, um Liebe und Frieden zu finden. Meine Philosophie ist es, das zu lieben, was man macht und das zu machen, was man liebt. Es ist so einfach.

Was inspiriert dich dazu, verschiedenen Musik-Genres miteinander zu kombinieren?

Ich liebe die klassische Musik wirklich, aber ich schwärme für unsere arabische Art und die zahlreichen Melodien. Seit meiner Ausbildung als klassischer Pianist, war es normal für mich, diese Musikrichtung vorzuziehen. Dennoch verstärkte meine Wertschätzung der vielfältigen syrischen Kultur mein Verlangen, die volkstümliche Musik und die arabischen Maqams in meine Klavier- und Orchesterarbeiten mit einfließen zu lassen. Die antiken Aufzeichnungen aus Ugarit, von der ältesten Notenschrift der Welt, waren ebenfalls eine große Inspiration für mich.

Dein aktuelles Album “Echoes from Ugarit” hat einen interessanten Namen. Ich frage mich, ob du in deinem täglichen Leben in den Staaten, ein Echo aus Syrien hören kannst? Was ist die Geschichte hinter dem Titel?

Syrien ist der Geburtsort des Alphabets und der Musiknotation. Die Interpretation der Notenschrift aus Ugarit ist eine Herausforderung und verschiedene „Rekonstruktionen“ sind dazu veröffentlicht worden. Der Beweis, dass beides – die 7-Noten diatonische Tonleiter ebenso wie die Harmonie – vor 3400 Jahren schon existiert hat, erschütterte die Ansichten vieler Musikwissenschaftler, nach denen antike Harmonien praktisch nicht existent oder sogar unmöglich waren. Dies hat das ganze Konzept des Ursprungs westlicher Musik revolutioniert.

Ich hatte seit Jahren komponiert und wurde letztlich inspiriert von der volks- und altertümlichen Musik Syriens. Seit der Gründung unseres großartigen Landes, ist die Musik ein kulturelles Phänomen; es ist etwas, mit dem sich die Menschen auf emotionaler, instinktiver, intellektueller und vielen anderen Ebenen identifizieren. Das hat mich sehr berührt und in mir den Wunsch geweckt, das Ursprüngliche und das Zeitgenössische miteinander zu verbinden um Musik zu erschaffen, die das Herz und den Verstand berührt. So kam es zu der Geburt meines aktuellen Albums “Echoes from Ugarit”.

Welche Bedeutung hatte das Projekt “Echoes from Ugarit” für dich? Könntest du uns einige Details zu den Tontafeln und der Musik geben?

Diese Arbeit ist begründet auf der ältesten Notenschrift der Welt, die in der antiken syrischen Stadt Ugarit entdeckt wurde. Die Tontafeln enthalten eine Hymne auf Nikkal, die Frau des Mondgottes. Obwohl Hunderte dieser Tafeln im Laufe der Jahre entdeckt wurden, enthalten jene Tafeln Worte und Noten eines Liedes, die alle aus dem selben „maqam“ oder Modus (auch genannt nîd qabli) zusammengesetzt sind. Darüber hinaus enthalten sie Hinweise für einen Sänger, der von Musikern begleitet wird, sowie Anweisungen zum Stimmen der Saiten des Instruments.

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Unter Erhaltung der rhythmischen Struktur, arrangierte ich die Hymne in ein melancholisches Klavierstück um und schlug so eine musikalische Brücke zu der Vergangenheit. Es enthält bestimmte Spuren und Echos von vergangenen Stürmen, von Zweifel und Wut und von Fragen – aber weich und gedämpft, wie das Geräusch eines entfernten Meeres, das sich abends, nach einem wilden Tag voll vergeblicher Rage, in einer Höhle selbst in den Schlaf schluchzt. Ich habe das Stück mit Sextparallelen harmonisiert und die Tonleiter in die moderne „D-Moll“ geändert.

Das Lied, über die Hochzeit einer Frau, war gefüllt mit dem Schmerz keine Kinder für ihren Mann und ihre Familie gebären zu können. Augenscheinlich handelte es sich um ein Klagelied “die klagenden Schreie einer unfruchtbaren Frau”, die Antworten bei der Göttin des Mondes suchte.

Der folgende Auszug aus der ugaritischen Hymne gibt uns einen Eindruck von den Menschen, der Stimmung und der Musik dieser Ur-Kultur.

Sie (die Göttin) ließ die verheirateten Paare Kinder haben,
Sie ließ sie zu den Vätern auf die Welt kommen
Aber die Gezeugten werden schreien: „Sie hat kein Kind geboren“

Warum habe ich, als eine echte Frau, dir keine Kinder geboren?

Das Hauptziel meines Projektes “Echoes from Ugarit” ist es, Licht auf die wichtige historische Tatsache zu werfen, dass Syrien die älteste Notenschrift der Welt besitzt!

Du bist ein syrischer Künstler, der in Deutschland geboren wurde und jetzt in den USA lebt. Wie hatten diese vielfältigen Umgebungen Einfluss auf deine Persönlichkeit und deine Musik?

Während meines ganzen Lebens, war ich zahlreichen Kulturen und allen möglichen Arten von Musik ausgesetzt. Wie du weißt, bin ich in Deutschland geboren und wuchs in Syrien auf, bevor ich mein Studium der Musik in den Vereinigten Staaten fortsetzte. In letzter Zeit habe ich viele verschiedene Länder bereist. Im Laufe der Jahre, durch das Reisen und das Internet, hat diese Exposition natürlich zugenommen.

Ich höre die ganze Zeit Musik. Auch wenn es nur ein kurzer Satz oder eine Idee ist – für diesen Moment bin ich vollständig in ihr versunken. Während dieser Erfahrung, kann die unbekannte Musik mein Lieblings-Projekt sein – bis zum nächsten – und hat großen Einfluss über die Einfachheit des Genusses hinaus: Ich bin diesen unbekannten Ausdrucksformen und „Schnipseln“ verschiedener Leben und Kulturen offen gegenüber.

Diese ständigen Momente der Aufnahme und Realisation, haben nicht nur meinen Musikgeschmack erweitert. Sie haben auch, von einem jungen Alter an, in mir ein Interesse an und eine Anerkennung von anderen Kulturen erweckt, einen Reiz des Unbekannten, eine Wertschätzung für die Vielfalt der persönlichen Äußerungen, ein Bewusstsein für die zunehmende Vernetzung unserer globalen Gesellschaft und eine Erinnerung daran, dass Menschen aus verschiedenen Kulturen und Verhältnissen, auf vielen Ebenen in Harmonie etwas Gemeinsames hervorbringen können

Also, du hast als klassischer Pianist begonnen und dich dann dem Komponieren von Musik zugewendet. Erzähl und etwas von dieser Reise.

Das Komponieren zu lernen, hat mir die Fähigkeit gegeben, verschiedenen Einflüsse in einem Album verschmelzen zu lassen – manchmal in einem einzigen Musikstück. Auf der anderen Seite, hat die Welt der Orchestrierung und mein Hintergrund als klassischer Pianist, mich mit den Werkzeugen ausgestattet, meine Musik zu färben und verschiedene Genres und Botschaften miteinander zu kombinieren und mit dieser facettenreichen Textur Kunst zu schaffen. Alles was ich am Ende einen Tages versuche zu tun, ist „eine Geschichte zu erzählen“, weil meine Musik meinen Fans und den Zuhörern gewidmet ist. Möget ihr Harmonie finden!

Hast du schon mal improvisierte Auftritte gegeben? Wenn ja, wie unterscheidet sich diese Erfahrung von Auftritten mit „vor-komponierten“ Stücken?

Beides, Improvisation und Komposition, sind Prozesse der Entdeckung. Jemand, der improvisiert, entdeckt die Musik gleichzeitig mit dem Publikum. Ich bevorzuge es, meine Ideen sorgfältig zu prüfen und sie dann zu improvisieren – die Ideen, besonders in meinen Klavier- und Orchesterwerken, zusammen mit meinem Publikum auszudrücken. In der Tat, hängt mein Auftritt immer von dem Publikum ab. Das gleiche Musikstück wird in den verschiedenen Konzerthallen und somit auch in Abhängigkeit meines jeweiligen Publikums, in einer einzigartigen Weise präsentiert.

Meistens ist Improvisation eindeutig geplant. Die Komposition betreffende Gesetzmäßigkeiten, werden genau wie standardisierte Schemata benutzt. Auf der Grundlage der natürlichen Verbindung zwischen ausführen, improvisieren und komponieren, versuche ich durch meine Solo-Klavierauftritte einen Weg zu finden, die Kluft zwischen der Improvisation und dem Darstellen meiner „vor-komponierten Stücke zu überbrücken, um so neue Musik zu erschaffen, in der man die Tiefe der Tradition hören kann.

Es gibt Situationen, in der Musik genau wie im Alltag, in denen jemand versucht den Eindruck zu vermitteln, dass die Ideen und Handlungen nicht spontan sind, sondern in Wirklichkeit gut durchdacht. Die Vorstellung, dass etwas gut durchdacht ist zielt darauf, zu Recht oder Unrecht, ihm eine größere intellektuelle Aussagekraft und Achtung zu verleihen.

Denkst du, dass Musik einen Unterschied machen kann? Glaubst du, dass Musik über Kultur und Zivilisation hinausgeht?

Durch meine Reisen habe ich über die Kultur, die Religionen und die Ideen nachgedacht, die jahrhundertelang, entlang der historischen Land- und Seewege, die die arabische Welt umfassen, einflussreich waren. Ich habe mich gefragt, wie diese komplexen Verbindungen entstanden sind und wie sich neue musikalische Stimmen aus der Vielfältigkeit dieser Traditionen bildeten.

Musik hat die Kraft, Hindernisse zu überwinden und Brücken der Liebe, des Friedens und der Verständigung zwischen den Menschen auf der Welt zu bauen. Sie hat die Fähigkeit, Menschen und Kulturen einander näher zu bringen. Wie wurde beispielsweise das „Oud“, ein birnenförmiges Saiteninstrument, das aus der Uruk Periode in Süd-Mesopotamien (Syrien und Irak) stammt, mit barockem Design verziert? Vermutlich wurde die Laute in Westeuropa durch die Araber eingeführt, die, zu Beginn des Jahres 711 vor Christus, das Umayyad Kalifat auf der iberischen Halbinsel gründeten. Es ist keine Frage, dass sich der Westen aus dem Osten entwickelt hat und die Musik, während der Geschichte, immer die Sprache der Kulturen und Zivilisationen war.

Anstatt der Höhe der Wolkenkratzer eines Landes, sind seine kulturellen und historischen Tiefen viel bedeutender auf globaler Ebene. Ich glaube deine Musik spricht ein internationales Publikum an, weil sie eindeutig syrisch und nicht vollkommen klassisch ist. Wo liegt deiner Meinung nach der Schlüssel zum Erfolg?

In der Musik wird der Begriff “Schlüssel” (key) auf verschiedenste Art benutzt. Bei einem Flügel gibt es 88 Tasten (keys)! Und in der westlichen Musiktheorie gibt es 12 Moll- und 12 Dur-Tonarten (keys)! Es hat mich immer interessiert, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Schlüssel eines Liedes und seinem Erfolg während einer bestimmten Zeitperiode gibt.

Zurück zu deiner Frage: der Schlüssel zum Erfolg in der Musikindustrie liegt darin, seine Talente zu nutzen und Kunst und Musik zu erschaffen, die erfüllt. Ich versuche immer, auf der Suche nach Wahrheit und Schönheit, das zu tun was ich liebe und zu lieben, was ich tue – so kann ich die Herzen meiner Fans erreichen. Ich bin entschlossen, das reiche Erbe meiner Heimat Syrien zu präsentieren – einfach aus der Tatsache heraus, dass die älteste Notenschrift der Welt in Ugarit entdeckt wurde.

Etwas, das ich schon früh in meiner Karriere gelernt habe, ist harte Arbeit, die zu einem tiefen Gefühl von persönlicher Hingabe für deine Kunst und das Geschäft deiner Kunst führt. Harte Arbeit wird sich auszahlen, zumindest mit einem Gefühl der persönlichen Befriedigung dafür, die beste Arbeit erschaffen zu haben und großartige Musik darzustellen.

Wir leben in einem Klima der vielfältigen Kulturen und die Musikindustrie ist kaum immun gegen dieses internationale Klima. Diese neue musikalische Vielfalt spiegelt sich auch in Auszeichnungen wie dem Grammy wider! Gewinner dieser angesehenen Auszeichnung kommen aus Ländern, die keine Wolkenkratzer haben, sondern Plätze, die wir kaum kennen. Meine Botschaft ist klar: Überbrückung der Kluft zwischen den Kulturen, die reiche Kultur Syriens präsentieren und Liebe, Frieden und Harmonie auf der Welt zu fördern.

Yafa, eine deiner musikalischen Kompositionen, ist den irakischen und palästinensischen Menschen gewidmet, die dem Krieg jeden Tag gegenüber stehen. Wie unterscheidet sich die Musik von der Darstellung solcher Anliegen in der Kunst und Literatur?

Musik, genau wie Literatur und andere Formen der Kunst, sind ein Ausdruck individueller Gedanken und Gefühle, die durch den kreativen Prozess erreicht wurden. Künstler versuchen ihre Erfahrungen, Beobachtungen und ihr Verständnis (ihre “Wahrheiten”) durch das Medium, das sich am besten für ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten eignet, mit anderen zu teilen. Ob Künstler Geschichten schreiben, Musik komponieren oder Bilder malen, sie drücken immer ihre Beziehung zu der Welt, die sie gerade umgibt, aus. Ihre Arbeiten teilen bestimmte ausdrucksstarke Elemente, wie Struktur, Thema und Tönung. Kunst verbindet Menschen auf eine Weise, die es ermöglicht, Wahrnehmungen, Emotionen und Erfahrungen miteinander zu teilen. Ein begabter Künstler kann kreativ erfassen, was wir fühlen, aber selbst nicht ausdrücken können.

Ob die Musik die Kraft hat, über die eigentliche Arbeit hinaus, etwas auszudrücken, wie zum Beispiel nicht-musikalische Ideen oder Emotionen, ist die zentrale Frage der musikalischen Ästhetik. Ich habe die Aufgabe, nach etwas zu fragen, zu erzählen und Geschichten zu erschaffen. Das ist es, was ich mit meiner Musik versuche. Yafa war ein Versuch, meine eigene Geschichte über die Menschen aus Palästina zu erzählen – gezielt, nachdenklich aber ehrlich. Ich höre zu und dann teile ich das, was mich mit meinem Publikum verbindet. Ich entwickle mich, indem ich eine Verbindung zu meinen Fans auf der ganzen Welt herstelle um Harmonie und Frieden zu fördern.

Lässt du auch andere Instrumente, Genres oder Stile in deine Musik einfließen – andere als das Arabische und das Klassische?

Ich neige dazu, meine Klaviermusik durch die Orchestrierung zu kolorieren. Indem ich Instrumente des westlichen Sinfonie Orchesters aufnehme, versuche ich die Geschichte zu erzählen und ein vollständiges Bild meiner Arbeit zu zeichnen. Das Hauptziel ist es, die maximale Wirkung zu erzielen, um die reichen Melodien zu präsentieren. Das ist wirklich abhängig von der Arbeit und der Geschichte, die dahinter steht. Ich habe zum Beispiel in „Echoes from Ugarit“ die Harfe benutzt, um den Klang der Kinara – dem Instrument, das für die Hymne von Ugarit von der antiken syrischen Zivilisation verwendet wurde – zu imitieren.

Einige behandeln die Ausdrücke Genre und Stil gleich. Ich glaube, dass Genre und Stil zwei unterschiedliche Bezeichnungen sind und dass sekundäre Merkmale, wie beispielsweise der behandelte Gegenstand, zwischen ihnen unterscheiden lassen. Ein Musikgenre kann durch die Techniken, die Stile, den Kontext, die Themen und auch durch die geografische Herkunft definiert werden.

Als ein syrischer Pianist, baue ich meine Arbeit um mein Instrument herum – aus der Musik meiner Kultur und meiner Umgebung – auf. Die Berührung der Hand mit dem Klavier ist der unverfälschteste Ausdruck der Seele. Zumindest fühle ich das so.

Wer inspiriert dich – musikalisch oder persönlich?

Funken der Inspiration, aus völlig unerwarteten Quellen. Die reale Welt ist immer eine große Quelle der Inspiration. Es ist immer viel los und es gibt so viel Abwechslung, dass es nie langweilig wird. Man findet immer etwas Neues. Die großartigen Impressionisten des späten 19. Jahrhunderts entdeckten die Stadt Paris, als ihre wichtigste Quelle.

Träume sind eine andere großartige Quelle der Inspiration für mich. Wenn wir schlafen, ist unser Unterbewusstsein frei um umherzuwandern und sich seiner eigenen Kreativität hinzugeben. Träume gelten seit Jahrhunderten als Inspiration für die Kunst. Sie haben dazu beigetragen, ganze Kunstbewegungen – wie Symbolismus und Expressionismus – zu erschaffen. Mein „Klavier Traum“ etwa war ein direktes Ergebnis einer solchen Inspiration. Auf der anderen Seite, war die Liebe für mein Land und seine reiche Kultur und sein Erbe, die größte Inspiration für mein Album “Echoes from Ugarit”.

Was dich berühmt macht, ist nicht einfach nur deine Musik. Viele Menschen sagen Gutes über deinen Charakter und deine Spenden an gemeinnützige Organisationen. Liegt dein Charakter in deiner Musik oder bestimmt deine Musik dich als Person?

Bei allem was ich mache, versuche ich Gutes zu tun. Letzten Endes verlassen wir alle diesen Planeten und meine Hoffnung ist es, ein Lächeln auf das Gesicht eines traurigen Kindes zu zaubern oder jemandem in der Not zu helfen. Ich glaube, dass Musik eine sehr große Kraft besitzt, besonders wenn sie das Herz erfasst…und das passiert nur, wenn sie aus der Seele kommt – auf der Suche nach Schönheit und Wahrheit in dieser Welt. Meine Musik ist mein Charakter und ich bin meine Musik! Für mich steht außer Frage, dass Musik dich zu einem besseren und guten Menschen macht. Hast du jemals einen „schlechten Menschen“ getroffen oder von ihm gehört, der Musiker oder Komponist ist? Ich persönlich nicht…

Dein Album kam unter die Verkaufsschlager bei CD Baby, iTunes und Virgin. Was ist das Geheimnis hinter dieser Erfolgsgeschichte? Und wem möchtest du danken?

Nun, ich möchte Gott danken! Ein herzliches Dankeschön geht an meine wunderbare Fangemeinde und meine Freunde der Musik. Ich lade sie alle ein, auf meine Facebook Fanseite zu kommen, um so mit ihnen in Kontakt zu bleiben und sie über bevorstehende Veranstaltungen und Neuigkeiten auf dem Laufenden zu halten. Ich bin sehr glücklich, so wunderbare Menschen in meinem Leben zu haben…meine Familie, meine Freunde und meinen besten Freund, das Klavier!

Kategorien: Art Café · Szene

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