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Artist of the Week — Nikolay Ivanov

29 November, 2010 von · Keine Kommentare

Interview von Yana Radilova mit Nikolay Ivanov von der OM Art Formation
Übersetzung aus dem Bulgarischen ins Deutsch: Rossitza Yotkovska

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Nikolay Ivanov: Meine Bilder klingeln, und meine Musik ist bildhaft

Wie kam die Idee der Gründung der OM Art Formation?

Die Idee, eine Ethno Ambient Gruppe zu gründen, die esoterisch orientierte Improvisationsmusik schafft, entstand vor vielen Jahren. Etwa 1986-1987 war der Gedanke schon reif, aber meine Versuche, Gesinnungsgenossen und Öffentlichkeit zu finden, scheiterten. Ich kann mir nicht vorstellen, was ohne die Änderungen nach 1989 geschehen wäre. 19 Jahre später stelle ich mit einer gewissen Trauer fest, dass OM immer noch fast die einzige Formation mit einer solchen Orientierung blieb.

Finde weitere Künstler wie Nikolai Ivanov OM bei Myspace Musik

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Die OM Art Formation ist ein Ergebnis von meinem Weg auf dem spirituellen Pfad und von der Verbindung zwischen persönlichen mystischen Erlebnissen mit unterschiedlichen Praktiken und Interessen. Den größten Einfluss auf mich haben die esoterischen Philosophien (vor allem die des Ostens) sowie die Yoga-Praxis und die Meditation ausgeübt. Andererseits haben die Einwirkungen des modernen Jazz und der Musik des Labels ECM und a. ä. den Weg einer universellen schöpferischen Freiheit gebahnt. So mache ich auch bis heute eine mehrschichtige Musik und jedes Mal strebe ich an, vor Selbstreproduktion zu fliehen.

Das erste offizielle Konzert von OM war im französischen Kulturinstitut am 12.12.1991 und das Publikum war in Schock – ein Zustand, den es uns später selten zu erreichen gelang.

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Wie würdest du deine Musik bezeichnen – als den Traditionen nahe oder als modern?

Die genaueste Bezeichnung meiner Musikorientierung ist, meiner Meinung nach, “cross culture“. Dieses Etikett erschien gegen Mitte 90-er und zu dieser Serie war auch unsere erste CD „Ritual Places In Bulgaria“ (von der deutschen Gesellschaft „ERDENKLANG“ herausgegeben) eingeschlossen.

Obwohl Ethno, Jazz, World Music usw. populärer sind, ist meine Musik viel mehr ein Teil dieses großen Mainstreams, der schon 20 Jahre so aktuell ist. Es ist eine Synthese aus Stilrichtungen mit zahlreichen Nuancen.

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Ich strebe danach, das Beste von der Sakraltradition im Kontext der modernen Zeiten wiederzugeben, wobei ich aber ein Balkankünstler bleibe. Ich habe dennoch die Basis unserer einzigartigen Folklore, wofür sich die ganze Welt interessiert und sie ausnutzt; nur wir selbst haben sie ein wenig vergessen. Dem heutigen Bulgaren ist die Tiefe unserer Tradition ziemlich fremd – er interessiert sich vor allem für die kommerzielle Pop-Folk-Musik.

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Woher schöpfst du Inspiration während deiner Arbeit als Komponist?

Ich bin sehr produktiv und ich befinde mich ständig in einem schöpferischen Prozess. Ich würde hervorheben, dass ich zu den wenigen Nachfolgern der alten Traditionen gehöre, bei denen die ganze Riesenarbeit des Künstlers der “Landung“ der vielen göttlichen Ideen gewidmet ist. Die Musik existiert oben, und ich bin nur ein Kanal, der sie verbreitet! Das Weltall, die Harmonie, die Klänge, die Natur und die Existenz – alles das hat, natürlich, seine Abbildung in meiner Musik.

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Was die Praxis betrifft, spiele ich (vor allem Piano) morgens ein paar Stunden für mich selbst, und abends spiele ich die Gitarren, wobei die Restzeit von Aufnahmen, Konzerten und Repetitionen ausgefüllt ist. Der Künstler heute kann nicht außerhalb der Umstände, die seine Tätigkeit begrenzen und ihm nicht so viele Chancen zur Arbeit lassen, existieren – außerhalb der Regeln und der Produzenten-, Herausgeber-, Promoter- und Managerketten, der Agenten und Agenturen, der Medien usw.

Der Charakter meiner Tätigkeit erlaubt mir sowie eine Außen- als auch eine große Innenfreiheit. Außerdem hat das schöpferische Ego in meinem Beruf keine Bedeutung im Vergleich zu den kommerziellen Schichten der gegenwärtigen Kunst, die mit jedem vergangenen Tag immer mehr “konsumtiver“ wird.

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Welche Musiker hatten die größte Einwirkung auf deinen Stil?

An erster Stelle sind das die großen Künstler von ECM – Keith Jarrett, Jan Garbarek, Oregon und Ralph Towner, John McLaughlin und viele anderen von dieser Musikrichtung. Die traditionelle Musik des Ostens (ich war mehrmals in Indien und ich habe die Traditionen dieses Landes erlernt), manche Folkloretraditionen, die bulgarischen Stimmen, Instrumenten und Rhythmen, das byzantinische orthodoxe Singen – sie haben alle einen Einfluss auf mich ausgeübt. So erwies sich auch die gegenwärtige Musik als Inspirationsquelle – insbesondere die Minimalisten Philipp Glass, Steve Reich, Arvo Pärt, Michael Nyman u. a.

Einen sehr großen Einfluss haben auch die Ideen des genialen Musikers und Sufisten Hazrat Inayat Khan über den kosmischen Charakter des Schaffens. Die Musik und die elektronischen Stile sind von Brian Eno und Harold Budd, Robert Fripp und Hector Zazou inspiriert. Ich habe auch mit Musikern aus fast der ganzer Welt gespielt und unsere Kommunikation trug zu meiner Entwicklung bei.

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Erzähle uns bitte über das Konzert auf dem Gipfel Everest, an dem du 1996 teilgenommen hast!

Das “höchste“ Konzert zu machen, um es zum Guinnessrekord zu machen, ist prinzipiell nicht die fesselndste Idee für mich, aber ich wurde eingeladen und ich fand, dass das Erlebnis sich lohnen würde. Und es war wirklich so. Diese Reise änderte uns alle, die wir zusammen waren und wir haben dennoch gruppenweise etwas Schönes gemacht, was für die Bulgaren immer schwer realisierbar ist. Dieses Konzert fand auf dem Gipfel Kala Pattar (5 345 m), unter Everest, statt. Gott half uns während der ganzen Zeit und wir hatten das Glück es zu verwirklichen – auf einer solchen Höhe ist es schwierig Musik vorzutragen.

Ich war besonders erschöpft, da die Sherpas es abschlugen, meinen Synthesator zu tragen. Deshalb ich habe ihn selbst getragen, samt mit der Gitarre und dem Rucksack. Ich finde es auch heute noch sehr amüsant, wenn die Journalisten mich darüber fragen – eine so beträchtliche Tatsache in meinem Lebenslauf! :)

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Ist es eine Herausforderung, Musik für Filme zu schaffen?

Das ist ein neues Feld in der Entwicklung der Musik und da ich aus Berufsinteresse mit fast allem auf dem Laufenden bin, kann ich behaupten, dass es unglaubliche neue Ergebnisse gibt. Demzufolge ist die Herausforderung groß und ich strebe danach, mit Niveau dabei zu sein.

Ich kann erwähnen, dass meine Teilnahme an der Serie der großen Filmgesellschaft MK2 für Filmmusik der Welt (ich bin der einzige Bulgare unter den wenigen Osteuropäern) eine anspornende Anerkennung für mich war. Ich habe für 35 Filme Musik realisiert, ich habe auch viele Preise, aber das Wichtigste ist, dass ich mich bemühe, die Vision, die Dramaturgie und die Idee des Films zu unterstützen – das lernt man sehr schwer und man braucht viel Erfahrung. Meine Musik ist sehr „bildschaffend” und visuell und das macht sie gut zu diesem Zweck.

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Du bist nicht nur ein Musiker, sondern auch ein Maler – gibt es gemeinsame Züge zwischen deinen Bildern und der Musik, die du kreierst?

Ich versuche immer noch intensiv zu malen, obwohl für mich die Musik oberste Priorität hat und enorme Zeit und Arbeit verlangt. Ich male vor allem abstrakte und sakrale Bilder mit komplizierter Mischtechnik, die von unserer Ikonentradition und von den östlichen Tanka-Gedichten, Fresken und Mandalas inspiriert sind. Ich habe viele Ausstellungen in Bulgarien und Europa und monumentale Werke – Fresken, Mosaiken und Keramiken.

Die Beziehungen und die Entsprechungen zwischen dem Klang und der Farbe sind noch aus dem Altertum bekannt und viele Künstler haben daran gearbeitet – heute, im Geiste der Renaissance, ist es üblich, dass die Künstler mehrere Darstellungssprachen verwenden, um ihre Botschaften klarer zu adressieren. Meine Bilder klingen, und meine Musik ist bildhaft. Kandinsky, Johannes Itten, Klee, Mondrian und viele andere Maler sind „Vektoren“ für ganze Generationen, einschließlich für mich.

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Vor was für Publikum ziehst du bevor, Konzerte vorzutragen?

Ich habe Hunderte von Teilnahmen an unterschiedlichen Projekten – von Avantgarde und Jazz bis Theater und Schauspiel (z.B. meine Sommerteilnahme an „Evita“ – E. L. Webber in Deutschland dieses Jahres). Die guten Konzerte sind nicht diese, wo du perfekt spielst, sondern diese, wo gemeinsam mit dem Publikum ein kollektiver „Egregore“ des Miterlebens geschaffen wird.

Mein Publikum hat ein sehr unterschiedliches Alter, was unglaublich ist, und ich habe so schöne Ereignisse mit Menschen aus dem Publikum, die meiner Arbeit einen Sinn geben. Sehr oft ergibt sich eine magische Atmosphäre, in der keiner applaudiert, doch manchmal (wie bei unserem Konzert im Mai dieses Jahres in Leipzig mit Balkan Chan Kollektiv) wird die Euphorie zur Hysterie.

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Was für Träume hast du in professioneller Hinsicht?

Als ein Künstler, der von der esoterischen Tradition inspiriert ist, lebe ich schon lange „hier und jetzt“ – ich schaffe einfach mein Dasein durch meine Gedanken, es geschieht und entwickelt sich. In diesem Vorgang fehlt einfach das „Träumen“ als Emotion. Außerdem weiß ich ganz genau was es bedeutet, ein bulgarischer Künstler in der globalen Welt zu sein, ich habe schon lange keine Illusionen mehr, da ich das Verfinstern im Gesicht des begeisterten Zuhörers kenne, nachdem er verstanden hat, dass ich eigentlich … ein Bulgare bin (wie z.B. als Teilnehmer an Karl Seglem Norway fand).

Das bedeutet, natürlich, ein grenzloser Optimismus … oder, so Peter Danov: „Ich kam hier her, damit ich euch jener Vollkommenheit lehre, deren Anfang noch Ende nicht zu sehen sind…“

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Nikolay Ivanov ist im Jahre 1959 geboren. 1978 schließt er die Kunstschule in Sofia ab, und 1986 – die Kunstakademie Sofia (Wandmalerei). Das musikalische Milieu in seiner Familie gibt ihm den ersten Antrieb zur Musik.

Mit 5 Jahren beginnt er Piano, und mit 14 – Gitarre zu spielen. Er spielt mit unterschiedlichen jungen Jazz-Formationen, und 1991 gründet er die OM Art Formation – die erste bulgarische Ethno Ambient Gruppe, mit der er intensiv Konzerte gibt und Musik aufnimmt.

Nikolay Ivanov nimmt an mehreren Festivals teil und spielt in Europa, Asien und im Fernen Osten und in zahlreichen internationalen Projekten mit Musikern aus Europa und aus dem Osten.

Er schuf die Musik für 30 Dokumentar- und Spielfilme mit Preisen aus Kiew, Sankt Peterburg, Moskau, München, Berlin, Monreal, Prag, New York, Possan, Bombay, Hamburg, Berlin u.a. Die letzten Filme (2007-2008) sind: „Kriegskorrespondent” (ein Film über Yordan Yovkov), „Eine Reise nach Afghanistan“ – Venelin Petkov, Bulgarisches Fernsehen BTV, Тотаl Denial” (Milena Kaneva), ”Die Wahrheit über Orpheus“ (Stilian Ivanov), „Kleine Hände“ (Genka Shikerova), Bulgarisches Fernsehen BTV u.a.
Nikolay Ivanov realisiert Aufnahmen mit den Labels ERDENKLANG, TUA rec., OZELA rec. (Germany), RFI , SUNSET (sampler), MK2 (sampler)-France, Periferic.rec. (Hungary), DS Music, Ave New, Vitality music–BG.
1996 ist Nikolay Ivanov einer der Teilnehmer und der Initiators der Everest Konzert Expedition – das „höchste“ Konzert in der Welt (5 345 m, Kala Pattar unter Everest).

Nikolay Ivanov arbeitet zusammen mit Ramesh Shotham (Perkussion), Racesh Kumar (Perkussion), Rupesh Kumar (Sarod), INDIEN, Christy Doran (Guitarre), Schweiz; Javier Paxarino (Flöte), Spanien; Gillian Stevens (Violen), Dylan Fowler (Guitarren, Klarinette), Wels; Karl Seglem (Sax, Hörner), Harald Skullerud (Perkussion), Helge Norbakken (Perkussion), Hakon Hogemo (Fiddle), Gjermund Sislet (Bass) , Kari Malmanger, Berit Opheim (Vokal), Norwegen, Sanjally und Nasibu (Kora), Senegal, Doreen Monayer (Ud, Vokal), Palästina, Andreas von Garnier (Synthesators), Deutschland, Kornel Horvat, Balash Maior (Perkussion), Krishtof Bacho, Csaba Tusko, Viktor Tot (Sax), Sandor Szabo, Roland Heidrich (Guittaren), Zoltan Lantos (Geige), Ungarn; Zhubin Kalhor (Kamanche, Daf), Iran; Nikolay Oorzhak (Shaman) Tuva.

Solo Konzerte gibt er in Deutschland, Frankreich, Spanien, Norwegen, Ungarn, Österreich, Kroatien, Indien und China.

Internet Seiten:

Musik : my space.com/nikolaiivanovom
my space.com/omartformation
my space.com/grupaom
my space.com/maxavira
my space.com/newbhb
you tube-omartformation
Bilder:
www:nikolaiivanov.com

Kategorien: Frontpage · Modern Times · Szene

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