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Artist of the Week — Agnieszka Rogowska

18 Juli, 2011 von · Keine Kommentare

Ein Interview von Velina Vateva mit der Künstlerin Agnieszka Rogowska
Übersetzung: Petya Hristova

Agnieszka Rogowska: „Farbleinwände schaffen und erzählen einfach über etwas, was eine Art Spannung erzeugt”

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Sie sagen, dass sie sich für die Farben interessieren und für die Weise, auf die sie sich in ein Kreativitätsinstrument verwandeln. Erzählen Sie bitte mehr über Ihre Einstellung zu den Farben. Es ist interessant, was sie darüber sagen, dass man mehr Wert auf die Ideen legt als auf die Wege, die zu ihnen geführt haben. Sind Sie der Meinung, dass Kunst rein betrachtet werden könnte?

Ja, meiner Ansicht nach kann die Kunst rein betrachtet werden, wie Sie das gesagt haben. Sie kann sehr dekorativ, sehr ästhetisch sein; abgesehen von ernsthaften Inhalten, religiösen, sozialen oder politischen Zusammenhängen. Gibt es überhaupt Kunst um der Kunst willen selbst?

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Ich meine, dass die Kunst isoliert von dem Menschen nicht existieren könnte. Ich schaue, fühle und bewundere die Emotionen, die ein Bild anregt. Ungeachtet ihrer Inhalte oder Form ruft die Kunst bestimmte Reaktionen im Menschen hervor, was bedeutet, dass sie getrennt von ihm nicht bestehen kann.

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Der Kerngehalt ergibt sich daher nicht aus dem Motiv, sonder aus “der inneren Kraft des Menschen”, so Piotr Potworowski. Es geht eigentlich darum, ob der Künstler die Beobachter zu überzeugen vermag, ob wir wahrhaft sind. Der schöpferische Prozess ist ein Kampf mit sich selbst, eine Art Bestellung der eigenen Emotionen.

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Die Farben stehen an erster Stelle in meinen Werken. Bei meiner künstlerischen Suche setze ich eine ganze für meinen Bedarf geeignete Pallette zusammen, indem ich ein paar Grundfarben verwende. Ich baue den Bildinhalt durch die Farben. In meinem Werk besitzt die Farbe weder symbolische Bedeutung noch ein metaphysischer Sinngehalt. Farbleinwände schaffen und erzählen einfach über etwas, was eine Art Spannung erzeugt.

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Wie gehen Sie mit Ihren Bildern heran, wie betrachten Sie die Bilder, nachdem sie fertiggestellt werden? Was bedeutet für Sie eigentlich ein Bild zu vervollständigen?

Ich bin oft mit dem Ergebnis nicht zufrieden; es gibt immer etwas, was man verbessern, ergänzen oder wegnehmen muss. Deswegen habe ich fast nie das Gefühl, dass ein Bild vollendet ist. Es kommt vor, dass ich meine Werke mehrmals ummale. Ich mag den Effekt der mehreren Farbschichten und außerdem ist das alte Werk eine perfekte Grundlage für ein neues Bild.

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Ich mag auch die rohe, unverarbeitet aussehende Leinwand, die durch eine transparente Farbschicht zu sehen ist. Ich bin stets auf der Suche nach meiner eigenen Ausdruckweise in der Malerei. Im Moment interessiere ich mich für die Schaffung des Bildes mithilfe der Farben und durch die Farben und strebe danach, die Bilder, an denen ich arbeite, äußerst gut zu machen.

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Wenn Sie sagen, dass fast alles Sie inspirieren kann, erinnere ich mich an die Worte von Zdzisław Beksiński. Er sagt, dass alles was uns passiert, Einfluss auf unsere Handlungen und auf unser Wesen. Steht das Ihnen nahe?

Ich stimme Zdzislaw Beksinski völlig zu. Natürlich hat das, was uns im Leben passiert, eine enorme Auswirkung darauf, was wir schaffen und wer wir sind; wir werden bestimmt von unseren Erfahrungen durchdrungen und für immer geprägt. Ich bin froh darüber, dass ich nicht zur Kriegsgeneration gehöre und gegen traumatische Erfahrungen nicht zu kämpfen habe. Ich mag das, was ich tue, ich habe den Komfort, uneingeschränkt zu handeln, Lauterkeit und Besonnenheit. Ich schöpfe meine Inspiration aus der Welt, die mich umgibt.

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Alles inspiriert mich: das, was ich erlebe, was ich sehe, was ich jeden Tag erkenne. Mir gefällt es zur Natur als unversiegliche Ideenquelle zu greifen; man kann unendlich wegziehen, frei umzuwandeln und zu vereinfachen, ohne dass sie ihre Scharfsinnigkeit und Deutlichkeit verliert. Sie bleibt zierlich und friedlich. Ich glaube, dass das Geheimnis der Kunst in der Tatsache besteht, dass eine reine Kleinigkeit an Bedeutung gewinnt, indem sie die Innenverwandlung im Geiste des Künstlers durchläuft.

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Für mich ist das Malen eine Art Flucht vor dem Alltag hin zu einer ideellen Welt. Ringend mit der Leinwand verliere ich manchmal Zeitgefühl und Kontakt zur Realität, dann verfalle ich in Euphorie, da sich die ganze Welt auf dieses Bild, woran ich arbeite, reduziert hat. Es ist erschöpfend, aber trotzdem ein wunderschönes Gefühl!

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Würden Sie einige zeitgenössische Polnische Maler nennen, deren Kunst Sie faszinierend finden? Wie unterscheiden sie sich untereinander?

Ich schätze die Werke der zeitgenössischen einheimischen Künstler hoch. Um ehrlich zu sein, werde ich hauptsächlich von Künslern der älteren Generationen, wie zum Beispiel Teresa Pagowska, Jacek Sienicki, Artur Nacht-Samborski, Leon Tarasin, Jerzy Nowosielski, Tadeusz Dominik, und natürlich Piotr Potworowski. Sie sind wichtige Persönlichkeiten für die Polnische Kunst im 20. Jahrhundert, die meisten sind Vertreter der von Pankiewicz gegründeten Colourism School oder sind ihre Nachfolger.

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Die jungen Vertreter der künstlerischen Umwelt in Polen, die dazu neigen den Menschen oder sogar seine Anatomie zu analysieren, bekommen meiner Meinung nach die breiteste Zustimmung. Viele Künstler zeigen die dunkle Seite des Lebens, indem sie angemessene Ausdrucksmittel verwenden. Ich bleibe treu zu dem echten Gemälde und ich hoffe darauf, dass meine Werke ausdrucksvoll und optimistisch sind.

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http://www.arogowska.pl/

Kategorien: Frontpage · Um die Welt · Visual Arts

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