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Artist of the Week – Alexander Raytchev

7 Januar, 2015 von · Keine Kommentare

Ein Gespräch von Tsvetelina Mareva mit dem Pianisten und Komponisten Alexander Raytchev

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Alexander Raytchew, Image, New Living Home, Atrium, Hamburg

Herr Raytchev, würden Sie uns bitte über den Anfang Ihrer Musikkarriere erzählen? Wer hat Ihnen an die Kunst herangeführt und bei wem haben Sie Ihre ersten Schritte gemacht?

Als ich 5 Jahre alt war, schenkte mir mein Vater eine Kindermundharmonika mit Tasten. Darauf habe ich mein erstes Stück komponiert. Meine Eltern waren sehr positiv überrascht und meinten – das Kind hat Talent. Also, hat mir mein Vater gezeigt wie ich die Melodie am Klavier spielen kann – es war mein erstes Klavierstück. Im Anschluß, mit sechs Jahren habe ich die Aufnahmeprüfung an der Musikschule bestanden und begann intensiv mit dem Klavierspiel.

Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, Schlagersänger und Schauspieler zu imitieren. Das ist auch kein Wunder gewesen – Vater Komponist, Mutter Schauspielerin, Oma Malerin. Der einzige “nicht Künstler” in der Familie war mein Opa – er war Rechtsanwalt.

Stück für Stück habe ich mich in die Musik- und Kunstwelt eingelebt – etwas, das ich bis heute nicht bereue und mir immer sehr viel Kraft gegeben hat! Besonders auch für meine eigenen Werke, wie das jüngst erschienene Album “Jahreszeiten”, über das ich besonders glücklich bin.

Wie und warum haben Sie sich entschlossen, Ihr Talent in Deutschland zu entfalten?

Die Entscheidung fiel gleich nach der Wende. Meine Eltern wollten, dass ich eine andere Kultur kennenlerne. Zuerst dachten wir an die USA, aber die Studiumtaxen dort sind sehr teuer und viel Geld war nicht vorhanden. Eine Freundin meines Vaters hatte mich ihrem Sohn, der in Deutschland lebte (auch Pianisten) vorgestellt und so habe ich die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule in Trossingen gemeistert und habe im Jahre 1993 angefangen dort zu studieren. Es ist zwar eine sehr kleine Stadt (damals 12 000 Einwohner), aber für den Einstieg und für ein ruhiges Studium perfekt. Anfangs hatte ich allerdings Schwierigkeiten, mich an diese “Ruhe” zu gewöhnen. Ich komme aus Sofia, einer Stadt mit 2 Millionen Einwohnern, die sehr lebendig ist.

Das war dann am Ende vermutlich auch der Grund, warum ich mich nach 4 Jahren entschlossen habe, mein weiteres Studium in einer großen Stadt wie Hannover fortzuführen. Die Musikhochschule dort hat über 1000 Studenten, es ist eine “eigene Stadt” und außerdem hatte ich dort herausragende Professoren – Prof. Arie Vardi und Prof. Bernd Götzke. Ich hätte es in Bulgarien bestimmt einfacher gehabt, meine Karriere zu entfalten, aber ich liebe Herausforderungen und vor allem habe ich mich ziemlich schnell in Deutschland “Zuhause” gefühlt. Spätestens, als ich Hamburg kennengelernt habe, wusste ich, wo ich leben möchte.

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Welche sind die bedeutendsten Konzerte/Veranstaltungen, an denen Sie teilgenommen haben?

Jedes Konzert ist für mich ein besonderes, von daher ist die Frage ein bisschen schwer zu beantworten. Aber natürlich gibt es immer wieder absolute Highlights. Das Festival „Korrespondenzen“ in Baden-Baden zum Beispiel, meine Tourneen durch Japan und nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit dem Hamburger Planetarium, das einen der schönsten Konzertsäle Europas unter dem Sternenzelt hat. Dort kann ich seit etwa 10 Jahren meinen Traum ausleben –klassische Klavierkonzerte mit berührender Musik gemischt mit sagenhaften Bildprojektionen. Aus diesem Grund habe ich auch ein Bühnenprogramm geschrieben, PLANETS OF THE UNIVERSE, mit dem ich demnächst auf Tournee gehe. Sterne und Weltraum faszinieren mich nämlich schon seit meiner Kindheit! Darin suche und finde ich die Anfänge der Menschheit und das Universum zeigt mir stets wie klein, aber wertvoll wir sind – wir und unser Planet Erde.

In welchen Ländern haben Sie bis jetzt Konzertreisen unternommen und welche haben Sie am meisten begeistert?

Ich war mittlerweile auf allen Kontinenten, aber am meisten hat mir Japan gefallen. Es ist ein tolles Land! Ansonsten war ich in Frankreich, Spanien, Italien, den USA und Schweden. Natürlich bin ich auch regelmässig in Bulgarien, wo ich auch gelegentlich Kurse für Klavier gebe. Die Welt ist so bunt – es macht Spaß überall zu sein!

Sie sind auch als Komponist tätig. Erzählen Sie uns bitte mehr über das „Musikschaffen”.

Eigentlich wollte ich nur Komponist sein, aber mein Vater sagte mir: “Damit du ein guter Komponist sein kannst, musst du ein Instrument sehr gut beherrschen”. Das ist für mich das Klavier. Ich bin meinem Vater sehr dankbar für seine Worte. Denn so habe ich die Möglichkeit mich auf “meinem Instrument” auszudrücken. Das Komponieren bedeutet mir alles! Es ist der innige Wunsch all die Erlebnisse und Erfahrungen, die ich im Leben gesammelt habe (positive wie negative) in Musik umzuwandeln. Es ist ein “unendecktes Land” die Welt der Musik. Wer mich persönlich kennenlernen möchte, muss einfach nur meiner Musik lauschen, denn sie ist mein verstecktes “Ich”. Es ist mir eine große Ehre, wenn ich es schaffe durch meine Musik andere Menschen glücklich zu machen, sie in eine Welt voller Emotionen mitzunehmen, zu vermitteln, wie wertvoll das Leben ist!

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Was haben Sie von den anderen Musikern, mit denen Sie zusammengearbeitet haben, gelernt? Wer hat den größten Einfluss auf Sie ausgeübt?

Jeder einzelne Kollege ist eine Bereicherung für mich! Denn durch eine fruchtbare Zusammenarbeit entstehen neue Horizonte, Emotionen und Blickwinkel auf die Welt und all das was uns umgibt. Gelernt habe ich nicht nur bei meinen Professoren, sondern auch durch das Besuchen von Konzerten und Theaterstücken, Ausstellungen und Veranstaltungen. Begeistert haben mich immer (und bis heute) Horowitz, Metallica, Vangelis und Philip Glass. Aber auch Rilke, Heinz Erhard, Dontscho Tsontschev, mein Vater Alexander Raytchev, meine Mutter Milena Atanasova und viele andere Menschen, die sich der Kunst gewidmet haben.

Gibt es Erfolgsformel in der Kunst?

Ja! Meiner Meinung nach ist es das Vermitteln von Emotionen! Etwas, was schön ist, berührt alle. Dann gibt es aber auch noch die inhaltliche Seite, jedes Stück Kunst macht uns nicht nur glücklicher, sondern auch klüger, erfahrener und weiser. Es hilft uns mit den Problemen des Alltags besser klarzukommen und das Universum zu verstehen – warum sind wir hier und welche Aufgaben tragen wir in uns. Und natürlich das Teilen mit anderen. Erfolg ist für mich in erster Linie seelischer Natur, wenn dann auch noch das Geld stimmt, umso besser. Aber zuerst muss die Seele schwingen, alles weitere ergibt sich dann genau daraus.

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Steht die Musikkunst, Ihrer Meinung nach, in Verbindung mit der Wissenschaft?

Oh, ja. Musik ist eine Wissenschaft für sich. Es gibt mittlerweile sehr viele Fakten, die belegen, dass Musik eine besondere Wirkung auf unsere Gesundheit und Wohlbefinden hat. Außerdem hat sich Musik immer schon mit dem Universum (dem Göttlichen) auseinandergesetzt. Das heißt, dass jeder Musiker und Komponist durch seine Musik intuitiv die Gesetze der Natur in Emotionen umzuwandeln versucht, so dass sie für die anderen wie eine Art Wegweiser wirken. Für seelische Zufriedenheit und persönliches Glück. Das ist großartig!

Was schätzen Sie an Ihrem Beruf besonders?

Die Möglichkeit zu teilen. Für mich ist Musik nicht nur eine „Ablenkung“. Natürlich amüsiert man sich dabei, aber das ist eher eine „flache“ Wirkung von Musik, denn am nächsten Tag ist alles wie vorher, sprich, Musik ist für mich nicht nur ein momentanes Gefühl, sondern eine Richtung – zum Wohlbefinden.

Wie sehen Sie die Zukunft der klassischen Musik?

An dieser Stelle müsste man sich die Frage stellen was klassische Musik ist – die gibt es ja schon seit Jahrhunderten und sie hat immer noch nicht an Bedeutung verloren. Das ist deshalb so, weil es etwas mehr gibt als nur den “temporären Erfolg”. Wenn etwas für die Geschichte und Entwicklung der Menscheit wichtig und von Bedeutung ist, bleibt es auch “nach der Zeit” bestehen. Klassische Musik hat diese Voraussetzungen schon lange erfüllt und wird dann in den nächsten Jahrhunderten von weiteren Musikrichtungen begleitet – elektronische Musik ist auch wegweisend, oder die Pop-Kultur. Natürlich werden nich alle Künstler in Erinnerung bleiben, aber deren Essenz des kulturellen Schaffens wird immer Geschichte schreiben, auch wenn es “zu Lebzeiten” nicht oder nur weniger populär war.

http://www.alexanderraytchev.com

 

Kategorien: Art Café · Frontpage · Lifestyle · Musik

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