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Artist of the Week – Ana Moura

3 September, 2012 von · Keine Kommentare

Interview von Dessislava Berndt mit der Fado-Sängerin Ana Moura
Übersetzung: Dessislava Berndt

exclusive for Public Republic

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Photo: CLAUDIA SCHEER VAN ERP PHOTODESIGN SCHEERP.DE

Zum vierten Mal fand in diesem Jahr das Festival Klangart statt. Der Direktor des Festivals – Ernst Dieter Fränzel – lud weltbekannte Musiker, die den Reichtum ihrer Kulturen nach Wuppertal brachten, ein. Das Publikum genoss im Skulpturenpark Waldfrieden großartige Musik, Natur und die wunderbaren Skulpturen des bekannten englischen Bildhauers und Rektors der Kunstakademie in Düsseldorf – Tony Cragg.

Mit großem Vergnügen stelle ich exklusiv für Public Republic die Fado-Sängerin Ana Moura vor. Begleitet von ihren Musikern verzauberte sie das Publikum. Sogar der Regen hörte während des Konzerts auf. Ana Moura ist nicht nur schön, sogar wenn sie spricht ist ihre Stimme tief und zugleich samtweich. Ich war persönlich nicht nur von ihrer Erscheinung sehr beeindruckt, sondern auch von der Musik – ein unvergessliches Erlebnis!

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Photo: CLAUDIA SCHEER VAN ERP PHOTODESIGN SCHEERP.DE

Ana, bist Du zum ersten Mal in Wuppertal?

Ja, ich bin zum ersten Mal hier, mag aber diesen Ort (Villa Waldfrieden, wo wir uns während des Interviews befinden). Ich kenne das Tanztheater Pina Bausch und habe auch von diesem ungewöhnlichen Transportmittel, der Schwebebahn, gehört.

Seit 2011 gehört Fado zur UNESCO-Weltkulturerbe. Was bedeutet Fado für Dich?

Für mich ist Fado Ausdruck meiner Seele. Fado ist Musik über Gefühle und Emotionen und hilft uns, diese zu akzeptieren und mit ihnen zu leben.

Du hast mit weltbekannten Musikern wie Rolling Stones und Prince gearbeitet. Was war das Überaschende in dieser Zusammenarbeit?

Das Überraschende war überhaupt die Idee einer solchen Zusammenarbeit. Ich habe nie an eine Zusammenarbeit gedacht. Alles war überraschend – solche Musiker persönlich zu treffen und zu sehen, dass sie ganz normale Leute sind. Das war sehr wichtig für mich. Wir müssen immer die verschiedenen Musikwege ergründen. Diese Erfahrung half mir neues zu entdecken, auszuprobieren und neue Möglichkeiten meiner Fado-Interpretation zu finden.

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Photo: Paulo Segadães

Beispielsweise als Prince mit seinen Freunden Musik machte, lud er uns dazu ein. Ich sang Fado und die anderen fingen an zu spielen und zu improvisieren.

Du hast zusammen mit der Big Band des Frankfurter Rundfunks gearbeitet. Wie war es für Dich, Fado mit Jazz zu kombinieren?

Die Performance ist komplett anders. In seiner Interpretationsfreiheit ist Fado ähnlich mit Jazz. Unser traditionelles Fado lebt von der Improvisation. Mit dem Orchester ist es anders – dort ist alles vorher festgelegt und Du muss es genauso singen und respektieren. Es war für mich etwas ungewohnt, da ich Fado singe und dabei improvisiere. Es war aber eine großartige Erfahrung.

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Photo: CLAUDIA SCHEER VAN ERP PHOTODESIGN SCHEERP.DE

Was kannst Du uns über Deine Pläne und Projekte erzählen?

Zurzeit bereite ich mein neues Album vor und entdecke das Universum. Ich habe während der Aufnahmen in einem Studio in Los Angeles viele Musiker getroffen. Dort habe ich mit dem weltbekannten Produzenten Larry Klein gearbeitet und entschieden, was anderes auszuprobieren.

Im Oktober werden wir das Album bewerben und in der ganzen Welt verkaufen. Ende des Monats werde ich auf Tour sein. Nächstes Jahr sind 11 Konzerte in Mexiko, weitere Auftritte in Portugal und eine Tour von anderthalb Monaten in den USA geplant.

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Photo: CLAUDIA SCHEER VAN ERP PHOTODESIGN SCHEERP.DE

Kennst Du Bulgarien?

Ich kenne die bulgarische Musik, insbesondere das traditionelle bulgarische Singen der Frauenstimmen. Bulgarien interessiert mich gerade wegen der Musik; vielleicht komme ich nächstes Jahr für ein Konzert.

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Photo: CLAUDIA SCHEER VAN ERP PHOTODESIGN SCHEERP.DE

Welches ist die größte Herausforderung für Dich als Künstlerin?

Normalerweise plane ich nicht, was ich erreichen will. Ich liebe den Charme der Überraschung – so wie es bei der Zusammenarbeit mit den Stones und Prince war. Ich liebe es, mit meinen Emotionen zu leben. Während der Konzerte fühle ich mich frei und liebe es, auf der Bühne zu sein.

Ich liebe sehr die Jam Sessions und den Austausch mit anderen Musikern. Traditionell bleiben die Musiker bei Fado im Hintergrund, da der Sänger derjenige ist, der im Vordergrund steht. Ich versuche es immer anders zu machen und mit meinen Musikern das Erlebnis auf der Bühne zu teilen.

Was ist das Wichtigste, was man über Dich wissen sollte?

Eigentlich rede ich nicht gern über mich. Ich bin sehr schüchtern.

Ich hasse es mit anzusehen, wie Menschen leiden, ich könnte mich nie daran gewöhnen.

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Photo: Paulo Segadães

Ich respektiere die Musik sehr und möchte gern erleben, wie unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Kulturen meine Musik empfinden. Fado ist auf der ganzen Welt beliebt. Ich war in Asien, Afrika, Brasilien, USA, Spanien und vor zwei Wochen in Istanbul – die Reaktionen sind überall überwältigend.

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Photo: Paulo Segadães

www.anamoura.com.pt

Ana Moura wurde in Santarém, Portugal geboren. Ihr Debütalbum hieß “Guarda-me a vida na mão” (2003). Es folgten “Aconteceu” (2005) und “Para Além da Saudade” (2007).

Sie sang in verschiedenen Clubs in Lissabon und wurde mit einem Fernsehauftritt zusammen mit Antonio Pinto Basto bekannt.

Das letzte Album gewann drei Mal Platin und war 120 Wochen in Top 30 der portugiesischen Charts. Dafür wurde Ana Moura für den Golden Globe in der Kategorie „Best Individual Performer“ nominiert.

In 2007 sang Ana Moura “No Expectations” zusammen mit den Rolling Stones bei einem Konzert in Lissabon. Nach weiteren großen Konzerten in Porto und Lissabon erschien die erste Live-DVD in 2008 und sie bekam den Preis “best performance Amalia”. In 2009 begann die Zusammenarbeit mit Prince.

Das letzte Album “Leva-me aos Fados” (”Take Me to a Fado House”) – veröffentlicht am 12. Oktober 2009 – erreichte Platin und die Top 10 der meistverkauften Alben. Konzerte in Portugal, London, Kanada, Österreich und Deutschland folgten. 2010 and 2011 sang sie beim San Francisco Jazz Festival.

Das neue Album (erwartet in Oktober 2012) wurde in den historischen Henson Recording Studios in Los Angeles aufgenommen und von Larry Klein produziert (er ist Gewinner von vier Grammy Awards und Produzent von Joni Mitchell, Herbie Hancock, Madeleine Peyroux, Melody Gardot, Tracy Chapman, Raul Midón and Luciana Souza).

Kategorien: Art Café · Frontpage · Szene

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