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Artist of the Week – André Wiesler

15 Juni, 2015 von · Keine Kommentare

Ein Interview von Dessislava Berndt mit dem Autor André Wiesler

Herr Wiesler, nach unseren Recherchen sind Sie u.a. als Autor von Fantasy- und Science Fiction-Romanen, Spielentwickler, Bühnenkünstler, Slam-Poet, Übersetzer und Herausgeber tätig. Wie sehen Sie sich am liebsten? Was macht Ihnen am meisten Spaß?

Die Mischung all dieser Dinge ist für mich tatsächlich das Spannende. Wenn ich mal keine Lust auf das eine habe, warten immer noch genug andere Dinge, die mir Spaß machen. Das ist vermutlich auch der Grund, warum ich so viel tatsächlich fertigbekomme: Ich prokrastiniere einfach immer innerhalb meiner Tätigkeiten. Aber wenn ich mich für ein Schaffensfeld entscheiden müsste, dann wäre es aber auf jeden Fall die Schriftstellerei – ich erzähle einfach liebend gern Geschichten.

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André Wiesler, Foto: Michael Becker

Über was oder wen schreiben Sie am liebsten?

Ich mag die nicht so perfekten Helden, die auch mal auf die Nase fallen, aber es mit Humor nehmen.


Wiesler liest bei der Erstsemesterveranstaltung 2014 in Wuppertal

Wann und wie entstand die Idee einer Schreibwerkstatt, bei der die Autoren ihre Geschichte veröffentlichen und bzw. öffentlich vorzustellen können?

Seinen Anfang nahm mein Werdegang als Schreiblehrer auf verschiedenen Rollenspiel-Conventions, wo mir die Besucher nach meinen Lesungen immer wieder Fragen zum Schreiben stellten.

Irgendwann bemerkte ich, dass es mir offenbar ganz gut gelang, den Leuten die Sachverhalte zu vermitteln, und bot Workshops auf diesen Veranstaltungen an. Dann folgten VHS-Kurse und einige Jahre als Schreiblehrer an unterschiedlichen Wuppertaler Schulen und schlussendlich mein Kurs „Wie schreibe ich ein Buch?“, den ich vom Nachmittagsseminar bis zum Dreitages-Seminar anbiete. Und aus diesem Kurs stammen auch die Teilnehmer meiner aktuellen kleinen Schreibgruppe. Sie sind mir im Rahmen der verschiedenen Kurse ins Auge gefallen und daraufhin habe ich sie eingeladen, in der Schreibgruppe weiter an ihren Büchern zu arbeiten.

Wer kann mitmachen?

Jeder kann mich für einen Kurs oder als Schreiblehrer – oder, wenn er schon erfahrener ist, als Schreibcoach – engagieren. Für die Schreibgruppe, aus der das jährliche Buch hervorgeht, bedarf es aber tatsächlich einer persönlichen Einladung. Da sind wir ein bisschen elitär, weil dort neben der Schreibarbeit über die Jahre auch tiefe Freundschaften entstanden sind.

Das aktuelle Buch der Schreibgruppe „Vom Leben und Regen in Wuppertal“ enthält 11 Geschichten. Sind diese wahr oder frei erfunden?

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Teils und Teils. Aber macht das einen Unterschied, wenn die Geschichte den Leser erreicht und berührt oder unterhält?

Wer soll damit angesprochen werden bzw. warum sollen Nicht-Wuppertaler das Buch lesen?

Das Buch ist eine bunte Mischung aus unterhaltsamen, spannenden und anrührenden Kurzgeschichten über Menschen in Wuppertal. Es richtet sich damit an Leser, die Abwechslung und kurze, originelle Erzählungen über mehr oder weniger normale Leute mögen. Sie beschreiben das Besondere, das uns allen selten, aber immer wieder im Alltag begegnet.

Welche Erkenntnisse bei der Arbeit mit anderen Autoren sind für Sie überraschend oder besonders wertvoll?

Ich erfreue mich immer wieder daran, zu sehen, auf wie viele verschiedene Arten man eine gute Geschichte erzählen kann und lerne aus den Ansätzen und Ideen der Teilnehmer der Schreibwerkstatt, auf die ich niemals gekommen wäre. Außerdem hilft es mir immens, mich auch mit meinen Texten der Kritik der Gruppe zu stellen, denn man lernt beim Schreiben nie aus.

Wird es ein drittes Buch mit Geschichten über Wuppertal geben?

Die Bücherei Köndgen hat Interesse an einem weiteren bekundet und wir freuen uns schon drauf. Vermutlich wird es gegen Ende des Jahres soweit sein.

Gibt es andere interessante Pläne/Termine/Ereignisse?

Bis zum 10.6. lief das Crowdfunding zu meinem kommenden Roman „Protektor“, in dem es um einen Monsterjäger wider Willen geht, den eine Kuh als Tiefgefährte begleitet.

Wer sich dort beteiligt, bekommt auch eine Eintrittskarte zur multimedialen Lesung am 28.8. kostenlos. Zu finden ist das Ganze unter www.startnext.com/protektor.

Erzählen Sie uns bitte etwas über die Aktion Wuppertaler Wortpiraten?

Das ist sicher auch etwas für Freunde kurzer Geschichten. Zusammen mit meinem Kollegen David Grashoff veranstalte ich den Wortex-Poetry-Slam, bei dem sich einmal im Monat in der Börse in Wuppertal vorwiegend junge Künstler mit ihren Texten dem Publikum präsentieren. Im Juli machen wir Sommerpause, aber ab August sind wir wieder am Start.

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Wortex-Poetry-Slam, Foto:Reiner Szesny

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Foto:Wortex-Poetry-Slam, Reiner Szesny

Wovon träumen Sie und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Wenn ich weiterhin genug Leser und Zuhörer finde, um meine Geschichten erzählen zu können, bin ich zufrieden. Natürlich würde ich auch gerne mal Hallen füllen, wie es manche Comedy-Kollegen schaffen, aber das gelingt mit der sogenannten „Kleinkunst“ ja eher schwerlich, und für Bestseller sind meine Geschichten vermutlich nicht mainstream-tauglich genug. Vor allem wünsche ich mir aber, weiterhin die Geschichten erzählen zu können, die mir Spaß machen und wichtig sind. Wenn mir ein reicher Mäzen eine Villa schenken möchte, werde ich aber nicht nein sagen.

André Wiesler wurde 1974 in Wuppertal geboren, wo er bis heute lebt und arbeitet. Er ist als Autor für phantastische Romane, Spieleentwickler, Marketing- und Social-Media-Berater, Lesekomiker, Übersetzer und Slam-Poet tätig.

Er hat für Comedy-Fernsehsendungen wie RTL Samstag Nacht, Happiness, Die Dreisten Drei, die Kindercomedy “Alles Klar” und “Verstehen Sie Spaß?” geschrieben und war als Übersetzer Englisch/Deutsch für diverse deutsche Verlage tätig.

2004 erschien sein erster Roman, dem 1-2 Romane pro Jahr folgen. Seit einigen Jahren ist er mit Soloprogrammen als Lesekomiker unterwegs und hat sich als Teil der Wuppertaler Wortpiraten und ihres Wortex-Poetry-Slams einen Namen als Slam-Poet gemacht.

2012 bis 2013 war André Wiesler Marketingleiter bei Ulisses Spiele, heute ist er dort Projektleiter für Crowdfundings und zuständig für die Zukunftssicherung. Er betreut verschiedene Kultur- und Literaturprojekte, beispielsweise den mit dem “Kultur prägt!”-Preis des Landes NRW ausgezeichneten Kurs “Geschichten in Wort und Bild” (Kooperationsprojekt Kindergarten/Schule) oder den Poetry-Slam-Workshop des Kulturrucksacks der Stadt Wuppertal. Außerdem ist er als Blogger und Podcaster im Internet unterwegs.

Mehr Informationen finden Sie unter

www.andrewiesler.de

Kategorien: Frontpage · Humor · Szene

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