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Artist of the Week — Anna Käse

25 Juli, 2011 von · Keine Kommentare

Ein Interview von Petya Hristova mit der Künstlerin Anna Käse

AnnaKe
Foto: Anna Käse

Anna Käse: “Bei der Betrachtung meiner Bilder sollte man in sich gehen und schauen, ob etwas von diesem Gefühl rüber kommt. Dann aber nicht unbedingt genau so, wie mir das begegnet ist. Das ist dann meine Kunst. Ein Gefühl. Sie zeigen einen Weg, mit der heutigen Welt umzugehen.”

Schutzengel_40x30cm

Liebe Anna, wie würdest Du Deine Kunst mit einem Wort beschreiben?

Narrativ.

Vor zwei Jahren wurde Dir ein Stipendium aufgrund besonderer künstlerischer Leistungen verliehen. Würdest Du das als einen Wendepunkt in Deiner künstlerischen Verwirklichung bezeichnen?

Das Stipendium wurde mir 2005 während meines Studiums in Essen von der Akademieleitung verliehen. Natürlich habe ich mich wirklich sehr darüber gefreut. Man möchte zwar die eigene Kunst nicht von der Meinung anderer abhängig machen, aber es war natürlich schön zu sehen, dass es Menschen gibt, die an mich glauben und davon überzeugt sind, dass meine Kunst noch mehr Leuten als nur mir selbst gefallen wird.

Maulwurf_30x40cm

Was beeindruckt Dich am meisten? Findest Du leicht den Zugang zu Deiner phantasievollen Welt im rasenden Alltag?

Man könnte sagen, es beeindruckt mich, wenn sich Menschen in diesem rasenden Alltag, wie du es genannt hast, scheinbar ohne jedes Zögern mutig zurecht finden. Meine Reaktion auf eine Umwelt, in der man mit einer kritischen Denkweise ja sehr leicht anecken kann und unter Umständen auch oft zurückgewiesen oder nicht gehört wird, ist ja gerade die Hinwendung an eine fiktive Welt. In der kann ich die Dinge so gestalten wie sie mich glücklich machen und kann Schwierigkeiten, die mir gegenübertreten, in weniger bedrohlicher Form wiedergeben.

Katzenstadt_50x40cm

Was findest Du an Berlin Neukölln faszinierend? Bist Du der Meinung, dass da der passende Ort für die jungen Künstler in Berlin (und in ganz Deutschland) ist?

Als ich nach Berlin gekommen bin, bin ich ja direkt hier gelandet. Die Stadt insgesamt gefällt mir gut und auch der Bezirk ist genau der richtige für mich. Gewissermaßen würde ich jedoch hoffen, dass das nicht alle so sehen. Die Bezirke der Stadt unterscheiden sich ja zum Teil schon recht deutlich und ziehen dadurch unterschiedliche Arten von Menschen an. Momentan gefällt es mir, dass ich ohne komisch angeschaut zu werden in Jogginghose einkaufen kann. Die Gegend verändert sich gerade sehr stark, ich hoffe aber und bin auch zuversichtlich, dass ich sie auch in ein paar Jahren noch mag. Wenn nette und interessante Leute, die was kreatives machen wollen, in einem bestimmten Teil einer Stadt zusammen kommen, hat das sicherlich Vorteile. Von daher sehe ich die Entwicklung erstmal recht positiv.

Medusa_I_10x10cm

Gehst Du mit anderen jungen Künstlern um?

Ehrlich gesagt arbeite ich lieber alleine. Manchmal braucht man Hilfe bei der ein oder anderen Sache und da ist es gut, entsprechend Leute zu kennen, denen man dann bei Gelegenheit ebenfalls weiterhilft. Ansonsten bin ich einfach interessiert an dem, was andere KünstlerInnen so machen. Ich schaue mir die Arbeiten an und entscheide, ob sie mir gefallen oder nicht. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich das mit dem kritischen Blick einer Kollegin tue, die die Profession teilt, oder einfach nur aus dem Blickwinkel von jemanden, der es mag, wenn Leute schöne Sachen hervorbringen.

Medusa_III_10x10cm

Würdest Du mehr über die anderen Kunstarten erzählen, wofür Du Dich interessierst? Dein Lieblingsbuch? Dein Lieblingsfilm?

Bücher und Filme sind tatsächlich eine große Leidenschaft von mir. In beiden Fällen mag ich es, wenn die Tatsache, dass sich Bücher und Filme nicht an die Realität zu halten brauchen, genutzt wird. Franz Kafka wäre da jetzt sicher ein naheliegendes Beispiel. Es passieren Dinge, die nicht passieren können. Das Ganze hat einen Bezug zu unserer realen Welt hält sich aber nicht an ihre Grenzen. Zum Einschlafen lese ich auch sehr gerne Harry Potter.
Es gibt viele Filme, die mich beeindruckt haben. Vor kurzem habe ich Scott Pilgrim vs. the world gesehen, mittlerweile schon drei mal. Dieser Film erzählt die Geschichte nicht nur aus einer ganz bestimmten Perspektive, sondern auch in einer Art und Weise, die Tatsächliches, Vorgestelltes und subjektiv Wahrgenommenes völlig durcheinander wirbelt. In der weniger spaßigen und eher düsteren Variante schätze ich diesen Aspekt bei den Filmen von David Lynch.
Wirklich Freude habe ich an Filmen, die eine Stimmungsmelange aus den Elementen lustig, melancholisch und verträumt kreieren und sehr behutsam mit den in ihnen vorkommenden Charakteren umgehen. Beispiele hierfür wären Garden State von Zach Braff oder Little Miss Sunshine.

Medusa_IV_10x10cm

Was macht Dich als Künstlerin zufrieden und was ist Deine größte Herausforderung?

So leicht die eine Frage zu beantworten ist, so schwer die andere. Zufrieden bin ich, wenn ich mit dem, was ich tue, Erfolg habe. Wenn mir die neue Radierung an der ich ja von den ersten Skizzen bis zum endgültigen Druck lange gearbeitet habe, gelingt, bin ich froh. Wenn ich sie dann verkaufe ebenso.
Ich würde gerne immer davon überzeugt sein, dass das was ich tue auch dauerhaft Erfolg haben wird. Oft bin ich das, aber manchmal fehlt mir da auch ein bisschen der Mut und die Überzeugung, dass ich das, was ich tue, nicht nur für mich mache, sondern es auch von Anderen wertgeschätzt wird. Letztlich bestreite ich ja von dieser Wertschätzung auch meinen Lebensunterhalt.

Medusa_VII_10x10cm

Was sind Deine beruflichen Pläne für die Zukunft?

Ich hätte gerne ein Atelier mit Ausstellungsmöglichkeiten. So einen kleinen Laden wo man sich treffen kann, um sich zu unterhalten und Kunst zu machen. Der aber auch Anlaufstelle für junge Künstler sein soll, die sich gerade selbstständig machen wollen und dabei Unterstützung brauchen. Da würde ich auch gerne Kurse anbieten. An meiner Kunst arbeite ich zwar wie gesagt lieber allein, aber ich zeige anderen Menschen gerne, wie das, was ich tue genau funktioniert.

Me_Myself_and_I_90x60cm

Was willst Du der Welt durch Deine Kunst beibringen? Was ist Deine Botschaft?

Beibringen oder Botschaften vermitteln ist nicht so mein Anliegen. Ich möchte nicht als Lehrerin auftreten. Meine Bilder sind sehr persönlich und stellen meine eigenen Gefühle dar, die mich im Alltag konfrontieren. Bei der Betrachtung meiner Bilder sollte man in sich gehen und schauen, ob etwas von diesem Gefühl rüber kommt. Dann aber nicht unbedingt genau so, wie mir das begegnet ist. Das ist dann meine Kunst. Ein Gefühl. Sie zeigen einen Weg, mit der heutigen Welt umzugehen. Es gab und gibt ja auch Kunst, die einen Beitrag zur Veränderung der Welt liefern will. Die Verhältnisse in denen wir leben sind sicherlich derart, dass sie – jedoch nur zum besseren – verändert werden müssten. Ich habe dazu also durchaus eine Meinung. Politik sollte aber rational sein und meine Kunst geht mit den Gefühlen um. Wenn man sich Ihnen in meinen Bildern stellt, hoffe ich das sie einem helfen können.

Vielen Dank für dieses Interview!

Gerne!

Wahl_20x30cm

Roboter_20x30cm

Teddybear_15x30cm

Monster_20x15cm

Fotos: Anna Käse

Vor gut drei Jahren hat Anna Käse ihre Studium der Malerei und Druckgrafik an der Freien Akademie der bildenden Künste in Essen mit dem Erhalt des Meisterschülerbriefes erfolgreich abgeschlossen. Von der Akademieleitung wurde ihr zwei Jahre zuvor ein Stipendium aufgrund besonderer künstlerischer Leistungen verliehen. Seit 2008 lebt und arbeitet sie nun in Berlin Neukölln und verkauft ihre Arbeiten auf Märkten, Ausstellungen und über ihre Homepage www.annakaese.de .
In ihren Arbeiten erzählt sie meist kleine Geschichten oder stellt dem Betrachter phantasievolle Charaktere vor. Geprägt sind die Werke von klaren Linien und charmanten Narrativen. Anna Käse versteht es, ohne aufwendige Effekte viel Lebendigkeit in ihre Kunstwerke zu bringen, die zusammen eine eigene kleine Welt erschaffen.
Die Affinität zu phantastischen Geschichten spiegelt sich auch in Anna Käses Privatleben wider. Einen Großteil ihrer freien Zeit widmet sie Büchern, Filmen und Serien. Es wundert also kaum, dass sie auch schon selbst Stop-Motion-Filme gemacht hat.
In ihren Bildern erkennt man die Hingabe der Künstlerin, erahnt ihre eigene Art, die Welt zu betrachten und spürt die Freude, mit der Anna Käse die Grenzenlosigkeit der künstlerischen Entfaltung auskostet und für die Realisierung ihrer Ideen nutzt.

Kategorien: Frontpage · Modern Times · Visual Arts

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