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Artist of the Week – Becker Schmitz

29 Januar, 2013 von · Keine Kommentare

Interview von Anelia Stoyanova mit dem Künstler Becker Schmitz

Portrait

Becker Schmitz, würdest du dich bitte mit einigen Worten vorstellen?

Ich wurde 1980 in Moers geboren, während des Studiums habe ich einige Zeit in Berlin verbracht und lebe nun im Ruhrgebiet. Viele kennen Moers, meine Heimatstadt, nicht. Es gibt dort eine malerische Altstadt und einen fabelhaft schönen Schlosspark. Ich nenne ihn auch mein zweites Kinderzimmer, denn ich habe dort einen Großteil meiner Jugend zugebracht. Wenn ich nicht in der Schule war, weil ich sie geschwänzt habe, war ich in eben diesem Schlosspark.

Nach meinem Abitur habe ich Soziologie, Politik und Psychologie studiert, denn der Mensch ist und bleibt faszinierend. Aber es hat mich nicht ausgefüllt. Ich wollte gestalterisch tätig sein. Etwas Magisches spüren, was außerhalb meiner Sprache stattfindet. So bin ich dann an der Freien Akademie der Bildenden Künste in Essen gelandet.

Dort habe ich meinen Abschluss als Meisterschüler für interdisziplinäre Kunst und Malerei gemacht.

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“Hold The Line” 2012 near the River Rhein at the Ruhrarea
Foto: Pascal Bruns

Was bedeutet Kunst für dich?

Ein vom Menschen geschaffener Begriff vom Alles und Nichts. Bizarr und gegensätzlich. Die Fülle und Leere die sich in einer Sache im selben Moment vereinen. Sinn und Unsinn. Geborgenheit und Verlassensein. Ganz nah und doch ganz fern.

Und Natur?

Natur ist all das, was nicht vom Menschen geschaffen wurde und weil das meiste davon den Verstand des Menschen übersteigt, ist sie ihm überlegen. Die Natur geschieht und ist ebenso wie die Kunst erbarmungslos zum Menschen und trotzdem von überwältigender Schönheit.

Und Erfolg?

Erfolg hat viele Seiten, eine will ich aus passendem Anlass hervorheben.

Erfolg ist, wenn man eine Entscheidung trifft und sie vertritt. Das kann mitunter sehr grauenhafte Züge annehmen, wenn man dafür geachtet und verehrt wird, weil man die Band “Pussy Riot” hinter Gittern gebracht hat.

Oder sich sagt: “Hey, die sind mutig, die legen ihren Finger in die offene Wunde.”

So wird Erfolg zu einer mächtigen Sache, denn es geht darum seine Interessen auch gegen Widerstand durchzusetzen.

Wie beschreibst du deinen eigenen Malstil?

Die ewige Frage nach dem Malstil. Was ist damit eigentlich gemeint? Ob ich abstrakt male wie ein Robert Delaunay oder figürlich wie ein Vermeer? Oder ist damit die Maltechnik gemeint? Öl? Aquarell? Tusche? Alla Prima oder Weißhöhung? Wenn ich male, ist mir der Stil egal, entscheidend ist, dass ich einen Baum male ohne einen Baum zu malen.

Portraits oder Landschaften – was liegt dir am Herzen?

Zur Zeit sind es die Landschaften.

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Brennstoffzelle, Lehmbruckmuseum Duisburg, Post it Installation. Its a cooperative Work of Becker Schmitz and Il-Jin Atem Choi
Foto: Becker Schmitz

Ist die Inspiration für einen Künstler echt wichtig? Wie findest du sie?

Inspiration ist der Fundus der mich zu Becker Schmitz gemacht hat und mich begleitet. Mein Leben.

Wie fängst du jedes Mal an zu malen? Hältst du dich an bestimmte Regeln?

1. ich grundiere meine Leinwände nicht
2. ich benutze Malmittel, die wasserlöslich und wasserabweisend sind
3. ich benutze sie meist im Wechsel und kombiniere sie
4. meine Malmittel haben einen sehr hohe Pigment- und Ölanteil
5. Becker Schmitz

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“Die Antwort” 2012
Foto: Becker Schmitz

Bis zum 11.01 findet die Gruppenausstellung „Intervall 01“, an der du teilnimmst, in der Galerie Börgmann statt. Was für Ideen, Ziele und Botschaften hat diese Ausstellung?

Ziel ist es dem Besucher die Bandbreite der Galerie Börgmann in einer Jahresabschlussschau zu zeigen. Wer genau hinsieht erkennt schnell, dass die Galerie ein besonderes Programm fährt. Sie bringt an diesem Abend alle an einen Tisch. Das ist spannend. Man erkennt die Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Man tauscht sich aus und orakelt in die Zukunft, denn “Intervall 01″ ist ja ein sehr mathematischer Begriff. Und dieser wird einen “Intervall 02″ zur Folge haben.

Hast du während der Ausstellung etwas Neues über Kunst oder über dich selbst gelernt? Welche Erinnerungen davon würdest du nie vergessen?

Vergesse nie ein Parkticket zu ziehen, denn sonst wird es teuer!

Teamarbeit oder Einzelausstellung – was bevorzugst du?

Beides braucht seinen Platz. Wichtig ist, dass die Arbeit, also das geschaffene Werk, den hohen Anforderungen entspricht und Synergie entsteht. Und zusammen wirken können ist das Wichtigste für gemeinschaftliches Arbeiten. Trifft dies zu, macht die gemeinsame Arbeit auch Spaß. Denn aller Romantik zum Trotz, so eine Ausstellung ist vor allem Arbeit.

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“Luminious Line”
Foto: Pascal Bruns

Mit welchen Künstlern hast du gearbeitet? Was hast du von ihnen erfahren?

Mit Lea Carla Diestelhorst habe ich einige große Ölbilder gemalt. Mit ihr hat sich dabei eine spannende Dynamik entwickelt. Ich freue mich jetzt schon darauf, mal wieder mit ihr an einer Arbeit zu malen.
Il-Jin Atem Choi, ein Künstler, der sich wie kaum ein anderer voll auf den Arbeitsprozess fokussieren kann. Und nahezu alles dokumentiert. Mit ihm habe ich die “Brennstoffzelle” entwickelt. Ein ganz fabelhaftes Kunstwerk.

Arbeitet man so dicht zusammen, erfährt man viel über den anderen und sich selbst. Um Synergie stattfinden zu lassen, gilt die Voraussetzung seinen Komplizen so zu akzeptieren wie er ist, denn nur dann ist es möglich eine Gemeinschaftsarbeit zu schaffen.

Was genau ist „Hold The Line“? Würdest du bitte mehr über dieses Projekt erzählen?

“Hold The Line” ist ein Projekt, das ich mit Pascal Bruns ausgearbeitet habe. Er ist Mediengestalter und ein exzellenter Fotograf.

Angefangen hat alles mit Il-Jin Atem Choi. Bei einem Spaziergang in Frankfurt hatte er mir seine gesprühten Linien gezeigt. Das fand ich sehr interessant. Gnadenlos durchgezogene Linien. Da keimte die Frage auf, wie ich eine Linie im Raum “zeichnen” könnte, ohne dabei im herkömmlichen Sinne Farbe auf einen Bildträger zu zeichnen oder zu malen. Dann begann das große Experimentieren. Von nun an war Pascal Bruns mit an Bord, denn Malerei im Raum und Fotografie mussten hier zu einer Arbeit verschmelzen.

Also ging es dann ins Feld, auf Halden, stillgelegte Industrieanlagen, leerstehende Geschäfte, tote Immobilien, Parks, usw. Dort bauen wir dann meist ungefragt eine Linienkonstruktion auf, dokumentieren die Arbeit und verschwinden wieder.

Auf www.htlindex.tumblr.com haben wir viele Bilder öffentlich gemacht. Hier ist auch eine digitale Landkarte, auf der Orte markiert sind, an denen wir die Installationen aufgebaut haben. Jeder kann losziehen und nachsehen, ob es sie noch gibt.

Wie reagieren die Leute auf diese untypische Kunstart?

Ich befürchte sie mögen es, denn es ist ein Abenteuer, eine Geschichte. Die Orte und die zwei verrückten Jungs die da überall hingehen, klettern und kriechen, um am Ende das eine Foto mit nach Hause zu nehmen, denn der Rest bleibt ja immer da und verschwindet mit der Zeit.

Neulich haben wir Fotos einer zerfetzten Linie aus Frankreich geschickt bekommen, die Pascal dort vor einem halben Jahr fotografiert hatte. Faszinierend.

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“The Quest”
Foto: Becker Schmitz

Was wolltest du durch dein Werk den Menschen sagen?

Machen ist König!

Planst du, nach dem Ende von „Intervall 01“, neue Ausstellungen und Projekte?

2013, wird viel passieren…

Es geht nach New York City. Jan Holthoff kuratiert hier eine Ausstellung für die Ethan Petitt Gallery. Die Ausstellung ist für November/Dezember geplant. Ab September werdet ihr mehr darüber erfahren.

Mit Il-Jin wird die Brennstoffzelle in der Crawford Art Gallery in Irland sowie in der Galerie “Raum” für Kunst in Düsseldorf, gezeigt.

Klar, es wird einen “Intervall02″ mit der Galerie Börgmann geben.

Ich habe mit einigen Freunden, das “Bollmeyer Institut für angewandte Künste” gegründet. Wir verstehen uns als Kunstlabor für interdisziplinäre Prozesse und haben einiges vor.

Aber bis dahin passiert noch so viel. Lassen wir uns gemeinsam überraschen.

Was möchtest du den Public-Republic-Lesern noch sagen?

Wenn ihr mal in Moers seid, müsst ihr euch unbedingt den Schlosspark ansehen!

*1980 in Moers, Deutschland. Becker Schmitz wird von der der Galerie Börgmann vertreten. Er studierte Interdisziplinäre Kunst und Malerei an der “freien Akademie der Bildenden Künste, Essen” bei Wolfgang Hambrecht Bernd Mechler Stephan Paul Schneider

AWARDS

2012
Nomminierung for the “Space Art Award”
– “artbahn Förderpreis” der Rheinbahn Düsseldorf

2010-2013
Atelierförderung durch die Ludwig-Galerie Schloss Oberhausen und der Stadt Oberhausen

2010
Meisterschüler bei Wolfgang Hambrecht und Stephan-Paul Schneider

2007-2010
Atelierförderung der Stadt Oberhausen

2008-2010
Förderstipendium der Akademie der bildenden Künste, Essen (fadbk)

SOLO Einzelausstellungen

2013
KERNSPALUNG, Galerie Börgmann
“BS” Bollmeyer Institut for applayed arts, Duisburg

2012
“Blattschuss” Galerie Börgmann, Krefeld, Katalog
“QUIET RIOT” feat. Lea Carla Diestelhorst and Pascal Bruns, Duisburger Kunstverein
RABBIT HOLE, Junges Museum, Bottrop
HIDDEN CURRICULUM, feat. Lea-Carla Diestelhorst
Galerie Künstlerhaus Bergedorf, Hamburg

2011
PERMAFROST, Im Freien Kunst Territorium, Bochum

2010
800 METER INTENSIV, Site-specific installation, Kreuzkirche in Duisburg-Marxloh, Duisburg
„ROROROBOTER“ Kontorhaus Duisburg Innenhafen, Duisburg

GROUP EXHIBITIONS

2013
Ethan Petitt Gallery, New York City, USA
INTERVALL 02, Galerie Bergmann Mönchen Gladbach
FALSE OPTIMISM, Crawford Art Gallery, Cork, Irland

2012
NTERVALL 01, Galerie Börgmann, Krefeld
“Space Art Award” New Yorker Hotel, Köln
reKOLLEKT. A RETROSPECTIVE OF PERSPECTIVE FROM SELECTED ELECTED” Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Berlin
DIE GROSSE 2012 Museum Kunstpalast, Düsseldorf PERSPECTIVEN ESSEN/BASEL, Forum Kunst und Architektur, Essen

2011
“ist es am Rhein so schön?” FORUM AKTUELLER KUNST E.V. Köln
Playing the City 3, Schirn Kunsthalle Frankfurt
KIZ, Duisburg
„Zeichnung“ Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr

2010
„Komm klar!“ Skribble Galerie Schaufenster, Essen
GNADENLOS, Fabrik K14, Oberhausen
ARE YOU COMING, TOO?, Galerie Knoth und Krüger und Galerie September, Berlin
KLIMAX, (The Diver) cooperative work by Becker Schmitz & Holger Jäger, Kunstraum am Schauplatz, Wien
BIGGER IS BETTER AND SMALLER IS TALLER, Galerie Knoth und Krüger, Berlin

2009
GESCHMACKLOS, Fabrik K14, Oberhausen
ARTBEAT, Frankfurt

2008
NEW GERMAN PAINTINGS, (The Diver) cooperative work by Becker Schmitz & Holger Kurt Jäger, Galerie Claes Moser, Stockholm

2008
SO NAH UND DOCH SO FERN ,Galerie KU 28, Essen

BRENNSOFFZELLE

Gemeinschaftsarbeit von Becker Schmitz und Il-Jin Atem Choi

2013
Crawford Art Gallery, Irland RAUM Galerie für Gegenwartskunst, Düsseldorf

2012
KRAFTRAUM, Ludwigturm/Lehmbruck-Museum, Duisburg
“reKOLLEKT. A RETROSPECTIVE OF PERSPECTIVE FROM SELECTED ELECTED” Kunstraum Kreuzberg/Bethanien

2011
„…so schön“ Nassauischer Kunstverein e.V. Wiesbaden
Galerie Schau Fenster, Berlin

2010
Private apartment of Harald Gerhäußer Hans-Böckler-Platz 7, Mülheim an der Ruhr.

Kategorien: Art Café · Frontpage

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