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Artist of the Week – Becker-Schmitz

14 November, 2011 von · Keine Kommentare

Interview von Dessislava Berndt mit dem Künstler Becker-Schmitz

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Becker-Schmitz, Foto: Alexander Romey und Ole Heyer

Vor einem Jahr präsentierte Public Republic zum ersten Mal den Maler Becker-Schmitz (www.public-republic.de/artist-of-the-week-stefan-reinhard-becker.php). In unserem zweiten Interview sprach er über weitere neue und spannende Projekte. Public Republic verfolgt mit Interesse den Weg und die Entwicklung solcher herausragender Künstler.

Welche sind Ihre aktuelle Projekte und Partner?

Neben meinen Soloprojekten arbeite ich zurzeit mit dem Künstlerkollektiv “I HEART RUHR YORK” zusammen.

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Foto: Becker-Schmitz

Hier kann ich vor allem performative Kunst ausleben. Hier kommen verschiedene Kompetenzen zusammen. Film, Music etc. So ergeben sich ganz neue Möglichkeiten. Im Moment hat das Ganze eine crossmediale Ausrichtung. Seit gut drei Jahren arbeiten Bartosz Kwiecinski, Slawo Bias und Marc Nikoleit an diesem Projekt. Es geht mit viel Kraft und guten Ergebnissen voran. Wohin das führt ist schwer abzusehen. Aus diesem Kreis kommt auch AyAy Toni mit dem ich für November eine ungewöhnliche Installation realisieren werde.

Im Rahmen vom “Ruhr York City Drift” findet eine Veranstaltung im Grammatikoff (https://www.facebook.com/grammatikoff) in Duisburg statt. Titel der Performance ist “White Cube” und hierbei werde ich eben diesen in seine Einzelteile zerlegen. Außerdem gestalte ich das Gelände der stARTconference (www.startconference.org/) gemeinsam mit „I HEART RUHR YORK“.

Für das kommende Jahr ist eine weitere Brennstoffzelle geplant. Seit 2010 bespielen Il-Jin Atem Choi (www.atemmeta.de/) und ich Ausstellungsräume mit raumübergreifenden Installationen. Grob gesagt bekleben wir hierfür Räume mit diesen kleinen Klebezetteln (Post its). So entstehen reliefartige und flauschige Installationen, die man nicht mit Worten beschreiben kann. Und das ist auch gut so!

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Brennstoffzelle, Foto: NKV Wiesbaden

Für 2012 wird ein Raum für das Lehmbruck Museum Duisburg angefertigt. Es handelt sich um einen Turm im Duisburger Innenhafen. Eine Herausforderung, auf die wir uns sehr freuen. Im kommenden Jahr wird es auch weitere Gruppenausstellungen und Reisen geben; u.a. in Düsseldorf, Mülheim an der Ruhr und Bottrop.

Einzel- und Gruppenausstellungen in Hamburg und Basel sind im Gespräch. Hamburg wird sicher auch was besonderes, denn hier werde ich wohl mit Lea Carla Distelhorst ausstellen. Eine tolle Malerin. Das wird ein Abenteuer!

Auch eine Studienreise nach New York ist in Vorbereitung. Und eine Installation für das Kirchbauinstitut in Marburg (www.kirchbautag.de/). Ein kleines Highlight wird sicher auch eine raumübergreifende Arbeit, die ich in der freien Akademie der bildenden Künste in Essen (www.fadbk.de/) anfertigen werde. Hier wird eine Installation gebaut, die sich nahezu durch die gesamte Prinz Friedrich Zeche am Baldeney-See zieht.

Was ich aber unbedingt noch erwähnen möchte ist, “Schlaflos im Sattel” (www.schlaflosimsattel.de). Ich selbst halte mich ja für ausgesprochen unsportlich, aber seit einigen Jahren nehme ich an diesem MTB-Nachtrennen teil.

Dort werden wir 2012 mit “I HEART RUHR YORK” auflaufen und für einen guten Zweckt durch den Pfälzer Wald fahren und einige Aktionen machen. An dieser Stelle muss ich die Organisation von Christian Krämer mal loben, der es jedes Jahr auf die Beine stellt. Neben dem Abenteuer trifft man hier tolle Leute und es wird fleißig für SOS Kinderdörfer gesammelt! I HEART!

Aktuell arbeite ich an “Hold The Line”.

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HoldTheLine, Plakat Pascal Bruns

Die Installationen werden durch digitales Erzählen begleitet. “Hold the Line” ist ein crossmediales und interdisziplinäres Kunstprojekt. Dokumentiert wird es von Pascal Bruns (www.polynice.de). Ich spanne an öffentlichen Plätzen und in Innenräumen von verlassenen Gebäuden Fäden und Folien. Wie Linien ziehen sie sich durch den Raum. Das Material und der bespielte Raum werden zum integralen Bestandteil der Komposition und zum Kunstwerk selbst.

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HoldTheLine 2011, Foto: Pascal Bruns

Die gespanten Linien machen die Wege sichtbar, die ich beim Spannen zurückgelegt habe. In der Regel werden die Aktionen ohne Ankündigung durchgeführt, dokumentiert und veröffentlicht. Die Spielorte sind und bleiben vorerst geheim. Erst im Mercator Jahr (2012) werden sie mit entsprechenden Geotags und Koordinaten im Internet bekannt gemacht. Hier endet und beginnt die Geschichte und der Mythos um “Hold The Line” der jetzt schon “Hier” (http://beckerschmitz.tumblr.com/tagged/Hold_The_Line) zu sehen ist.

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HoldTheLine, Foto: Pascal Bruns

Wie war Ruhr 2010 für Sie und was ist seitdem in künstlerischer Richtung passiert?

Ich habe zwar was an der Zeche Zollverein gemacht und auch partizipative Projekte zu den “Local Heroes” veranstaltet (z.B. Playing Them Trees in Oberhausen). Aber wenn man heute jemanden fragt was Ruhr.2010 für ihn war, können nur wenige eine Antwort darauf geben. Mir geht es da ähnlich.

Wissen Sie, „I HEART RUHR YORK“ ist ein “NON PROFIT” und von Fördermitteln unabhängiges Projekt. Wir tun das gerne auch gegen Widerstand und so erfährt dieses Projekt eine breite Resonanz und große Wertschätzung. Wenn man uns auswringen würde, dann bliebe sehr viel Liebe übrig.

Ruhr.2010 war da eher ein Leuchtturm, ein Phallus, der viel bewegt aber auch verbrannte Erde hinterlassen hat.

Wer oder was ist das Ruhrgespenst?

Wer das Ruhrgespenst ist, kann ich nicht sagen. Aber man kann es als lebendig gewordene und ikonenhafte Kunstfigur bezeichnen. Raimund Stecker, Direktor des Lehmbruck Museums hat es mal als Banksy Hurst beschrieben. Es greift Neues auf und kombiniert es mit alten Mythen. Für mich ist es eine gelungene Mischung aus Streetart, partizipatorischen und somit auch zeitgeistiger Kunst.

Video unter: Arte Creative

Was sind seine Ziele/Motive?

Subtile Freude? Infantiles Glücklichsein? Machen ist König? Man kann das nicht genau beantworten, weil man es nicht fragen kann. Entscheidend ist die Strategie des Eingreifens ohne Eingriff. Eine Vita Activa kombiniert mit der Wattebauschrevolution.


Kunst braucht keine Genehmigung

Die Anschläge des Ruhrgespenstes sind gewaltfrei und doch erscheinen sie wie Guerilla und Straßenkampfsituationen. Sie hinterlassen vor allem Spuren im Herzen der Menschen. Denn an Ort und Stelle der Aktion sind die Eingriffe immer reversibel, nur durch das Video wird der Eingriff sichtbar gemacht und am Leben erhalten. Auf diese Weise wird Leidenschaft und Liebe zur Region und Kunst sichtbar gemacht, bei dem es oft auch “I HEART RUHR YORK” zelebriert. Das finde ich sehr sympathisch. Besonders interessant ist die Tatsache, dass dieses Projekt extrem medienwirksam ist, wie man auf entsprechenden sozialen Netzwerken verfolgen kann. Und es geschieht aus eigener Kraft.

Dagegen waren die geförderten Ruhr.2010 Projekte provinziell und überstiegen leider nur allzu selten das VHS-Kurs- und Kaffeekranz-Niveau. Dennoch scheint es dem Ruhrgespenst egal, ob es dabei in einen musealen Kontext gerückt wird oder auch für banale Debatten im Fernsehen genutzt wird.

http://creative.arte.tv/de/space/RUHRGESPENST/messages/

Was wünschen Sie sich?

Natürlich habe ich Wünsche, aber ich finde die Frage sehr persönlich. Vielleicht die Bitte das ihr eure Wünsche in die Tat umsetzt.

YOFUTURE_2011
YOUFUTURE 2011

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Ich nehme mir die Zeit um mal abzuschalten und zu genießen. Oder beantworte Fragen für Interviews (lacht).

Retrogott_2011
Retrogott 2011

Gibt es einen Unterschied zwischen dem Menschen und dem Künstler Becker Schmitz?

Das könnte jetzt auch in eine sehr persönliche Entblätterung und Entgleisung enden. Der Künstler bin ich und ich bin Becker Schmitz. Auch wenn ich mal nicht Künstler bin, bleib ich doch der, der ich bin, Mensch und Künstler.

www.beckerschmitz.com/
http://beckerschmitz.tumblr.com/
www.facebook.com/BeckerSchmitz

Kategorien: Frontpage · Graffiti · Szene

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