Zu Favoriten hinzufügen
Public Republic random header image

Artist of the Week – Celina Muza

12 Februar, 2013 von · Keine Kommentare

Sängerin Celina Muza im Interview mit Anelia Stoyanova

portrait-muza-ceglarek
Photos: Pawel Ceglarek

Was ist das Wichtigste, was man über Sie wissen sollte?

Im polnischen Theater sagt man: Hauptsache der Name wird richtig geschrieben! Ein Scherz? Nein. Sie können sich als Bulgarin bestimmt vorstellen, wie oft ich meinen Namen falsch ausgesprochen oder geschrieben erlebt habe. Mussa, Mutza, Muscha…. uff.

Sie sind in der kleinen Stadt Puck an der Ostsee geboren und haben dort Ihre ersten musikalischen Schritte gemacht. Was ist das Faszinierende an Puck?

Eigentlich gar nichts, aber ich liebe es da zu sein. Während der Sommersaison, sind die umliegenden Ortschaften mit schreienden, wichtig tuenden Touristen überfüllt – in Puck dagegen herrscht eine verschlafene Ruhe. Ich genieße den Gartenblick, bewundere das Meer und bin einfach wunschlos glücklich.

Was ist typisch für die Folklore von Kaschubien?

Die Sprache, die zwar eine slawische ist, jedoch von der germanischen Grammatik beeinflusst ist. Leider kann ich nicht fließend Kaschubisch sprechen, aber ich verstehe viel und höre gerne das kaschubische Radio, wenn ich in Puck bin. Vor einigen Jahren habe ich auch einige Lieder in Kaschubisch für das Radio Danzig aufgenommen. Das war ein Spaß!

Waren Sie jemals in Bulgarien? Kennen Sie die bulgarische Musik?

Ja! Meine erste Auslandsreise, ich glaube im Jahr 1988, führte mich an das Schwarze Meer in Bulgarien. Zwei Wochen lang mit viel Sonne, Unmengen an Melonen und bulgarischem Cognac (Pliska???).
Leider kenne ich die bulgarische Musik nicht. Was können Sie mir für den Anfang empfehlen?

A While for Weill

Als Studentin haben Sie Maria Magdalena im berühmten Musical „Jesus Christ Superstar“ gespielt. Wie haben Sie diese Rolle bekommen?

Ups… ich weiß ja gar nicht, ob man das in der Öffentlichkeit sagen darf?
Aber, was soll’s. Es ist so lange her. Der Regisseur hatte sich mit seiner Partnerin, die auch die Maria Magdalena gespielt hatte, gestritten und wollte sie ärgern. Drehte sich um, sah mich und schrie: „Muza, du kannst das bestimmt auch! Noch einmal von vorn!“ Das war es. Das Kostüm haben wir dann am Nachmittag, kurz vor der Vorstellung, zusammen mit den Schauspielkolleginnen gebastelt.

Im Verlauf Ihres Lebens wohnten und arbeiteten Sie sowohl in Polen, als auch in Deutschland. Wo fühlen Sie sich am wohlsten?

Das Land spielt für mich keine Rolle. Die Menschen und die Atmosphäre sind mir wichtig. Und die Natur. Bald kommt der Frühling und ich werde den Botanischen Garten in Berlin genießen und von meinem Garten in der Kaschubei träumen.

Wodurch unterscheiden sich die Deutschen und die Polen? Mit wem arbeiten Sie am liebsten zusammen?

Auf diese Frage kann ich leider nicht eindeutig antworten. Ich arbeite meistens mit den Musikern, Theatermachern, Tänzern… also generell mit den Künstlern. Und die sind bekanntlich sehr spezifisch. Die Nationalität spielt dabei keine große Rolle. Hauptsache sie sind gut. Die schlechten Künstler sind sowohl in Polen wie auch in Deutschland unerträglich.

Wie würden Sie das Gefühl bei einem Auftritt auf der Bühne beschreiben? Und kann es überhaupt beschrieben werden?

Die ersten 10 Minuten bin ich meistens so nervös, dass ich es nur als Katastrophe beschreiben kann. Am Ende, wenn man es doch geschafft hat ohne Fehler alle Texte richtig zu singen, ist man einfach nur glücklich.

celina10

Welches Konzert werden Sie nie vergessen?

Cha, cha, cha… eins von den ersten Solokonzerten überhaupt. In der Nähe von Allenstein, in den Masuren. Ich sang Brecht Lieder in einem Kulturhaus mit Beleuchtung, die man entweder an- oder ausmachen konnte, das Mikro trennte sich regelmäßig von dem Kabel, der Pianist sah die Noten nicht, im Zuschauerraum saßen die Schüler einer Bauernberufsschule… Fürchterlich! Augen zu und durch!

Was bedeutet Erfolg für Sie? Was war Ihr größter Erfolg? Und Misserfolg?

Erfolge bedeuten viel Arbeit. Lernen, lernen und lernen… und wenn alles gut geht, beschenkt dich das Publikum mit tollem Applaus. Das genießt man kurz und am übernächsten Tag heißt es wieder: lernen, lernen, lernen… die Misserfolge versuche ich ganz schnell zu vergessen.

Welche Botschaften vermitteln Sie durch Ihre Lieder? Was wollen sie den Zuhörern sagen?

Ich habe keine Botschaften. Ich wünsche mir nur, dass das Publikum eine schöne Zeit mit mir und meinen fantastischen Musikern verbringt und mit erfüllten, zufriedenen Herzen nach Hause fährt. Aber, wenn Sie so fragen, hmm… Liebes Publikum: „All you need is love!…“

celina9

“Berühre mich” singen Sie in einem der schönsten Lieder von Ihnen. Inwieweit ist es für Sie wichtig, dass Ihre Lieder jemanden berühren?

Sehr wichtig. Interessanter Weise erzählen mir die Zuschauer oft, dass ein Lied sie berührt hat, aber nicht immer ist es ein Liebeslied, wie z.B. „Anfänge“ aus der CD „Sorglos“ oder „Familienbild“ aus der CD „Madonna, Hexe und Clown“.

Am 25. Januar stellen Sie gemeinsam mit Benedikt Jahnel „A While for Weill“ vor – ein Konzert mit Liedern von Kurt Weill. Was bedeutet Kurt Weill für Sie? Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ihm ein Konzert zu widmen?

Kurt Weill war einer der bedeutendsten Theaterkomponisten und da ich vom Theater komme liegt es nah, dass ich gerne seine Lieder singe. Ursprünglich sollte es ein Brecht-Weill Programm sein, aber dann entdeckte ich auch Weills amerikanische Lieder und habe spontan das Konzept geändert.

Inwiefern hat Kurt Weill Ihre Musik beeinflusst?

Ohhh… diese Frage kann ich nicht beantworten. Das überlasse ich den Musikwissenschaftlern.

Celina40E

Gleich am nächsten Tag, am 26. Januar, treten Sie vor dem Publikum in Stargard Szczeciński auf. Bestimmt ist Ihr Program sehr anstrengend. Woraus schöpfen Sie Kraft und Motivation dafür?

Das Konzert in Stargard ist ein Benefizkonzert zugunsten der bemerkenswerten Organisation, „Potrzebny Dom“, die Wohnungen für die Kinder baut, die aus den Kinderheimen entlassen werden und das Erwachsenenleben erlernen müssen. Es lohnt sich für diese Kids zu singen. Mehr Motivation braucht man nicht.

Würden Sie uns etwas über Ihre Pläne und Projekte erzählen?

Im Frühling lade ich alle ein, zu drei Konzerten mit polnisch gesungener Poesie (Poezja Śpiewana) u. a. mit Andrzej Brzeski und Konrad Pawicki in den „Grünen Salon“ in Berlin zu kommen. Das Projekt entstand in der Zusammenarbeit mit dem Verein Polnische Frauen in Wirtschaft und Kultur e.V. (www.2001-ev.de ). Im Herbst plane ich etwas ganz Neues, aber….
… im polnischen Theater ist man sehr abergläubisch, deshalb darf ich darüber noch nicht reden.

Was wollen Sie den Public-Republic-Lesern sagen?

„All you need is love!“ Take care. Life is beautiful, if you want.

portret - kopia

Celina Muza
geboren in Polen bei Danzig

Ausbildung:
1985 – 1989 Vokal-Schauspiel-Studio des Musiktheaters Gdynia
1992 – 1993 Schauspiel bei Reiner Hauer / Schauspielhaus Bochum
Gesang bei Rosemarie Hagemann / Musikhochschule Dortmund

wichtigste Rollen:
Maria Magdalena in „Jesus Christ Superstar”, Musiktheater, Gdynia; Regie: Jerzy Gruza
Ophelia in „Die Hamletmaschine” von Heiner Müller, Theater Atelier, Sopot; Regie: Andre Hübner-Ochodlo
Hofmeisterin in „Pan Tadeusz” von Adam Mickiewicz; Stadttheater, Gdynia; Regie: Adam Hanuszkiewicz
Rosa Weneda in „Lilla Weneda” von Juliusz Słowacki; Neues Theater, Warschau; Regie: Adam Hanuszkiewicz

wichtigste Chansonprogramme:
„Einsamer Engel – Lieder von Marlene Dietrich“,
„Chansons ZWISCHEN DEN STÜHLEN”,
„Madonna, Hexe und Clown”
„Chanson meets Jazz“
„Warszawa, Berlin, New York“
„Lieder an der Biegung”

CD’s:
„Madonna, Hexe und Clown“,
„Czułość (Zärtlichkeit)”,
„Sorglos“
„Berühre mich“
„frei.“ alle erschien bei duo-phon records / Berlin www.duo-phon-records.de

Auszeichnungen:
1987 – 1990 Preisträgerin des Chanson-Festivals in Breslau
1990 Erster Preis beim Musik-Festival in Posen
1990 Einladung zum Festival des polnischen Liedes in Oppeln
1998 – 2007 Einladungen zum Berliner Chansonfest

Kategorien: Frontpage · Szene

Tags: , , , ,

Keine Kommentare bis jetzt ↓

  • Noch hat keiner kommentiert. Machen Sie den Anfang!

Kommentar schreiben