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Artist of the Week — Degal und Chiara Mazzocchi

4 Juli, 2011 von · Keine Kommentare

Ein Interview von Petya Hristova mit den italienischen Künstlern Degal und Chiara Mazzocchi

In Reinheit liegt die Emotion, die die Natur widerspiegelt.
Foto: Selbstporträt “Rumore Bianco”

Degal und Chiara Mazzocchi: “Rumore bianco hat keine Vergangenheit und keine Zukunft, seine Gegenwart könnte nicht aufgenommen werden, als existiere er überhaupt nicht. Er ist weiß, da die entsprechende elektromagnetische Strahlung vom menschlichen Auge als weißes Licht wahrgenommen wird. Pures Licht.”

Ich bin sehr begeistert von Euren Installationen. Wie habt Ihr euch getroffen und wie habt Ihr begonnen, zusammen zu arbeiten?

Chiara:Am 14. April 2010 habe ich eine E-Mail von einem unbekannten “Degal” bekommen. Er hat über sein zukünftiges Projekt, das auf dem Konzept der Zerbrechlichkeit aufgebaut sein würde, erzählt; über eine Fotoporträtserie von Menschen unterschiedlichen Alters und Ethik, die im intimen Raum ihrer Badewannen eine Boje festhalten. Er hat mir geschrieben, dass er nur Gutes über meine Fotografie gehört hat. So habe ich seine Einladung zum Treffen am nächsten Tag angenommen. An diesem Tag wurde also unser Projekt “Rumore Bianco” geboren.

Die menschliche Zerbrechlichkeit kann durch Zuhören des eigenen Selbst zu einer Ressource werden. Alles steckt in unserer Geschichte, in der Angst vor den Entscheidungen und dem Mut, sie allerdings zu treffen.
“Zerbrechlichkeit-Projekt”

Würdet Ihr mehr über Euch selbst erzählen? Wann habt Ihr Eure künstlerische Neigung gefunden?

Chiara: Das begann in meinem Inneren. Als Kind erlebte ich das als ein Märchen. Ich verbrachte viel Zeit mit meinem Vater, während er malte oder fotografierte. Dann begann das Kunstgefühl in meine Adern zu fließen. Ich habe keine Ahnung, was da passiert war, aber ich habe immer mein Leben und meine Kunst als ein und dieselbe Sache betrachtet.

Degal: Die Kunst war immer ein Bedürfnis für mich. Ich habe sie nie als etwas betrachtet, die außer mir stattfindet. Meiner Ansicht nach ist sie ein Erforschungsmittel, eine entfernte Ecke im Kosmos, die Offenbarung der Träume durch Zuhören von Zeichen hervorruft.

Es war unser Wunsch, dass unser Blut wie bei einem Ritual fließt, um uns über die Veränderung zu erzählen.

Welche ist die symbolische Bedeutung von “Rumore Bianco”?

Wissenschaftlich gesagt ist der weiße Lärm eine Art Lärm, die durch die Abwesenheit von einer Umlaufzeit geprägt ist. Er ist ein absolut zufälliges Anzeichen. Keine Information über seine zeitliche Entwicklung gibt uns eine Vorstellung von seiner Ausprägung im folgenden Moment. Rumore bianco ist z. B. in der Natur in den Seewellen zu beobachten. Rumore bianco hat keine Vergangenheit und keine Zukunft, seine Gegenwart könnte nicht aufgenommen werden, als existiere er überhaupt nicht. Er ist weiß, da die entsprechende elektromagnetische Strahlung vom menschlichen Auge als weißes Licht wahrgenommen wird. Pures Licht.

Ihr habt tolle Selbstporträte aufgenommen. Wie fühlt Ihr Euch vor und hinter der Kamera?

Chiara: Vor oder hinter der Kamera fühle ich mich auf die ein und dieselbe Weise. Ich spüre, dass ich die Möglichkeit habe, mich selbst zu beobachten. Sogar wenn ich Degal fotografiere, blicke ich mich an. So fühle ich mich anwesend. Die Gegenwart ist ein spannender zu durchquerender Ort.

Degal: Ebenso.

Die 30 mq. Wohnung in Sanremo (Italien) verwandelte sich in eine surreale Inspirationsquelle, die Wände in geeignete Arbeitsfläche.

Euer letztes Projekt heißt “Synergien im Raum”. Wie seid Ihr auf die Idee für die 4-Hände-Malerei gekommen?

Degal: Die 4-Hände-Malerei erschien zufällig, ein abslut willkürliches Ereignis. In diesem Fall ist das, was wir machen, kein Projekt, sondern eine Manifestation, aber nur dann, wann wir zuhören. Solche Werke offenbaren Figuren und Elemente, die sich eher gefunden als gesucht erweisen, die eine Aufdeckung der weißen Farbe durch das Zuhören ausmachen. Dank der Beliebigkeit der weißen Flecken, die mit einer Walze gesetzt und mit einem Spachtelmesser umrissen werden, werden die Autoren zu Zuschauern von sich selbst erzählenden Geschichten. Die rote Linie verfolgt die Synergie zwischen den Formen und den Vibrationen im Raum und zertrümmert die Grenzen des Mediums.

"Synergien im Raum"
“Synergien im Raum”-Projekt

"Synergien im Raum"
“Synergien im Raum”-Projekt

Warum Berlin? Habt Ihr ein Lieblingsort da, der Euch inspiriert?

Die Idee für Berlin kommt allein, das war unser gemeinsamer Wunsch. Wir haben uns wegen des Mangels an kunstempfängliche Empfindsamkeit von Seite der politischen Klasse dafür entschieden Italien zu verlassen. Wir finden Berlin einfach fantastisch. Die Kunstbühne ist leicht zu spüren und nährt unsere Träume. Wir wissen noch nicht, ob unsere Zukunft in Berlin ist oder woanders, aber unser Aufenthalt hier ist gesund, diese Stadt ist fortdauernde Inspirationsquelle.

Gefallen Euch andere Kunstarten? Habt Ihr Lieblingsbücher, Lieblingsmusik?

Chiara: Ich mag Tänze, Musik, Filme und Philosophie. Das Tänzer-Sein macht meine Einstellung zur Musik eher elektrisch. Ich höre gerne Musik, die meine Seele zum Tanzen bringt. Ich lese nicht so viel, vielleicht weil ich faul bin.

Degal: Musik ist das erste Kunstmedium, mit dem ich Kontakt aufgenommen habe. Ehrlich gesagt verbinde ich sie wie viele andere mit dem Klavier, das wir zu Hause hatten, als ich klein war. Dieses Instrument war mein Anschluss zum Kunstschaffung. Ich mag Musik, die mit der Weltgeschichte zu tun hat und auch Musik, die während der Epochen unberührt geblieben ist. Mein Lieblingsbuch ist “Brief an einen Unbekannten” von John Cage. Ich habe keinen Lieblingsmusikstil.

Tat und Wahrheit

Wisst Ihr etwas über Bulgarien? Seid Ihr zufällig irgendwelcher Elemente der bulgarischen Kultur begegnet?

Leider nicht. Bis jetzt hatten wir keine Kontakte zu Repräsententen der bulgarischen Kultur.

Welche sind Eure zukünftige berufliche Pläne?

“Rumore Bianco” ist unser Projekt. Wir sind die Performance und die sich daraus ergebende Kunstprodukt erweist sich als die Aufnahme von der lebendigen Spannung.

Wie würdet Ihr Eure Kunst mit einem Wort beschreiben?

„Zeitlosigkeit.”

Unser Ziel war es, aus dem System zu verschwinden.

“Rumore Bianco” (“weißer Lärm”) ist eine Gefühlskunst, die nach dem Treffen der zwei italienischen Künstler Degal und Chiara Mazzocchi auf die Welt gekommen ist. Sie drücken sich mithilfe der Sprachen der Körperinstallationen und der visuellen Künste aus.

CONTACTS (write on interview)
www.rumorebianco.net
www.myspace.com/synergiesinthespace
www.chiaramazzocchi.com
info@rumorebianco.net

Kategorien: Frontpage · Modern Times · Visual Arts

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