Zu Favoriten hinzufügen
Public Republic random header image

Artist of the Week — Doris Peter

15 Februar, 2010 von · 1 Kommentar

Interview von Dessislava Berndt mit der Fotografin Doris Peter

doris_peter_portrait

Doris Peter erblickt das Licht der Welt im Jahre 1967. Mit 18 Jahren beginnt sie eine vierjährige Fotografenlehre bei einem Werbe- und Modefotografen in Zürich, die sie 1990 erfolgreich abschließt. Die Welt ist groß und Doris Peter beschließt, dem Ruf der weiten Welt zu folgen. Es folgen Reisen in verschiedene Teile dieser Welt. Für ihre Fotoprojekte ist sie in Asien, Europa und den USA unterwegs.

Menschen sind das bestimmende Thema ihrer fotografischen Tätigkeit. Nicht den Reichen und so genannt Erfolgreichen, sondern den kleinen Leuten gehört ihre Aufmerksamkeit. Menschen, deren Leben oft ein Kampf ums tägliche Überleben ist. Teile ihrer Arbeiten veröffentlicht die Fotografin an Ausstellungen, in Zeitungen und Büchern. Doris Peter lebt heute mit ihrer Familie in Berlin.

Kontakt: doris.peter@ulpi.com
Website: www.doris-peter.com

Doris, was oder wen fotografieren Sie am liebsten?

Eigentlich fotografiere ich alles gerne. Alles was mich aus irgendeinem Grund interessiert, fasziniert oder innehalten lässt. Am liebsten aber Menschen und ihre Umgebung. Momentaufnahmen, Einblicke und Portraits.

Wann und warum haben Sie sich für die Photographie als Beruf entschieden?

Mit 16 Jahren wollte ich Fotografin werden. Ich ließ mich aber davon abhalten, weil verschiedene Menschen aus meinem Umfeld meinten, das sei kein Beruf, der einem einen gesicherten Lebensunterhalt garantiert. Dann, mit 18 Jahren, nach einer abgebrochenen Ausbildung zur Arztassistentin und verschiedenen Teilzeitarbeiten in Fabriken und im Verkauf, kam dieser Berufswunsch wieder auf, diesmal so stark, man kann es fast Eingebung nennen, dass ich eine Lehrstelle in einem Werbe- und Modestudio in Zürich suchte, und fand. Die Ausbildung dauerte vier Jahre. Mein Ziel war klar.

neu_056

Erzählen Sie uns bitte mehr über Ihr Projekt „Sofia – Auf offener Straße 1990 – 2001“. Wie kamen Sie auf die Idee, eine Stadt zu dokumentieren? Wie lange noch werden Sie die Entwicklung von Sofia verfolgen? An wen richtet sich das Fotoband?

Mein Langzeitprojekt über Sofia erstreckt sich über den Zeitraum von elf Jahren, 1990 – 2001. 1990 besuchte ich diese Stadt zum ersten Mal. Dass ich nach Bulgarien ging, war eher Zufall, man könnte es auch eine Fügung nennen. Freunde von mir haben von Sofia erzählt, weil sie die Stadt im Sommer 1990 besucht hatten. Da ich sowieso auf dem Sprung war und es mich in die Welt zog, bestieg ich in Berlin den Zug und war dann 36 Stunden unterwegs nach Sofia, die Hauptstadt eines Landes über das ich praktisch vorher überhaupt nichts wusste. So stand ich dann mit Kamera und Koffer im Zentrum der Stadt. So hat alles angefangen.

neu_009a

Das Projekt war nicht von Anfang an als Langzeitprojekt geplant. Diese Idee entstand bei meinem zweiten Sofia-Besuch im Jahre 1992. Nachdem ich einen Einblick in Stadt gewonnen hatte, wuchs mein Interesse, wie hier alles weitergehen soll und wie sich die Lebensumstände der Menschen in den nächsten Jahren verändern werden. So besuchte ich Sofia alle zwei Jahre wieder für einige Wochen, um da zu fotografieren. Ausschließlich auf der Straße. Die meisten Bilder habe ich mit meiner Mittelformatkamera Hasselblad aufgenommen, auf Schwarzweiß-Negativ-Filme.

neu_193a

Menschen, Situationen und Momente die für jedermann sichtbar sind, die auf offener Straße anzutreffen sind und nicht hinter verschlossenen Türen. Aus diesem Grunde habe ich das Buch auch „Sofia – Auf offener Straße“ genannt.

Entstanden ist nun ein dreisprachiger, 356-seitiger Fotoband mit 212 Schwarzweiß-Abbildungen, Berichten von Zeitzeugen, Texten über DIE MENSCHEN und DIE STADT, einer Chronik und Zitaten meiner Beobachtungen über all die Jahre.

neu_034a

Ich denke mein Fotoband richtet sich in erster Linie an Fotografie-Interessierte, Bulgarinnen und Bulgaren, oder Menschen die aus irgendeinem Grunde eine Beziehung zu Bulgarien haben, sowie Ethnologen und Soziologen.

Welche Beziehung haben Sie zu Bulgarien?

Ich habe sehr vertraute Gefühle zu Bulgarien. Wobei ich da speziell Sofia nennen muss, da ich jeweils die meiste Zeit in der Hauptstadt verbracht habe. In all den Jahren habe ich Menschen kennengelernt, mit denen mich wunderbare, jahrelange Freundschaften verbinden. Es ist für mich persönlich sehr wertvoll, was über all die Jahre entstanden und gewachsen ist.

neu_090a

Wie finden Sie die heutige Entwicklung zur Digitalfotografie? Kann heute jeder aufgrund der Technik ein guter Fotograf sein?

Ich finde die Digitalfotografie hat sehr interessante Aspekte. Alleine die Technik an sich hat für mich schon etwas Faszinierendes. Zudem ist es billiger und schneller als die Analogfotografie. Man hat keine Film- und Laborkosten mehr, und kann sich die Zeit der Filmentwicklung sparen. Machte man alles selbst, wie ich bei meinem Sofia-Projekt, hieß das jeweils wochen- oder monatelange Arbeit in der Dunkelkammer. Vom Entwickeln der Filme, über Kontaktabzüge und sogenannten Rohkopien, bis hin zu Ausstellungsabzügen auf Baryth-Papier.

neu_039a

Heute haben sehr viele Menschen eine kleine Digitalkamera, oder sogar eine Digital-Spiegelreflexkamera und es wird viel mehr fotografiert als früher, eben weil es einfacher und billiger geworden ist. Ob es aus diesem Grund aber mehr bessere Fotografen gibt als in Zeiten der analogen Fotografie, bezweifle ich. Sicher sind die meisten Bilder technisch und qualitativ besser, aber letztendlich ist nicht die Technik das Entscheidende, sondern Bildinhalt, Bildkomposition und die Aussagekraft eines Bildes, unabhängig davon, ob es nun digital oder analog fotografiert wurde.

neu_161a

Wie sehen Ihre Pläne für 2010 aus?

Im Moment bin ich damit beschäftigt, mein Fotoband „Sofia – Auf offener Straße“ zu vertreiben. Ausstellungen und Buchpräsentationen sind in Planung. Zudem arbeite ich an weiteren, eigenen Fotoprojekten, und möchte mich vermehrt um Aufträge in der Auftragsfotografie kümmern.

Welche Eigenschaften muss Ihrer Meinung nach ein erfolgreicher Fotograf unbedingt haben?

Der Begriff „erfolgreich“ an sich ist relativ. Für den einen ist es erfolgreich, seine eigenen Projekte zu verwirklichen, für den anderen ist erfolgreich, sich mit fotografieren das Einkommen zu sichern. Das eine schließt das andere nicht aus, ist aber das Erstere bestimmt der schwierigste Weg in diesem Beruf.

Es gibt ja auch so viele unterschiedliche Tätigkeitsbereiche in der Fotografie. Man denkt an den Landschaftsfotografen, den Sachfotografen im Studio, den Modefotografen, den Reporter, den Dokumentarfotografen usw. Was aber bestimmt für alle Bereiche zutrifft, ist ein guter Blick für Details und Momente, ein Gefühl für Stimmungen, Flexibilität und Einfühlungsvermögen, und, meines Erachtens ganz wichtig, Ausdauer, an etwas dranbleiben zu können.

neu_001

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Ich habe nicht immer so klar abgetrennte Bereiche von Arbeit und Freizeit. Oft vermischt sich das. Zudem sind meine privaten Interessen oft auch berufliche. Reisen ist definitiv einer meiner liebsten Beschäftigungen, unterwegs sein, den Ort zu wechseln, am liebsten mit dem Zug. Ansonsten bin ich gerne draußen, schwimme gerne und fahre sehr gerne Rad.

Würden Sie Ihre Erfahrung an junge Fotografen weitergeben?

Ja, ich mag es sehr, Erfahrungen über Vorgehen und Bildsprache an Menschen, die Interesse haben zu fotografieren, zu vermitteln. Ich habe auch schon Fotografiekurse erteilt und könnte mir sehr gut vorstellen, an Schulen, Abendkursen oder Universitäten Kurse über Fotografie zu geben.

neu_054a

Wo kann man Ihre Arbeiten sehen oder kaufen? Wer oder was ist der Ulpi-Verlag?

ulpi.com ist ein unabhängiger Kleinverlag mit Sitz in Berlin. Mehr Informationen über mich und meine fotografischen Arbeiten findet man unter: www.ulpi.com oder direkt auf meine Seite: www.doris-peter.com

Für Kontaktaufnahme und Anfragen aller Art bin ich erreichbar unter: doris.peter@ulpi.com

Am einfachsten ist mein Fotoband „Sofia – Auf offener Straße“ direkt über den Verlag ulpi.com zu bestellen. Ansonsten sollte es in jeder Buchhandlung bestellbar sein.

2009, 356 Seiten, 212 Schwarzweiß-Fotografien, Duplex, Maße: 23 x 28 cm, gebunden, Hardcover. Bulgarisch/Englisch/Deutsch
Fotos: Doris Peter
Herausgeber: ulpi.com, Berlin
ISBN 978-3-00-029204-0
39.90 EUR / 69.90 CHF / 70 USD

Kategorien: Frontpage · Modern Times · Um die Welt · Visual Arts

Tags: , , , ,

1 Kommentar bis jetzt ↓

  • Joey // 15 Feb, 2010 //

    Tolles Interview. Klingt sehr interessant, werde ich mir mit Sicherheit zulegen. Die Musterfotos sind sehr schön geworden und zeigen doch einen Einblick in die Stadt und die Leute. Vielen Dank dafür, Doris Peter!

Kommentar schreiben