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Artist of the Week – Eduardo Millan

17 Februar, 2014 von · Keine Kommentare

Ein Interview von Anna Simitchieva mit Eduardo Millan
Redaktion: Gabriella Rochberg

Eduardo_Luisa
Bilder: Archiv

Hallo Eduardo, ich freue mich sehr, dass Du bei uns zu Gast bist. Wenn Du Dich kurz vorstellen und dabei das Tanzvokabular benutzen solltest, wie würdest Du Dich dann selbst einordnen? Als Salsero, Bachatero, Tanguero, Kizombero…?

Ich betrachte mich selbst zuerst als Mensch, und mein Traum, auch wenn er sich noch so weit weg von seiner Erfüllung befindet, ist eine Art Universalmensch zu werden.

Das alles erfolgt aber nur im Hinblick auf die Bereiche menschlicher Tätigkeiten, die mich am meisten interessieren und zu denen selbstverständlich auch das Tanzen gehört.

Aber zurück zu deiner Frage: ich bin das alles und gleichzeitig nichts. Eine Einordnung stellt für mich eher eine unerwünschte Eingrenzung dar.

Welche Rolle schreibst Du dem Tanzen zu? Ist es für Dich die Hauptsäule Deiner Existenz oder vielmehr eine Ergänzung Deines Alltags?

Wie schon erwähnt, ist das Tanzen ein sehr wichtiger Teil meines Lebens. Es erfüllt gewisse intrinsische Bedürfnisse und bereitet mir Freude.

Eduardo_Preis

Das Tanzen ist ein unverzichtbares Element in meinem Leben und damit Hauptteil meiner Existenz, dennoch bleibt es nur ein Teil davon –wie auch Geisteswissenschaften, Technik, Wirtschaft, Literatur und Sprachen.

Da Du aus Mexiko bist, war das Tanzen für Dich nie ein Fremdwort, oder?

In meiner Familie war das Tanzen immer da. Mein Vater war in seiner Jugend Tanzlehrer und meine Mutter hat Volkstänze geliebt. Dennoch zeigten meine Eltern kein großes Interesse daran, mich in die Künste des Tanzes einzuweisen. Erst mit 15 Jahren habe ich Salsa für mich entdeckt.

Die romantischen Lieder, die mit dynamischen Rhythmen kombiniert sind, haben mich gefesselt. Das war der Moment, wo ich tanzen lernen wollte.

Eduardo_Pose

Warum sollte man ausgerechnet das Tanzen als Hobby wählen?

Paartanz bietet die Möglichkeit sich gesellschaftlich, persönlich, geistig und körperlich zu entfalten. Zwar kann Musik innere Konzentration, Theater Charaktergestaltung, Sport körperliche Leistung, Literatur den Geist und Kampfkunst Disziplin fördern, aber keine der genannten Disziplinen beinhaltet so viele dieser Eigenschaften, wie das Tanzen.

Dancingcrew

Wann hat Deine Tanzinspiration angefangen und welche waren die ersten Bühnen, die Du erobert hast?

Ich war 15 Jahre alt, als alles begann. In Mexiko ist es Tradition, den 15. Geburtstag eines Mädchens als einen besonderen hervorzuheben und zu zelebrieren. Die jungen Damen bekommen eine prächtige Feier, wo sie in Begleitung von Freunden oder jungen Tänzern (abhängig vom Budget) Tanzchoreografien aufführen. Bis zu meinem 17. Lebensjahr habe ich als Tänzer auf solchen Geburtstagen getanzt.

Eduardo_und_Team

Wer sind Deine Vorbilder aus der Salsa-Szene?

Mein Vorbild ist Oliver Pineda; von ihm möchte ich gerne einmal unterrichtet werden.

Der Tanz ist eine eigene Sprache für sich. Wie etabliert man denn eine gemeinsame Sprache mit der Tanzpartnerin beziehungsweise, erfolgt das reibungslos?

Technisch betrachtet, kann Tanzen auf die Wiederholung verschiedener Techniken reduziert werden. Viele Tänzer würden diese Meinung vielleicht teilen.

Für mich bietet das Tanzen jedoch einen Raum, wo verschiedene Einstellungen, Hoffnungen und Wünsche von Menschen, wo unterschiedliche Persönlichkeiten und natürlich auch Techniken aufeinander treffen. Wenn diese Faktoren zueinander gleich gewichtet sind, dann entwickelt sich eine eigenständige Sprache zwischen den Partnern.

Eduardo_Flor

Deine aktuelle Tanzshow widmet sich dem leidenschaftlichen Tanzstil Bachata. Gibt es Deines Erachtens nach Schnittstellen zwischen diesem Tanz und Liebe?

Meine ehemalige Tanzlehrerin aus Argentinien meinte, dass „Tanzen eine ewige Liebesgeschichte ist, solange der „Bandoneon“ (grundlegendes Instrument im Tango) spielt.“ Ich teile diese Ansicht und lebe sie.

Eduardo_Stage

Wo und wann bist Du demnächst als (Show-)Tänzer und/oder Lehrer anzutreffen?

Momentan bin ich selbstständig und unterrichte privat und in manchen Fitnessstudios. Dienstags unterrichte ich normalerweise in 11n Salsa Lounge in Berlin, wo ich demnächst auch montags als Tanzlehrer zu sehen sein werde.

Die letze Veranstaltung, an der ich vor Kurzem teilgenommen habe, war das Face2Face-Valentinstagswochenende, organisiert von Claude Raoul in Berlin.

Ich habe zusätzlich vor, ein Kulturprojekt aufzubauen, wo sich Sprache, Tanz und lateinamerikanische Kultur treffen sollen. Ob das in Berlin oder woanders sein wird, wird sich noch zeigen.

LaMaraca

Eduardo Millan wurde in der kleinen Stadt Cuernavaca, Mexiko, geboren. Er ist Diplomingenieur, ausgezeichnet von der Universidad Nacional Autónoma de México und studiert momentan den Masterstudiengang Logistik an der Technischen Universität Berlin. Seine großen Leidenschaften sind Tanzen, Fremdsprachen, Literatur und Theater. Unterschiedliche leistungsgebundene Stipendien haben ihm Aufenthalte in Kanada, Italien und derzeit in Deutschland ermöglicht. Er hat mit den Tanzgruppen “Esencia Latina” in Mexiko, und “San Tropez” in Montreal auf der Bühne gestanden.

Eduardos persönliche Gebote:
1. Sei ein vollständiger Mann (Künstler, Intellektueller, Professioneller, Freund…)
2. Achte Geduld, Aufmerksamkeit, Disziplin und Ausdauer als Verhaltensmottos.
3. Lebe nie mit Bedauern; die begangenen Fehler sind wertvolle Lektüre.
4. Überwinde das eigene Ego.
5. Hab eine nette und bodenständige Art.
6. Trete kühn und intelligent auf, wenn Du gefragt bist.
7. Lerne, um Hilfe zu bitten und sie zu akzeptieren, genauso wie sich eigene Schwächen und Fehler einzugestehen und mit ihnen umzugehen.

Kategorien: Frontpage · Szene

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