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Artist of the Week – Eva Lohmann

29 August, 2011 von · 2 Kommentare

Interview von Dessislava Berndt mit der Autorin Eva Lohmann

“In ihrem Roman Acht Wochen verrückt verarbeitet die Autorin, sensibel und präzise beobachtet, ihre eigenen Erfahrungen.”
Welt am Sonntag

EvaLohmann
Eva Lohmann, Foto: Gunnar Meyer

Frau Lohmann, Ihr Buch „Acht Wochen verrückt“ wurde ein voller Erfolg. Hatten Sie es erwartet?

Nein. Keiner hat das erwartet, sogar der Verlag war nicht auf einen solchen Ansturm vorbereitet. Mein Freund nennt es “die Cindarellastory” und ich finde, das trifft es gut: Ich war ganz unten, wurde mit Depressionen in eine Klinik eingeliefert und zwei Jahre später bin ich plötzlich Autorin und stehe auf der Bestsellerliste. Das ist schon sehr merkwürdig.

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Welches Erlebnis hat Sie in diesen acht Wochen am stärksten beeinflusst und Sie verändert?

Wahrscheinlich die Tatsache, dass ich meinen alten Job gekündigt habe. Ich habe jahrelang gedacht, dass es unverantwortlich sei zu kündigen, dass ich arbeitslos unter der Brücke landen würde. Ich hatte große Zweifel. Aber als ich es dann gemacht habe, habe ich es keine Sekunde bereut. Man konnte die Steine fast hören, die mir vom Herzen gefallen sind.

Welche Erkenntnisse waren für Sie überraschend oder besonders wertvoll?

Die Erkenntnis, dass es immer weiter geht. Nach jedem “Unten” gibt es “Oben”, aber auch umgekehrt. Türen schließen sich und andere öffnen sich. Türen, von denen man gar nicht geahnt hatte, dass es sie gibt.

Wie sieht Ihr Leben heute aus? Werden Sie weiter schreiben?

Mir fällt es noch immer schwer, das Wort im Zusammenhang mit mir auszusprechen; aber ich bin jetzt wohl “Autorin”. Ich schreibe gerade an meinem zweiten Buch, es wird im Sommer 2012 erscheinen.

Warum hatten Sie sich entschieden, Ihre Erlebnisse aufzuschreiben?

Ich hatte mich nicht bewusst entschieden, einen Roman zu schreiben. In der Klinik begann ich Tagebuch zu schreiben. Irgendwann wurde es immer belletristischer. Ich beobachtete mich, die Menschen um mich herum, die Patienten, die Therapeuten. Erst als ich wieder zu Hause war, habe ich gemerkt, was ich da eigentlich angefangen hatte. Als dann mehrere Verlage Interesse zeigten habe ich mich gefreut, auf diese Weise anderen Menschen mit etwas Humor und leichten Worten das schwere Thema Depression nahe zu bringen.

Wie sehen Ihre Pläne in 2011 aus? Gibt es besondere Termine/Ereignisse?

Momentan beherrscht das Buch “Acht Wochen verrückt” noch meinen Arbeitsalltag. Ich gebe viele Interviews und Lesungen. Außerdem stehen wir in Verhandlungen für ein Hörbuch und sogar einen Kinofilm.

Wovon träumen Sie? Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Dass es so weiter geht. Im Moment läuft alles einfach unverschämt gut. Aber wie gesagt: Nach jedem “Oben” gibt es eben auch ein “Unten”, das ist mir bewusst. Schön wäre aber, wenn die Leute meine Geschichten auch weiterhin lesen wollen und mich nicht nur auf das Thema “Depression” reduzieren. Wir werden sehen…

Eva Lohmann, Jahrgang 1981, arbeitet als Inneneinrichterin und Werbetexterin in Hamburg.

»Acht Wochen verrückt« ist ihr erster Roman, der am 24. Februar 2011 im Piper Verlag München erschienen ist (ISBN 978-3-492-05439-3).

Im Moment schreibt sie bereits an einem zweiten Roman.

Kategorien: Art Café · Frontpage · Szene

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