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Artist of the Week — Frank Knispel

20 Mai, 2010 von · 1 Kommentar

Interview von Dessilava Berndt mit dem Fotografen Frank Knispel

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Was oder wen fotografieren Sie am liebsten?

Praktisch habe ich mich da nicht wirklich festgelegt. Aber mich fasziniert stets das Besondere des Details, Dinge, die man sonst nicht wahrnimmt. Dies kann die Welt des Makros sein, ein schönes Naturmotiv, aber auch schöne oder interessante Menschen oder Orte.

Wenn man aufmerksam und mit offenen Augen durch die Welt geht, dann entdeckt man immer wieder neue und spannende Motive. Erwähnen möchte ich auch die Möglichkeiten der gezielten und bewussten Gestaltung, die ich kontrolliert nur im Studio habe. Hier kann ich viele Ideen gezielt umsetzen.

Wann und warum haben Sie sich für die Photographie als Beruf entschieden?

Fotografie übe ich eigentlich nur nebenher aus, in diesem Sinne ist es nicht mein Beruf. Aber mein Beruf beinhaltet Fotografie als eine von vielen Aufgaben. Dies ist quasi meine berufliche Schiene, neben der es auch eine künstlerische Schiene gibt. Ungeachtet dessen fotografiere ich schon seit langer Zeit. Zunächst waren es eine analoge Spiegelreflexkamera und der Schwarz-Weiß-Film.

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Damals habe ich selbst entwickelt und vergrößert, habe Papierabzüge selbst hergestellt. Aus beruflichen und familiären Gründen gab es dann eine lange Pause. Als in der Fotografie das digitale Zeitalter begann, erwachte mein Interesse erneut.

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Jedoch waren die ersten Digitalkameras praktisch für ernsthafte Fotografie nicht zu gebrauchen. Erst in den letzten Jahren gab es dann Kameras, die der früheren analogen Technik mindestens ebenbürtig waren und eine entsprechende Qualität lieferten.

Wie finden Sie die heutige Entwicklung zur Digitalfotografie? Kann heute jeder aufgrund der Technik ein guter Fotograf sein?

Die aktuelle Entwicklung zur Digitalfotografie verfolge ich mit großer Aufmerksamkeit. Auch, weil ich selbst intensiv digital fotografiere. Aber nicht alles was da entsteht, macht auch Sinn. Die kleinen Kompakten sind mit ihrem Streben nach Megapixeln an technische Grenzen gestoßen.

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Aber egal, ob mit einer Kompaktkamera oder einer Profi-DSLR, letztlich ist es immer der Mensch hinter der Kamera, der die Fotos macht und nicht die Technik. Dies war früher so und wird immer so bleiben. Spitzentechnik macht noch keinen guten Fotografen und auch mit einer Kompakt- oder Bridge-Kamera kann man gute Fotos machen.

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Was mich viel mehr stört ist, dass es in vielen Bereichen gar nicht mehr ausreicht, nur ein gutes Fotos gemacht zu haben. Nein, ein Foto muss heutzutage möglichst mit der Bildbearbeitung aufgepeppt, verbessert, verfälscht sein. Fotos sind zur Massenware geworden und das Foto allein reicht oft nicht mehr aus, es muss beispielsweise ein Komposing daraus gemacht werden. Allerdings habe ich nichts gegen Komposings, es ist dann halt nur kein Foto mehr.

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Wenn man Fotos nach künstlerischem Gehalt beurteilt, dann ist es so, dass vielen, auch namhaften und international anerkannten Fotografen, höchstens fünf bis zehn künstlerisch wirklich gute Fotos in einem Jahr gelingen. Dies sind auch meine eigenen Erfahrungen. Und ich trenne bei mir auch Gebrauchsfotos für die verschiedensten Zwecke von den Fotos mit künstlerischem Anspruch.

Der Wechsel von analog zu digital ist durchgängig vollzogen. Namhafte Hersteller von klassischen analogen Fotofilmen haben inzwischen die Produktion bekannter Farbfilme eingestellt. Nichtsdestotrotz hat die klassische analoge Schwarz-Weiß-Fotografie auch heute noch ihre Daseinsberechtigung und ihren ganz eigenen Charme.

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Wie sehen Ihre Pläne in 2010 aus?

Natürlich fotografieren, fotografieren und fotografieren. Ich habe so viele noch nicht umgesetzte Ideen und thematische Projekte, es fehlt stets an der Zeit. Die Zeit ist oft mein größter Feind. Für 2010 habe ich fest die Teilnahme an zwei Gemeinschaftsausstellungen geplant.

Bei diesen Ausstellungen versammeln sich mehrere KünstlerInnen, um ihre Werke vorzustellen, aber es sind nicht allein nur Fotografen, es sind auch MalerInnen, GrafikerInnen und DigitalkünstlerInnen dabei. Die erste Ausstellung ist “mygall goes offline” am 1. und 2. Mai 2010 in Hamburg. Eine zweite findet ab Anfang Juni für mehrere Wochen in Kassel statt.

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Was ist Erfolg für Sie? Welche Eigenschaften muss ein guter Fotograf unbedingt haben?

Erfolg ist für mich schon, eine Idee zu meiner Zufriedenheit umgesetzt zu haben. Erfolg ist aber natürlich auch, wenn meine Fotos abgedruckt, veröffentlicht oder gekauft werden. Ein guter Fotograf muss den gewissen Blick haben. Selbst bei, ich sage mal beispielsweise “Hochzeitsfotos” gibt es große Unterschiede, die ein aufmerksamer Betrachter natürlich auch erkennt.

Dieser gewisse Blick zeigt sich schon bei der Motivauswahl, bei der Bildidee, beim Bildaufbau oder bei der Wahl des Bildausschnittes. Aber auch die technisch-qualititative Umsetzung einer Fotografie bereits bei der Aufnahme und eine bewusste Gestaltung machen einen guten Fotografen aus. Mit draufhalten und abdrücken ist es bei weitem nicht getan.

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Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Nun, ich bin seit langem ein großer Fan von Science-Fiction, vor allem von Filmen aus diesem Bereich. Aber dies geht natürlich nicht so weit, dass ich im “Krieg der Sterne”-Kostüm herumlaufe.

Erzählen Sie uns bitte mehr über die Kunstausstellung “mygall goes offline” am 1. und 2. Mai 2010 in Hamburg?

Die Kunstausstellung “mygall goes offline” am 1. und 2. Mai 2010 in Hamburg ist als Gemeinschaftsausstellung ein selbstinitiiertes, selbstorganisiertes und selbstfinanziertes Eigenprojekt von mehreren Künstlerinnen und Künstlern der Online-Plattform mygall.net. Die teilnehmenden KünstlerInnen kommen aus verschiedenen Bereichen: Malerei, DigitalArt, Fotografie, Grafik und Skulptur.

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In der Ausstellung werden viele Werke gezeigt, die so erstmals in der realen Welt, außerhalb des Web, zu sehen sind. Ziel ist es, die eigenen Werke zu präsentieren, selbst bekannter zu werden und wenn das eine oder andere Werk dann auch noch einen Interessenten findet – umso besser. Die meisten TeilnehmerInnen lernen sich auch zum ersten Mal persönlich kennen, können Erfahrungen austauschen und Kontakte knüpfen.

Gibt es Projekte/Kooperation mit anderen Künstlern?

Auf der Plattform mygall.net sind mehrere Tausend KünstlerInnen verschiedenster Richtungen versammelt. An die Ausstellung “mygall goes offline” anknüpfend sollen weitere Ausstellungsprojekte außerhalb des Internet gestartet werden. Natürlich wieder in Eigenregie. Hier gibt es viele Ideen und Gespräche. Wenn es soweit ist, informiere ich auf public-republic.de gern darüber.

Würden Sie Ihre Erfahrung an junge Fotografen weitergeben?

Praktisch bin ich schon dabei, meine Erfahrungen an junge Fotografen weiterzugeben, da sich meine Tochter inzwischen auch mit Fotografie beschäftigt. Darüberhinausgehend würde mir sicher die Zeit fehlen.

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Wo kann man Ihre Arbeiten sehen oder kaufen?

Die Masse meiner Fotografien findet man im Internet, auf verschiedensten Websites. Da ist zunächst meine eigene Website: www.fkpixx.de. Hier ist in Galerien eine gewisse Auswahl veröffentlicht. Geeignete Fotografien biete ich unter www.fineartprint.de, www.mygall.net und www.redbubble.com an.

In verschiedenen Printmedien sind auch etliche meiner Fotografien veröffentlicht worden. Auf der Plattform www.pixelio.de habe ich mehrere hundert Fotografien veröffentlicht, die dort in voller Auflösung gratis zum Download bereitstehen. Davon haben inzwischen zahlreiche Fotos auf verschiedensten Internetseiten Verwendung gefunden. Wenn man unter Google/Bilder nach meinem Web-Pseudonym gnubier nachschlägt, dann erhält man viele Fundstellen.

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Kategorien: Frontpage · Modern Times

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1 Kommentar bis jetzt ↓

  • Ralf Hasse // 22 Mai, 2010 //

    Es ist doch immer wieder Interessant einen Künstler persönlich kennen lernen zu dürfen.
    Da man von der Masse bei mygall gesehen, natürlich nicht jeden Künstler und dessen Werke sehen kann, da es mittlerweile bei über 9000 Künstler sind.
    Und so ergab es sich das ich Ralf Hasse, Herrn Knispel auf der Ausstellung in Hamburg persönlich kennenlernen durfte.
    Seine Bilder sind Sinnlich schön, und doch so voller Energie, die einen in den Bann ziehen können.
    Er hat ein gutes Auge um außergewöhnliche Momente festzuhalten.
    Man ist inspiriert von seinen Werken da sie alle samt eine Augenweide sind.
    Frank Knispel ist ein Künstler von dem man sicherlich noch viel sehen sowie hören kann, und das nicht nur in Berlin !
    Mit freundlichen Grüßen
    Ralf Hasse
    https://www.mygall.net/bilderweltenhasse

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