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Artist of the Week — Franziska Steuer

25 Januar, 2010 von · Keine Kommentare

Interview von Dessislava Bernd mit der Künstlerin Franziska Steuer

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Franziska, wie bist Du zur Bildhauerei gekommen ?

Auf Umwegen und doch ziemlich folgerichtig aus heutiger Sicht: seit ich mich erinnern kann, habe ich gern gezeichnet und hatte glücklicher Weise immer wieder Menschen um mich, die mich darin bestärkt haben.

Der Mut, mich ganz für die freie Kunst zu entscheiden, fehlte mir erst einmal. Also habe ich mir damals einen „solideren“ Weg im angewandten Bereich gesucht und ein Architektur-Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee angefangen, mit Neugier auf die anderen Fachbereiche freilich.

Obwohl mich die Möglichkeiten der Architektur begeistern und meine Liebäugeleien damals vor allem der Grafik galten, kam die große überraschende Entdeckung dann für mich bei den ersten intensiveren Versuchungen im plastischen Bereich während des Grundlagenstudiums.

Hier lief für mich alles zusammen, die Faszination verschiedener Raumwirkungen, meine Sehnsucht zum „Bilder-Schaffen“ und auch die gesuchte Bodenhaftung im Handwerklichen. Also konnte ich nicht widerstehen und habe mich ins Abenteuer Bildhauerei gestürzt.

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Leute Schwarz/Weiß / Figurengruppe, Gips /
Foto: Franziska Steuer

Wer oder was hat/hatte einen Einfluss auf Deine Arbeit?

Weil ich ja mit der plastischen Gestaltung kaum Erfahrungen hatte, waren die ersten Schritte im Bildhauerei-Studium sicher sehr prägend; viel grundlegendes Wissen, Handwerk und Gespür verdanke ich u.a. meinen Professoren Norbert Blum, Rolf Biebl und Baldur Schönfelder.

Vielleicht sieht man einigen meiner Figuren die Begeisterung für Giacomettis Plastiken an, aber natürlich haben mich auch andere Künstler verschiedener Bereiche in meiner Arbeit und Kunstauffassung beeinflusst. Es ist schwer, da eine Grenze zu ziehen. Es gibt immer wieder Begegnungen und Eindrücke, die sich auch in meiner Arbeit niederschlagen. Ansonsten wäre es ja nicht mehr spannend.

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Beziehungen I-III / 3 Objekte, Metall /
Foto: Stefan Schick

Wodurch zeichnen sich Deine Arbeiten aus?

Menschen sind immer schon Thema meiner Arbeiten. Lange Zeit habe ich mich vor allem mit Porträt-Plastik beschäftigt. Später wurde das konkrete Gegenüber nebensächlicher, der Mensch eher als „Archetyp“ interessant. Ich bin auf der Suche nach zeichenhaften „Kürzeln“ für menschliche Befindlichkeiten und Beziehungen, nach verallgemeinernden „Verständigungs-zeichen“.

Eine einheitliche Stilistik haben meine Arbeiten nicht. Das jeweilige Thema ist Ausgangspunkt, die Wahl verschiedener Mittel ergibt sich daraus. Ich arbeite mit unterschiedlichen Materialien wie Metall, Papier über Ton, Gips, Steinguss und Bronze. Ich finde es spannend, die Möglichkeiten der verbalen und der Bilder-Sprache gegenüberzustellen. Manche Objekte sind einfache „Übersetzungen“ sprachlicher Bilder und Redewendungen. (z.B. die Reihe „Im Rahmen“)

Detailreiche Ausschmückungen sind jedenfalls nicht meine Sache, ich bevorzuge vereinfachte Formen, arbeite gern in seriellen Reihungen und Variationen. Dabei bleiben die Objekte oft grafisch in ihrer Wirkung. Die Sparsamkeit bis hin zur spröden, strengen Form verstehe ich als meine Herausforderung an den Betrachter, selbst „nachzufüllen“. Verschiedene Variationsmöglichkeiten oder, bei einigen Objekten, bewegliche Elemente sind eine Einladung zum spielerischen Mitmachen und Weiterspinnen.

4
Genuss im Rahmen /2 Objekte, Metall /
Foto: Franziska Steuer

Was liebst Du an Deiner Arbeit?

Ich liebe genau diese Momente, in denen diese Einladung gelingt. Wenn also Betrachter ihre eigenen Geschichten und Gedanken in so einem leblosen Ding entdecken, das ich gebaut habe. Und sich diese besondere Form der Kommunikation entwickelt, die über die Sprache hinausgeht. Das zu erleben ist wirklich toll.

5
“Haltung” / Relief / Steinguss /
Foto: Franziska Steuer

Gibt es Kooperationen/Projekte mit anderen Künstlern?

Ja, ich wohne in einer ländlichen Gegend, in die es viele Stadtflüchtlinge und Künstler verschlagen hat. Ich arbeite im Verein „Kulturladen“ mit, der regelmäßig gemeinsame Veranstaltungen organisiert, wie z.B. Tage der offenen Ateliers: www.kunst-im-oderbruch.de.

Außerdem bin ich Mitglied der Gruppe KöZwölf, die in einem Laden- und Galerie-Raum in Buckow (Märkische Schweiz) ihre Arbeiten zeigt.

Auch aus einigen Internet-Kontakten zu Künstlerkollegen entwickeln sich erste gemeinsame Projekte.

6
Im Rahmen: „sich dagegen stemmen…“ 3 Objekte, Metall und Papier /
Foto: Franziska Steuer

Wovon träumst Du?

Viele Wünsche haben sich ja schon erfüllt, ich lebe und arbeite im Großen und Ganzen so, wie ich es mir früher mal erträumt hatte. Es gibt natürlich noch eine Menge kleine, große und gigantische Träume…

Für die Kunst ganz allgemein wünsche ich mir, dass sie mehr Aufmerksamkeit erfährt im Alltäglichen und dass ihr eigentlicher Sinn, die Vermittlung nonverbaler Inhalte, nicht zunehmend aus dem Blickfeld gerät zwischen den Extremen: einerseits der Vereinnahmung und Reduzierung der Kunst als Luxus- und Anlage-Objekt auf den gigantischen Sockeln des Elite-Kunstmarkts, andererseits der zunehmenden Kunst-Begriff-Verwirrung und Banalisierung, weil in der Hoffnung auf Wertsteigerung jegliche Kreativität unterm Label „Kunst“ gehandelt wird.

Da wäre ich dann also schon bei den gigantischen Wünschen und großen Ansprüchen. Habe noch mehr davon. Manchmal bin ich aber auch ganz bescheiden.

7
Katja / Porträt, Gips gemalt, 1995 /
Foto: Stefan Schick

Was machst Du in Deiner Freizeit?

Die Unterscheidung zwischen Arbeits- und Freizeit gibt es für mich kaum, das Ideensammeln, die „Kopf-Arbeit“ bestimmen den Alltag genauso wie meine Kinder, meine Freunde, Musik, Filme, Bücher oder der Austausch mit Künstlerkollegen.

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Im Rahmen: „nur rumhängen …“ /
Foto: Franziska Steuer

Wie sehen Deine Pläne in 2010 aus ?

Neben den regelmäßigen Veranstaltungen im Oderbruch ist eine Gemeinschaftsausstellung im Oktober auf Sylt geplant: http://www.atelierklint.de.

Ansonsten hat die Werkstatt-Arbeit Vorrang, es gibt ein paar Themen und Ideen, die dran sind. Außerdem suche ich natürlich auch nach passenden Ausstellungsmöglichkeiten und Herausforderungen für die nächste Zeit.

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Im Rahmen: „aufstreben…“ /
Foto: Franziska Steuer

Wo kann man Deine Arbeiten besichtigen und erwerben?

Zu sehen sind meine Arbeiten in meiner Werkstatt im Oderbruch, außerdem in der Buckower Galerie “KöZwölf” und auch auf verschiedenen Internetplattformen:

www.franziska-steuer.de

www.franziska-steuer.blogspot.com

www.koezwoelf.de/5389189b9c0c88e03/5389189ba10e4ce9b/index.html

www.kunst-im-oderbruch.de/steuer/steuer.html

Anfragen zu Preisen, Anmeldungen für Atelierbesuche, gern auch Feedback können sie per Mail an mich schicken: kontakt@franziska-steuer.de.

Franziska Steuer wurde 1967 in Dresden geboren. Sie studierte von 1987 bis 1989 Architektur und von 1991-1996 Plastik in Berlin Weißensee. 1995 folgte der Umzug ins Oderbruch/Brandenburg. Hier wurden 1998 und 2000 ihre beiden Söhne geboren. Seit 2002 arbeitet sie im “Kulturladen” des Fördervereins Wilhelmsaue e.V. und unterstützt die Organisation regionaler Kunstveranstaltungen. Seit 2008 ist sie Mitglied der Künstlergruppe KöZwölf mit Ladengalerie in Buckow/Märkische Schweiz. Franziska Steuer lebt und arbeitet in Groß Neuendorf an der Oder im Untergeschoss der Dorfkirche und nutzt eine Metallwerkstatt in Wilhelmsaue bei Letschin.

Franziska Steuer
Figuren. Objekte. Bilder

Parkweg 1 / Groß Neuendorf
15324 Letschin / Oderbruch
Telefon: 033478-38806
mailto:kontakt@franziska-steuer.de
www.franziska-steuer.de

Innen Aussen
Innen & Außen / Relief, Gips /
Foto: Franziska Steuer

Kategorien: Frontpage · Visual Arts

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