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Artist of the Week – Gary Odd

21 November, 2016 von · Keine Kommentare

Interview von Dessislava Berndt mit Gary Odd – Autor, Zeichner, Verleger von ulpi.com Verlag, Musiker und Erschaffer der Ulpi-Figur

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Gary Odd (bekannt auch als Gary Sinnlos) ist Autor, Zeichner, Verleger, Musiker und Erschaffer der Ulpi-Figur. Mit Ulpis Abenteuern finanzierte er seine eigenen. Sieben Jahre lang ist er mit Ulpi durch die Welt gezogen. Auf seinen Touren durch Europa, Amerika und Asien hat er schon über 100.000 Ulpi-Büchlein verkauft – auf der Straße oder in Restaurants und Kneipen. Es gibt überall Leute, die seine Märchen mögen.

Kontakt: service@ulpi.com
Website: www.ulpi.com
www.facebook.com/ulpicom
www.gloomystars.com

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Ulpi-Märchen

Woher kommt der Name Ulpi und was bedeutet er?

Genau weiß ich das nicht mehr, woher ich den Name habe. Jedenfalls war er schon da, als ich ein Kind war. Ich nannte meinen jüngeren Bruder auch lange so.

Ob der Name Ulpi etwas bedeutet, weiß ich nicht, aber in Wikipedia ist zu lesen, dass der erste römische Kaiser, der aus einer Provinz stammte, Ulpius (Trajan) hieß. Ein altehrwürdiger Name also…

Lustig war auch, dass in Amerika viele den Namen „Alpi“ statt „Ulpi“ ausgesprochen haben, was für mich einen gewissen Bezug zur Schweiz (meine Heimat) mit seinen Alpen herstellte…

Wie würdest Du den Charakter von Ulpi beschreiben?

Ein cleveres Kerlchen, ein Stehaufmännchen und großer Lebenskünstler mit philosophischen Ansätzen. Ulpi-Märchen handeln vom Nichtuntergehen. Kleine Sinngeschichten, wie man die Tücken und Widrigkeiten des täglichen Lebens auch meistern kann.

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Ulpi-Sticker

Wie entstand die Idee, moderne Märchen zu schreiben und selber zu illustrieren?

Ich brauchte Einnahmen und ich bin so frei zu sagen: „Die reine, naive Lust am Machen“.

Wann wusstest Du, dass Du anders leben möchtest und vor allem, dass Du zeichnen und schreiben willst?

Die Frage, „anders“ zu leben, hat sich für mich nie gestellt; ich wollte einfach so leben, wie ich leben wollte. Ich hatte Glück. Als ich 14 Jahre alt war, habe ich Punk kennengelernt und das hat mir den Weg geebnet. Machen war das Entscheidende. Schreiben, Gestalten und Zeichnen, was ich als Kind schon mochte, habe ich einfach weitergemacht. Neu war, dass meine Musik dazukam. Mit 17 hatte ich dann mein eigenes Fanzine („Sinnlos“), eine Punkband („Abgas“) und mein Kassetten-Label („Gefahrenzone-Records“).

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Abgas-Single Cover

Wie findest Du die Motive für Deine Geschichten? Was inspiriert Dich?

„Dairy is my art“. Meine Geschichten sind moderne Märchen, eine Art Tagebuch, in dem ich Dinge schreibe und zeichne, die ich erlebt oder beobachtet habe. Manchmal mische ich auch beides zusammen und erfinde etwas dazu. Inspiration ist mir heilig und nicht planbar. Es kann überall passieren, mitten in der Nacht, im dümmsten Moment… Vor allem aber dann, wenn man nicht dran denkt. Es ist immer eine freudige Überraschung, ein Segen oder ein Kick.

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Ulpi und der Fluss des Lebens

Gibt es einen besonderen Moment, den Du auf deinen Reisen mit Ulpi erlebt hast?

Viele. Einmal, auf dem New Yorker JFK-Flughafen, öffnete eine Dame vom Zoll meinen Koffer und sah den märchenhaften Inhalt: Der Koffer war voller Ulpi-Märchen, die ich in New York verkaufen wollte. Ich musste Überzeugungsarbeit leisten, damit der Koffer nicht konfisziert und mir die Einreise in die USA nicht verwehrt wurde. Mit Erfolg. Obwohl die Zöllnerin mir kein Wort von dem, was ich ihr erzählte, glaubte, lächelte sie mich verschmitzt an, klappte den Deckel zu und wünschte von Herzen: „Good luck!“.

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Ulpi in New York, Foto: Doris Peter

Ist eine neue Ulpi-Geschichte in Planung?

Ja, wenn alles rund läuft, sollten 2017 einige neue Ulpi-Sachen erscheinen, darunter auch mindestens ein neues Ulpi-Märchen.

Wo kann man Ulpi-Bücher kaufen?

Wenn man Glück hat, in irgendeiner Kneipe; ansonsten über www.ulpi.com.

Du bist viel gereist, hast zwischenzeitlich wieder in der Schweiz gelebt und wohnst heute in Berlin. Warum Berlin?

Mir gefällt Berlin. Es ist für mich nach wie vor die Alternative zu Europa. International, vielfältig, kreativ, manchmal rau und unfertig. Ich mag die Direktheit der Berliner und die Toleranz der Menschen nach dem Motto „Leben und leben lassen“. Berlin ist keine enge Stadt; es gibt viel Grün, viel Weite… Zudem ist das Leben hier noch irgendwie bezahlbar. Auch mit wenig Geld kann man noch am sozialen Leben teilnehmen. Ich hoffe, dass es noch eine Weile so bleibt…

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Ulpi-Sticker

Gary, Du bist nicht nur Autor und hast die Ulpi-Figur erschaffen, sondern bist auch Musiker. Wie wurde Musik Teil Deines Lebens?

Indem ich einmal angefangen und einfach weitergemacht habe. Manchmal gab es auch jahrelange Pausen aus verschiedensten Gründen. Ich habe aber nicht den Anspruch, Musiker zu sein. Ich sehe Musik eher als Kunst, als Mittel um ein Gefühl, eine Befindlichkeit auszudrücken oder schlicht, um eine Geschichte zu erzählen.

Mein aktuelles Projekt ist „Gloomy Stars“: Sadcore Trash, das komplette Gegengewicht zu den hautpsächlich positiven Ulpi-Märchen. Wundschön himmeltraurig. Dunkel, schwer, befreiend. Der wichtigste Faktor ist aber auch hier die Freude und der Spaß. Manchmal machen wir ein derart trauriges Lied, dass wir selbst überrascht sind und einfach darüber loslachen müssen.


Gloomy Stars „Basement“

Wie kannst Du Dich als Person und Künstler mit fünf Wörtern beschreiben?

Träumer, Spinner, Kapitalist, Bohemien, Freigeist.

Was wünschst Du Dir?

Neue Reisen, neue Touren, Freunde in aller Welt wieder besuchen und neue Freunde kennenlernen.

Was ist Deine Lebensphilosophie?

Wenn man hinfällt, aufstehen, lachen und weitergehen.

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Ulpi

Was machst Du in Deiner Freizeit?

Ich unterscheide nicht wirklich zwischen Freizeit und Nicht-Freizeit – für mich gibt es eigentlich nur Lebenszeit.

Wie sehen Deine Pläne aus?
Leben, lachen, machen.

Home is…?

Where my key fits. 

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Ulpiversum

ulpi.com Verlag Berlin
Seit seiner Gründung im Jahr 1984 von Gary Odd ist der ulpi.com Verlag Berlin auf die Produktion und den Vertrieb von „besonderen“ Büchern der Bereiche Literatur und Fotografie spezialisiert. Jedes Buch entsteht mit viel Liebe zum Detail und stellt ein individuelles Resultat konstruktiver Zusammenarbeit mit den jeweiligen Partnern dar. Der Verlag ist dabei stets auf eine hohe gestalterische und technische Qualität bemüht.

Nicht zuletzt aufgrund des 2010 publizierten Buches „Sofia – Auf offener Straße, 1990 bis 2001“ von der Fotografin Doris Peter (www.doris-peter.com) hat der Verlag eine enge Beziehung zu Bulgarien. Doris Peter wurde 2010 in der Rubrik „Artist of the week“ von unserem Magazin vorgestellt (Artist of the Week – Doris Peter).

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Mit „Sofia – Auf offener Straße, 1990 bis 2001“ publizierte ulpi.com einen 356-seitigen dreisprachigen Bildband mit 212 s/w-Fotografien, der die Überganszeit in Sofia vom Kommunismus in den Kapitalismus zum Thema hatte. Eine ausführliche Chronik und zahlreiche Stellungnahmen von Zeitzeugen ergänzen den Bildband. Dieses Buch gilt als einmaliges Zeitdokument. Zahlreiche Lesungen, Debatten und Ausstellungen haben das Buch in Deutschland und Bulgarien einem breiten Publikum zugänglich gemacht.

Kategorien: Frontpage · Musik · Szene · Um die Welt · Visual Arts

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