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Artist of the Week – Henning Strassburger

13 Januar, 2014 von · Keine Kommentare

Ein Interview von Anna Simitchieva mit dem Maler Henning Strassburger
Redaktion: Gabriella Rochberg

Portraet
Foto: Gregor Hohenberg, Berlin

Hallo Henning und herzlich willkommen! Wie würdest Du Dich unseren Lesern vorstellen? Als Maler ohne Pseudonym, als Sänger mit strahlendem Lächeln oder als querdenkender Mensch? Wer ist eigentlich Henning Strassburger?

Ich bin einfach ein Maler, der hin und wieder mal aus seinem Metier ausschert und nach links und rechts schaut, was es noch so alles gibt. Maler sein, heißt ja meistens stundenlang in seinem Studio rumzusiffen und auf den großen Glücksgriff zu warten. Da wird man schnell verrückt dabei.

Studio
Studioansicht Berlin

Also muss ich manchmal da raus. Ich kann ja machen, was ich will; das ist das allerbeste am Künstlersein. Um deine Frage genau zu beantworten: Ich bin einer, der der Gesellschaft keine Rechenschaft schuldig ist.

Du bist ausgebildeter Maler und hast Dein Studium an einer Kunstuniversität absolviert. Ist diese Ausbildung Voraussetzung für eine Künstlerkarriere oder ist sie längst noch kein Ticket zum Erfolg?

So wie ich das sehe, ist die „Künstlerkarriere“ heute ein hochkomplexes Konstrukt. Man ist Freigeist, Marketingfachmann, Stratege, Socializer usw.

Vermutlich ist man alles, nur nicht unschuldig und weltfremd. Und an den renommierten Schulen bekommt man das gleich mit – sie sind der verlängerte Arm des Kunstmarkts.

Ansonsten kann ich mich jetzt schon kaum an diese Ausbildung erinnern, aber die Zeit wird schon lustig gewesen sein; ich habe ja ein paar Jahre dort zugebracht. Das meiste habe ich aber danach gelernt, von irren Leuten, die man so trifft. Das ist dann wieder die Künstlerromantik neben der ganzen globalen Marktprofessionalität, mit der man umgehen muss, wenn man dabei sein will.

Welchen Platz nimmt Musik in Deiner Künstlerkarriere ein? Möchtest Du mit Deinen Liedern provozieren, berühren, amüsieren oder alles zugleich?

Du spielst auf meine Videos an. Da ging es weniger darum, wie die Musik darin ist, sondern wie so ein ästhetisches Gesamtprodukt funktioniert, das in einem zeitgemäßen Bilderkanon agiert. Dazu kommt, dass ich ganz ehrlich meinen „15minutes fame“ anzapfen wollte. Der steht ja jedem zu.

Gesang
Videoprojektion/Ausstellungsansicht “Henning Strassburger: A Kansas City Shuffle”
Wien 2009

Das Gute daran ist: die Videos gab es nur eine ganz kurze Zeit im Internet, aber jeder spricht mich jetzt 4 Jahre später noch ständig darauf an. Ich habe also das Beste aus den 15 Minuten rausgeholt, finde ich! Reinste Gewinnoptimierung!

Die Ästhetisierung kommerzieller Kultur ist wahrscheinlich für das breite Publikum nicht immer verständlich. Entsteht oft Klärungsbedarf hinsichtlich der Botschaft Deiner Werke?

Im Idealfall erklärt sich ja das meiste von alleine, bei meinen Arbeiten müssen vielleicht manchmal die Zusammenhänge untereinander erklärt werden. Aber das regelt sich auf Dauer ja von selbst. Ich will alles eben ein wenig komplexer haben, was es auch schwieriger nachzuvollziehen macht.

Oops
Courtesy Soy Capitán. Heike Tosun, Berlin
Foto: Achim Kukulies, Düsseldorf

Die Farbwahl deiner Malerei orientiert sich an Medientrends von Layout und Design beziehungsweise, an deren Ideenmangel. Wie würdest Du selbst eine Titelseite gestalten, welche Farben würden für Dich dabei in Frage kommen?

Na ich finde das alles ganz toll, so wie es ist. Ich würde es ganz genauso machen, es ist nicht zu verbessern. Unsere Bildkultur ist schnell, sie ist eine Medienbildkultur. Das sollte man begreifen, auch wenn man so etwas scheinbar Antiquiertes wie Malerei macht.

Zeitschrift
Arbeitstisch Studio Berlin

Deswegen benutze ich fast nur noch das reine Printfarbenspektrum. Ich kann um mich herum z.B. kein Umbra entdecken, also warum sollte ich damit malen? Wenn ich aus dem Fenster sehe, glotze ich quasi auf die riesige LED-Leinwand der O2 Arena an der Spree, da ist kein Umbra dabei, wenn das Logo blinkt.

Wenn Du Dich selber malen würdest, welche Farben würdest Du benutzen und wie würde das Endergebnis aussehen?

Hoffentlich würde es aussehen wie eine unförmige Bonnard–Figur in seinen Wurstfarben. Damit wäre ich sehr, sehr zufrieden. Er ist mein absoluter Lieblingsmaler, zumal dann nur meine Beine von einer Ecke aus ins Bild reinhängen würden. Alles kommt vom Rand aus, das versuche ich auch als meine Grundregel zu benutzen. Nicht das Zentrum ist interessant, sondern der Rand.

Galerie
Ausstellungsansicht “Henning Strassburger: IMAGE”
Köln 2011
Foto: Ben Hermanni

In Deinen Werken spielst Du mit populären Klischees. Ist das ein redundanter Versuch, sie zu überwinden?

Ich bin absolut ein Kind meiner Zeit. Ich kann nur so dolle und hart mitmachen wie ich kann, und hoffen, dass ich gut darin bin.

Wo sind Deine Werke aktuell zu sehen?

Das Jahr ist fast rum, deswegen ist für 2013 quasi alles gelaufen. Daher treibe ich mich gerade ganz viel bei McFit rum und pumpe ziemlich hirnlos. Das ist meine neue Lieblingskette neben Netto – mit sehr vielen amüsanten Menschen, die gemeinsam im großen Hamsterrad rennen. Ich versuche daher einfach schneller zu rennen…

Bild_H.Strassburger
Courtesy Soy Capitán, Heike Tosun, Berlin
Foto: Achim Kukulies, Düsseldorf

Welche Projekte stehen bei Dir auf der Tagesordnung?

Gerade wird die Ausstellung im Salon Dahlmann geplant, die am 1. März 2014 eröffnet; und wir konzipieren die nächste Galerieausstellung bei Soy Capitán, Heike Tosun zum Berliner Gallery Weekend. Zudem werde ich ab März ein Semester im Master of Fine Arts-Programm an der Uni von Las Vegas lehren und ich wollte danach noch längere Zeit in LA verbringen.

Henning Strassburger (*1983 in Meißen) lebt und arbeitet in Berlin.
Letzte Einzelausstellungen u.a.: Soy Capitán, Berlin (2012); Kavi Gupta, Chicago (2012); Galerie Fiebach, Minninger Köln (2011), Kunstverein Heppenheim (2011); Kunstsammlung Deutsche Bundesbank, Frankfurt (2010).

Letzte Gruppenausstellungen u.a.: The Digital Divide by Henning Strassburger, Sies+Höke Düsseldorf (2013); Berlin.Status(2), Künstlerhaus Bethanien, Berlin (2013); Deep Cuts, Anna Kustera Gallery, New York (2013); Lutz Braun, Andreas Diefenbach, Hans-Jörg Mayer, Henning Strassburger, Galerie Christian Nagel and fiebach, Minninger, Cologne (2012); Informel Relations, Indianapolis Museum of Contemporary Art (2010).

Kategorien: Frontpage · Visual Arts

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