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Artist of the Week – Huang Xiang and William Rock

8 März, 2010 von · Keine Kommentare

Ein Interview von Maria Aladzhova mit Huang Xiang und William Rock

Übersetzung aus dem Englischen: Kornelia Weinert

Huang Xiang and William Rock2

In dieser Ausgabe von “Artist of the Week”, präsentiert euch Public Republic Huang Xiang und William Rock – zwei wunderbare Künstler und Erschaffer des „Century Mountain Project“. Das “Century Mountain Project” ist eine Ost/West Zusammenarbeit von Kunst, die einen “bildlichen Dialog über Menschlichkeit“ hervorbringt.

Huang Xiang ist einer der bedeutendsten Dichter des 20. Jahrhunderts in China und ein Meister-Kalligraf. International ist er für seine unkonventionelle Dichtkunst und sein klares Eintreten für die Menschenrechte in China bekannt. Seine unglaubliche Geschichte wurde in dem Buch “Coming Alive: China After Mao” niedergeschrieben. Huang Xiang wird beschrieben, als ein “brennender Dichter”, als eine menschliche Fackel, die für Freiheit und Aufklärung brennt.

Sein künstlerischer Mitarbeiter und Freund William Rock, ist sowohl Staatsangehöriger von Irland als auch von den Vereinigten Staaten. Er studierte Grafik am „California Art Institute” und brachte sich das Malen und Bildhauern, durch seine Reisen zu Museen auf der ganzen Welt, selber bei. Er studierte und lernte mit tibetischen und chinesischen Mönchen. Seine Kunst wurde sowohl international, also auch in Museen in den USA ausgestellt.

Zusammen haben Huang Xiang und William Rock das “Century Mountain Project” erschaffen – Kunst, die wichtigen Menschen der Weltgeschichte gewidmet ist, Menschen, die sich im Laufe der Jahrhunderte – wie Berge – von der Masse abhoben. Mehr Informationen unter: “http://www.centurymountain.com/”

Wie hat eure Zusammenarbeit begonnen?

Huang Xiang: Es sind die allgemeinen Werte, die wir beide teilen. Es war das Universum, das zu uns gesprochen hat. William Rock war gerührt von meinen Gedichten und ein Treffen wurde unumgänglich. Als wir von einem gemeinsamen Freund das erste Mal vorgestellt wurden, war es als wären wir schon lange Freunde. Ein chinesischer Dichter und ein amerikanischer Künstler hatten ihren künstlerischen Seelenverwandten gefunden und traten einer vereinigten Welt der Gestaltung bei.

William Rock: Ich wachte eines morgens mit dem Gefühl auf, aus Blut und Milch zu bestehen. Es fühlte sich an, als könnte ich das Blut und die Milch schmecken. Als Künstler akzeptiere ich diese Art von gefühlsmäßigen Sinneseindrücken. Zwei Wochen später, sagte mir eine Freundin, ich solle mir unbedingt den Dichter Huang Xiang angucken. Sie fühlte, dass seine Dichtkunst und meine Kunst, den gleichen kreativen Bereich besetzen. Als ich Huang Xiang auftreten sah, trug er dieses Gedicht vor:

Poetry
A drop of blood
melts into inky
chaos
A drop of milk
fuses with water’s
clarity

Da waren mein Blut und meine Milch. Ich empfing sofort die Synchronität.

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Wie wählt ihr eure Themen für das “Century Mountain Project” aus?

HX: William Rock ist ein Künstler und Visionär, mit einem mitfühlenden Herzen. Durch die Kunst offenbart er ein tiefes Verständnis und einen Sinn für Menschlichkeit. Die Portraits, die er malt, spiegeln diese Erkenntnis. Ich teile diese Ansicht und Leidenschaft durch die Kunst des Dichtens.

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Unser “Century Mountain Project” gründet auf diesem gemeinsamen Verständnis, wir geben dieser Kunst Leben, um weiterzubestehen und zu wachsen. William und ich malen Menschen, die sich im Laufe der Jahrhunderte – wie Berge – von der Masse abhoben. William Rock’s Wahl der Themen ist eine Reflexion seiner humanistischen Ansichten und seines Fachwissens. Er wählt Themen aus, indem er seiner Intuition vertraut.

Wir könnten über Themen diskutieren oder uns einfach dazu entscheiden, eins zu verwirklichen – so wie wir das meistens machen. Ich suche dann für jedes Portrait ein Gedicht heraus. Das Gedicht bezieht sich dann auf die abgebildete Person. Durch die Kunst der Kalligrafie und über die Enthüllung einer tieferen Bedeutung und die Verbesserung der optischen Wirkung, verweise ich auf ein übergeordnetes Fachgebiet.

Arthur Rimbaud2

Mit anderen Worten arbeiten wir zusammen, um die Seele und das Wesen der Menschen, die wir malen, darzustellen. In gewisser Hinsicht erwecken wir sie wieder zum Leben, um die Verbindung, zu den heute noch lebenden Betrachtern wieder herzustellen. Wir hoffen, dass das fertige Bild eine einzigartige Erfahrung und eine positive Wirkung bei denjenigen hinterlässt, die mit dieser Kunst in Berührung kommen.

Die meisten der Gedichte auf den Bildern stammen aus meiner eigenen Feder, aus einer Sammlung von Gedichten mit verschiedensten Themen und Stilen. Leider ist die Sammlung meiner Gedichte, die in einem Zeitraum von mehr als fünfzig Jahren geschrieben wurden, bis heute in China verboten. Ein halbes Jahrhundert meiner Arbeit ist in meinem Heimatland nicht erhältlich.

Wenn William Rock und ich uns ein Thema für ein Bild aussuchen, ist das Hauptziel, die Menschlichkeit zu feiern und zu ehren. Menschlichkeit zu vermitteln, ist der Schwerpunkt unserer Zusammenarbeit. Wir beide glauben stark an eine gemeinsame Menschlichkeit, die nicht über die Gesellschaftsschicht, die Politik, die Rasse, das Geschlecht, die Nationalität oder Ideologien definiert wird. Wir sind alle Menschen. Oh, bevor ich es vergesse, möchte ich meine wunderschöne Frau Qiuxiao Yulan erwähnen. Sie ist eine wunderbare Autorin und sie hat den Namen „Century Mountain Project“ vorgeschlagen.

2009 hat die UNESCO die chinesische Kalligrafie in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Das bedeutet, dass die Kalligrafie an sich, inhärente Eigenschaften besitzt, die sie zu einem ebenbürtigen Mitwirker bei der Verbesserung der Menschlichkeit machen.

WR: Manchmal scheint es, als ob sich das Thema uns aussucht. Es sind Menschen, die mit ihrer zeitlosen Botschaft aus der Geschichte aufschreien. Wir haben auch ein Portrait von Huang Xiang gemacht. Von den Hundertmillionen Menschen, die während der Kulturrevolution gelitten haben, ist er einer der wenigen, die sich für die Menschenrechte eingesetzt haben. I

n den dunkelsten Tagen des zwanzigsten Jahrhunderts ist er aufgestanden und war auch der erste, der seine Gedichte an die „Mauer der Demokratie“ in Beijing schrieb. Er wurde gefoltert und verbrachte, für sein Eintreten für die Menschenrechte und für das Schreiben seiner Gedichte, zwölf Jahre in chinesischen Gefängnissen.

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Huang Xiang saß zweimal im Todestrakt. Einige der Dichter, die wir gemalt haben, wurden aufgrund ihrer Überzeugungen ermordet, wie der spanische Dichter Garcia Lorca. Huang Xiang ist einer der wenigen lebenden Menschen, die in ihre Fußstapfen getreten sind und leben um darüber zu erzählen. Als er sein Gedicht auf Garcia Lorca’s Portrait schrieb, sprach er für all jede, dessen Stimmen verstummt sind und ehrte sie. Trotz all des Leids, das er überstanden hat, ist Huang Xiang kein verbitterter Mensch.

Er liebt China und seine Menschen und kehrte 2008 zurück, um seine Familie und seine Freunde zu besuchen. Über die Möglichkeit, mit Huang Xiang zusammenzuarbeiten, bin ich sehr dankbar. Eines Tages werden seine fünfzig Jahre Arbeit und sein Mut auch in China veröffentlicht und anerkannt werden.

Federico Garcia Lorca.2

Gibt es manchmal auch Differenzen in eurer Zusammenarbeit?

HX: Meine Antwort darauf, lässt sich in einem Zitat von Konfuzius finden: “Allow different voices and views expressed in harmony.” Die Chinesen sehen die Toleranz anderen gegenüber, als die Tugend des Ehrenmannes.

WR: Ein großer Teil von dem, was wir tun ist Vertrauen. Wir arbeiten mit harmonischen Ansichten und guten Absichten. Wenn das Gefühl der Unterschiedlichkeit abgebaut wurde, gibt es keinerlei Konflikte.

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Welchen Einfluss soll eure Arbeit auf die Betrachter haben?

HX: Wir hoffen, dass unsere Bilder ein visuell belebendes und wissensförderndes Erlebnis für die Betrachter darstellen.

WR: Alles, worauf wir hoffen können ist, dass die Betrachter unserer Kunst so offen wie möglich
gegenübertreten. Das Erlebnis jedes Betrachters ist relativ und legitim.

Beeinflussen eure Lebenserfahrungen eure Arbeit?

HX: Lebenserfahrung ist das Fundament der Literatur, der Arbeit und der künstlerischen Erschaffung. Wir beziehen Inspiration aus allem, was uns im Leben begegnet – ob es freudig oder tragisch ist. Um ein großartiges Ergebnis zu erreichen, muss während der Schaffung von Kunst, das Streben nach geistiger Bereicherung einen alles umfassenden Rahmen herausbilden.

Isadora Duncan HXiang WRock2

Der Wert der Arbeit, definiert sich über ein bewusstes und fortwährendes Bemühen des Künstlers, bei dem Streben nach Erleuchtung über sich selbst hinauszuwachsen. Ich persönlich stecke meine ganze Kraft in das Streben nach Verständnis und der Herstellung von Verbindungen zwischen dem weltlichen und dem ewigen Leben des Universums. Ich hoffe, dass sich dieses Bemühen in meiner Arbeit wiederspiegelt und erkannt wird.

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WR: Lebenserfahrung ist ein Teil von dem, was bei der Arbeit verwendet wird. Wenn die Lebenserfahrung eines Künstlers zur Weisheit führt, und er oder sie dazu fähig ist, sich aus der Strömung zu befreien, scheint die Kunst von etwas Übergeordneterem als dem Individuum erschaffen worden zu sein.

Man kommt sogar zu der Erkenntnis, dass dort kein Individuum ist. Etwas Universelles und Übergeordnetes erschafft die Kunst. Deshalb fühlen sich viele Künstler zu den fernöstlichen Praktiken hingezogen, weil dort diese subtilen, inneren Bereiche des Menschen angesprochen werden.

Ihr reist sehr viel. Wo befindet sich der schönste Ort, an dem ihr je gewesen seid?

HX: Bezogen auf seinen großen Kulturbesitz und seinen humanistischen Geist, steht Italien ganz oben auf der Liste. Ich war an vielen Orten, wie zum Beispiel Taiwan, Japan, Schweden, Deutschland und Australien. Sie alle haben wunderschöne Bilder in meinem Gedächtnis hinterlassen. Ich war überwältigt, von den wunderschönen Schöpfungen der Natur, als ich den Grand Canyon und den Niagarafällen in den Vereinigten Staaten gegenüber stand. Ich habe Pittsburgh, Pennsylvania als meine zweite Heimatstadt angenommen, weil mir dort die Freiheit zu schreiben und als Stadtschreiber ein Ort zum Leben angeboten wurde.

Ich freue mich darauf, mit neuen Freunden Spanien zu besuchen und zu entdecken. Wir haben bei der spanischen Kunstgalerie „Espai Cromatic” unterschrieben.

Sie werden die Bilder von “Century Mountain” fördern und in Europa und Lateinamerika drucken. Aber vielleicht ist der schönste Ort für mich auch in meinem Herzen und in meinen Träumen. Es ist ein besondere Planet, einschließlich meines Mutterlandes China. Der schönste Ort für einen Menschen, der nach geistiger Erleuchtung sucht, findet sich in der Möglichkeit, durch das aus Poesie und Kunst geschaffene Traumland, zu reisen.

WR: Der Felsen Gibraltar. Du kannst Spanien und Afrika dort gleichzeitig sehen.

“http://www.public-republic.net/wp-admin/post.php?action=edit&post=12199″

Ihr seid ein internationales Duo. Denkt ihr, das fördert die Kreativität?

HX: Wir kommunizieren mit und durch unsere Kunst. Die Welt braucht Kommunikation; wir müssen uns aufeinander einlassen um das gegenseitige Verständnis und den Respekt zu erwerben und auszubauen. Alle neuen Ideen und Realisierungen in der künstlerischen Schaffung, sollten gefördert und beklatscht werden.

Das, was William Rock und ich erschaffen, ist etwas, das vorher noch nicht gemacht wurde. Ich glaube wir begegnen einer neuen Ära. Interaktionen zwischen Künstlern und Kulturen werden in künftigen Entwicklungen fortbestehen.

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WR: Was die Wörter angeht, sprechen wir nicht die selbe Sprache, aber ich fühle mich sehr kreativ, wenn ich mit Huang Xiang zusammenarbeite, weil alles in dem Moment geschieht. Das Wesen der Kaligrafie ist die Spontaneität. Die Kunst, die wir schaffen, ist sehr spontan.

Ihr habt so außergewöhnliche Menschen wie Federico Garcia Lorca, Van Gogh, Jack Kerouac, Einstein, Mozart, Frida Kahlo usw. gemalt. Was denkt ihr, wie haben diese Menschen unseren heutigen Blick auf die Welt verändert?

HX: Die Kultur, die wir heute teilen, ist verdorben durch aufdringliches Interesse, unbeständigen Geschmack und vergängliche Zufriedenheit. Geistige Entwicklung ist kaum zu erkennen. Dennoch sind die humanistischen Werte, die sich im Laufe der Entwicklung der Zivilisation angesammelt haben, relativ beständig und universell.

Die Voraussetzung für unseren kreativen Erfolg und unser Überleben, hängt von der Anerkennung und Wertschätzung dessen ab, was unsere kulturellen Vorfahren uns hinterlassen haben. Durch die Überlieferung und Nutzung unseres kulturellen Erbes, wird die Menschlichkeit voranschreiten und bereichert.

Nietzsche HXiang WRock2

WR: Ich denke wir alle haben das Potenzial, um an der Menschlichkeit mitzuwirken. Die Menschen, die wir malen, offenbarten einige Aspekte ihres Potenzials, die sie beigesteuert haben. Wir können von ihnen lernen, sie bringen uns immer noch etwas bei. Thoreau inspirierte Gandhi, der Martin Luther King inspirierte. Es gibt einen anhaltenden Dialog außerhalb der konventionellen Zeit. Er ist sehr subtil, aber wir können ihm zuhören, wenn wir es mit Weisheit tun.

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Welchen Künstler bewundert ihr am meisten?

HX: Als Jugendlicher liebte ich Vincent Van Gogh und Isadora Duncan. Ihren freien Geist, ruhelos und leidenschaftlich strebend für die Kunst, genau wie ihre aufsässigen Ansichten und Handlungen gegenüber der Autorität, irgendwie ähnelt das meiner Persönlichkeit. Ich empfinde noch heute eine starke Bewunderung für sie, aber diese ist verbunden, mit einer tieferen Wertschätzung und einem tieferen Verständnis, was von der fernöstlich-philosophischen Perspektive kommt.

WR: Ich denke eigentlich nicht über Favoriten nach. Inspiration kann aus so vielen Quellen entspringen, wenn wir erkennen, wie wir das Bewusstsein dafür pflegen.

Gibt es andere Künstler, mit denen ihr gerne zusammenarbeiten würdet?

HX: Ich möchte mir meine Entscheidungsfreiheit erhalten.

WR: Ich würde gerne eine weltweite Kunstgemeinschaft gründen. Künstler und Dichter aus verschiedenen Kulturen, die auf bedeutsame Weise zusammenarbeiten.

Gibt es etwas ( in eurem Berufsleben), das ihr noch nicht gemacht habt, aber in naher Zukunft schaffen wollt?

HX: Das ist ein Geheimnis. Aber aus deiner Frage kann ich schließen, dass du erpicht darauf bist, herauszufinden, was vor mir liegt. Das ist großartig. Maria, wir sind dazu bestimmt, Freunde zu werden.

WR: Ich würde es gerne sehen, dass unsere Bilder auf Reisen gehen und das Dialoge die Kunst umgeben. Dialoge verbindlicher Lösungen und Möglichkeiten und Dialoge der gegenseitigen Zusammenarbeit und der interkulturellen Verständigung.

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Was denkt ihr, wie wird es morgen sein?

HX: Östliche und westliche Kulturen befinden sich in einer Phase der Veränderung und Annäherung.

WR: Morgen ist ein anderer Tag. Vielen Dank Maria, für das Interview und vielen Dank auch an „Public Republic“, für die Förderung der interkulturellen Verständigung.

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Kategorien: Frontpage · Modern Times · Um die Welt · Visual Arts

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