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Artist of the Week – Jana Christova

17 November, 2014 von · Keine Kommentare

Jana Christova- ein junges Talent, standhaft auf Zehenspitzen

Ein Interview von Laura Popow

Jana

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Ein wacher Blick, geradeaus gerichtet, zielstrebig. Die 16 Jährige Jana Christova, eine Berlinerin mit Bulgarischem Hintergrund, weiß ganz genau, was sie will: Tanzen.                

Doch nicht etwa, wie viele ihrer Altersgenossen, mit Freunden in einem Club, nein, sie möchte eines Tages professionell auf der Bühne stehen.

Aber für diesen Traum muss man auch eine Menge von sich geben.

Sie ist nur für einige Tage in Berlin, denn seit 3 Jahren lebt sie in Österreich und geht dort alleine auf ein Sportinternat in Sankt Pölten.

Bei unserem Interview erscheint sie offiziell gekleidet, denn ebenso wie das Ballett besitzt sie eine Schwäche für die Oper. Sie hat zwar eilig, aber lächelt dennoch entspannt, beruhigend, fast melodisch. 

 

Seit wann genau tanzt du und was fühlst du dabei?

Seitdem ich laufen kann. Bereits als Kleinkind habe ich das Tanzen über alles geliebt, die Musik ging an und ich konnte einfach nicht mehr damit aufhören. Daraufhin meldete mich meine Mutter bei der Kindertanz- Klasse der Staatlichen Balletschule in Berlin an. Ab und zu hatte ich auch einige Auftritte im Bulgarischen Kulturinstitut auf Festen, meistens jedoch mit Begleitung. Professionell begann ich dann mit 9 Jahren, als ich ab der 5.Klasse auf die Staatliche Ballettschule ging.

Beim Tanzen ist es so, dass egal, welche Sprache man spricht, man den Ausdruck des Tänzer verstehen kann, durch seine Bewegungen, seine Mimik, der Musik…                                           Es ist ähnlich wie ein Gemälde, nur dass der Künstler seine Gefühle nicht durch Farben, sondern durch dem Tanz ausdrückt. Und das schönste Gefühl, der beste Lob ist der nach dem Auftritt, die Anerkennung, der Jubel, die Liebe des Publikums zu spüren.

Jana dd

 

Hast du schon einmal überlegt, etwas anderes zu tun, als berufliche Alternative?

Allerdings sollte man immer einen Plan B haben. Ich habe mich schon immer für Gerichtsmedizin interessiert, also käme ein Medizin- Studium für mich infrage.

 

Was, meinst du, hast du bereits von dir selbst aufgegeben, für den Traum zu tanzen?

Einen großen Teil meiner Kindheit und der Freizeit, die andere besitzen. Man muss als Ballet- Tänzer viel für seinen eigenen Körper tun, ob es Dehnübungen, Diäten oder auch an sich einfache Tanzproben sind, man hat permanent etwas zu tun. Da bleibt einem wenig Zeit für sich übrig…

 

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Erzähle mir ein wenig von dem Wechsel von der Großstadt Berlin nach Sankt Pölten, einer der ältesten Kleinstädte Österreichs. Über den Kulturwandel, die Menschen, das Internat, die Sehnsucht nach Hause…

Mit 13 Jahren kam ich auf das Sportinternat in Sankt Pölten. Anfangs war es eine große Freude für mich, endlich einmal komplett selbstständig sein zu können, aber bereits nach einigen Wochen bemerkte ich,  wie anstrengend das auch sein kann. Und das Heimweh! Da man in Österreich keine Herbstferien hat, war ich anfangs ganze 4 Monate am Stück auf mich alleine gestellt, bis ich dann endlich meine Familie in Berlin wiedersehen konnte. Ansonsten kann ich dem Klischee, dass Österreicher etwas gegen Deutsche hätten, nur entgegenstimmen. Ich wurde freundlich und voller Interesse gleich in meiner Klasse aufgenommen, habe schnell Freunde finden können und habe auch viele weitere Schüler, die, wie ich, aus dem Ausland kommen, kennengelernt. Vor allem aus Russland und Amerika kommen die meisten ausländischen Schüler dort. Also habe ich gleich mehrere Kulturen dort kennengelernt.

 

Meinst du viele Tänzer in deinem Alter geben ihren Traum zu schnell auf? Wenn ja, wieso?

Ich kenne viele, die nach einer bestimmten Zeit einfach für sich erkannt haben, dass der Beruf als Tänzer nichts für sie ist, weil sie plötzlich etwas anderes erlernen wollten oder auch mehr Freizeit haben wollten. Zudem gibt es auch wirklich selten gute Schulen fürs Ballett, und wenn man eine mit relativ gutem Ruf findet, ist sie meistens auch sehr teuer. Selbstverständlich gehört auch die schwere Aufnahmeprüfung auf jeglichen Sport- und Ballettschulen dazu, vor der sich viele fürchten und sich verunsichert fühlen.

 

 

Woran hältst du fest in Momenten des Zweifels- hast du ein bestimmtes Vorbild?

Meine größten Vorbilder sind Vladimir Anatoljewitsch Malakhov und Svetlana Jurjewna Zakharova.

W. Malakhov ist ein Weltstar, russisch-österreichischer Tänzer, Choreograf und von 2004 bis zum Ende der Spielzeit 2013/2014 Ballett-Intendant des Staatsballetts Berlin. Seitdem ich mit ihm einmal gemeinsam tanzen durfte, habe ich auch einen persöhnlichen Draht zu ihm.

Und zu S. Zakharova kann ich nur eins sagen: Sie ist in meinen Augen die Perfektion. Besser geht es nicht.

 

Wie heißt dein Lieblingsballettstück und was inspiriert dich daran?

Auf diese Frage antworte ich sehr gerne!

Viele würden jetzt wahrscheinlich mit „Schwanensee“ antworten, aber mein Lieblingsstück ist „ Eugen Onegin“ und immer, wenn ich in Berlin bin und dazu getanzt wird , sehe ich es mir an. Immer und immer wieder.. Ich liebe es! Die dramatische Rahmenhandlung, die einzigartige Choreografie, die Rollen…

 

Gibt es eine bestimmte Rolle, die du unbedingt einmal getanzt haben möchtest im Laufe deines Lebens?

Tatjana von „Eugen Onegin“.

Jana und ich

 

Würdest du manchmal gerne dein Leben austauschen, mit dem eines normalen Teenagers?

Nein, weil ich durch das Ballett gelernt habe, was es heißt, etwas regelmäßig durchzuziehen. Vor allem aber auch Selbstdisziplin und Selbstständigkeit habe ich bei meinem Wechsel von Berlin nach Sankt Pölten gelernt.

Ohne Ballett wäre ich nie so erwachsen, wie ich im Moment bin. Ich wäre praktisch eine komplett verschiedene Persöhnlichkeit und das wäre für mich vollkommen unvorstellbar.

 

Von wem hast du bisher am meisten Unterstützung bekommen?

Am meisten Unterstützung habe ich von meinen Eltern bekommen. Beide haben Musik studiert und mich stets in dem, was ich tue, unterstützt.

Ansonsten kenne ich bereits seit meiner Kindheit Emilia Gabriel, die als Solo-Tänzerin in der Sofioter Staatsoper, in der Staatsoper Berlin und beim Deutschen Fernsehballett  bekannt war und momentan Dozentin für klassischen Tanz  und Repertoire an der „ International Dance Academy Berlin“ ist.  Sie steht stets an meiner Seite, ob privat oder auch beim Ballett und hat auch schon so einige Choreografien für mich entworfen.

Nicht zu vergessen wäre Alisa Nikiforova, die Schülerin von Agrippina Jakowlewna Waganowa, der  Begründerin der Waganowa- Methode im Ballett, war. Sie unterrichtet mich oftmals privat und ist auch immer für mich da.

 

 

Kategorien: Frontpage · Szene · Um die Welt

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