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Artist of the Week – Juan De Francisco

16 August, 2009 von · Keine Kommentare

“Seid ehrlich und gebt das Lernen nicht auf”

Interview von Mariana Velichkova mit dem Fotografen Juan De Francisco

Übersetzung aus dem Englischen: Mariana Velichkova

Übersetzung aus dem Bulgarischen: Dessislava Georgieva

Wie hat sich die Kultur deines Heimatlandes Mexiko auf deine zwei „Leidenschaften“, Architektur und Fotografie, ausgewirkt?

Architektur und Fotografie spielen eine große Rolle in meinem Land, besonders die Architektur.

Lange Zeit bevor das Spanische Imperium Mexiko „entdeckt“ hatte, wurde ein immenser Teil der mexikanischen Kultur von der Art bestimmt, nach der Gebäude, Tempel, Marktplätze etc. entworfen und konstruiert wurden.

Man muss bedenken, dass es Zeiten gab, in denen ein Hohepriester bestimmen konnte, wo und wann neue Städte entstehen und wie die Haupttempel gebaut werden sollten. Folglich spielten die Architektur und eines ihrer Elemente, die Urbanisierung, eine sehr wichtige Rolle.

Heutzutage ist es schwierig zu sagen, ob die Kultur einen wichtigen Bestandteil der Architektur darstellt oder umgekehrt. In der Hauptstadt Mexico City mit ihren 20 Millionen Einwohnern ist sie offensichtlich von großer Bedeutung, da die gesamte Bevölkerung Mexikos 100 Millionen Menschen umfasst. Jeder neue Stadtteil, der im Laufe der nächsten Jahre entlang der Stadtgrenze entsteht, wird Millionen Einwohner zählen.

Vermutlich hat die gewaltige Notwendigkeit an vielen neuen Gebäuden, Krankenhäusern, Büros, Schulen, Parks etc. so viele bedeutsame Architekten hervorgebracht. Zum Beispiel sind Luis Barragán, Pedro Ramírez Vázquez und Teodoro Gonzáles de Leon die Architekten, die den mexikanischen Stil aufgestellt haben und deren Arbeit und Design mein Land weltweit repräsentieren.

Was die Fotografie angeht, müssen wir im Hinterkopf behalten, dass es zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Revolution in Mexiko gab, so dass die Fotografien dieser Jahre ein wichtiges Zeugnis und kulturelles Erbe aus jener Periode darstellen. Die Bilder von Emiliano Zapata und Francisco Villa beispielsweise sind der Beweis großer Fotografen wie Agustín Cassasola und Tina Modotti, die zu den ersten Kriegsfotografen in der Geschichte zählen.

Jahre später hinterlassen Fotografen der sogenannten „goldenen Jahre des mexikanischen Kinos“ wie Jorge Negrete und Pedro Infante sogar in Hollywood Spuren ihrer Arbeit. Später, während sie mit bedeutenden Regisseuren der 40er und 50er Jahre arbeiten, bieten Fotografen wie Manuel Álvarez Bravo oder Gabriel Figueroa unterschiedliche Methoden des Umgangs mit Licht und Schatten in Fotografie und Film.

Welcher Ort und welches Gebäude haben dich während deiner Weltreisen am meisten neugierig gemacht?

Es ist äußerst schwierig, einen einzigen Ort oder ein einziges Gebäude zu nennen, die am bedeutsamsten für mich sind, denn jeder Ort und jedes Gebäude hat seine Geschichte und spezifischen Umstände.

Bauten wie der Triumphbogen in Paris, das Kolosseum in Rom, die Ausgrabungsstätte Tulum in meinem Land, die Basilika in Florenz, sogar die Twin Towers des World Trade Center in New York – sie alle haben tiefe Spuren in meinem Leben hinterlassen.

Orte wie das Grand Casino in Monaco, der Markusplatz in Venedig, der Piccadilly Circus in London haben mich besonders stark beeindruckt. Wahrscheinlich verrät Ihnen das, was ich mir vor Jahren geschworen habe, noch etwas. Das Versprechen lautete: „Ich werde mein Leben erst verlassen, wenn ich David von Michelangelo Buonarroti gesehen oder unter dem Eifelturm gestanden habe.“

Wie würde das „Gebäude“ deines Lebens aussehen?

Konkret wäre dieses Gebäude ökologisch, hätte Solarzellen und würde seine Lebenssysteme nicht verunreinigen. Es würde aus Naturmaterialien bestehen, und errichtet wäre es unter Anwendung typischer Techniken seines Standortes.

Das Gebäude bestünde aus einer Kombination aus Holz, Grünpflanzen und Stein, aber vor allen Dingen stellte es einen persönlichen und unvergänglichen Ort für jeden seiner Bewohner dar.

Gibt es einen Ort auf der Welt, an den du immer und immer wieder zurückkehren würdest?

Florenz in Italien lässt mich darüber nachdenken, ob es eine andere Stadt oder einen anderen Ort auf der Welt gibt, der schöner ist. Wenn man mir jedoch anbieten würde, immer und immer wieder Paris zu besuchen, würde ich die Einladung nicht ausschlagen. Außerdem kann ich nicht vergessen, dass ich die letzten 20 Jahre in Madrid verbracht habe, und das ist ebenfalls die wundervollste Stadt für mich.

Welche sind die Grundansichten deiner Lebensphilosophie?

Vor langer Zeit habe ich begriffen, dass Einsamkeit eine wunderbare Gesellschaft sein kann. Außerdem ist alles, was wir erleben können – ob gut oder schlecht -, mit Sicherheit gut, solange wir daraus lernen können.

Wie lautet dein Rat an die Anfänger in der Architektur und Fotografie?

Seid ehrlich. Seid ehrlich zu euch selbst, zu eurer Arbeit, eurem Wissen, eurer Erfahrung, und lernt immer dazu. Es ist unwichtig, ob der Mensch vor euch 20 Jahre jünger ist und vielleicht keine klassische Ausbildung absolviert hat. Jeder hat einen Standpunkt, von dem wir etwas lernen können.

Hast du eine Idee, wie die Menschen gemeinsam eine bessere Welt erschaffen können?

Es fällt mir schwer, eine einzelne „materielle“ Maßnahme vorzuschlagen, die von mir selbst oder, ich denke, auch von jedem anderen entwickelt wurde – es sei denn, derjenige hat das Rote Kreuz oder eine Organisation wie Medicus Mundi gegründet.

Seit meiner Kindheit weiß ich aber, dass viele Menschen Hilfe benötigen – sowohl in meinem Land, als auch überall auf der Welt. Hilfe bei der Medikamentenversorgung, und auch Lebensmittel, Schulen, Unterkünfte und vielleicht auch eine Schulter zur Anlehnen. Schon damals versuchte ich meinen Kräften entsprechend jedem zu helfen, der mich gebraucht hat.

Wer bist du außerhalb der Fotografie und Architektur?

Ihr habt nicht genug Platz, um all die Dinge abzudrucken, die ich liebe und die mir gefallen. Neben Fotografie und Architektur sind Musik und Literatur wohl die wichtigsten Dinge in meinem Leben.

Ich lese fast jedes Buch, das mir in die Hände fällt. Wenn ich an meinen Fotos arbeite oder Entwürfe mache, höre ich ununterbrochen Musik. Hauptsächlich klassische Musik, und von Zeit zu Zeit auch klassischen Rock oder Ethno.

Biografie

Geboren wurde ich in Mexiko, als es noch viel kleiner als heute war. Damals beschrieb es der Schriftsteller Carlos Fuentes als die „Zone mit der saubersten Luft“.

Seit meiner Kindheit habe ich zwei Leidenschaften: Architektur und Fotografie. Die erste fotografische Aufgabe stellte sich mir im Alter von zehn Jahren, als ich die Gymnastik- und Schwimmmannschaften während der Olympischen Spiele 1986 fotografierte.

Später wurde ich Architekt, habe aber meine Leidenschaft für Fotografie nie verloren. Im Laufe der Jahre wandte ich vielfältige Techniken in meinen Fotografien an, vom Negativfilm bis zur heutigen Digitalära.

Meinen größten Erfolg als Fotograf erlebte ich im Jahr 1987, als meine Fotografien vom Grand Prix der Formel 1 in Mexiko im Playboy veröffentlicht wurden. Einen gewissen Erfolg hatte ich auch beim Verkauf ausgewählter Bilder an verschiedene Zeitschriften und Zeitungen.

Ich lebe in Toledo, Spanien seit beinahe 20 Jahren und fotografiere weiterhin in der Zeit zwischen Arbeit und Reisen.

Mehr von meinen Fotografien könnt ihr im photo stream bei flickr oder im Fotoblog unter http://juande.aminus3.com/portfolio/ sehen.

Kategorien: Frontpage · Szene · Visual Arts

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