Zu Favoriten hinzufügen
Public Republic random header image

Artist of the Week — Karlos Garciapons

20 Juli, 2009 von · Keine Kommentare

Interview von Mariana Velichkova mit dem Fotografen Karlos Garciapons

Übersetzung aus dem Englischen: Mariana Velichkova
Übersetzung aus dem Bulgarischen: Dessislava Georgieva

Was hat dich an der Fotografie fasziniert?

Die Möglichkeit, persönliche Momente des Lebens zu bewahren. Die Fähigkeit, beinahe unmittelbar eine Idee, eine Konzeption oder ein Gefühl zu übermitteln, die im Bild synthetisiert sind.

Warum ziehst du es vor, Insekten und andere kleine Objekte zu fotografieren?

In der Natur wird die Größe nicht gemäß unseren Vorstellungen und Dimensionen beurteilt, so dass bestimmte Details unbemerkt bleiben. Es existieren parallele Welten, die außerhalb unserer Wahrnehmung beginnen – dort, wohin der Blick nicht reicht. Es gefällt mir, diese Welt voller Vielfalt und Details zu erforschen. Manchmal können wir verblüffende Dinge entdecken.

Was hat dein Interesse an der Makrofotografie geweckt?

Schon immer habe ich mich für die Morphologie der Insekten und ihre Widerstandsfähigkeit unter schweren Umweltbedingungen interessiert. Es ist eindrucksvoll, eine Makrodarstellung und damit unbekannte Aspekte zu entdecken, deren Beobachtung dank der Makrolinsen möglich ist.

Ebenso hütet auch die Pflanzenwelt eine Schatzkammer der Schönheit… und jeder Teil davon ist von überraschender Farbintensität. Angesichts dessen bleibt die Anziehungskraft der Welt der Makrofotografie für mich dauerhaft und unverändert bestehen…

Welche sind deine wesentlichen Erkenntnisse aus der Fotografie?

Als Amateurfotograf kann ich nicht von großen, sondern eher von bedeutungsloseren Errungenschaften sprechen. Wenn ich als Fotograf beauftragt werde, muss ich mich oft daran erinnern, dass sich mein jetziger Beruf im Ingenieursbereich abspielt. Sollte es mir die Arbeit künftig möglich machen, mehr Zeit zu investieren, werde ich ein konkretes Projekt oder eine Ausstellung vorbereiten… Es ist bloß eine Frage der Zeit.

Unterstützt die Fotografie die Entfaltung deiner Persönlichkeit?

Selbstverständlich. Durch die Fotografie habe ich gelernt, geduldig auf den richtigen Augenblick zu warten. Geduld ist auch im Alltag äußerst notwendig. Die Fähigkeit zu kreieren und Sensibilität sind weitere Eigenschaften. Bestimmte Faktoren in der Kunst wirken wie Katalysatoren.

Was die Kritik anbelangt, so ist es wichtig, auch andere Standpunkte anzuhören und zu verstehen. In der Fotografie lernt man, Ideen und Ansichten zu teilen, die sich aus der eigenen Arbeit ergeben – so wird auch die Selbstkritik gefördert.

Wie würdest du das folgende Zitat des französischen Fotografen Henry Cartier-Bresson kommentieren: „In der Fotografie kann jede Kleinigkeit ein außerordentliches Objekt darstellen. Das kleine, menschliche Detail kann sich in ein Leitmotiv verwandeln“?

Ich bin gänzlich einverstanden. Manchmal neigen Laienfotografen dazu, sehr viele Details einzufangen, während sie ihre „Funde“ fotografieren, und das Vorhandensein vieler Elemente erschwert die Wahrnehmung der Fotografien. Es hilft mir, den Zuschauer zu erreichen, wenn ich mich bemühe, die Hauptkomponente im Bild abzusondern und sie ausreichend zu charakterisieren.

Die elementarsten Dinge können großen Einfluss ausüben. Die Leichtigkeit bei der Isolierung eines Augenblicks vom Leben in Form eines Bildes ist für mich das, was mit Sicherheit den Unterschied zwischen der gelungenen Aufnahme eines Fotografen und dem kleinen Meisterwerk aufzeigt. Nur wenige Fotografen sind mit diesem Talent gesegnet.

Welche sind die wichtigsten Eigenschaften eines guten Fotografen?

Wie gesagt: Sensibilität und Geduld sind wichtige Faktoren. Natürlich sollte die Beobachtungsgabe als grundlegende Eigenschaft nicht außer Acht gelassen werden. Auch müssen wir lernen, die Bilder zu abstrahieren, was am wesentlichsten ist. Die übrigen Eigenschaften, die bei der Anwendung fotografischer Techniken erforderlich sind, erlangt man mit der Zeit und Erfahrung.

Biografie:

Karlos Garciapons ist in Tarragona geboren – eine kleine Küstenstadt im Osten Spaniens, nahe dem Mittelmeer. Er arbeitet als Industrieingenieur und Projektmanager. Die Fotografie wird zu seinem Hobby, als er im Alter von zehn Jahren seine erste Kodak-Kamera von seinem Vater bekommt.

Seitdem verbindet er seine Leidenschaft für die Fotografie als Ausdruck seines künstlerischen Talents mit seiner Arbeit und dem Familienleben. Die Digitalfotografie gibt ihm die Freiheit, mit dem Licht zu experimentieren, ohne sich vor Fehlern zu fürchten. Seine Arbeit basiert darauf, das am besten geeignete Licht – ob natürlich oder künstlich, mithilfe von Reflektoren und Blitzlicht zu entdecken.

Das Licht spielt eine große Rolle bei der Bestimmung des Stils und der entstehenden Fotografieprojekte. Es erzeugt tausende Nuancen, und seine Beherrschung ist das Wesen der Fotografie. Spezialisiert hat sich Karlos Garciapons auf Makrofotografie, die neben der Naturfotografie eigentlich seine wahre Leidenschaft ist. Weitere Bereiche der Fotografie, die ihm gefallen, sind Stadtlandschaften und die Stadtmenschen. Der Geist eines konkreten Landes und seiner Sitten ist das, was seinen Blick anzieht.

Er hält sich nicht für einen professionellen Fotografen, da er nicht damit seinen Lebensunterhalt verdient. Doch sind seine Augen „infiziert“ von der Leidenschaft für die Fotografie. Er hofft, dass er ihr in nächster Zukunft mehr Zeit widmen kann, dass sein Leben sich ändern und er Fotografien erzeugen wird, die von den Menschen gewürdigt werden. In der Zwischenzeit wird er weiterhin „sein Praktikum absolvieren“.

Kategorien: Frontpage · Szene · Visual Arts

Tags: , , ,

Keine Kommentare bis jetzt ↓

  • Noch hat keiner kommentiert. Machen Sie den Anfang!

Kommentar schreiben