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Artist of the Week – Konstantin Sellheim

24 Oktober, 2012 von · Keine Kommentare

Interview von Natalia Nikoaleva mit dem Musiker Konstantin Sellheim

Konstantin Sellheim

Konstantin Sellheim
Viola

Konstantin Sellheim, Jahrgang 1978, ist Lehrbeauftragter der Universität der Künste Berlin sowie Assistent der Klasse von Prof. Hartmut Rohde.

Sein Viola-Studium führte ihn 1996 zu Volker Worlitzsch, NDR Radiophilharmonie Hannover, 1999 zu Hartmut Rohde, Universität der Künste Berlin und 2004 zu Nobuko Imai in Amsterdam und Wilfried Strehle, Berliner Philharmoniker.

Konstantin Sellheim ist darüber hinaus Dozent internationaler Meisterkurse für Viola und Preisträger bedeutender internationaler Wettbewerbe. Besonders hervorzuheben sind der “Internationale Brahms-Wettbewerb Pörtschach, Österreich” (2002), und der “Internationale Max-Rostal-Wettbewerb Berlin” (2004).

Seine Studenten sind Mitglieder von Orchestern wie den Berliner Philharmonikern, dem Rundfunksinfonieorchester Berlin sowie dem Ensemble Intercontemporain und dem Gewandhausorchester Leipzig. Als Tutor des European Union Youth Orchestra (EUYO) ist Konstantin Sellheim zudem in der Aus- und Weiterbildung des europäischen Musikernachwuchses tätig und vermittelt den Studierenden zahlreiche Facetten des Orchesterspiels.

Konzerte bei wichtigen internationalen Kammermusikfestivals wie den “Mahler-Festwochen Toblach”, den “Berliner Festwochen”, den “Wiener Festwochen” oder auch dem „Ocean Sun Festival“ und dem „Beethovenfest Bonn“ sind Ausdruck des sehr vielschichtigen Engagements des Bratschisten.

Zu seinen Partnern zählen hier neben Katharina Sellheim (Duo Sellheim) auch Michael Schade, Giora Feidman, Igor Levit sowie Gautier Capucon und Martin Stadtfeld. Er ist außerdem Gründer und Mitglied des Tertis Viola Ensembles, des Violaquartettes der Münchner Philharmoniker, dessen Debüt-CD im Frühjahr 2011 bei OehmsClassics erschienen ist.

Solistisch trat er bereits früh in Erscheinung, unter anderem mit den Hamburger Symphonikern. Konzertreisen führten ihn durch Europa, die USA und Südamerika bis nach China, Korea und Japan.

Im Jahr 2004 war er bei der Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Daniel Barenboim, seit 2006 nun ist Konstantin Sellheim Mitglied der Münchner Philharmoniker. Dort engagiert er sich zudem im Orchestervorstand und übt in der Akademie des Orchesters weitere Lehrtätigkeiten aus.

Funk- und Fernsehauftritte bei den Sendern NDR, RBB, 3Sat, Arte und Phoenix runden das Bild des Künstlers ab.

Worauf bist du stolz?

Ich bin stolz darauf, eine Position in einem der besten Orchester der Welt zu haben und durch eigene Energie und die Hilfe meiner Eltern mich frei ausdrücken zu können.

Was war das Wichtigste, was du im Verlauf deines Lebens über die Musik und durch die Musik gelernt hast?

Das Wichtigste, was ich im Verlauf meines bisherigen Lebens über und durch die Musik gelernt habe ist, dass jeder Mensch ein Bedürfnis nach emotionalen Momenten hat, die z.B. im Konzert vermittelt werden – jeder Mensch ist gleich, völlig unabhängig seiner Nationalität, Hautfarbe und Religion. Die Musik kann die Welt vereinen.

Was ist das Faszinierende daran, Viola zu spielen?

Das Instrument Viola bietet für mich den passenden Rahmen, mich künstlerisch auszudrücken, es erlaubt mir, mich in der Sprache der Musik mitzuteilen. Die Viola ist durch ihre tiefe Stimmlage der menschlichen Stimme sehr ähnlich.

Duo Sellheim

Was bereitet dir die größte Freude in deiner Karriere als Musiker?

Die grösste Freude bereitet es mir, wenn ich durch meine Musik Menschen berühren kann.

Welchen Klang findest du am schönsten?

Den vollen, warmen und dunklen Orchesterklang und den reinen Streichquartett-Sound.

Welche sind deine Lieblingskomponisten und warum?

Dimitri Schostakowitsch, Johannes Brahms, Robert Schumann, Gustav Mahler, Anton Bruckner, Paul Hindemith (für die Viola), Antonin Dvorak und Maurice Ravel – auch Alfred Schnittke zählt zu meinen Favoriten, ein zeitgenössischer Komponist.

Sie verbinden genau jene Elemente, die mich begeistern, d.h. dichte Orchestrierung, satter Klang, starke Rhythmen und auch musikalisch sehr reichhaltige Kammermusik (Quartette von Schostakowitsch, Brahms-Klavierquartette, Dvorak-Quintett etc).

Diese Komponisten verstehen es meiner Ansicht nach, die Klänge der Welt optimal darzustellen und treffen exakt meine Emotion.

Mit welchen Komponisten fühlst du dich als Künstler verbunden?

Wie eben schon gesagt, treffen diese Komponisten genau meine Emotionen, daher fühle ich mich auch mit ihnen als Künstler verbunden, es ist auch ein unglaublich grosses Vergnügen und Erlebnis, als Musiker ihre Musik zu spielen zu dürfen.

Katharina Sellheim

Was gibt dir das Musizieren im Duo? Und was ist das Besondere daran, im Tertis Viola Ensemble zu spielen?

Das Musizieren im Duo gibt mir grösstmögliche künstlerische Freiheit, im Zusammenspiel mit meiner Schwester kann ich meine Musik und Emotionen ganz genau ausdrücken.

Tertis Viola Ensemble

Das Tertis Viola Ensemble, von mir gegründet, bietet der Viola sehr grossen Raum, immerhin spielen gleich vier davon gemeinsam im Ensemble.

Der dunkel leuchtende Klang potenziert sich hier und erweckt die ganz besondere Farbe der Musik, die ich so mag – unvergessliche Konzerte durfte ich schon erleben. Die Viola bekommt den Raum, der ihr gebührt!

Was ist das Wichtigste, was du an deine Kursteilnehmer als Dozent internationaler Meisterkurse für Viola vermitteln willst?

Ich möchte allen Teilnehmern, also meinen Studenten, auf Kursen wie auch an der Universität der Künste Berlin in erster Linie die Freude am Instrument Viola vermitteln und schaffen, dass sie sich bestmöglich ausdrücken können!

Das funktioniert nur mit sportlichem Ehrgeiz – wir Profimusiker sind da wie Leistungssportler – und dem wirklich regelmässigen Training, also dem Üben. Unsere Muskeln müssen ausgebildet sein, insbesondere natürlich in den Armen und Händen und das Instrument sollte sich wie ein Teil des eigenen Körpers anfühlen.

Nur so ist man in der Lage, sich unbeschwert auszudrücken, ohne dass manuelle Schranken durch mangelnde Übung vorhanden sind.
Das gilt natürlich auch für mich selber!

Duo Sellheim

Du bist Preisträger bedeutender internationaler Wettbewerbe. Welches Talent möchtest du noch besitzen?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten…denn ich bin glücklich mit dem, was ich habe.

Welches Konzert wirst du nie vergessen? Warum?

Spontan fällt mir ein Konzert mit meinem Orchester, den Münchner Philharmonikern, in Wien unter der Leitung des weltberühmten Maestro Zubin Mehta ein. Das war im Frühjahr diesen Jahres im Musikverein Wien, auf dem Programm stand das „Lied von der Erde“ von Gustav Mahler mit den Sängern Thomas Hampson und Torsten Kerl.

Torsten Kerl, ein wirklich toller Sänger mit einer faszinierenden Stimme, erlitt ganz kurz vor dem Konzert einen Kreislaufzusammenbruch und konnte nicht mehr stehen, geschweige denn singen.

Also musste ein Ersatz her, allerdings konnte dieser, der Tenor Johan Botha, natürlich nicht pünktlich zum Konzertbeginn auf der Bühne sein, denn er befand sich am anderen Ende der Stadt zu diesem Zeitpunkt.

Also wurde das Programm umgestellt, mehrere Pausen eingebaut, immer in freudiger Erwartung des Ersatzes…spektakulär…Torsten Kerl geht es inzwischen wieder gut.

Ausserdem sind mir die Konzerte der vergangenen Saison mit dem russischen Stardirigenten Valery Gergiev in starker Erinnerung sowie Bruckner-Konzerte mit Christian Thielemann, unserem ehemaligen Chefdirigenten.
Und zu guter Letzt ein Konzert mit meiner Schwester beim Beethovenfest Bonn im Jahre 2010.

Duo Sellheim

Welche Botschaften hat deine neue CD, die seit dem 17. Oktober auf dem Markt ist?

Die zentrale Botschaft der CD heisst „Fantasie“! Die Viola eröffnet der Fantasie den Raum, gibt ihr Klang, daher auch die „fantastischen“ Werke auf der CD.

Dein Lebensmotto?

Sei so gut zu deinen Mitmenschen wie zu dir selbst.

Wann hast du Zeit für dich selbst?

Eigentlich immer, denn ich habe einen der schönsten Berufe der Welt.

Wovon träumst du?

Ich träume vom warmen, kristallklaren Wasser, an dessen Ufer ich mit meiner Liebsten den Tag verbringen möchte..

Würdest du bitte folgende Sätze zu Ende führen:

Die Musik ist … wie das Leben
Meine Inspiration… ist das Leben.
Der größte Feind der Inspiration … ist die Sturheit und Intoleranz. Kunst muss frei sein.
Das Talent besteht … aus dem, was dir die Schöpfung mitgegeben hat.
Um Erfolg zu haben… muss man hart dafür arbeiten.

Duo Sellheim

Duo Sellheim

Die Geschwister Konstantin und Katharina Sellheim musizieren bereits seit ihrer frühen Kindheit miteinander. Das Duo Sellheim gründeten sie im Rahmen von Konzertauftritten im Jahre 2000. Seither konzertiert das Duo regelmäßig im In- und Ausland und ist Gast bedeutender Festspiele.

2011 konzertiert das Duo u.a. beim Beethovenfest Bonn und ist beim Norddeutschen Rundfunk NDR zu hören. Katharina und Konstantin Sellheim engagieren sich zudem im Rahmen des Projektes „Rhapsody In School“ in Schulen für die Vermittlung klassischer Musik.

Wichtige Repertoire- und stilprägende Mentoren waren Eckart Sellheim, Arizona State University, Markus Becker, Hochschule für Musik und Theater Hannover und Hartmut Rohde, Universität der Künste Berlin.

www.duosellheim.de

Fantasy

Die Ersteinspielung der Fantasiestücke von Robert Schumann für Viola und Klavier sowie die anderen vorliegenden Stücke auf dieser CD stellen in der Literatur für Streichinstrumente ganz besondere Meilensteine, ja Höhepunkte dar.

Der besonders warme Klang der Viola, ihre reiche Farbpalette und die Ähnlichkeit zur menschlichen Stimme geben der „Fantasie“ besonders viel Raum.

Das wird bei den vier Fantasiestücken von Schumann in der Ersteinspielung für Viola sehr intensiv und deutlich zu erfahren wie auch in den Märchenbildern, in denen Schumann die vielfältigsten Charaktere abbildet und der Fantasie des Zuhörers großen Raum lässt.

Jedes einzelne Stück ist zugleich Aufbruch in neue klangliche Sphären sowie Wegweiser für kommende musikalische Entwicklungen.

So wurden die Sonaten von Clarke und Hindemith im Jahre 1919 komponiert und zeigen das überaus große und vielfältige Klangspektrum impressionistischer Kunst der Komponisten.

Lassen Sie sich überraschen von der Vielfalt und dem dunkel leuchtenden Klang der Viola!

Tertis Viola Ensemble

Tertis Viola Ensemble

Das Tertis-Viola-Ensemble wurde von Mitgliedern der Bratschengruppe der weltberühmten Münchner Philharmoniker gegründet.

Die Leidenschaft für ihr Instrument und für die Kammermusik verbindet die vier Musiker und führte zur Gründung einer bisher einzigartigen musikalischen Formation: Ein Quartett bestehend aus 4 Bratschisten.

Das besondere Timbre, der warm leuchtende Klang der Viola und die vier Künstler, von denen jeder einzelne auf eine Karriere mit zahlreichen nationalen wie internationalen Preisen zurückblicken kann, entführen die Zuhörer in neue Klangwelten zwischen dunklen Tiefen und strahlenden Höhen der Viola.

Sie haben es sich auf die Fahnen geschrieben, die
Ehre des häufig belächelten Instrumentes „Bratsche“ wiederherzustellen, das die Möglichkeiten der Geige und des Violoncellos auf wunderbare Weise verbindet und deren Klangfarben in sich vereint.

Das facettenreiche Repertoire wurde entweder für diese Konstellation direkt komponiert oder von namhaften Komponisten und Instrumentalisten wie Lionel Tertis, dem ersten großen Violavirtuosen in der Musikgeschichte und Namenspatron dieses Ensembles, arrangiert.

Die abwechslungsreiche Programmauswahl stellt Werke aus mehreren Epochen und verschiedenen Ländern vor: von Telemann und Bach über Beethoven und Bartok bis zu Piazzolla und dem zeitgenössischen Komponisten Jürg Baur. Die Künstler treten in unterschiedlichen Kombinationen von Duo bis Quartett auf.

Das Tertis Viola Ensemble konzertiert inzwischen regelmäßig im In- und Ausland und war zu Gast bei internationalen Festivals wie den „Weingartner Musiktagen junger Künstler“. Außerdem gastierte es erst kürzlich in der japanischen Metropole Fukuoka.

Im Frühjahr 2011 erschien die Debüt-CD „Concerto – Fantasy – Blues“ bei OehmsClassics.

“… am meisten Bewunderung verdient die Kunst des Ensembles, den Klang der vier Violen differenziert, vielfarbig abgestuft und durchsichtig zu gestalten. Das macht ihnen wohl so schnell keiner nach.”
Ensemble – Magazin für Kammermusik 5/2011

„..die vier haben eine eigene Klangvorstellung erarbeitet, was ihnen ausgezeichnet gelungen ist – dunkel und warm klingt das, homogen und doch individuell in den verschiedenen Stimmen.“
Bernhard Neuhoff, Magazin KlassikPlus von BR Klassik

„..Leidenschaft und brilliantes Können“
Badische Neueste Nachrichten

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www.tertis-ensemble.de
info@tertis-ensemble.de

Kategorien: Frontpage · Szene

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