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Artist of the Week — Laurent Goldstein

4 April, 2011 von · Keine Kommentare

Ein Interview mit Laurent Goldstein von Desislava Velichkova
Übersetzung: Kornelia Weinert

Laurent Goldstein: “In meiner Portrait-Galerie lächeln die Menschen die meiste Zeit – ich bin süchtig nach Fröhlichkeit!”

So Close To Heaven

Dem Himmel so nah

Laurent Goldstein ist eigentlich ausgebildeter Architekt, wurde dann aber Designer und Kunst-Manager von mehreren High Fashion Unternehmen in Paris, London und Mailand, bevor er sich in Indien niederließ, um ein Label für Haushaltwäsche zu gründen

Entlang des Ganges sind die menschlichen Beziehungen andere und Laurent trägt dieses Abenteuer durch die Fotografie, die es im ermöglicht, seinen Blick auf die Welt zu erweitern und viele Aspekte der indischen Gesellschaft – manche tief verwurzelt mit den Traditionen oder im Gegenteil zukunftsorientiert – zu zeigen.

Benares, die älteste bewohnte Stadt der Welt, wurde zu einem seiner Lieblingsthemen. Nach einer besonderen Bearbeitung erscheinen seine Bilder zeitlos und in einer Art von biblischen Satz, der manchmal an die Welt von Bosch erinnern kann. Er stellt Menschen vor, die oft in einen Zustand der Anmut getränkt sind.

Wann hast du die Fotografie, als eine Möglichkeit um dich auszudrücken, entdeckt?

Lord of the whole Universe

Herr des ganzen Universums

Soweit ich mich erinnern kann, habe ich immer schon Fotos gemacht. Sie wurden zu einer bewussten Art mich auszudrücken, als ich mich in Indien niederließ. Die Fotografie wurde zu einem Medium, um meinen Freunden und Verwandten, die ich in Europa zurückgelassen hatte, mein tägliches Leben zu erklären.

Ist es leichter mit den Menschen zu reden während du sie fotografierst, als eine normale Konversation zu betreiben?

Etymology of Orange

Etymologie von Orange

Nicht für mich, mir fällt es leicht mich mit Menschen zu unterhalten – aber normalerweise spreche ich nicht während ich fotografiere. Danach jedoch zeige ich den Menschen die Bilder und dann sprechen wir. Ich versuche herauszufinden, wer sie sind und das hilft mir ein paar Worte zu meinen Bildern hinzuzufügen.

I seek refuge at Thy feet

Ich suche Zuflucht zu deinen Füßen

Was siehst du in dem Gesicht eines Kindes?

Ich sehe die Zukunft.

Kinder sind unsere Zukunft und ich versuche zu helfen, indem ich Spendenaktionen mit meinen Ausstellungen verbinde. Dies mache ich zusammen mit “Art for Prabhat”, einem Institut für die Rehabilitierung und Selbstversorgung von geistig behinderten Kindern in Indien.

Pure Bliss

Pure Glückseligkeit

Beyond Orientalism

Jenseits des Orientalismus

Ich habe auch ein Programm gestartet, um ein paar Kinder in die Schule in Varanasi (Benares) zu schicken – das tue ich mit einigen anderen Arbeiten die ich mache.

Learning Happiness

Fröhlichkeit lernen

Was ist mit den Frauen, die du fotografierst?

Indische Frauen haben mich die Bedeutung der Würde gelehrt. Auch wenn sie sehr weiblich aussehen, wenn sie ihre Saris, das dicke Make-Up und den wunderschönen Schmuck tragen, so sind sie doch stärker als die Männer und ich verstehe, dass sie in Nordindien oftmals alles entscheiden.

A Cellist in the Street

Eine Cellistin auf der Straße

Sie sind die Hüterinnen der Traditionen und sie haben einen erstaunlichen Sinn für Humor. Frauen akzeptieren meine Kamera sehr leicht – ich schätze ich bin glücklich.

Monsoon's showers

Monsun Dusche

With Her Praying Hands

Mit ihren betenden Händen

Verstehst du die indische Kultur? Ich würde sagen, du hast wirklich verstanden, was sie tun und wie man einen Moment einfängt…

Bevor ich nach Indien kam, hatte ich kein richtiges Wissen über dieses Land – ich wusste nur ein paar grundlegende Dinge. Ich stellte fest, dass die meisten Dinge die ich dachte, falsch waren. Sobald ich da war, musste ich so viel wie möglich über die vielen Kulturen und sozialen Regeln lernen, um ein aktives Mitglied dieser Gesellschaft werden zu können.

Becoming Shiva

Shiva werden

Jetzt gehöre ich zu einer indischen Familie, ich spreche Hindi und ein bisschen Urdu und jeder akzeptiert mich als Inder. Das hilft mir natürlich, wenn ich fotografiere – ich respektiere die Werte der Menschen und im Gegenzug haben sie mir so viel zu geben. Ich bekomme eine sehr vertraute Beziehung zu jedem, der vor meine Kamera tritt.

A Circle of Reflecting Metaphors

Ein Kreis von reflektierenden Metaphern

Erzähl mir von den Portraits!Ich genieße es Portraits zu machen. Ich versuche jedes Mal die Seele und die wahre Natur eines Menschen zu erfassen.

La Celestina Gujarati

La Celestina Gujarati

Manchmal brauche ich viele Aufnahmen oder aber ich bin nach der Ersten schon glücklich – das hängt von dem Moment, dem Licht und der Stimmung des Models ab. In meiner Portrait-Galerie lächeln die Menschen die meiste Zeit – ich bin süchtig nach Fröhlichkeit.

The Significance of Suffering

Die Bedeutung des LeidensWas denkst du von Mensche, die sich nicht fotografieren lassen wollen? (Ich muss gestehen, dass ich einer von ihnen bin…)

Nun, ich bin auch einer von ihnen und das ist auch der Grund, warum ich nie ernst auf einem Bild aussehe. Ich hasse es, ein Selbstportrait zu machen – es ist jedes Mal eine echte Tortur, wenn ich eins mache. Also verstehe ich jene wie mich und ich bestehe nie auf eine Aufnahme, wenn sie abgelehnt wird.

A world of his own

Seine eigene Welt

O Pardesi

O Pardesi

Es ist aber auch eine Frage des Vertrauens und die zögerndsten Menschen bitten mich am Ende darum sie zu portraitieren, wenn sie ein bisschen mehr über mich wissen und entgegen aller Erwartungen, werden wir dann glücklich überrascht, wenn wir die Ergebnisse sehen.

All those Lustful People

All diese lüsternen Mensch

Erzähl mir mehr über die Menschen, die du getroffen hast! Wie lassen sie dich so nah heran – hinter ihre Masken?
Indien ist ein Füllhorn für alle Fotografen. Ich habe dort so viele außergewöhnliche Menschen getroffen, aus so vielen Hintergründen und mit so vielen verschiedenen Kulturen und Religionen. Durch jeden habe ich etwas gelernt und jedes Bild ist mit einer menschlichen Geschichte verbunden.

Shining, Unattached and Attributeless

Glänzend, ungebunden und eigenschaftslos

Wie fühlt es sich an, Zeit unter so verschiedenen Menschen mit einer Kultur, die uns nicht immer klar erscheint, zu verbringen?

Ich nehme es als Geschenk.

Here Comes the Sun

Hier kommt die Sonne

Es erlaubt mir meine Gedanken zu öffnen, zu lernen wie man gibt und nimmt. Ich habe verstanden, dass es immer der gleiche und einzige Gott ist, den wir auf so viele Arten anbeten und demzufolge: wer wir auch sind, wir sind alle Brüder und Schwestern.

The Fulfillment of Compassion

Die Erfüllung des Mitgefühls

Die Menschen in Indien lieben es vor einer Kamera zu stehen – sie können es dir sogar übel nehmen, wenn du sie nicht fotografierst. Doch die meiste Zeit nehmen sie steife Posen ein, als müssten wir ein Passfoto machen.

With a Zebra Fierce

Mit einem wilden Zebra

Also rede ich mit ihnen, versuche zu verstehen wer sie sind, mache sogar Witze, erzeuge eine Beziehung und nach kurzer Zeit, lassen sie ihre Maske fallen und erlauben mir so ihr wahres Gesicht zu sehen.
Gibt es irgendeine Art von Furcht unter ihnen? Waren sie am Anfang distanziert?

The Smallest Acts

Die kleinsten Handlungen

Ich fühle keine Furcht oder Distanz – im Gegenteil, ich empfinde jeden als offen und freundlich mir gegenüber. Ich glaube, das kommt von meinem Verhalten – manchmal vergessen die Menschen, dass ich mit meiner Kamera da bin, sie akzeptieren mich auch an Orten, die für Fotografen normalerweise nicht zugänglich sind.

With Devotion

Mit Hingabe

Was ist mit dem indischen Sonnenaufgang?

Während des Monsuns nimmt der Himmel unwirkliche Farben an, wie bei einem Bollywood-Set. Das Licht bei Sonnenaufgang ist einfach umwerfend – es ist mein liebster Moment, um zum Ganges zu gehen.

The Appearance of Things

Die Entstehung der Dinge

Ich finde dann die Reflexionen der Sonne in den heiligen Wässern – sie liefern die besten Bilder. In Varanasi (Benares) ist in diesem Moment alles in silbernes und goldenes Licht gehüllt, das gibt meinen Bildern einen zeitlosen Effekt.

In the soil of prayer

Im Land des Gebets

Und Sonnenuntergänge? Was war der Unterschied zwischen den Sonnenuntergängen, die du vorher gesehen hattest und den indischen Sonnenuntergängen?

Indische Sonnenuntergänge sind schnell. Du musst rechtzeitig am richtigen Ort sein, da sie nur ein paar Minuten dauern. Ich denke in Europa dauern sie länger.

Vielen Dank für dieses Interview!

Kategorien: Frontpage · Visual Arts

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