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Artist of the Week — Lindsey Olivares

30 März, 2010 von · Keine Kommentare

Interview mit Lindsey Olivares von Yana Radilova

Übersetzung aus dem Englischen: Kornelia Weinert

Lindsey Olivares: “Man braucht ein künstlerisches Auge, um die Feinheiten des Lebens zu erkennen”

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Lindsey Olivares

Kannst du dich daran erinnern, wie und wann du anfingst, dich für Kunst zu interessieren?

Ich interessiere mich für Kunst, seit ich einen Stift halten kann. Als kleines Mädchen habe ich ständig gemalt und es geliebt, zu gestalten. Ich stamme aus einer sehr unterstützenden und kreativen Familie. Meine ältere Schwester Brooke Olivares ist auch eine Künstlerin und arbeitet als freischaffende Graphikerin. Sie hat mich immer inspiriert. Wir liebten beide Disney-Filme und es hat uns einfach beeindruckt, dass all diese Charaktere bewegte Zeichnungen waren.

Ich wollte wirklich Künstlerin und Trickfilmzeichnerin in einem Studio werden, das solche Filme produziert. Ich interessierte mich für all die Möglichkeiten der Kunst…für all die Dinge, die man gestalten kann, Ideen die man teilen kann oder Geschichten, die man mit einem Bild erzählen kann. Damals sah ich die Kunst als ein Mittel, um Botschaften zu verbreiten. In der Grundschule habe ich an vielen Poster-Wettbewerben teilgenommen. Einige hatten ziemlich offene Themen und ich habe hauptsächlich Kunst über die Rettung des Regenwaldes oder den Weltfrieden gemacht.
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Ich habe auch an vielen Poster-Wettbewerben von Organisationen wie MADD teilgenommen. Meine Grundschule hatte ein Bildungsprogramm für die schönen Künste, das die Kreativität und den gestalterischen Ausdruck der Kinder sehr gefördert hat. Durch dieses Kunstprogramm der Schule habe ich viel gelernt und habe gemerkt, dass man durch seine Kunst etwas sagen/ausdrücken kann.
Ich bin auch mit einer Unmenge von Michael Jackson-Liedern aufgewachsen.

Lieder wie “Black or White”, “Man in the Mirror” und “Earth Song” machen die Botschaften deutlich, die er mit der Welt teilen wollte. Als Kind war er der einzige Musiker, den ich kannte und von dem ich ein Fan war und im Nachhinein denke ich, dass ich von der Idee, eine gute Botschaft durch seine Talente zu verbreiten, stark beeinflusst wurde

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Kirche

Was waren deine ersten Schritte in deiner Karriere als Künstlerin?

Der erste Schritt, um meine Träume zu realisieren, war der Besuch einer Kunstschule. Ich entschied mich für das “Ringling College of Art and Design” in Florida, um Computeranimation zu studieren. Ringling hat ein sehr repräsentatives und hartes Programm und hat mir wirklich sehr geholfen, die Fertigkeiten zu erwerben, die man für eine Karriere in der Animations-Industrie braucht.

Nach meinem zweiten Jahr am Ringling College hatte ich die Möglichkeit, als Praktikantin bei den Walt Disney Animations-Studios zu arbeiten. Als Kunstpraktikantin konnte ich mich so auf visuelle Entwicklung und Ausgestaltung der Charaktere spezialisieren. Ich bin ungemein gewachsen durch dieses Erlebnis und war so inspiriert dazu selbst Geschichten zu erzählen und starke Charaktere zu entwerfen.

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Kinderbuch

In meinem letzten Jahr am Ringling College arbeitete ich an meinem Abschlussfilm “Anchored”, welchen ich bei Film-Festivals wie “Siggraph Asia” einreichte. Er wurde dort als “Best of Show” ausgezeichnet. Ich hatte das Glück, ein großartiges Feedback für den Film zu bekommen. Nach dem Abschluss fing ich an bei “DreamWorks PDI” zu arbeiten, wo ich auch gegenwärtig noch als Visual Development Künstler arbeite.

Die meisten deiner Arbeiten sind ziemlich ausgefallen und außergewöhnlich. Was verleiht dir eine solch großartige Vorstellungskraft?

Kreativität und Vorstellungsgabe kommen von Natur aus. Ich denke es ist etwas, mit dem Künstler geboren werden. Vieles entsteht aus der Beobachtung und daraus, wie wir die Welt um uns herum betrachten und interpretieren. Die Menschen nehmen sich für so vieles nicht die Zeit, um es richtig wahrzunehmen. Wenn man sich selbst ein wenig abbremst, um das wahrzunehmen, was man in seinem Leben sieht, dann ist es leicht von Inspiration umgeben zu sein.

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Party

Viele meiner Arbeiten entstehen aus Gefühlen und Situationen meines eigenen Lebens. Sie sind romantisiert und überspitzt, aber die Stimmungen, Charaktere und Ideen basieren auf meiner Realität. Es braucht nur Vorstellungskraft und Herz, um sie auf schöne Weise zu malen.

Wenn ich an Geschichten arbeite, dann fange ich mit einigen Funken, entweder mit einem bestimmten Charakter, einer Anordnung oder einem Moment an. Für mich ist es immer einfacher zu arbeiten, wenn ich eine klare Vorstellung von meinem Konzept oder eine Moral zu der Geschichte habe. Ich versuche mir etwas zusammenzureimen und dann eine Bedeutung und Symbolik in der Geschichte zu formen. Indem ich etwas entwerfe, habe ich wirklich das Gefühl, dass Gott seine Hände im Spiel hat. Wenn ich arbeite, wird die Geschichte immer auch relevant für mein eigenes Leben und ich lerne sehr viel – nicht unbedingt künstlerisch, sondern ich lerne aus der Moral der Geschichte Lebenslektionen, die sich durch mein Kunstwerk selbst enthüllen.

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Wohnzimmer

Kannst du deine Persönlichkeit in deinen Bildern erkennen?

Ja. Normalerweise legt jeder etwas von sich in die eigene Kunst. Ich denke, dass viele meiner Charaktere unterbewusst einige meiner Eigenschaften und Meinungen abbekommen. Man muss aus dem zehren, was man kennt um authentisch zu sein. Und wer kennt dich besser als du selbst. Die Charaktere in meinen Geschichten, entstehen aus verschiedenen Emotionen und Erfahrungen, die ich gemacht habe. In meiner ganzen Arbeit steckt sehr viel von mir selbst.

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Charaktererforschung

Welches Gefühl lässt sich am schwierigsten ausdrücken?

Am schwierigsten sind vermutlich nicht vertraute Gefühle, die man selbst noch nicht stark genug gefühlt hat. Ich bin mir nicht sicher, ob es ein Gefühl gibt, das generell schwerer auszudrücken ist…vielleicht Gefühle wie Scham, Bedauern und Peinlichkeit. Ich denke, den meisten Menschen fällt es leichter Traurigkeit, Freude, Langeweile oder Wut selbst zu fühlen oder es jemand anderen fühlen zu lassen.

Es ist generell schwer, Gefühle angemessen auszudrücken. Als Künstler machst du immer nur die halbe Arbeit. Der Betrachter muss sich damit identifizieren und etwas fühlen. Du musst ihnen etwas Reales geben, mit dem sie sich identifizieren und an das sie glauben können und sie bringen dann ihre persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen mit ein. Dann verbinden sie sich mit deiner Geschichte und empfinden die Gefühle.

Welche Eigenschaften sind notwendig, um ein ideales Bild zu machen?

Ein ideales Bild, braucht eine Vision der allumfassenden Stimmung und Idee, die du versuchst auf dem Papier auszudrücken. Du brauchst diese alles einschließende Idee, damit die Zeichenkunst und die Qualität der Zeichnung ein Teil von etwas bedeutungsvollem werden. Man braucht ein künstlerisches Auge, um die Feinheiten des Lebens zu erkennen und in der Lage zu sein sie auf eine ansprechende Art zu bearbeiten und um das Gefühl und die Stimmung bildlich darstellen zu können.

Man muss diese Feinheiten und Details verstehen, um Dinge zu überspitzen und zu karikieren, damit sie harmonieren und Leben annehmen. Im Großen und Ganzen braucht es viel Herz und Leidenschaft beim Malen und Erschaffen, damit etwas wunderschönes dabei herauskommt.

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China

Denkst du, dass Videos ausdrucksstärker sind als Bilder?

Nicht unbedingt. Beides sind großartige Medien, die jedoch unterschiedliche Geschichten anbieten. Du kannst mit einer Zeichnung oder einem Foto augenblicklich eine ganze Geschichte erzählen. Die Bilder von Norman Rockwell zum Beispiel, erzählen mit großartigen Persönlichkeiten so unterhaltsame Geschichten, in einem einzigen Bild. Andere Geschichten sind besser geeignet für den Film. Ein Film kann sich auf vielen Ebenen so stark mit dem Publikum verknüpfen.

I’ll meet you in the Middle from lindsey olivares on Vimeo.

Ich werde dich in der Mitte treffen Video

Das Großartige als Filmemacher ist, dass dir so viele Werkzeuge zur Verfügung stehen…Soundeffekte, Musik, Kameraeinstellungen, Tempo, Bewegung, etc…das alles fördert die Geschichte, die erzählt wird. Beides ist großartig und unterscheidet sich nur durch die Möglichkeiten, die einem zur Verfügung stehen…es hängt davon ab, was man ausdrücken möchte und auch davon, welches Format sich für die jeweilige Idee am besten anbietet.

Welche Botschaft schickst du den Betrachtern mit deiner Kunst?

Ich denke in vielen meiner Arbeiten geht es darum, verschiedenen Blickwinkel zu erlangen. Ich habe einen bedeutenden Kurzfilm und ein paar Animatics gemacht. Die meisten von ihnen haben den Wandel der Perspektive, von negativ zu positiv, zum Thema. Es sind alles unterschiedliche Geschichten, aber meistens sind meine Ideen nicht so situationsbezogen oder witzig. Sie sind eher poetisch, wie

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Gefühls-/ Stimmungsschablonen.

In einigen meiner Arbeiten stelle ich die Entwicklung und das Lernen dar. Ich möchte, dass die Menschen aus meiner Kunst lernen, die Schönheit des Lebens zu sehen und dass sie sich inspiriert fühlen. Ich möchte den Menschen die Botschaft der Hoffnung mitgeben und ich möchte, dass sie die Freude schätzen, die wir in den Leben finden, die wir leben.

Denkst du, dass die Kunst die Welt verändern kann?

Ich würde das gerne denken. Wir sind immer von Kunst umgeben, auch wenn wir es nicht bemerken…Design, Werbung, Musik, Plakate, Raumgestaltung, etc.. Kunst ist in den Medien und die Menschen sind beeinflusst von Medien und den Bildern die sie aufnehmen. Kunst ist ein großes Wort, Kunst kann visuell, musikalisch oder darstellend sein.
Ich denke, dass die Künste eine sehr große Kraft besitzen, Menschen fühlen zu lassen. Die Menschen sind die ganze Zeit mit Kunst verbunden, sei es durch Musik, Filme, Bilder, Romane oder Fernsehen. Durch die Kunst möchten wir entfliehen – durch die Geschichten anderer Menschen. All diese Medien haben eine so große Kraft, die Menschen etwas fühlen zu lassen. Die richtige Musik, Stimmung oder Farbe, kann jemanden traurig, wütend, glücklich und so weiter machen. Wenn wir, als Künstler, vortreten und unsere Kunst wirksam nutzen um etwas Gutes zu sagen, können wir eine positive Wirkung erreichen und die Welt verändern.

A Sofa Story from lindsey olivares on Vimeo.

Eine Sofa-Geschichte Video

Welchen Rat würdest du deinen Fans geben?

Seid leidenschaftlich, folgt eurem Herzen. Verbringt euer Leben damit, euch inspirieren zu lassen…es ist nicht wichtig, dass ihr große Dinge macht, sondern dass ihr die großen Dinge und die Inspiration in den Kleinen seht. Entwerft mehr und genießt das Entwerfen. Erschafft aus den richtigen Gründe, teilt die Dinge mit anderen Menschen, erinnert euch daran, warum ihr macht was ich macht und liebt es..

Was ist dein größtes Ziel im Moment?

Gegenwärtig ist mein größtes Ziel, Kurzfilme zu machen. Ich habe vor kurzem meinen Abschlussfilm “Anchored” fertig gestellt. Das war das großartigste Projekt, an dem ich je gearbeitet habe. Daran zu arbeiten war so stressig, aufregend und hingebungsvoll. Ich habe es geliebt, meinen eigenen Film zu machen. Ihn nach der Fertigstellung mit einem Publikum zu teilen war ein Segen. Ich habe so viel wunderbare Resonanz erhalten und viele emotionale Reaktionen darauf erlebt. Es bedeutet so unendlich viel für mich, wenn ich höre, dass jemand sich beschwingt und glücklich fühlt, weil er meinen Film gesehen hat.

Anchored from lindsey olivares on Vimeo.

Anchored Video

Ich möchte in Zukunft meine Arbeit genauso machen. Es gibt so vieles, das man künstlerisch tun kann und so vieles, das ich noch machen möchte. Im Moment arbeite ich in einem Zeichentrickstudio und ich möchte mich innerhalb der Firma entwickeln und eines Tages Karriere als character designer oder production designer/künstlerische Leiterin machen. Aber ich würde in meinem Leben gerne vieles versuchen, freiberuflich arbeiten, traditionelle Malerei, unterrichten und experimentieren. Es gibt so viele Möglichkeiten… aber gerade jetzt ist mein größtes Ziel, meine eigenen Geschichten mit einem Publikum zu teilen und die Menschen zu beschwingen und zu inspirieren.

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Monster

Kategorien: Frontpage · Szene · Um die Welt · Visual Arts

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