Zu Favoriten hinzufügen
Public Republic random header image

Artist of the Week – Marcel Fengler

24 Februar, 2009 von · 1 Kommentar

Marcel Fengler:”Es gibt für jede Situation den passenden Soundtrack”

Ein Interview von Vanya Nikolaeva mit dem Musiker Marcel Fengler

Der Wecker klingelt – ich schlage meine müden Augen auf – Sonntagmorgen. Das Klingeln verrät mir, es ist 7.00 Uhr. Hastig suche ich nach einer Möglichkeit, den Wecker zum Schweigen zu bringen. Im nächsten Moment wird mir klar, in einer Stunde stehst du im Club, siehst viele deiner Leute wieder – fühlt sich gut an. Schnell beginne ich meine morgendlichen Routinen Stück für Stück abzuhaken. Noch eine halbe Stunde Zeit – ich muss zum Auto – Recordcase greifen und los.

Während ich meine erste Zigarette rauche, merke ich, wie sich das übliche Kribbeln allmählich meldet. Guten Morgen Berlin! Die Stadt scheint noch zwischen Frühstücksei und Nachtruhe zu schwanken. Kaum eingeparkt, kommen mir auch die ersten Partyheads entgegen – ich kann schon leise den Bass hören. Nach traditioneller Begrüßung bei den Jungs und Madels an der Tür nichts wie rein in den Fahrstuhl und ab in die zweite Etage. Ich öffne wie so oft die Tür hinter dem DJ-Pult und schon erwischt mich der Sound mit voller Intensität. Ich sehe das erste Mal die Menge und denke: Was für ein geiler Sonntagmorgen.

Mein Name ist Marcel Fengler. Ich bin Resident-DJ im Club Berghain in Berlin. Aufgewachsen bin ich in einer Kleinstadt unweit meines jetzigen Lebensmittelpunktes – in Fürstenwalde. Hier hat natürlich Vieles begonnen, was heute einen Großteil meines Lebens ausmacht. Dabei hat die Nähe zu Berlin schon immer eine ganz besondere Rolle in meiner Wahrnehmung von Musik eingenommen und ich verbinde damit viele schöne Erinnerungen – die erste selbst gekaufte Platte, das erste Mal zusammen mit deinen Jungs Clubatmosphäre atmen – es bot sich so viel Raum für Neues.

Die aufstrebende Berliner Technokultur der frühen 90er Jahre spielte dabei musikalisch eine sehr stilprägende Rolle für mich. Nach selbstorganisierten Partys in meiner Heimatstadt bis in die späten 90er Jahre hinein, blieb der große Wunsch, regelmäßig Platten in Berliner Clubs aufzulegen, lange Zeit eine sehr sporadische Angelegenheit. Mit dem Hervorgehen des Clubs Berghain aus dem ehemaligen Ostgut Berlin wendete sich das Blatt. Seit 2004 gehöre ich hier zum festen Stamm auf dem Technofloor und was einst als eine Art passioniertes Hobby begann, bestimmt heute im Wesentlichen meinen Lebensinhalt.

Warum machst du Musik? Was gibt sie dir? Welche Bedeutung hat sie für dich?

Musik ist für mich in erster Linie etwas sehr Emotionales. Einerseits ist sie Ausdrucksmittel, eigene Emotionen in eine Form zu gießen – Freude, Melancholie, Leidenschaft, Verbundenheit … Auf der anderen Seite kann Musik all diese Dinge in einem selbst hervorrufen. Ein guter Freund von mir sagte mal: Es gibt für jede Situation im Leben den passenden Soundtrack! Dem gibt’s eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

Wovon träumst du als Musiker?

Wo die Reise mal hingehen soll, ist momentan noch schwer zu sagen. Menschen mit den Dingen zu begeistern, die einem selbst etwas bedeuten und viel Freude machen, wird wohl immer mein größter Antrieb bleiben. Neben dem Auflegen nimmt natürlich das Produzieren eigener Tracks einen immer größeren Stellenwert ein. Ich denke, da ist auch noch viel Platz, mich musikalisch weiterzuentwickeln.

Welche Message hat deine Musik?

Ich weiß nicht, ob es da irgendeine besondere Message gibt, die es zu entdecken gilt. Die Musik sollte einfach eine Herzensangelegenheit sein. Dazu gehört natürlich die entsprechende Portion Leidenschaft für diese Dinge, welche für den Zuhörer spürbar sein sollte.

Ist die Musik die beste Politik?

Ich bin immer wieder davon beeindruckt, wie es Musik schafft, Menschen aus jeder Ecke der Welt miteinander zu verbinden. Für ein paar Stunden scheint eine Location keinen Unterschied aus den Leuten zu machen, die zusammen Spaß haben. Musik ist einfach universell und für Jeden zugänglich.

Was möchtest du, daß deine Fans über dich wissen?

Ich liebe Schokoladeneis und Sonnenuntergänge… ;)

Welche musikalische Erfahrung hältst du für deine beste?

Da gab es eine ganze Reihe schöner Erlebnisse. Als DJ bist du natürlich immer wieder auf der Suche nach dem perfekten Abend, wo alles automatisch ineinanderzugreifen scheint – die Location, die Leute, der richtige Griff in deine Plattenkiste. Ich denke aber, dass auch Clubabende, wo du unzufrieden mit dir bist, genauso dazu gehören. Das erdet einen nicht nur, sondern hilft, gute Abende überhaupt erst wahrzunehmen.

Hast du eine andere Leidenschaft neben der Musik?

Mich fasziniert das Thema Zukunft. Ich begeistere mich sehr für Alles, was das Leben der Menschen in der Zukunft prägen kann – Fiktion, Visionen. Dabei sind technologische Trends für mich genauso spannend wie mögliche Formen des Zusammenlebens von Menschen. Und da nimmt neben der Musik mein Studium zum Stadt- und Regionalplaner einen besonderen Platz in meinem Leben ein.

Wofür bist du am meisten dankbar?

Musikalisch gesehen, verdanke ich natürlich dem Berghain sehr viel von dem, was mich heute als DJ und Produzent ausmacht. Zum einen hab ich hier mit meiner Tätigkeit als Resident all das gefunden, wonach ich lange gesucht hatte – dieses Gefühl, endlich angekommen zu sein. Zum anderen bietet natürlich der Club den passenden Rahmen, um mich musikalisch weiterentwickeln zu können. Das komplette Umfeld und die gute Zusammenarbeit mit Freunden und anderen Künstlern liefern dafür den perfekten Nährboden. Und dann danke ich natürlich auch meinen Eltern, für die viele Geduld, die sie mit mir als Musiker hatten. Ich liebe euch!

Möchtest du etwas als Schlußwort hinzufügen?

Bleibe dir treu und glaube an die Dinge, die du tust!!

Kategorien: Frontpage · Szene

Tags: , , ,

1 Kommentar bis jetzt ↓

  • Benjamin // 17 Aug, 2009 //

    Unknowingly, Marcel has been one of the most inspiring producer/DJs in my life. Friction, Yaki, Playground, and the remix of Ibex are some of my favorite tracks of all time, and his mix for mnmlssgs is one of the best I have ever heard. Respect. Danke, Marcel.

Kommentar schreiben