Ein Interview von Mariana Velichkova mit der Fotografin Marian Spiers
Übersetzung aus dem Bulgarischen: Aleksandra Ingilizova
Marian Spiers: Die Fotografie für mich, äußert die Art, wie man die Welt sieht
Wann hast du deine ersten Schritte in die Fotografie gemacht?
Die ersten Schritte machte ich, als ich ein Teenager war. Ich liebte es immer mit den Kameras zu spielen und alles zu fotografieren, was ich interessant fand. Es machte mir Spaß, irgendwie mein Leben festzuhalten und ich mochte die Ereignisse aufnehmen, um auf sie zurückzukommen. Ich habe Fotografie nie professionell praktiziert, außer dass ich meine schwarzweißen Fotos selbst in der dunklen Kammer entwickle.
Die Fotografie für dich ist…
Die Fotografie für mich, äußert die Art, wie man die Welt sieht… Die Fotos sind etwas, das viele Emotionen hervorruft: Wut, Mitleid, Erstaunen, Freude, Trauer, Verwunderung. Sie erzählen Geschichten und können die einfachen Dinge schön aussehen lassen und umgekehrt.

Sie können dich anregen, woanders hinzugehen, etwas zu machen oder zu verändern. Ich mag die Fotografie, die echte Momente und Ausdrücke auffängt, etwas über das Objekt erzählt und einen Eindruck in dir hinterlässt.
Was motiviert und inspiriert dich beim Reisen und Fotografieren am meisten?
Schon seit ich jung bin, wollte ich reisen und zeigte Neugier über die Welt und die Menschen. Ich wollte andere Lebensweisen sehen und deren Kulturen kennenlernen. Ich wollte Menschen treffen, die anders sind als ich und versuchen zu verstehen, wieso die Dinge auf diese Art passieren.
Ich strebe danach, das Unbekannte zu entdecken und liebe Reisen, die unerwartet, ungeplant und spontan sind. In den meisten meiner Reisen bin ich per Anhalter in viele Länder gefahren, was sicherlich meine Lieblingsart zu reisen ist; so viele verschiedene Transportmittel, einschließlich Lastkraftwagen für Coca Cola und Leichenwagen und so viele verrückte, liebenswürdige, interessante und exzentrische Menschen, sowie auch viele unerwartete Plätze, die man besuchen kann!
Während ich durch die Welt jahrelang gereist bin, war ich auf erstaunlichen Plätzen, traf ich ganz unterschiedliche Menschen und erlebte so viele neue Sachen: sowohl gute, als auch schlechte, deshalb ist es völlig normal zu versuchen, alles durch die Fotografie und das Führen von Tagebücher festzuhalten.
Was gibt dir die Arbeit mit jungen Menschen?
Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gibt meinem Leben Sinn. Sie inspirieren mich und ich lerne ständig von ihnen. Sie flößen in mich Enthusiasmus und Motivation ein und ich versuche immer, ihnen Kraft zu geben und sie mit möglichst vielen Kenntnissen und neuen Erlebnissen zu bereichen, um deren Leben zu verbessern.
Sie befriedigen mich und es gibt nichts, was mich glücklicher macht, als eine Nachricht über einem Kind oder Jugendlichen, mit dem ich gearbeitet habe und die Hoffnung, irgendwie dazu beigetragen zu haben, dass sie diese Lebensstufe erreicht haben.
Die meisten Kinder und Jugendliche, mit denen ich in den Jahren in Großbritannien und im Ausland gearbeitet habe, wurden wegen Familien- oder Sozialumfeld vernachlässigt. Auf Grund dessen fordern sie zusätzliche Fürsorge und Unterstützung, um ihr ganzes Potenzial auszunutzen und mit ihrer Situation zurechtzukommen.
Erzähl uns bitte von den Projekten, an den du teilnimmst.
Vor kurzem bin ich aus meinem fünfmonatigen Aufenthalt in Indien zurückgekommen, wo ich an einer Schule und in einem Weisen- und Halbweisenheim freiwillig gearbeitet habe. Vor meiner Reise nach Indien unterrichtete ich sechsjährige Kinder in der Londoner Unterstufe und eine Gruppe von Kindern im Alter von 8 bis 13 Jahren, die an dem lokalen City Farm Young Farmers’ Club teilnahmen, um meine Erlebnisse in Indien mit ihnen zu teilen.
Wir betrachteten die Unterschiede und Ähnlichkeiten im Leben und im Alltag der Kinder in allen Ländern, die Dinge, die sie mögen und die nicht, und welche Annehmlichkeiten in ihrer Region angeboten sind. Dann haben wir die verschiedenen Arbeitsweisen mit der Kamera verfolgt und die Kinder fotografierten ihre Schule oder die Schulklasse, oder den Geburtsort, anschließend wählten sie, welches der Fotos als Postkarte gedruckt wird.
Sie haben den Kindern in Indien eine Botschaft auf dem Postkartenrücken geschrieben. Die Kinder in Indien machten Magneten aus diesen Fotos und schmückten so ihre Klassenräume mit den Fotos der Londoner Kinder. Aber auch in Indien hatten die Kinder die Möglichkeit, Fotos zu machen, die über sie und deren Lebensweise erzählen.
Mit dem Geld, das ich von der Unltd Organisation bekommen habe, kaufte ich Fotoapparate, ein Laptop und andere Mittel, die es ermöglichten, dieses Projekt zu Ende zu bringen. Nachdem ich nun in London bin, hoffe ich darauf, die Ergebnisse meiner Arbeit und der Kinder in den lokalen Galerien und Cafés zu zeigen, um den Kindern Stolz, Befriedigung und Mut, weiter zu fotografieren, einzuflößen.
Was sind die Ziele und die Tätigkeiten des Projekts Photosynthesis?
Das Ziel des Projektes Photosynthesis ist zu lehren, zu informieren und die Barrieren und die Stereotypen bei den Kindern in London und den Kindern in anderen Ländern, hauptsächlich Indien, zu brechen. Durch die Fotografie und durch andere künstlerische Wege, haben die Kinder die Möglichkeit, von sich und von ihrem Land zu erzählen und das mit Kindern aus anderen Ländern zu teilen.
Indem sie mehr voneinander erfahren, sowohl ihre Ähnlichkeiten, als auch ihre Unterschiede, werden sie sich verstehen und toleranter der anderen Kulturen gegenüber werden.
In der Londoner Gegend, in der ich wohne, zum Beispiel, gibt es einen hohen Anteil der ethnischen Minderheiten, Spannung und Unverständnis unter vielen der unterschiedlichen Gruppen, deshalb denke ich, dass es wichtig ist, den Kindern von früh an über die Welt um sie und die verschiedenen Leute auf der Welt zu erzählen.
Die zukünftigen Pläne schließen die Organisation und Durchführung von Ausstellungen mit Werken der Kinder aus allen Ländern ein, um den Kindern zu ermöglichen, ihre Geschichte, die Geschichte des Landes, der Kultur und deren Lebensweise visuell zu übermitteln und Fähigkeiten und Sicherheit bei der Organisation solcher Veranstaltung zu erwerben.
Was hast du von der Kindern und Jugendlichen gelernt, mit den du gearbeitet und um die du dich gekümmert hast?
Ich habe so viele Sachen, von den Kindern und Jugendlichen, mit den ich gearbeitet habe, gelernt. Mir wurde klar, wie dehnfähig die Kinder in verschiedenen Situationen und Umständen sind und wie sie sich an die Änderungen anpassen.
Wenn ich mehr Zeit mit den Kindern verbringe, fühle ich, besser zu verstehen, wie sie mit sich und mit der Welt um sie herum interagieren. Mir wurde mehr bewusst, wie wichtig es ist, wertvolle Zeit zusammen zu verbringen und uns auf die wichtigen Sachen im Leben zu konzentrieren, und wie die Kinder für den Moment zu leben.
Ich verstehe, dass unabhängig von ihrem Alter, Umfeld, Kultur, Religion, Fähigkeiten folgen alle Kinder und Jugendliche auf der Welt die ein und dieselben Gesetze der Liebe, Fürsorge, Anhänglichkeit, Unterstützung und Beständigkeit.
Was sind deine schwierigsten und glücklichsten Momente als Freiwilliger?
Ich denke, dass der schwierigste Moment für einen Freiwilligen das Verlassen ist. Es ist sehr schwer, eine gewisse Zeit mit Kindern oder einer Gruppe von Kindern oder Jugendlichen eng zu arbeiten, zu leben, sie lieb zu gewinnen, sie danach jedoch verlassen und sie wahrscheinlich nie wieder sehen und keinen Kontakt mehr haben. Es ist auch schwer, irgendwo Freiwilliger zu sein und das Schlimme zu sehen, ohne die Kraft und die Macht zu haben, es zu ändern.
Meine glücklichsten Momente als Freiwilliger waren, als ich eine echte Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen aufgebaut habe und glaube, dass ich ihnen etwas sichern kann, was sie sonst nicht bekommen hätten, abgesehen davon ob es materiell ist oder etwas wie ein Lob oder als Stärkung ihrer Selbstgefühle.
Viele meiner glücklichsten Momente sind einfach, beispielsweise als ich meine Kleidung neben einem fünfjährigen Mädchen gewaschen habe. Wir machten Seifenblasen und haben gelacht oder saßen auf dem Boden, malten mit ein paar Kindern, die sich lustig unterhielten.
Dein Rat an alle, die ihr Leben daran widmen wollen, andere zu helfen?
Ich rate ihnen, zu wissen, wen sie helfen wollen, wo und wie und hauptsächlich, wieso sie diese Bereitschaft zu helfen haben. Wenn ihr diese Dinge durchdacht habt, ist es leichter eine passende Organisation zu finden, der man seine Dienste anbieten kann. Ihre Fähigkeiten sollten der Organisation, die ihre Unterstützung für eure Aufgabe sichern wird, etwas bringen.
Ihr solltet auch daran denken, dass beim Helfen anderer, für euch wenig Zeit bleibt, stellt deshalb sicher, dass ihr auch genug Zeit für euch habt, um sicher zu sein, dass ihr den Menschen um euch eine Hilfe darstellt. Wenn ihr euch wirklich dazu entschlossen habt, euer Leben den anderen zu widmen, werdet ihr meiner Meinung nach sehr positiv von den Belohnungen überrascht. Viel Glück!
Biografie:
Marian Spiers kommt aus Schottland und lebt seit 11 Jahren in London. Vor ihrer Ankunft in London, verbrachte sie ca. 10 Jahre mit Weltreisen, arbeitete als Freiwillige hauptsächlich mit Kindern und Jugendlichen und lebte auf vielen Kontinenten; unter anderem unterrichtete sie Englisch in dem palästinensischen Flüchtlingslager in Jordan, sie arbeitete in Schulen und Weisenheimen in Indien, Nepal und Tschechien und mit obdachlosen Kindern in Südamerika.
In London arbeitete sie bei einer Organisation für Bekämpfung des Missbrauchs von Betäubungsmittel unter Jugendlichen, für den sexuellen und psychischen Gesundheitszustand der Jugendlichen, in der City Farm, mit den Müttern von Teenagern und Flüchtlingen und in vielen anderen Jugendklubs und Schulorganisationen.
Sie zeigt seit ihrer Jugend ein ständiges Interesse an Fotografie, obwohl sie nie professionell als Fotograf gearbeitet hat. Bis vor ein paar Jahren nutzte sie nur ihre 35 mm Nikon und liebte es, ihre schwarzweißen Fotos in der Dunkelkammer zu entwickeln. Vor kurzem tauschte sie die Kamera gegen eine digitale Kamera und mag die neuen Möglichkeiten, die sie anbietet.
Marian liebt es, die Kinder, die Menschen, die Tiere, die Natur und die besuchten Länder besonders zu fotografieren und mag die Farben, die Formen, die Texturen und die Bilder, die ausdrucksstark sind. Sie bevorzugt Fotos, die nicht digital betont oder drastisch verändert sind und verwendet Photoshop, nur um den Kontrast hervorzuheben und anzupassen. Jetzt benutzt sie eine Panasonic DMC-TZ5.
Sie genießt die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, indem sie die Fotografie benutzt und letztes Jahr begann sie das freiwillige Projekt Photosynthesis. Durch dieses Projekt arbeitet sie mit Kindergruppen in London und Indien, und lehrt sie über die Länder und die Lebensart der anderen und bringt ihnen nebenbei das Fotografieren bei.
Die Fotos ermöglichen den Kindern, ihre Lebensgeschichte zu zeigen. Danach werden die Fotos zu Postkarten, Magneten, Kalender, Fotobücher etc., die mit den Kindern aus dem anderen Land geteilt werden. Die Kinder erwerben neue Fähigkeiten, bekommen die Möglichkeit sich kreativ auszudrücken und lernen die andere Kultur besser kennen.





























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