Interview von Viara Jekova mit Marieta Yordanova

Marieta Yordanova kommt ursprünglich aus Lovetsch, eine Stadt in Bulgarien, die nördlich vom Balkangebirge liegt. 2005 zieht sie nach München, um dort zu studieren. Archäologie ist die Fachrichtung, die sie begeistert – vielleicht, weil ihre Heimatstadt selbst eine bemerkenswerte historische Bedeutung hat. Doch die Archäologie ist nicht das einzige, was Marietas Leben einen besonderen Sinn gibt. Seit sieben Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit Fotographie. Mit der Zeit hat sich diese anfangs nur als Hobby ausgeübte Beschäftigung zu einem zweiten Beruf entwickelt.

Wie wird man Fotograf? Wie trifft man so eine Entscheidung? Wie lange beschäftigst du dich schon mit Fotografie?
Es hat mich schon als Kind immer fasziniert, alte Familienfotos anzuschauen. Als hätte ich mich mit diesen Bildern für ein paar Sekunden in die Vergangenheit versetzten können. Das eigentliche Interesse, selbst zu fotografieren, kam später, erst vor etwa 7 Jahren. Am Anfang war das Fotografieren ein Hobby für mich, ich habe nicht bemerkt wie es zu Beruf wurde.

Kannst du dich an dein erstes Bild erinnern, so zu sagen an dein erstes professionelles Bild, oder an was besonderes, was du anfangs fotografiert hast?
Ein ganz besonderes Bild habe ich nicht. Sowohl meine früheren Fotos, als auch die späteren haben etwas mit meinen Emotionen während des Fotografierens zu tun, deswegen betrachte ich auch die Bilder ganz unterschiedlich.

Gibt es für dich so etwas wie das perfekte Bild? Hast du Lieblingsbilder?
Ein konkretes Bild, das ich als Lieblingsfoto bezeichnen kann, gibt es nicht. Es sind eher Fotografen, wie Robert Capa, Bruce Davidson und Elliott Erwitt, dessen Werke ich mir immer wieder und mit großem Vergnügen anschaue. Sonst ein perfektes Bild – so was existiert nicht, es gibt nur das Streben danach.

Ist die Fotografie eine Begabung des Auges, oder kann man das lernen? Wer sind deine Vorbilder?
Es ist wie bei jedem Beruf, die Theorie kann gelernt werden, aber um weiter dabei zu bleiben und sich entwickeln zu können, braucht man großen Wissensdurst und natürlich ein Auge dafür. Mich beeindrucken immer die Arbeiten von den meisten Fotografen, die in der Magnum Agentur tätig waren – sehr starke, bewegende Bilder.

Was sind deine Lieblingsmotive und warum grade sie? Gibt es Sachen/Situationen, die du nie fotografieren würdest?
Am liebsten fotografiere ich Menschen, mein Ziel ist, wahre Emotionen festzuhalten, keine gestellten Fotos. Jedes Motiv hat auch seine Herausforderung, es gibt für mich keine einfachen oder schlechten Motive und Situationen.

Warum fotografierst du lieber Menschen? Hat das mit Emotionen zu tun? Glaubst du, dass es schwieriger ist Menschen zu fotografieren, als wenn man die Natur fotografiert?
Die Natur kann auch sehr schwierig und vielfältig sein: verschiedene Uhrzeiten, Jahreszeiten oder klimatischen Bedingungen können das Aussehen von einem Wald z.B. vollkommen verwandeln. Meine Vorliebe zu Porträts beruht eher auf die Intensität und wie du sagst, die Emotionen die diese Fotos bei mir hervorrufen.

Du fotografierst nicht nur per Knopfdruck, sondern ein Bild beginnt bei dir mit der Überlegung und Gestaltung einer gesamten Atmosphäre. Wie kommst du zu diesen Ideen? Suchst du immer nach einer Aussage dabei?
In meinem Kopf bilden sich die Ideen ziemlich langsam. Man kann es sich wie Puzzelteilchen vorstellen, die im Laufe der Zeit, an seinen richtigen Ort kommen. Ich zwinge mich nie schneller mit einer Idee vorzugehen, die ganze Entwicklung passiert im Hinterkopf. Manchmal habe ich sehr starke Assoziationen, wenn ich ein Lied höre oder bei intensiven Gerüchen, dann kommen am schnellsten auch Bilder/Ideen vor meinen Augen. Das wichtigste für mich ist die Emotion, die ich durch ein Motiv darstellen und festhalten will.


Wie groß ist der Unterschied zwischen Spontaneität und Überlegung? Was macht dir mehr Spaß – die Bilder selbst zu gestalten (indem du Kostüm, Maske und Ort selbst bestimmst) oder von einer Situation überrascht sofort zur Kamera zu greifen und dadurch ein unerwartetes Bild zu schießen?
Die Fotografen, die ich immer bewundert habe, waren eher im Bereich der Fotojournalistik tätig. Bei den spontanen Fotos passiert das Geschehen, in den meisten Fällen, unabhängig von dem Fotograf.

Das schwierigste dabei ist die Momente schnell sehen zu können und gut und qualitätvoll festzuhalten. Es sind nur Augenblicke, die auf diese Art und Weise wahrscheinlich nie mehr wiederholt werden würden.

Gibt es dabei für dich ein Unterschied zwischen Kunst-Fotografie und Info-Fotografie?
Ja, es sind eindeutig zwei verschiedene Arten von Fotografie, die sich aber gegenseitig nicht ausschließen. Beide haben ihre schönen und schwierigen Seiten. Die Fotos, die aus journalistischer Sicht entstehen, haben nur kurze Zeit nach der Aufnahme, die Funktion eines Berichts. Mit der Zeit, wenn diese Ereignisse schon längst Geschichte sind, verlieren diese Fotografien ihre ursprüngliche Funktion und werden eher als Kunst gesehen.

diesem Sinne: Hast du immer deine Kamera dabei?
In dem Alltag ist es schwierig die Kamera immer mitzunehmen. Wenn ich aber irgendwo auf der Reise bin habe ich sie allezeit dabei.

Wenn du deine Kamera nicht dabei hast und etwas dadurch „verpasst“, bereust du das dann? Wie kommt man überhaupt damit zurecht, dass man etwas verpassen könnte?
Für mich wäre eher zu bereuen, wenn ich die Kamera dabei habe, aber nicht schnell genug und gut sein kann, um etwas Interessantes festhalten zu können. Das ist für mich einen eindeutig verpassten Moment.

Du studierst Archäologie und beschäftigst dich nebenbei, aber sehr ernsthaft, mit der Fotografie. Wo liegt der Schnittpunkt dieser zwei Bereiche?
Eine direkte Verbindung zwischen Archäologie und Fotografie gibt es für mich nicht. Es gibt aber bei den beiden „Sachen“, die man „sehen“ und „erkennen“ muss. Nur bei der Fotografie muss alles deutlich schneller passieren, bei Archäologie hat man länger Zeit um überlegen zu können.

Was würdest du in der Zukunft lieber tun – fotografieren oder graben? Mal im Ernst, wenn du zwischen zwei sehr realen Jobangeboten wählen solltest – Fotografie oder Archäologie – welches würdest du annehmen?
Fotografie, daran habe ich keinen Zweifel. Ich mag die Dynamik sehr, die in der Fotografie steckt.

Einige deiner Bilder wurden in Zeitschriften veröffentlicht z.B. in Chip-Fotowelt. Wie kam es dazu?
Heutzutage hat fast jede Fotozeitschrift auch eine Internetplattform, wo Fotografen frei ihre Bildern präsentieren können. Die Fotos, die nach der Meinung der Redaktion gut sind und zu einem bestimmten Thema passen werden auch in der Zeitschrift abgedruckt. So war es auch bei mir, zwei Porträtfotos wurden ausgewählt, und als Beispielfotos veröffentlicht.

Vom 27. November bis zum 05. Dezember findet deine erste große Ausstellung in München statt? Was ist das Thema der Ausstellung und wie hast du die Bilder dafür ausgesucht?
Die Bilder, die ich für diese Ausstellung ausgesucht habe, sind aus meiner Reihe Frauenporträts, darunter auch einige, die ich bis jetzt noch nicht veröffentlicht habe. Die Motive korrespondieren sehr gut mit dem Schwerpunkt von meinem Kunstpartner, weil er als Bildhauer vorwiegend Skulpturen präsentiert, die Frauenkörper darstellen.

Und zum Schluss – hast du einen besonderen Traum bezüglich deiner Zukunft als Fotografin? Was könnte das Foto deines Lebens werden?
Mein Traum… die Fotografie an sich, die Herausforderung, die jedes weitere Motiv an mir stellt. Das Foto meines Lebens: ich hoffe, dass es nie zu so einem Moment kommt, weil das bedeuten würde, dass ich das Beste schon hinter mir habe.

















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