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Artist of the Week – Mariyana Kuscheva

17 September, 2012 von · Keine Kommentare

Ein Interview von Sofia Papazova mit der Bildhauerin Mariyana Kuscheva

Übersetzung aus dem Bulgarischen: Anelia Stoyanova

Mariyana Kuscheva

Helfen Ihr Ihre Kenntnisse im Bereich Physik auch in der Bildhauerei?

Die Astronomie hat mich bei der Physik angezogen. Vor langer Zeit gab es eine populärwissenschaftliche Filmserie „Kosmos“ von Carl Sagan. Für mich sahen die Sterne, die Planeten, die Galaxie und die Nebel so schön aus! Wunderschöne Farben und Formen! Die Entscheidung, Astronomie zu studieren, traf ich natürlich eindeutig und kompromisslos.

Das ist für mich eigentlich die Verbindung zwischen Astronomie und Bildhauerei – die Möglichkeit, mit unzähligen Formen und Farben umzugehen. In der Astronomie ist der Mensch nur ein Beobachter dieser Vielfältigkeit, und in der Bildhauerei ist er auch ein Schöpfer!

Mariyana Kuscheva

Wie sieht das Bild der Frau in Ihrem Werk aus?

Die weibliche Gestalt in meinen Skulpturen ist… vielfältig und interessant. Einmal ist sie halb Mädchen, halb Frau, die schon die Kraft ihrer Weiblichkeit erkannt hat und ihrer sicher ist, die einen Apfel, das Symbol der Erbsünde, in der Hand hat. Ein anderes Mal breitet sie ihre Flügel aus, bereit, ihre Träume und Fantasien zu verfolgen, frei und wirklich!

Mariyana Kuscheva

In der Bildhauerei sind Sie in Ihrem Element. Malen Sie auch?

Im Voraus mache ich keine Skizzen. Jede Idee, die ich in einer Skulptur darstellen will, modelliere ich gleich aus Ton, aus Plastilin oder aus Wachs. Alles entsteht in meinem Kopf, so zu sagen. Manchmal ist es möglich, dass die ursprüngliche Idee im Prozess der Arbeit einige Änderungen erfährt und das Endergebnis viel unterschiedlicher ist. Bestimmt wird es aber interessant und unterhaltsam.

Mariyana Kuscheva

Die Themen Ihrer Plastiken sind die Frau, die Weisheit, die Zeit, die verbotene Frucht, die Tiere… Haben Sie diese Themen selbst erfahren oder sie spontan gefunden?

Wie wähle ich die Themen aus? Eigentlich denke ich nicht so viel an jede neue Idee. Mein Interesse erweckt manchmal ein im Internet gesehenes Bild und ich sage mir „Wie würde das dreidimensional aussehen?“… Eine andere Quelle von Themen für mich sind die Überschriften einiger Filme oder Lieder. Eine meiner Skulpturen heißt „… und Gott schuf die Frau…“ – das ist auch der Name eines alten Films, durch den Brigitte Bardot weltweit bekannt wurde („Und immer lockt das Weib“).

Mariyana Kuscheva

“Die Engel fallen zuerst”… Würden Sie uns bitte mehr über diese Symbolik erzählen?“

„Die Engel fallen zuerst“ ist die Überschrift eines Lieds von „Nightwish“, meiner Lieblings-Gothic-Metal-Gruppe. Aber der Sinn ist bei mir tiefer. Der gefallene Engel ist Satan, die rechte Hand Gottes und sein erster Gehilfe, seine Lieblingsschöpfung. Er ist aber zu überheblich geworden. Er wollte den Platz seines Schöpfers einnehmen und wurde aus dem Paradies vertrieben.

Der vollkommene Engel ist dem Hochmut und dem Neid erlegen, einige ganz menschliche Laster. Und wir? Die Unvollkommenen, die in einer unvollkommenen Welt leben?

Mariyana Kuscheva

Die “Weisheit” Skulpturen ragen hervor. Was bedeutet die Weisheit für Sie?

Die Kunst ist eine teure Beschäftigung. Ich schaffe Plastiken mit einem ganz kommerziellen Ziel. Eine dieser Plastiken ist „Weisheit“. Sie enthält eine bestimmte Symbolik, die von manchen Leuten gesucht wird.

Mariyana Kuscheva

Wie lange schafft man eine Figur und bringt man sie technologisch zum Ende?

Die Zeit, die man für das Schaffen einer Plastik braucht, ist ein relativer Begriff. Es hängt davon ab, wie kompliziert die Idee ist. Und der kreative Prozess erschöpft sich im Schaffen des Modells aus Ton oder aus anderem passenden Stoff.

Danach wird eine Gussform gemacht, ein Modell aus Wachs wird ausgegossen. Man packt diese Wachsfigur mit einer Gipshülle ein und trocknet sie für einige Stunden in einem speziellen Ofen. Dann gießt man das geschmolzene Metall in die gut getrocknete Form.

Erst danach fängt die rechte Behandlung der Wachshülle an. Der ganze Prozess ist sehr lang.

Mariyana Kuscheva

Die Bildhauerei ist eine schwierige Kunst. Fühlen Sie sich stärker, indem Sie es schaffen?

Sie fragen mich, ob mich die Bildhauerei stärker macht? Die Wahrheit ist, ich fühle mich wohl, wenn ich mich damit beschäftige. Für eine Frau ist es natürlich gar nicht leicht – aus physikalischer Sicht. Man muß manchmal schwere Lasten heben.

Und die Behandlung ist mit viel Lärm und Schmutz verbunden. Es gefällt mir aber, es packt mich. Wenn die neue Plastik schon fertig ist, setze ich mich vor sie und erfreue mich an ihr. Ich fühle mich befriedigt.

Mariyana Kuscheva

“Wenn ich fliegen könnte!“… Was würde Mariyana Kuscheva tun, falls sie fliegen könnte?

“Wenn ich fliegen könnte”, wohin würde ich fliegen? Ich würde zu einem Ort aus meiner Phantasie fliegen, wo es immer sonniger Spätfrühling ist. Der Himmel ist hellblau, die Sonne – strahlend, die Bäume und das Gras – frisch grün. Der Wind weht leicht und bunte Vögel singen… Da ist die Zeit stehen geblieben und die Seele kommt zur Ruhe.

Mariyana Kuscheva

Was für Schritte planen Sie auf ihrem kreativen Weg?

Ich mache keine kreativen Pläne. Alles geschieht bei mir impulsiv. Es ist sehr gut möglich, dass ich heute eine Idee bekomme und morgen anfange, an etwas ganz Anderem zu arbeiten. Wenn ich keine Arbeit an konkreten Bestellungen habe, improvisiere ich frei.

Manchmal gelingt mir etwas erst nicht. Dann lasse ich es und später mache ich mich wieder an die Arbeit.

Mir macht es wirklich Spaß, Skulpturen zu schaffen. Wenn andere Leute von ihnen beeindruckt werden und sie kaufen – der Spaß ist noch größer.

Mariyana Kuscheva

Mariyana Kuscheva ist am 15. Januar 1970 in Gorna Orjahowiza geboren. 1996 absolviert sie die St.-Kliment-Ohridski-Universität in Sofia, im Fach Physik. Einige Jahre später tritt sie in Kontakt mit dem Bildhauer Blagovest Apostolov, bei dem sie im Laufe von 6 Jahren in die Lehre geht und Bildhauerei lernt. Seit mehr als 2 Jahren arbeitet sie schon selbständig.

In ihrem Werk kombiniert Mariyana verschiedene Stoffe wie Bronze, Stein, Glas und Holz. Sie hat kein Lieblingsthema. Jede Plastik arbeitet die Meisterin so aus, dass man sie vom Nahen anschauen, mit der Hand berühren und … sie haben möchte.

Die feinen Formen im menschlichen Körper, im Flügel eines Vogels oder in den geometrischen Figuren ziehen sie heraus. Die meisten Plastiken von ihr sind Unikat und ein größerer Teil davon befindet sich in Privatkollektionen in Bulgarien, Spanien, Österreich, den USA und Russland. Ende September 2009 eröffnet Mariyana ihre erste Ausstellung in der Nationalgalerie in Russe.

Kategorien: Frontpage · Visual Arts

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