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Artist of the Week – Murat Çakmaz

13 Oktober, 2014 von · Keine Kommentare

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Interview mit dem Musiker Murat Çakmaz von Dessislava Berndt

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Foto: Wilfried Schüller

Murat, warum spielst Du Instrumente wie Ney, Zurna und Kavala und was spielst Du am liebsten?

Der Klang dieser Instrumente passt einfach zu meiner Natur. Durch sie kann ich meinem Kummer und meiner Freude am besten Ausdruck verleihen. Neben den anderen orientalischen Blasinstrumenten wie Zurna und Kavala ist die Ney mein Lieblingsinstrument.

Wo hast Du gelernt, diese zu spielen und wie kam es dazu?

Seit ich mich erinnern kann, gab es immer Musik um mich herum. Mein Onkel und mein Bruder sind Musiker und ich spielte bereits mit sechs Jahren Baglama, die traditionelle türkische Langhalslaute, lernte später Klarinette, Saxophon und Klavier. Erst mit 14 Jahren begegnete ich dem Instrument Ney (Bambusflöte aus Schilfrohr), welches bis heute mein steter musikalischer Begleiter ist.

Zahlreiche Reisen in die Türkei führten mich im Laufe meiner Ausbildung zu den großen Ney-Lehrmeistern des Landes. Dort lernte ich nicht nur das Spielen des Musikinstruments, sondern ich habe auch die damit verbundene Einstellung zu dessen Mythologie erkannt. So habe ich mich jahrelang mit der Sufimusik beschäftigt. Später habe ich eine eigene Spielart entwickelt, die es mir ermöglicht, eine Vielzahl von Klängen sowohl aus der östlichen als auch aus der westlichen Musikwelt zu erzeugen. Dies hat mir Zugang zu vielen Weltmusikprojekten und internationalen Musikformationen verschafft, mit denen ich heute unterwegs bin.

Was bedeutet Musik für Dich?

In diesem Sinne gefällt mir folgendes Zitat von Victor Hugo: „Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist“. Anders gesagt: Musik ist mein Lebenselixier.

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Foto: privat

Wovon träumst Du?

Ich träume nicht so viel von Nah- oder Fernzielen. Ich bin glücklich im hier und jetzt.

Was oder wer inspiriert Dich?

Gelungene Weltmusik-Projekte wie z.B. „Shakti“ von dem britischen Gitarrenvirtuosen John McLaughlin haben mich immer inspiriert. Er gehört zu den Pionieren der Weltmusik und hat sich schon seit den 70er Jahren mit indischer Musik intensiv beschäftigt und ein bis heute weltweit erfolgreiches Projekt gestaltet, das auf gegenseitige Toleranz basiert.

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Foto: privat

Du hast mit zahlreichen Musikern und Formationen gespielt. Welche haben eine besondere Bedeutung für Dich? Was macht mehr Spaß – die Solo-Auftritte oder das Musizieren mit anderen?

Eigentlich ist es schwer nur eine Band oder einen Musiker zu nennen, denn sie haben alle ihre Besonderheit, aber das Ensemble „Avram“, mit seiner hohen Musikalität und musikalischen Vielfalt gehört zu meinen Lieblingsprojekten.

Bei den Solo-Auftritten, ist das Augenmerk des Publikums allein auf dich gerichtet. Daher ist es von Vorteil wenn du eine Persönlichkeit besitzt, die diese Aufmerksamkeit nicht als Druck empfindet, sondern als eine Seelenwohltat genießt. Außerdem bist du auf dich selber angewiesen und demzufolge unabhängiger, was aber nicht unbedingt ein Vorteil sein muss.

Beim gemeinsamen Musizieren ist man ständig im Dialog; ein Frage-Antwort-Spiel so zu sagen. Dabei treffen verschiedene Persönlichkeiten und Klänge aufeinander. Es gilt, eine Harmonie zu schaffen und alles in Einklang zu bringen; das ist nicht immer einfach. Man muss vor allem sehr tolerant und ein Teamplayer sein. Mit anderen Worten, man muss Menschen mögen und sich für den Gegenüber interessieren.

Sowohl Solo-Auftritte, als auch gemeinsames Musizieren, beide Arten von Auftritten, sind ein sehr spannendes musikalisches Erlebnis, bei dem ich mich wohlfühle.

Was macht einen gelungen Auftritt aus?

Wenn du spürst, dass du mit dem Publikum eins wirst, ist das Resultat unweigerlich stehende Ovationen.

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Foto: privat

Kennst Du die bulgarische Musik oder bulgarische Musiker?

Die bugarische Musik ist mir bekannt. Es gibt sehr viele Ähnlichkeiten mit der türkisch-klassischen Musik was Tonleiter und Rhythmik angeht. Insbesondere sind die vielen „krummen“ also unregelmäßigen Takte typisch für die bulgarische Musik. Sie sind Meister der Takte Siebenachtel und Neunachtel. In diversen Projekten habe ich mit vielen bulgarischen Musikern zusammen gearbeitet und selten so virtuose Musiker kennengelernt.

Was machst Du in der Freizeit?

Neben Reisen und Sport lese ich gerne.

Wie sehen Deine Pläne bis Ende 2014 aus? Wird es besondere Termine geben?

Zur Zeit produzieren wir das zweite Album des Ensemble „Avram“. Demnächst werden wir ein Duett-Album gemeinsam mit dem Gitarristen“ Özkan Yakinoglu produzieren.

Das andalusisch-orientalische Tanz- und Musikprojekt „Jazz´a Makam“, welches ich gegründet und mitgestaltet habe, soll dieses Jahr an den Start gehen. Noch in diesem Jahr will ich endlich an meinem Solo-Album mit vielen eigenen Kompositionen und verschiedenen Musikstylen arbeiten.

Darüber hinaus wird es sowohl mit diversen Bands als auch Solo viele interessante Auftritte und Touren geben auf die ich mich freue.

Murat, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg!

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Murat Çakmaz stammt aus einer klassischen Musikerfamilie. Als Sohn türkischer Eltern wurde er 1972 in Wesel geboren. Mit 14 Jahren begegnete er dem Instrument, das ihn bis heute am meisten fasziniert: der Neyflöte – Instrument der religiösen türkischen Musik. Zahlreiche Reisen in die Türkei führten ihn im Laufe seiner Ausbildung zu den großen Ney-Lehrmeistern des Landes u.a. Behzat Tekbilek und Ömer Erdogdular. Auf diesem Weg konzipierte er erfolgreich seine eigene Spielart, welches ihm ermöglichte eine Vielzahl von Klängen sowohl aus der östlichen als auch aus der westlichen Musikwelt zu erzeugen. So hat er als Instrumentalmusiker in vielen Projekten wie „Nefes In Motion“, „Transorient Orchestra“, „Dortmunder Symphoniker“, „Embryo“, „The breeze of Anatolia“, „Rembetika“, „Ensemble Noisten“, „Ensemble Avram“ u.a. mitgewirkt.

Neben namenhaften Weltmusikprojekten und zahlreichen Fernsehauftritten u.a. bei WDR, ARD, ZDF und ARTE ist Çakmaz auch in der orientalischen Musikszene schon seit mehreren Jahren unterwegs. So hat er die bekanntesten orientalischen Sänger und Musiker wie Roman Bunka, Layt Abdul Ameer, Saad Chemmari, Fuat Saka, Saadet Türköz, Şivan Perwer, Sümer Ezgü, Nuray Hafiftas, Orhan Hakalmaz, Müslüm Gürses, Selami Sahin, Ömer Danis, Erkan Mutlu, Rober Hatemo, Deniz Seki, Özlem Özdil, Berdan Mardini, Mine Kosan und Güllü, İntizar weltweit auf Konzerten begleitet.

Neben der Ney und dem Gesang spielt er auch Kavala und Zurna. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre und seiner Ausbildung zum Musiktherapeuten hat er bei unzähligen Studioproduktionen mitgewirkt. So hat er sich in den Bereichen, Musiktherapie, Sufimusik, Jazz, Weltmusik, Klezmer, Balkanmusik, Klassische Musik, Orientalische Musik sowie Filmmusik als virtuoser Session- und Studiomusiker einen Namen gemacht.

Kategorien: Frontpage · Modern Times · Musik · Szene

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