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Artist of the Week – Nick Gentry

16 August, 2010 von · Keine Kommentare

Ein Interview von Galia Mladenova mit Nick Gentry
Übersetzung aus dem Bulgarischen: Louisa Slavkova

Nick

Nick Gentry ist ein londoner Maler. Für seine Bilder verwendet er alte Informationsträger wie Disketten und Videokassetten. Er hat an einigen Ausstellungen teilgenommen. Seine erste eigene Ausstellung heißt „Auto emotion“. Seine Kunst konfrontiert mit Fragen wie „Können wir uns Menschen als völlig organische Wesen verstehen?“ und „Werden wir Menschen immer mit den Technologien, die wir selbst entworfen haben, kompatibel sein?“. Auf www.nickgentry.co.uk können Sie mehr darüber lesen.

Wann hast Du angefangen Disketten und Videokassetten als Leinwand zu nutzen? Was inspiriert Dich für solch ungewöhnliche Bilder?

Das erste Bild, für das ich alte Informationsträger genutzt habe, stellte einen Fingerabdruck dar. Damals ich dachte über die Identität nach und wie sie gleichzeitig visuell und konzeptionell ausgedrückt werden kann. Ich habe gesehen, dass es unzählige Objekte gibt, die mal von uns geschätzt wurden und jetzt veraltet und nutzlos brach liegen. Ich fühle mich noch mit ihnen verbunden und fühlte, dass man sie verwenden kann um etwas Neues und Interessantes zu schaffen.

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Warum ziehst du diese und nicht die traditionellen Malmaterialien vor?

Ich verwende diese Materialien, weil sie Artefakte unserer Gegenwart sind. Die Geschichte der Objekte bereichert und ergänzt auf eine Weise das Gesamtbild. Ich bin auch der Meinung, dass es besser ist etwas zu verwenden, was sonst auf der Müllkippe landen würde.

Wie soll man sich den Prozess der Bilderentstehung vorstellen? Ist das Mallen auf Disketten und Videokassetten schwieriger?

Normalerweise mache ich erst mal eine Skizze oder ich benutze ein Muster. Ich mag sehr die Modefotografie, weil das Licht und die Posen so ausdrucksvoll sind. Die Welt der Mode basiert auf verschiedene Trends und alles verändert sich sehr schnell in jeder Saison. Die Modewelt ist stark mit dem Altern und Verändern verbunden.

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Woher bekommst Du die nötigen Materialien? Gibt es viele Menschen, die Ihre alten Disketten und Videokassetten verschenken wollen?

Es gibt Menschen, die sehr glücklich darüber sind, Ihre benutzten Disketten zu verschenken. Es gibt auch solche, die vorerst die Etiketten wegnehmen, um den Inhalt zu verbergen.

Schaust Du was auf einer Diskette gespeichert ist, bevor Du sie verwendest? Ist der Inhalt mit der abgebildeten Figur verbunden?

Niemals schaue ich mir den Inhalt an, aber ich stelle Vermutungen über den Inhalt an und diese sind mit den Personen, die ich abbilde verbunden. Mit jedem Bild versuche ich der auf den Disketten gespeicherten Information ein menschliches Gesicht zu geben.

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Dein erstes Bild stellt einen Fingerabdruck dar. Steckt dahinter eine gewisse Symbolik oder eine bestimmte Geschichte?

Mein erstes Bild ist mit der Frage nach der Identität verbunden. Die Disks tragen ein Bündel an Informationen, die den Erinnerungen eines Menschen ähneln. Das sind persönliche Erinnerungen, die für immer ‚verschlossen‘ bleiben. Diese Kombination verleiht eine einzigartige Identität. Der Fingerabdruck gibt dieser Idee einen organischen, menschlichen Ausdruck.

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Die meisten Deiner Bilder sind Portraits. Sind das die typischen Gestalten unserer Zeit? Was macht sie anders als die Menschen vor 50 Jahren?

Das sind Menschen des heutigen Tags, abgebildet in dem jetzt. Das Leben heutzutage ist völlig anders als das Leben der früheren Generationen, gerade aufgrund der Technologien.

Verwendest Du Skizzen reeller Personen für Deine Bilder?

Ich mache oft Skizzen als Teil der Vorbereitung, aber normalerweise fange ich gleich mit der Arbeit an der Leinwand an. Ich würde sagen, ich mache Skizzen in der Anfangsphase einer Konzeption. Ich denke aber, dass auf die eine oder andere Weise, jede meiner Arbeiten ein Experiment ist.

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Du bildest die Augen der Menschen immer durch den Metallkreis in der Mitte der Diskette. Warum?

Ich interessiere mich für Sciencefiction und neue Technologien. Vielleicht ist das nur ein Teil meiner Fantasievorstellungen, aber ich denke es steht eine Verschmelzung der Menschen mit der Technik bevor. Viele Menschen sehen sinnestechnisch isoliert von der Gegenwart aus, da sie völlig in der Welt der mobilen Technologien eingetaucht sind. Ich habe es immer für unwahrscheinlich gehalten, dass wir Menschen irgendwann Cyborgs werden könnten, aber heutzutage erscheint mir dies nicht mehr so fremd.

Normalerweise lässt Du die Beschriftung der Disketten. Werden sie willkürlich für das Bild genommen oder werden mit der Abbildung in Verbindung gebracht?

Ich suche sie nach Farben und Nuancen aus. Dann platziere ich die Disketten mit interessanten Etiketten so, dass sie sichtbar sind. Außerdem stammen die Bildernamen normalerweise von der Beschriftung der Etiketten.

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Du malst nie mehr als zwei Personen auf einem Bild. Kann man das als Anspielung auf die Einsamkeit des heutigen Menschen deuten?

Ich denke, das ist eine sehr treffende Interpretation. Es ist schön, wenn die Betrachter Unerwartetes und Neues in den Bildern sehen. Ich stimme zu, dass sie (die Bilder) Traurigkeit und Einsamkeit kommunizieren. Wahrscheinlich weil die Augen in einer derart mechanischen Weise dargestellt sind.

Kannst Du uns etwas über deine Ausstellung, die am 24.06.2010 eröffnet wurde, erzählen?
Sie war phantastisch und hat viel Spaß gemacht. In diesem Monat ist noch eine weitere Ausstellung in den USA, in der Adam Lister Gallery in Fairfax, VA, geplant.

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Was können wir von dir in der Zukunft erwarten – neue Projekte, Experimente?

Ich möchte die Arbeit mit den Disketten in einem größeren Maßstab fortsetzen, zum Beispiel im öffentlichen Raum. Disketten wurden in großen Mengen produziert und ich möchte etwas schaffen, dass dies symbolisiert. Ich experimentiere immer mit neuen Konzepten und Techniken, also werde ich bald neue Bilder haben, die auch anders aussehen.

Kategorien: Frontpage · Modern Times

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