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Artist of the Week – Patrick Santos de Olivieira

10 November, 2014 von · Keine Kommentare

Patrick Santos de Olivieira-Tanzend um die Welt

 

Ein Interview von Laura Popow

 

Patrick

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Aufgewachsen in Brasilien und reisend durch Europa lebt er das Leben, wovon viele nur träumen können:

Mit 25 hat er es nicht nur geschafft, sich als  tänzerisches Talent auf eines der größten Showbühnen Europas zu bezeichnen, sondern steht  bereits im jungen Alter  auf den Bühnen New Yorks, Miamis und Israels und  trägt den Titel “Mr. Gay Model of the Year 2013 in Austria” .

 

In einem Reisebus von Prag nach Berlin treffe ich das junge Talent erstmalig.

Er sitzt vor mir, ein weltoffenes Wesen mit einem gutgepflegtem Äußeren und charmantem Lächeln.

Während ich mir  für einen kurzen Augenblick wie aus einer Filmszene vorkomme, fallen mir plötzlich seine Beine auf dem gegenüberliegendem Sitz auf: Das sind eindeutig Tänzerbeine!

 

Ohne zu zögern spreche ich ihn darauf an und frage, welchen Genre er tanze.

Nach einer ausführlichen Antwort folgt die reizende Frage , ob ich nicht auch eine Tänzerin sei.

” Nein, ich sehe wohl kaum so aus wie eine, aber vielen Dank!” , lachend beginnen wir ein langes Gespräch, mit einer wohltönenden Atmosphäre, die die lange Busfahrt ein wenig erleichtert.

Anhand seiner Redensweise merke ich sofort, dass es sich um eine charakterstarke Person  handelt, die bereits so einiges erlebt hat.

 

Wir erzählen voneinander, teilen unser Leid über die wenigen Verschnaufpausen im Bus, freunden uns an.

Kurz darauf folgt die Zusage vom Friedrichstadtpalast auf dieses Interview, in dem ich zumindest einen Bruchteil von dem wiedergeben  kann, was ich kennengelernt habe.

 

 

 

Erzähle mir ein wenig über deine Kindheit. Während

andere bestimmt eher Fußball in Brasilien spielten,

hattest du schon immer eine große Begeisterung für

das Tanzen gehabt. Wie haben deine Eltern

daraufhin reagiert?

 

„Nun, ich hatte eine wirklich tolle Kindheit. Ich bin am

Meer, in Strandnähe, aufgewachsen, hatte viele

Freunde, mit denen ich mich austobte konnte, surfte

und war einfach nur Kind. Mein Spitzname war

‚Mogli, der Wolfsjunge’.

Natürlich haben wir auch jede Menge Fußball

gespielt, aber ich wollte immer nur Torwart sein. Ich

war mehr ein Artist als ein Athlet, sodass ich mit

ungefähr 10 Jahren mit dem Theater spielen begann,

im Chor sang und schließlich tanzte. Damals war es

jedoch noch kein klassisches Ballett, sondern

Streetdance und Gesellschaftstanz. Erst als ich 16

Jahre alt war, rieten mir die Lehrer vom Theater, mit

klassischem und Jazz-Tanz anzufangen.

Ich suchte schließlich nach einer geeigneten Schule,

was aufgrund meines bereits hohen Alters schwer

war, aber meine Mutter half mir und bezahlte für den

Unterricht. Der erste Tag war sehr aufregend. Wenn

ich ein Ziel habe, möchte ich es auch erreichen. Ich

brachte meinen Körper bis an die Grenzen und

versuchte, einen Einklang zwischen Emotionen und

Geist zu finden. Ich nahm an vielen Kursen teil, von

der Kinderklasse bis zum Erwachsenenkurs.

Nach 3 Monaten bekam ich glücklicherweise vom

Schuldirektor das Angebot eines Stipendiums, sodass

ich noch mehr trainierte und meine Technik ausfeilte.

Meine Mutter gab mir Folgendes mit auf dem Weg:

„Du musst dein Leben leben, ohne darauf zu achten,

was andere über dich denken oder sagen. Sonst wirst

du vergessen, deine Träume zu verwirklichen. Fehler

sind Fehler, wir lernen immer von den negativen und

positiven Erfahrungen. Das Leben ist wie eine

Schule!“

 

 

Woher hast du den Mut geschöpft, von Brasilien

nach Wien und dann nach Berlin zu kommen? Wie

war die Umstellung für dich, die neue Kultur und die

Menschen?

 

 

„Nachdem ich zwei Jahre Ballett tanzte, erhielt ich die

Chance, die reale Tanzwelt kennen zu lernen und ging

nach New York zum Ballettwettbewerb YAGP (Youth

America Grand Prix). Danach nahm ich in Brasilien am

Casting für den Sommerkurs des Miami City Balletts

teil. Schließlich erhielt ich einen Platz und erlebte fünf

tolle Wochen in Miami.

Am Ende des Kurses bekam ich vom Schuldirektor die

einmalige Chance, ein ganzes Jahr mittels eines

Stipendiums, an der Schule verbringen zu können. Ich

war begeistert und wurde erneut von meiner Mutter

unterstützt. Danach war ich bereits 18 Jahre alt und

ging in die USA, wo ich nochmal drei Jahre

Ballettunterricht nahm und auch menschlich wachsen

konnte. Es gab selbstverständlich viele Höhen und

Tiefen, aber wie ich früh erkannte, ohne Fehler lernt

man nichts.

Ich änderte meinen Stil und kehrte nach Brasilien

zurück. Dort nahm ich an einem Casting für ein

Kreuzfahrtschiff teil. Ich wurde genommen und mein

Weg führte mich für neun Monate aufs Meer. Auf

dem Schiff tanzte ich Musicals und Shows. Für mich

war es eine aufregende Zeit. Ich konnte, neben dem

tänzerischen Aspekt, auch viel über die Menschen

und mich selbst lernen.

Anschließend kam ich zurück nach Brasilien und

tanzte als Gast im Ballett ‚Cinderella und Alice im

Winterland’. Danach wollte ich unbedingt nach

Europa gehen. Auf Rat eines Freundes schickte ich

meinen Lebenslauf nach Österreich und nach nur ein

paar Tagen bekam ich eine positive Rückmeldung vom

Europaballett St. Poelten. Über zwei Jahre blieb ich

dort, erhielt währenddessen aber auch die

Gelegenheit an anderen Orten zu tanzen. Ich wurde

professioneller und lernte von den erfahrenen

Tänzern um mich herum.

Nach dieser Zeit tanzte ich für drei Monate als Gast in

Israel. Auch das war eine besondere Zeit für mich, da

das Land wieder viele neue Eindrücke bereit hielt.

Schließlich ging ich zurück nach Europa und nahm am

Casting des Friedrichstadt-Palastes in Berlin teil. Die

positive Antwort, genommen zu werden, war

einzigartig für mich. Der Palast besitzt die größte

Theaterbühne der Welt und die Chance, hier tanzen

zu können, ist unglaublich. Ich liebe Berlin und

meinen Arbeitsplatz im East End Theaterviertel.“

 

 

Was bedeutet es für dich, zu tanzen? Betrachtest du

dich selbst und deine Körpersprache als Kunstwerk

an?

 

 

„Tanz bedeutet für mich Freiheit, eine Art treibende

Kraft, Emotionen und vor allem Leidenschaft. Mit

dem Tanz – sei es nun das klassisches Ballett, Jazz,

Modern oder Standardtanz – möchte ich etwas

ausdrücken, Emotionen rüberbringen und vor allem

die Zuschauer ansprechen. Sobald ich den Beat und

den Rhythmus in mir spüre, lasse ich mich treiben und

tanze, als ob mir niemand dabei zusieht. Als Profi-

Tänzer möchte ich die Zuschauer in den Bann ziehen

und mit Ihnen die Freude am Tanzen teilen.

Ich denke schon, dass ich mich und meine

Körpersprache als Kunstwerk betrachte. Als

Schauspieler im Theater habe ich bereits gelernt, mit

Hilfe meiner Stimme Kunst zu erschaffen. Als Tänzer

hast du nur deinen Körper, mit dem du dich

ausdrücken kannst. Das ist eine große

Herausforderung, die mich und meine Kunst auf eine

gewisse Art vervollständigt hat. Auch heute noch

versuche ich mir Ziele zu stecken, mich zu fordern und

immer weiter an mir und meinem Körper zu

arbeiten.“

 

 

Gibt es eine bestimmte Rolle, die du schon immer

einmal beim Tanzen spielen wolltest? Beispielsweise

in einem Ballettstück oder desgleichen? Wenn ja,

was inspiriert dich an dieser?

 

 

„Als Artist möchte ich viele unterschiedliche Rollen

einnehmen und diverse Charaktere spielen, um daran

zu wachsen. Es gibt in jeder Rolle etwas, mit dem du

dich identifizieren kannst. Beispielsweise wollte ich

als Kind immer Aladdin sein, wenn ich nun jedoch die

Rolle von Jaffar, dem Bösewicht, bekäme, wäre ich

genauso happy.

Welches Ballettstück mich sehr inspiriert, ist

‚Schwanensee‘. Die Musik und die Geschichte

berühren mich sehr und ich wäre überglücklich, wenn

ich eines Tages in diesem Ballett tanzen dürfte. Ich

würde die Rolle so tanzen, als wäre es mein letzter

Tanz.“

Kategorien: Frontpage · Szene · Um die Welt

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