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Artist of the Week – Ralph Anderl, ic! berlin

2 November, 2009 von · 1 Kommentar

Dessislava Berndt

Bothor
Foto: Mathias Bothor

ic! berlin heißt die prämierte Brillenschmiede von Ralph Anderl, deren schraubenloses Edelstahldesign einen neuen Trend gesetzt hat – weltweit. ic! berlin ist eine Designfirma, deren Ziel es ist, neue Ideen aufzuspüren, zu entwickeln und zu vermarkten.

„Einfach genial“ befand bereits 1998 die Jury des gleichnamigen TV-Awards das patentierte schraubenlose ic! Federscharnier-Stecksystem der Berliner Brillenmanufaktur, das in den Folgejahren mit Preisen überhäuft wurde.

„Unsere Brillen sind Luxusprodukte, die Stück für Stück in Handarbeit gefertigt werden“, erklärt Firmengründer Ralph Anderl. Keine langen Wege zwischen Design, Produktion und Vertrieb – kein „Made in China“. Ein Musterkind der deutschen Wirtschaft.

Mittlerweile wurden jährlich mehr 150.000 Brillen in die ganzen Welt verkauft. 712 Modelle in über 4000 Varianten wurden seit der Gründung der GmbH 1999 bisher produziert.

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Foto: ic! berlin

Dessislava Berndt von Public Republic führte ein Interview mit dem Designer, der zum Zeitpunkt des Interviews in Sao Paolo unterwegs war:

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Foto: ic! berlin

Torsten Frings hat eine. Madonna hat vier. Und der König von Marokko – der hat 42 ic! Berlin- Brillen. Ralph, wie ist die Zusammenarbeit mit solchen Stars?

Zwei Beine, eine Nase, zwei Ohren… blöd gesagt, wenn auch vielleicht überraschend: Stars sind auch Menschen. Und da kann man sie zu fassen kriegen, an der Hand nehmen. So haben wir Corinna Harfouch und Peter Lohmeyer kannengelernt und in die Firma gezogen, und so haben wir Frings, Madonna und den König in die ic! berlin Familie integriert.

Du hast zahlreiche Preise erhalten. Kann man sich denn noch verbessern?

Ja, jeden Tag! Ich bin noch nicht an meine Grenzen geraten. Preisemäßig sieht es sehr dünn bei Film-, Gesangs- und Friedensnobelpreisurkunden aus. Daran arbeite ich aber – ohne Verdruss und mit dem Langmut eines Arbeiters im Weinberg der Möglichkeiten.

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Foto: ic! berlin

Wie sehen die Pläne bis Ende 2009 aus? Und in 2010?

Jetzt sitze ich gerade in einem Taxi in Sao Paulo. Da ist mein Ziel, den Traffic-jam zu überwinden und einen Optikerkunden zu erreichen. Morgen hoffe ich trotz Verkehrsstauungen den Rückflug nach Berlin zu erreichen. Am Sonntag geht es nach Tokio zur japanischen Brillenmesse IOFT. Danach muss ich einen Vortrag in Essen und einen in Berlin halten – letzteren mit namhaften Managern und Ministern. Dann kommt Weihnachten im Dezember und kurz davor ein Trip nach Taiwan. Ab dem 11.11. beginnt die Fastenzeit, da esse ich nichts bis Weihnachten – in einem Wort, es wird noch einiges passieren in diesem Restjahr…

ic! berlin hat keine Angst zu wachsen und weiter Marktanteile zu gewinnen. „Wir wissen, dass uns dies verändert und wir Romantizismen hinter uns lassen müssen.“ meint Ralph.

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Foto: ic! berlin

Weiter meint der Geschäftsführer und Kulturpädagoge: „Auf der einen Seite heißt es für mich und die Mitarbeiter Abläufe zu professionalisieren, Routinen einzuführen und Hierarchien zu bilden. Gleichzeitig gilt es Mitarbeitern Raum zu lassen, sich und Ideen zu entwickeln, einzubringen und umzusetzen.“

Ein Hauptantrieb von ic! berlin war, ist und wird es in Zukunft noch verstärkter sein, die Umsetzung von Ideen. Aus Ideen fassbare Dinge zu entwickeln, sie solange zu verbessern bis ein Produkt da ist, das am Markt überzeugt. Diese Bewegung vor allem auch entgegen der Trägheit, Skepsis und Traurigkeit die vielfach auch in Deutschland, selbst Berlin anzutreffen ist: etwas zu machen und nicht etwas nicht zu machen. Dabei zu lernen, wie man es macht. Offen zu sein für Anregungen. Die Idee nicht aus dem Auge verlieren. Kompromisslos und doch offen für konstruktive Kritik zu sein.

Klar ist aber, dass zum jetzigen Zeitpunkt der Hauptfokus der Firma auf die Vermarktung der ic! berlin Brillen gerichtet ist.

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Foto: ic! berlin

Was ist Dein Erfolgsrezept? Welche Eigenschaften muss ein erfolgreicher Geschäftsführer unbedingt besitzen?

Mit Mut in den nächsten Dschungel gehen und lebend wieder rauskommen – immer mit einem charmanten Lächeln auf den Lippen.

Wie wirst Du Deine Produkte mit fünf Wörtern beschreiben?

„einfach – genial!“ zwei Wörter. Mist.

Wie wurde der Name ausgesucht?

ic! (sprich: I see) steht in erster Linie für “ich sehe”, aber auch “ich verstehe”.

Als wir den ersten internationalen Fachoptikern unsere Brillen zeigten, reagierten viele Optiker mit “ah, I see !” erstaunt auf die schraubenlose Bügelmontage. Wir haben noch den Zusatz „Berlin“ angehängt, um die Geburtstadt der Brillen zu ehren. Ohne Berlin würde es die ic! berlin Brillen höchstwahrscheinlich nicht geben. Diese innovative und auch damals sich im Aufbruch befindliche Stadt hat es den damaligen Erfindern und Gründungsmitgliedern ermöglicht, Neues und Unkonventionelles anzugehen und zu realisieren.

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Foto: ic! berlin

Die Geschichte

Die „ic! berlin brillen gmbh“ wurde am 01. Februar 1999 gegründet.

Bereits vor diesem Datum gab es Brillen mit dem bekannten Federscharnier-Stecksystem. Eine erste Serie war 1996 von der „hga gesellschaft“ produziert worden. Diese Serie wurde in der „design-transfer galerie“ (Berlin) während einer Party zum Verkauf angeboten. Zunächst wurde nur ein Modell hergestellt, das Modell „jack“. Besucher des Events konnten Urkunden erwerben, die sie nach drei Monaten gegen Brillen eintauschen konnten. Zweiunddreißig Mutige machten mit.

Gleichzeitig wurden neun berühmte Schauspieler mit der Bitte angeschrieben für die Blechbrillen Werbung zu machen. Corinna Harfouch und Peter Lohmeyer machten mit und trugen die Brillen in Filmen, Talk-Shows und bei Sonnenschein. Darüber hinaus gefiel ihnen die „Wohnzimmerfirma“ so gut, dass sie sich auch finanziell beteiligten.

Ralph Anderl
Foto: ic! berlin

Im Frühjahr 1998 fand im Berliner „Club der Visionäre“ eine Blechbrillenparty statt. Die Brillen wurden gegen die erworbenen Urkunden ausgetauscht.

Seit 2003 wird die Firma allein von Ralph Anderl als geschäftsführender Gesellschafter geleitet. Alle Bereiche Produktion, Lager, Vertrieb, Buchhaltung, Marketing und Design wurden erstmalig nach dem Umzug in eine Backfabrik im Mai 2004 in einem Gebäudekomplex vereint. Der ic! berlin Shop blieb aber nach wie vor in der „Max-Beer-Straße 17“.

International kooperierte und kooperiert ic! berlin mit diversen Designern wie Antonia Kapretz (Berlin), Joop/Wunderkind (Berlin), Wolfgang Proksch (Süddeutschland), Arik Levi (Paris), Simon Koenig (Basel), Markus Lupfer (London), Markus Moser (Zürich, „unrath und strano“ oder „superfine“ (London).

Das Unternehmen öffnet sich aber auch für neue Ideen. In diesem Zusammenhang wurde im September 2004 der Reiseführer „Übersehene Sehenswürdigkeiten. Deutsche Orte.“ von Michaela Vieser und Reto Wettach auf den Markt gebracht. Die aufgeweckten ic! berlin Optiker vertreiben das „Roadbook“ ebenso wie Buchhandlungen und Museumsshops. Im Herbst 2005 folgte dann auch das erste ic! berlin Hörbuch: „Corinna Harfouch spricht Martin Auer“.

Ralph Anderl
Foto: Mathias Bothor

Die technische Entwicklung

Design, Gelenk und die Verwendung von federleichtem, sehr flexiblem Federstahl machen die ic! -Brille nicht nur zu einem „must have“ der Modeszene, sondern auch nahezu unzerstörbar. Sowohl Korrektur – als auch Sonnengläser lassen sich nach belieben in das Gestell einpassen und ohne Hilfsmittel sehr schnell austauschen.

Am Anfang standen handgeschnittene Aluminiumbrillen, erklärt Ralph. Die Grundidee des Gelenkes war deutlich erkennbar, wenn sie auch fragil und sensibel waren. Einen Schließblock, um die Front zu öffnen, gab es nicht. Die Gläser wurden „gefühlvoll“ in die Front gefügt.

Auf der Fachmesse „Euroblech“ wurden erste Ausschnitte aus Edelstahl geliefert und getestet. „Der Werkstoff hielt, das Gelenk federte in nie gesehener Lebendigkeit. Die Brillen waren noch immer ohne Schließblock“, erinnert sich Ralph Anderl.

Die Einwände von Optikern „Einen Rahmen muss man öffnen können, wenn das eine ernsthafte Brille sein soll“ wurde auch berücksichtigt: ein Schnitt mitten durch das Gelenk und eine Klammer, die beide Seiten zusammenhält.

Eine Weiterentwicklung war der sogenannte S-Schlag, der einen Schutz gegen die Verscherung der beiden Gelenkhälften brachte und später zum Logo von ic! berlin wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt trugen alle ic! berlin Brillen die gleichen 10mm breiten Bügel. Alle Brillen wurden als Sonnenbrillen angeboten mit der Option, Korrekturgläser einzufassen.

Seit Januar 2000 gibt es die sogenannte Korrekturbrillen-Kollektion. Diese Brillen, erklärt Ralph Anderl, haben einen dezenten 6mm Steckbügel – das Gelenk erfuhr in der Verkleinerung signifikante Modifizierungen und eine komplexere Klammer hält die Backen zusammen.

Ralph Anderl
Foto: Mathias Bothor

Die Kollektionen

Neben den saisonalen „optician collections“ gibt ic! berlin auch diverse Sonderserien heraus. Diese „Special Editions“, meist in limitierter Auflage, entstehen oftmals in Zusammenhang mit herausragenden Designern oder in Kooperation bzw. durch die Inspiration von interessanten Persönlichkeiten, Firmen oder Ereignissen.

Ab der Frühling/Sommer 2006-Kollektion änderten sich bei den Bügeln Körperbau und Kleid! Die Verjüngung des Metalls am hinteren Ende ermöglichte ein einfaches Anpassen gemäß der Anatomie und des Geschmacks des Kunden.

Bei den Modellen der Frühling/Sommer 2006-Kollektion wurden die Silikonschläuche durch dreidimensionale Spritzgussteile ersetzt. Diese sind aus einem thermoplastischen Kunststoff gegossen, der allergieneutral aber nicht kompatibel mit vorangegangenen Fronten oder Bügeln ist. Anders als die Silikonschläuche wurden die neuen Bügelenden und Nasenteile für ein ganzes Brillenleben konzipiert.

Die ic! berlin optician – Kollektion unterteilt sich in

1.) die metallic! Kollektion:
– Sonnen- (6mm – seit Frühjahr 2006 – 8mm und 10mm breite Bügel), Korrektur- (6mm breite Bügel) und Kinderbrillen und

2.) die plastic! berlin – Kollektion (seit Mai 2005),
– eine Acetat-Federstahl-Kombination.

Die ic! berlin Brillen werden weltweit über eine selektive Auswahl an Optikergeschäfte vertrieben.
www.ic-berlin.de
ic! berlin shop
Max-Beer-Str. 17, 10119 Berlin
Montag bis Samstag von 11 bis 20 Uhr.

Auszeichnungen

1998 Deutschland “einfach genial” tv award/mdr

1998 Paris / Frankreich “golden silmo” eyewear award

1999 Mailand / Italien 2. Preis des “mido eyewear award”

1999 Tokio / Japan “Brille des Jahres 2000”/ioft

2000 Tokio/Japan “Brille des Jahres 2001”/ioft

2002 Deutschland “Red dot award”/Produkt design 02

2004 Tokio / Japan “Brille des Jahres 2005”/ioft

2005 Tokio / Japan “Brille des Jahres 2006”/ioft

2007 Deutschland „Ort im Land der Ideen“

2008 Paris / Frankreich “golden silmo” eyewear

2008 Tokio / Japan „Brille des Jahres 2009“/ioft

2009 Tokio / Japan „Brille des Jahres 2010“/ioft

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Foto: akud/lars reimann

Kategorien: Frontpage · Lifestyle

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1 Kommentar bis jetzt ↓

  • Michaela // 8 Jan, 2012 //

    Sie sollten ihr Erfolgsrezept auf dieser Seite schnellstens überarbeiten, da die Realität bei Ihnen ja wohl anders aussieht. Das Bild war mehr als schlecht in der Fernsehsendung. Peinlich.

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