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Artist of the Week – RaumZeitPiraten

12 Januar, 2015 von · Keine Kommentare

Ein Interview von Dessislava Berndt mit dem Künstlerkollektiv Tobias Daemgen, Jan Ehlen und Moritz Ellerich

Monument for a forgotten future / RaumZeitPiraten in Gelsenkirchen 2012 from RaumZeitPiraten on Vimeo.

Wer sind die RaumZeitPiraten? Wie entstand die Idee dazu?

Wir (Anm. Red. Tobias Daemgen, Jan Ehlen und Moritz Ellerich) sind RaumZeitPiraten. Wir haben 2007 begonnen, als Kunstkollektiv zu arbeiten um den Spiralen egozentrischer Selbststimulation zu entgehen.

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Foto:RaumZeitPiraten

Neben dem zur Namensgebung inspirierenden Konzept der “Raumzeit” von Albert Einstein bilden Raum und Zeit bestimmende Elemente des Wahrnehmens und Gestaltens. Als Piraten haben wir die Möglichkeit eigensinnig mit diesen Parametern zu verfahren, vorbei an industriellen und kommerziellen Interessen, hin zu selbstbestimmteren Organisationsformen.

CinemaBackyard – BreitSeite / CycloCopter – RaumZeitPiraten from RaumZeitPiraten on Vimeo.

Wie sieht eure Zusammenarbeit aus?

Der gemeinsame Entwicklungsprozess ist ein organisch wachsendes, wild wucherndes, heterogenes Knäuel. Konzeptionelle Fragmente kollidieren mit der Realität, zersplitternd zu noch mehr Fragmenten der Ungewissheit, ping-pongartig zwischen unseren Köpfen hin und her gespielt, von den umliegenden Wänden abprallend, verzerrt zurückgespiegelt vom Publikum, sich spontan zu einem Haufen aus neuen Erfahrungen und Perspektiven zusammenballend, wieder zerfallend in kleine Stückchen aus Erinnerungen, die sich vielleicht zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort in einer anderen Weise wieder reformieren…

licht-klang-rhizom from RaumZeitPiraten on Vimeo.

Was wollt ihr mit euren Projekten ausdrücken und erreichen?

Das Projekt RaumZeitPiraten und die in diesem Kollektiv ausgeführten Arbeiten beginnen auf vielen Ebenen zu wirken.

Auf einer sozialen Ebene stellen sich Fragen alternativer, gemeinschaftlicher Organisationsformen und was ausgeleierte Begriffe wie z.B. Demokratie oder Arbeit noch alles bedeuten könnten, wenn sie neu gelebt werden. Auf den Ebenen ästhetischer Kategorien erforschen wir konkrete Umsetzbarkeit und Weiterführung philosophischer und psychologischer Konzepte wie z.B. den Rhizombegriff bei Gilles Deleuze und Félix Guattari und wagen Versuche einer Anknüpfung an das unscharfe Feld der Alchemie im Sinne der psychoanalytischen Deutung durch C.G. Jung.

CycloCopter – RaumZeitPiraten from RaumZeitPiraten on Vimeo.

In unserer Tätigkeit als Instrumentenerfinder werfen wir das Verhältnis von Mensch und Technologie auf die Waagschale und fordern einen kreativeren, hinterfragenden Umgang mit der uns umgebenden Technik ein. Weit im Vordergrund steht bei allen unseren Unternehmungen der Versuch Erfahrungsräume zu erzeugen, die als Erkenntniswerkzeuge für uns und das Publikum nutzbar gemacht werden können.

Wer oder was hat/hatte einen Einfluss auf eure Arbeit?

Die Liste ist lang. Unsere Arbeit, was wir tun und wer wir sind, wären nicht denkbar ohne die unzähligen, vorhergehenden, menschlichen Errungenschaften in Feldern wie Wissenschaft, Kunst oder Technologie.

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Foto: RaumZeitPiraten

Ein Licht-Raum-Modulator von Moholy-Nagy inspiriert uns gleichermaßen wie ein psychologisches Konzept der Alchemie von C.G. Jung oder ein Spaziergang mit einem Freund durch den Park.

Ein kurzes technophilosophisches Essay von Vilém Flusser bereichert uns genauso wie der Besuch in einem Technoclub.

Die Fehlfunktion einer Kopiermaschine erzeugt kreative Energien in uns genauso wie ein Wikipedia-Artikel über parasitäre Lebensformen. Das Stöbern in der historischen Sammlung Werner Nekes bringt unser Getriebe in gleicher Weise ins Rollen wie ein Spaziergang über einen Flohmarkt am Rande einer russischen Großstadt. Die brandneue, noch kleinere und noch effizientere Solarzelle weckt unser Interesse ebenso wie der alte, kaputte Diaprojektor auf dem Sperrmüllhaufen unseres Nachbarn…

RAUMZEITPIRATEN – Unfolding Rhizomatic Structures from ego/ego on Vimeo.

Was liebt ihr an eurer Arbeit?

Es tut gut einer Arbeit nachzugehen, die uns nicht auf eine einzelne, vom restlichen Leben abgekoppelte Funktion reduziert. Durch die vielfältigen Betätigungsfelder als RaumZeitPiraten haben wir die Möglichkeit unser volles Potential als selbstbestimmt handelnde Menschen immer weiter zu erforschen und zu entfalten und dieses mit unseren Mitmenschen zu teilen.

Gibt es Kooperationen/Projekte mit anderen?

Ja, ein nicht geringer Teil unserer Projekte entsteht in Kollaborationen mit anderen Künstlern, Lehrenden, kulturellen Einrichtungen und anderen Institutionen.

Wovon träumt ihr?

Wir träumen was wir leben.

Octopus Garden – RaumZeitPiraten from RaumZeitPiraten on Vimeo.

Was macht Ihr in der Freizeit?

Diese Frage ist schwer zu beantworten da sich unsere Tätigkeiten nicht wie Un-Freizeit anfühlen und der Begriff der Freizeit vielleicht obsolet wird.

Wie sehen eure Pläne aus?

Unser Plan ist weiterzumachen bis zum Schluss.

RaumZeitPiraten
parallel universe engineering
Web: http://raumzeitpiraten.com/
E-Mail: kontakt(at)raumzeitpiraten.com

Die RaumZeitPiraten sind ein Künstlerkollektiv und fortlaufendes Projekt von Tobias Daemgen, Jan Ehlen und Moritz Ellerich. Seit 2007 arbeiten sie als Gruppe und mit wechselnden Künstlern anderer Ausdrucksformen.

Mit ihren ortsspezifischen, performativen Multimedia-Installationen, Interventionen und Happenings entwerfen die RaumZeitPiraten ephemere Modelle von unperfekten Mensch-Maschine Gegenwelten, mit denen sie berechnete Realitäten, wissenschaftliche Genauigkeit und anorganisches, maschinendominiertes Verhalten in Frage stellen.

Mit selbstgebauten, optoakustischen Instrumenten missbrauchen und remixen sie uralte und hochmoderne auditive und visuelle Technologien für ihre alchemistischen, organisch improvisierten Licht- und Klang-Architekturen.

Ihre Aktivitäten sind auf spielerisch experimentelle Verknüpfungen von Klang, Bild, Objekt, Raum und Zeit ausgerichtet mit denen sie sich auf eine wechselseitig erweiternde Multimedia-Performance-Surround-Raumschiff-Laboratoriums-Reise zwischen Wissenschaft und Fiktion begeben.

Kategorien: Frontpage · Lifestyle · Modern Times · Szene

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