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Artist of the Week — Robbie Rowlands

26 Dezember, 2011 von Aleksandra Ingilizova · Keine Kommentare

Interview von Yana Radilova
Übersetzung: Aleksandra Ingilizova

robbie portrait
Robbie Rowlands

Mit welchen Augen siehst du die Objekte?

In gewissem Sinne sehe ich Objekte wie Subjekte, so dass beide sich überlappen, wenn ich etwas verstehen will. Es ist schwer ein Material zu finden, welches nicht mit dem Menschen verbunden ist. Für mich ist es interessant, mit Objekten zu arbeiten, die diese Beziehung vertiefen und ein größeres Verständnis für meinen Platz, meine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft entfalten.

A new low - Aluminium Ladder - Robbie Rowlands - 2011
A new low-aluminium ladder
Foto: Devika Bilimoria

Was ist die Botschaft deiner Kunst?

Je länger das Leben eines Kunstwerkes ist und je mehr ich mich in die Arbeit vertiefe, desto unsicherer wird die Botschaft in ihrer Klarheit, weil sie mehr Beugungen zeigt. Ich genieße es, gefundene Objekte herauszufordern. Ich beobachte, wie weit ich gehen kann, bevor ich die Idee vom ehemaligen Objekt verloren habe, und bringe ihm seine frühere Form wieder.

Too much for one - Wheelbarrow - Robbie Rowlands - 2011
Too much for one – wheelbarrow

Im Arbeitsprozess gibt es eine gewisse Selbstdarstellung. Für mich ist dies der materielle Weg zu neuen Aspekten meiner Identität, die sonst unsichtbar wären. Die australische Geschichte, die aus der Zeit der ersten kolonialen Mächte stammt, ist eindimensional dokumentiert. Es fällt zu Lasten meines Jahrgangs, zu verfolgen und zu durchdenken, wie und auf wen wir Einfluss hatten. Deshalb spielt meine Praxis mit meinen Zielen und ist so auch ein Weg, die Geschichte und das, was mir bevorsteht neu zusehen. Ich denke, dass in diesem Prozess meine Arbeit für andere hilfreich sein könnte, das eigene Schicksal genauer zu beobachten und die Realität zu durchdenken.

Empty - Steel Bin - Robbie Rowlands - 2011
Empty – steel bin
Foto: Devika Bilimoria

Glaubst du daran, dass in der Kunst alles benutzt werden kann?

Fast alles wird in der Kunst benutzt. Ich vermute, wenn es um Tabu-Themen geht, wurde alles schon durch den Künstler interpretiert. Auf der Suche nach verschiedenen Materialien und Techniken, experimentieren Künstler ständig mit dem Neuen. Die Art und Weise, wie sie es ausstellen, provoziert uns zu denken und zu fühlen mehr und mehr.

Deprived - Single Bed - Robbie Rowlands - 2011
Deprived – single bed

Mit welchen Materialien arbeitest du?

Ich wähle meine Materialien aus der Umgebung. Nicht alles funktioniert. Ich suche Materialien, die zu Emotionen und Erinnerungen führen. Normalerweise sind sie ein Hilfemechanismus und können sich wirklich mit allem verbinden, was die Menschheit angeht. Die Materialien sind der harte Teil, der flexible Formen übernimmt. Die Möglichkeiten sind unendlich!

fell for silo
Fell for Silo – Decommissioned Wheat Silo, Pine tree
Foto: John Gollings

Wie bezeichnest du deinen Stil?

Ich weiß nicht wie ich meinen Stil definieren könnte, ohne das Gefühl zu haben, dass ich mich selbst in die Ecke schiebe. Ich würde es nicht mögen, wenn ich „der eine, der an Sachen schnitzelt“ genannt werde, deshalb sollte ich so schnell wie möglich eine Bezeichnung finden.

Soweit ich weiß, beschäftigst du dich auch mit Musik. Was magst du mehr – die Musik oder die visuelle Kunst?

Ich bin in die Welt der Töne gekommen, mit der Idee, dass sie eine Skulptur wird. In großem und Ganzen war sie es. Das ist eine unglaubliche Art und Weise Skulpturen zu schaffen. Es war eine Herausforderung parallel zu meiner Arbeit als Bildhauer. Ich versuche beide zu genießen, indem das eine die nötige Entfernung vom anderen ergibt. Reden wir von der Musik und der visuellen Kunst als Industrie, so stehen beide in der gleichen ungünstigen Situation. Ich träume von dem Tag, an dem ich beide in meiner Arbeit kombinieren kann, aber jetzt hilft die Arbeit mit den Tönen dem Rest und das Visuelle beherrscht mich egoistisch.

attempt at return
Attempt at return – Aluminum Boat

Woher kommt deine Fantasie hauptsächlich?

Das ist eine variable Größe und es ist schwer zu kommentieren. Ich bin sicher, dass ich reich an Ideen bin, aber manchmal stört mich das vom Leben Gegebene und ich kann sie nicht erreichen. Ich versuche, mich in Situationen zu versetzen, in denen ich produktiv bin, wenn ich unterdrückt bin, muss ich dagegen ankämpfen, um zu arbeiten. Der Prozess kann erschöpfend und deprimierend sein, aber er bringt Ergebnisse mit sich.

upturned chair
Almost resting – Upturned Chair

Welcher von deinen Preisen macht dich am meisten stolz?

Außer ein paar sehr nützliche Stipendien und hoch geschätzte Preise, habe ich keine grandiosen Preise bekommen. Ich denke, mit dem was ich habe – eine tolle Familie und die Freiheit das zu machen, was ich für wichtig halte, habe ich den Preis bekommen, für den es sich lohnt, stolz zu sein.

Wie siehst du die Realität?

Meiner Meinung nach ist die Realität das, wenn du hinter der Oberfläche und in die Tiefe sehen kannst. Um es zu erklären, wie kannst du jemanden kennen, wenn du seinen Schmerz nicht kennst. Das gleiche gilt für eine Gemeinschaft oder ein Land. Wir genießen eine Realität, die diese Aspekte ignoriert und glättet, ohne scharfe Spitzen und Kanten. Ich vermute, ich bin von Ruinen, abgenutzten Sachen, vergessenen Orten und Gegenständen angezogen, eben weil es einen Weg zu denen gibt. Sie besitzen Risse, durch die man reingehen kann. Ihre Oberflächen erzählen Geschichten. Sie zeichnen sich durch Sprödigkeit und Verletzbarkeit aus, die die „Sicherheit“, die wir als Realität darstellen, erschüttern. Es scheint, als ob das heutzutage immer schwieriger verdeckt werden kann.

To Die With No Fear – Shed Intervention von Robbie Rowlands auf Vimeo.

Denkst du, dass der einfache Mensch die Welt um sich vernachlässigt?

Es ist schwer die Frage mit einer konkreten Idee von den „einfachen Menschen“ zu beantworten. Leider folgt unsere Missachtung den Menschen und der Umgebung. Das ist ein sehr bedeutsames Problem, das wir historisch verstehen sollten. Wir sind dadurch bombardiert, was vor uns gefallen ist, unsere Kinder werden mit dem bombardiert, was jetzt fällt. Ich denke, eine Personengruppe zu bestimmen und sie für unerklärlich zu schätzen, wäre sehr schwer. Es ist weise, wenn wir alle die Verantwortung übernehmen.

robbie rowlands

Welche sollte die Mission des modernen Bildhauers sein?

Dahin zurückzukehren, woher die Menschen gekommen sind, und wiederzubeleben, das was sie hinter sich gelassen haben.

Würdest du etwas komplett Neues und Ungewöhnliches versuchen?

Ich hoffe, dass ich zu diesen beiden Kategorien bereits gehöre. Alles fängt erst jetzt an und du weißt nie, was kommt!

drawn
Drawn – Decommissioned house

Beende diesen Satz: „Das, was wir sehen…

…ist das, was wir sehen wollen“. Das, was wir nicht sehen, ist wichtig dafür, wie wir unsere Vision von der Zukunft aufbauen.

suspended belief
Suspended Belief – Gippsland Regional Gallery

Kategorien: Frontpage · Visual Arts

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