Zu Favoriten hinzufügen
Public Republic random header image

Artist of the Week — Siyana Karapanova

5 Juli, 2010 von · Keine Kommentare

Interview von Kosara Belnikolova mit der Malerin Siyana Karapanova
Übersetzung aus dem Bulgarischen: Rossitza Yotkovska

Siyana Karapanova: „Ich mag den Geruch der Gründe und Farben, den Duft des Holzes während meiner Arbeit darauf“

Syana_Karapanova
Foto: Rumyana Chapanova

Wann hast Du zum ersten Mal die Kunst für Dich selbst entdeckt?

Ehrlich zugegeben – ich weiß nicht, vielleicht als ich in der ersten Klasse war und die Lehrerin meine Bilder anschaute und staunte, dass ich so schön zeichnen kann, jedoch aber so schlecht schreibe oder als ich meiner Mutter als Pionierauftrag die Gestalt von Hristo Botev aus einem Lehrbuch auf Pappe 35/50 mit Tusche umzeichnete.

Vielleicht im Haus der Maler Ralitza Stanoeva und Sasho Sertev, mit deren Tochter ich aufgewachsen bin, aber ich bin auch mit Hilda Kazassian aufgewachsen, doch Musikerin wurde ich nicht.

Ich blätterte in den Alben zu Hause herum und sah schöne Fotos aus berühmten Galerien und Museen an. Als ich 12 Jahre alt war, gelang es meinen Eltern, mich auf eine Reise nach Westeuropa mitzunehmen. Wir hatten kein Geld für Hotels und wir schliefen im Auto und putzten die Zähne in den Tankstellen, aber ich sah Prado, den Louvre, das Museum von Picasso und viele andere Sehenswürdigkeiten. Offensichtlich haben alle diese Sachen ihren Abdruck gelassen. Ich weiß es wirklich nicht, sicherlich wurzelt das in mir.

Ich habe verstanden, dass Du Dich mit vielen Sachen beschäftigt hast – mit Landschaftsarchitektur, Design, Dekoration, gemaltem Holz … Was und wie hilft Dir, sich selbst am besten auszudrücken?

Das Malen, das ist die Sache, die ich mit größtem Enthusiasmus und größter Lust mache. Nicht dass die Landschaftsarchitektur und die Dekoration mir nicht gefallen, aber das Malen inspiriert mich am meisten. Ich mag den Geruch der Gründe und Farben, den Duft des Holzes während meiner Arbeit darauf. Es begeistert mich, neue Materialien und Farben zu erfinden und zu probieren, was daraus gemacht werden kann.

Na ja, manchmal kommen auch Pannen vor. So habe ich nach der Probe eines neuen Lacks, ohne den Effekt abzuwarten, ein Brettchen in einen Kunstshop gebracht und es wurde verkauft. Eine Woche später stellte ich fest, dass der Lack weiß geworden ist. Mein Albtraum war, dass das Brettchen, meiner Meinung nach, von Vitomir Saraivanov gekauft wurde. Ich bin aber eine schlechte Physiognomikerin und kann mich nicht genau erinnern ob genau er das war und nun kann ich nicht zu ihm gehen und fragen, ob auch sein Brettchen weiß geworden ist.

Was inspiriert Dich?

Es inspiriert mich alles – sowie das Schöne als auch das Schlechte. Ich versuche, durch meine Arbeit die Dinge im konkreten Augenblick darzustellen. Vor einigen Jahren hatte ich z. B. Unstimmigkeiten mit meinem Ehemann und zwei meiner Freundinnen gaben mir weise Ratschläge. Eigentlich habe ich sie so dargestellt, wie ich sie sah.

Kashta

Ich habe auch Werke, die ich nie vor Publikum zeigen werde, da sie eine Emotion ausdrücken; ich fotografiere sie sogar nicht, ich hänge sie im Flur zu meinem Atelier. Es ist wohl lächerlich, aber auch sehr schmeichelnd für mich, dass 2 – 3 von diesen Werken verschwanden.

Das, was ich am liebsten mag, ist Häuser zu malen. Ich habe keine eigene Wohnung und stelle immer meinen Traum nach einem Haus mit Hof in einer ruhigen kleinen Stadt bzw. Dorf dar. In Bulgarien gibt es vielleicht schon keinen solchen Platz mehr, aber nichts kann mich halten, zu träumen.

Wer sind Deine Lieblingskünstler?

Gaudi und Mucha. Ich stelle mir vor, dass die Gestalten von Mucha die Gebäude von Gaudi bewohnen. Es gibt auch andere Künstler von der Weltbühne, die auf mich wirken, aber die Zeit wird mir nicht reichen, sie aufzuzählen. Auch mit den bulgarischen Autoren ist es so.

Ich bewundere Mariela Dimitrova – Mara, Anitta und Zhoro Nenchevi, Bogomil Arsov – Pako und viele andere fantastischen Künstler. Es scheint, dass unser Land magisch ist und besondere Künstler mit viel Ladung und emotionaler Wirkung hervorbringt.

Würdest Du mir ein bisschen mehr über Dein letztes Projekt „Frauen“ erzählen ?

Oh! Ich überlege darüber seit langem. Habt ihr die Frauen auf den Straßen betrachtet? Sie sind bunt, jede ist farbenfreudig und attraktiv, inwieweit sie sich das erlauben kann – und inwieweit sie über Geschmack und Einbildung verfügt – aber jede ist individuell und unterschiedlich. Auf den Straßen gleitet eine Menge aus Frisuren und Haaren mit unterschiedlicher Form und Farbe, die Mannigfaltigkeit des Aussehens, der Schuhe und Taschen ist grenzlos. Es ist herrlich, sie zu betrachten.

Die Idee war, mit Mara, Rossen Markovski, Boryana Stambolieva, Nenchevi, Elena-Maria Haralampieva und andere, an die ich mich jetzt nicht erinnere, eine gemeinsame Ausstellung im Wasserturm im Wohnviertel Losenetz unter den Namen „20 Jahre Ehe“ zu machen, da ich und mein Ehemann im Jahre 2009 soviel vollendet haben, aber ich wurde krank und die Idee fiel aus. Es gelang mir jedoch, bevor ich krank wurde manche meiner Ideen zu verwirklichen.

Ich begann mit einer Frau, die an einer Haltestelle stand.

jena

Dann ging es weiter mit einer anderen, die einen Hund spazieren führte.

Jena_s_kuche

Sie schien mir aber sehr einsam, also ich habe noch eine Frau wie sie gemacht, damit beide miteinander plaudern können. Ich begann für sie auch eine Kleinstadt zu gestalten, wo sie Kaffee trinken können, ein Restaurant, wo sie etwas zu sich nehmen können und eine Bank, um sich dort auszuruhen.

Kafe

Ich habe auch mich selbst dargestellt, aber im Schlaf. Am Ende des vorigen Jahres hatte ich so großen Schlafbedarf, dass ich mich nicht zurückhalten konnte und ich habe mich so gestaltet, wie ich bin.

Um mich herum sollten mindestens 50 Brettchen mit Tulpen in unterschiedlichen Varianten stehen, aber da die Pläne ausfielen, habe ich sie ausverkauft, sogar bevor sie 30 geworden waren, und die Frauen und die Häuser sind in den Galerien zerstreut, nicht nur in Sofia.

Was würdest Du als Dein größter Berufserfolg bis zu diesem Moment bestimmen?

Mein größter Erfolg ist das, dass ich meine Werke mit meinem Namen zu unterschreiben begann. Ganz am Anfang verbarg ich, dass ich male. Ich wagte überhaupt nicht zu sagen, dass ich es war. Ich habe aber den Leuten gefallen, sie begannen mich zu suchen und ich konnte nicht mehr versteckt bleiben. Die Galeristen selbst haben viel über mich gelacht, nachdem sie das verstanden haben, aber auch sie haben mir sehr geholfen.

restaurant

Was für Tätigkeiten laden Dich mit Energie außerhalb der Kunst?

Die Kinder. Meine zwei Mädchen sind die herrlichsten Wesen auf der Erde. Ich mag gerne bei ihnen sein, ich mag mich sogar über sie zu ärgern. Zu Hause sind alle böse auf mich, dass ich sie enorm verwöhne, dass ich auch meinen letzen Groschen für ihre Marotten gebe, und ich selbst schon monatelang keinen Friseur besuche, aber anders kann ich nicht, sie sind Mamas Prinzessinnen.

Welches ist dein Lieblingszitat?

Hier kann ich schon nicht antworten. A prima vista geht mir eine Szene aus „Die Schöne und das Biest“ von Disney im Kopf herum, wo Gaston, von der Schöne rausgeschmissen, in eine Pfütze fällt, und Attila ihn fragt „Na, und was hat das Mädlein gesagt?“ – das ist zu unernst als Antwort. Eigentlich habe ich kein Lieblingszitat.

Spqshta_jena< Ist es leicht, ein Künstler in Bulgarien zu sein?

Wo ist es denn leicht?! Eine Freundin, die in USA wohnt, erzählte mir, dass ihr Agent ein Jahresgebühr und 60 % vom Verkaufsgewinn für sich nimmt. In England ist es aber anders. Der Staat gewährt eine Beihilfe zur Unterstützung der Kunst. Der Staat gewährt ein zinsloses Darlehen für die Menschen, die über nicht genügend Mittel verfügen, um sich ein Kunstwerk zu kaufen. Das Geld wird in Raten zurückgezahlt.

Hier werden die Galerien wie jeder Stadtviertelkrämerladen behandelt, werden gleich besteuert und mit gleichen Gebühren auferlegt, unabhängig davon, dass ihr Umsatz um einige Male kleiner ist. Die Galeristen selbst sind gezwungen, ihre Räume mit leichter verkaufbaren Gegenständen zu füllen, um zu erleben. Folglich beginnen auch die Autoren in Stil „verkaufbar“ arbeiten, sonst würden sie die Galerien nicht annehmen. Die Sachen drehen sich in einem Teufelkreis, woraus nicht herauszukommen ist.

Was für schöpferische Pläne hast Du bis zum Ende des Jahres?

Ich will meine Idee mit den Frauen bis zum Ende führen. Es ist wohl klar, dass daraus keine Ausstellung wird, aber ich will sie mindestens vollenden und unbedingt auch die 50 Brettchen mit Tulpen machen. In Wirklichkeit werde ich aber versuchen, schöpferisch und materiell zu leben und werde weiter eine Galerie außerhalb Bulgarien, der ich gefallen kann, suchen. Es war immer erstaunlich für mich, warum diese beiden Begriffe (schöpferisch und materiell) so unvereinbar sind.

Laleta

Siyana Karapanova ist im Jahre 1970 in St. Sofia geboren. Sie schließ ihre Mittelschulausbildung in VT „K. Ficheto“, Fach „Architekturtechnik“ ab. In der Hochschule für Forstwirtschaft absolviert sie „Landschafts- und Parkarchitektur“. Sie war an unterschiedlichen Projekten tätig, die mit Parkmöbel und Bepflanzung verbunden sind und hat viele Preise in diesem Bereich gewonnen. Später orientiert sich auf das Design und Druckvorbereitung und arbeitet für führende bulgarische Gesellschaften. Ihre schöpferische Laufbahn beginnt einige Jahre später:
2003 – Dekorateurin in в „ Eurapel”
2006 – Teilnahme an der Ausstellung „Eine Produktion von Inko und Siyana”
2008 – Teilnahme an einer gemeinsamen Ausstellung in der Galerie „Pagane“
2005 – 2010 – Galeristin und Kuratorin der Galerie „Gaya“.

Kategorien: Frontpage · Modern Times · Visual Arts

Tags: , , ,

Keine Kommentare bis jetzt ↓

  • Noch hat keiner kommentiert. Machen Sie den Anfang!

Kommentar schreiben