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Artist of the Week – Stefan Valdobrev

5 Juni, 2009 von · Keine Kommentare

Ein Frühlinggespräch mit Stefan Valdobrev über die Vorteile, in Bulgarien Kunst zu schaffen

Ein Interview von Vanya Lazarova mit Stefan Valdobrev

Viele von uns erinnern sich noch an ihn aufgrund seiner Teilnahme an dem Studentenprogramm “Ku-Ku” 1993, oder sie verbinden seinen Namen mit der erfrischenden Melodie aus dieser Zeit …(O-o-bitscham te mila)

Stefan Valdobrev wurde am 20.Mai 1970 in Stara Sagora geboren. Er ist Schauspieler, Musiker und Autor. Daher gestaltet sich auch seine Biografie sehr abwechslungsreich:

Er komponierte die Originalmusik für etwa 70 Theatervorstellungen sowie diverse Spiel- und Dokumentarfilme. 1999 gab er seinen ersten Gedichtband “Katapult” heraus. Darüber hinaus veröffentlichte er eine Reihe von Alben mit Autorenmusik und trat bei etlichen Konzerten als Solokünstler und mit befreundeten Musikern auf. Seine Auftritte beschränkten sich nicht nur auf Bulgarien. Er gab außerdem Konzerte in Frankreich, Belgien, Deutschland, Italien, Israel, Russland Ungarn, Großbritanien, USA, Schweiz, Rumänien, Österreich und Albanien.

Seinen ersten Soundtrack komponierte Stefan Valdobrev 2000 für den bulgarischen Spielfilm ”Pansion za kucheta”-“Hundepension”. Im Oktober 2008 fand die Premiere des populär gewordenen bulgarischen Films “Die Welt ist groß und Rettung lauert überall” statt, bei dem er für den Soundtrack verantwortlich war. Der Film wurde nach dem gleichnamigen Bestseller des deutschen Autors bulgarischer Herkunft Ilija Trojanov gedreht. „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“ war bei Kritikern und Publikum gleichermaßen beliebt und gewann zahlreiche internationale Preise.

Der Einladung für ein kurzes Treffen kam Stefan Valdobrev zwischen seiner Arbeit und anderen Interviewterminen nach. Wir trafen uns am frühen Vormittag. Er, lässig und sportlich angezogen, mit seinem typischen Accessoire, der Schirmmütze, beantwortete alle Fragen locker und ruhig.


Was sind deiner Meinung nach die Vorteile für einen Künstler, in Bulgarien zu leben und zu arbeiten?

Die Vorteile sind, dass man dort so viele Extreme sehen kann, so viel Material, solche dramatischen Erreignisse – ich würde sagen – Reliefbilder- wie man sie so nirgendwo anders an einer Stelle konzentriert, in gleicher Zeit, sehen kann. So viele, dass man manchmal schwer darüber nachdenken kann.

Normalerweise ist meine erste Reaktion, sich über diese Extreme total zu ärgern, aber dann werden sie mir bewusst, und ich sage zu mir, dass es doch ein Privileg ist, in Bulgarien zu leben.Wir sind in der Zentrifuge der Ereignisse.

Als ich mit 19 mein Studium begann, änderte sich vor unseren Augen die Geschichte. Und nicht nur das: Wir veränderten sie auch .Wir hatten die Chance, nicht nur Zeugen zu sein, sondern die Ereignisse auch zu beeinflussen. Die nächsten 20 Jahre werden vielleicht nicht so dramatisch, aber interessant wird es in jedem Fall.

Bedeutet das, dass du dem Leben und der Arbeit in Bulgarien eher positiv entgegenstehst?

Für mich persönlich war es positiv bis zu einem Moment. Seit einiger Zeit, wenn ich ehrlich bin, macht mich das müde. Ich habe eher vor, mehr zu reisen, mehr Menschen auf der Welt das zu präsentieren, was ich mache. Und das ist ein ganz normaler Wunsch und Traum.

Was beeindruckt dich am meisten bei deiner Arbeit mit ausländischen Kollegen – Schausielern, Musikern, Regisseuren?

Das erste,was mich beeindruckt, ist die Toleranz, das Entgegenkommen.

Ist im Ausland das Entgegenkommen größer?

Ja. Das fasziniert mich. Wir sind hier in Bulgarien -ich auch- radikaler. Ich bin manchmal jähzornig. Das führe ich alles auf die hiesige Mentalität zurück, ich selbst bin aber auch ein Teil davon. Ich lerne toleranter, ruhiger zu sein. Ich sage nicht positiver, weil ich von Natur aus positiv bin, sogar in Bulgarien. Außerdem gefällt mir irgendwie die Ordnung. Hier ist die Mentalität anarchistischer. Es ist schön, wenn es Ordnung und Methode in den Sachen gibt.



Was ist für dich in diesem Zusammenhang die größte Herausforderung jetzt als Künstler?

Einen Weg zu finden, wie die Sachen, die ich mache, möglichst viele Leute auf der ganzen Welt erreichen. Seit 4-5 Jahren arbeite ich daran.

Was ist das Eigenartige, am meisten Kunstvolle, in dem Film “Die Welt ist groß und Rettung lauert überall”, der das Publikum in vielen Ländern fasziniert hat? Wodurch unterscheidet sich dieser Film von den anderen bulgarischen Filmen, die momentan gedreht werden?

An erster Stelle ist die wunderschöne Geschichte von Ilija Trojanov. Zweitens fasziniert mich der Humanismus, die Menschlichkeit und natürlich die Musik.

Ich vermute, dass du auch in der Zukunft mehr Soundtracks machen wirst?

Ja, ich glaube sowohl für europäische als auch für amerikanische Filme.

25.März 2009 Sofia

Fotos: Nikolay Nikolov

Stefan Valdobrev wurde am 20.Mai 1970 in der Stara Sagora geboren.

Er schloss das Fremdsprachengymnasium “Romain Roland” 1989 ab. 1993 promovierte er an der Theater- und Filmkunsthochschule in der Klasse vom Professor Krikor Asarijan und Todor Kolev. 2007 beendete er seine Fortbildung in Kinoregie an der Akademie FAMU in Prag.

Er spielte mehr als 35 Theaterrollen, die wichtigsten sind:

2007 – Dodo in “Malka piesa sa detska staya” (“Kleines Spiel für Kinderzimmer”) Jana Borisova
2005 – Ivan in “Brüder Karamasow” von Dostojewski
2004 – Clown, Dichter und Beamter in “Fantasmagorii”(Fantasiebilder) von Tedy Moskov

2002 – Orpheus in „Eurydike“ von Jean Anouilh
2002 – Der Liebhaber in „Finale Grande“ von K. Donev
2001 – Technischer Zeichner, Diener, Hamlet und Silvio Megre in „Komedia na slugite (“Komödie der Diener“)von Tedy Moskov
1999 – Eugen O`Neal in “I dai ni senkite“(Und gib uns die Schatten ) von L. Nuren
1998 – Don Juan in(Edna ljubov na Juan) nach A.S. Puschkin
1997 – Stjopa Lichodeev, Rimski und Daniil Harms in “Der Meister und Margarita” nach M. Bulgakov
1996 – Holzapfel in “Viel Lärm um nichts” von Shakespeare
1995 – Iliiko in “Opit sa letene”(Fiegeversuch) von Jordan Raditschkov
1993 – Siljian in “Tschernata Dupka”(Schwarzes Loch) von G. Stefanovski
1993 – Den Narren Feste in “Was ihr wollt” von Shakespeare
1992 – Willer in “ Engelsstadt” von S. Shepard
1991 – Leonce in” Leonce und Lena” von G. Büchner

Er spielte in acht Spielfilmen mit:

2008 – “Die Welt ist groß und die Rettung lauert überall” Regie: Stefan Komandarev
2007 – “ Tausch” von Jim Loftus
2004 – “Ispepeljavane”(Verglühen) von Stanislav Trifonov
2003 – “Sreshta”(Treffen) von I.Traikov
2002 – “Podgrjavane na vtscherashnija objad” (Die Wärme des gestrigen Mittagessens) von K. Bonev

Er hat die Originalmusik für 65 Theatervorstellungen komponiert, für 8 Spielfilme und 4 Dokus.

1999 wurde sein erstes Gedichtsbuch “Katapult “ herausgegeben.

2001 wurde das Theaterstück “Eros” in der Sammlung “Junge bulgarische Dramaturgie” herausgegeben.

Er hat 9 Alben mit Autorenlieder veröffentlicht

2008 – “Die Welt ist groß und die Rettung lauert überall”
2006 – “Opus theatrale 2″ (Internetalbum)
2003 – “Opus theatrale”
2001 – “Propaganda, Chromosome, Silikon”
2000 – “Hundepension” (soundtrack)
1998 – “…nach”
1995 – “Revolution”
1995 – “Еine Nacht im Theater”
1994 – “Ich liebe dich, meine Liebe..”

1993 wurde nach seinen Teilnahmen am Studentenfernsehsendung “Ku-Ku” auch sein erstes Lied “Kino”aufgenommen.

1989 gab er seine ersten selbstständigen Konzerte mit der Band “Aleja Alja”, mit M. Bobev und P. Tschernev zusammen.

Preise

2005 – Preis IKAR für die Originalmusik in dem Theaterstück “Figuri pri vljuben polet”(Figuren im Liebesflug)
2004 –“Goldene Rose” für den besten Darsteller für die Rolle von Enriko im Film “Izpepeljavane”(Verglühen)
2000 – “Goldene Rose” für sein Filmmusik-Debut “Pansion sa kutscheta”(“Hundepension”)
1999 – Musikpreise von TV MM für den besten Entertainer
1998 – Musikpreise von TV MM für den besten Entertainer und das bestes Album(”…nach”)
1993 –Kollektivpreis Askeer für die Debütvorstellung “Tschernata dupka”

Gastpiele als Musiker und Schauspieler in:

Frankreich, Belgien, Deutschland, Italien, Israel, Russland,Ungarn, Großbritanien, USA, Schweiz, Romänien,Österreich, Albanien

Er ist mit Jana, einer Rechtsanwältin, verheiratet. Sie haben eine gemeinsame Tochter, Maria.

Kategorien: Frontpage · Szene

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