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Artist of the Week – Susanne Paul

19 November, 2012 von · Keine Kommentare

Musikerin Susanne Paul im Interview mit Anelia Stoyanova

Susanne Paul

Sie spielen seit Ihrer frühen Kindheit Cello. Erinnern Sie sich an ihren ersten Kontakt mit der Musik?

Bei uns zu Hause wurde viel Musik gehört & gespielt. Musik war also in meiner Erinnerung schon immer da.

Wie würden Sie Ihren persönlichen Stil beschreiben?

Jazz-Funk-Bossa-Barock-Swing-Tango-Punk-Charanga-Groove-Nordindisch-Alpin-Balkan-Westafrika-Flamenco-Dingsbums

Welche Musikstile faszinieren Sie am meisten und warum?

Den EINEN allerspannendsten Musikstil kann ich Ihnen nicht nennen, denn es gibt so viele verschiedene musikalische Aspekte und Farben und Bewegungsmuster, die mich packen. Rhythmus und die Frage, wie genau man im Rhythmus drinsitzt, fasziniert mich besonders.

Auf sehr unterschiedliche Art spannend sind z.B. Funkgrooves, fett und weit hinten gespielt, oder barocke Tanzrhythmen mit ihren charakteristischen Verzögerungen, Schwerpunkten und Abphrasierungen, oder brasilianische Grooves, weich und an bestimmten Stellen verschleppt – nur jetzt mal als Beispiel.

Ich mag Dialekte und Akzente und versuche immer, die typischen Spielweisen oder die „akzentfreie Aussprache“ eines Musikstils zu erfassen. Aber letztlich, wenn ich eigene Musik schreibe, versuche ich, Stilistiken hinter mir zu lassen und Musik zu erfinden, in der Stilgrenzen keine Rolle mehr spielen. Eine Stilkopie zu schreiben interessiert mich nicht so sehr.

Susanne Paul

Jazzcello ist bestimmt Ihre Leidenschaft. Warum? Wie verzaubert es Sie?

Cello ist äußerst vielfältig einsetzbar: Man kann die Bassrolle ausfüllen, melodisch improvisieren, harmonische Begleitfunktionen übernehmen, Perkussion darauf spielen, verschiedenste Spieltechniken anwenden, den Groove anschieben, die Klangfarbe färben, den Ensembleklang unterstützen, und und und.

Und sowieso hat das Cello, wie ja jedes Kind weiß, den schönsten Klang von allen Instrumenten.

Seit Ihren frühen Jahren sind Sie mit vielen unterschiedlichen Kulturen verbunden – sie sind in einer deutsch-mexikanischen Familie in den USA aufgewachsen. Welches Volk hat Ihrer Ansicht nach die interessanteste Kultur? Sind Sie in Kontakt mit der bulgarischen Volksmusik getreten? Was halten Sie von der bulgarischen Folklore?

Mit bulgarischer Folklore verbinde ich krumme Takte – 7/8, 9/8 und so weiter – sowas spiele ich sehr gerne. Die spezielle bulgarische Art, Melodien zu ornamentieren, finde ich faszinierend – aber selber so spielen kann ich leider noch nicht.

Aktuell spiele ich mit Vladimir Karparov, einem bulgarischen Saxophonisten, im Uwe-Kropinski-Trio zusammen. Vlado spielt Jazz und bulgarische Musik und mischt das beides auf sehr spannende Art.

Susanne Paul

Was ist das Wichtigste, was Sie im Verlauf Ihres Lebens durch die Musik gelernt haben?

Zuhören.

Wo finden Sie Ihre Inspirationsquelle?

Auf neue Stückideen komme ich oft am Instrument.

Haben Sie Lieblingskomponisten?

Bach, Monk, Debussy, Mozart, Gismonti, Alperin, Jobim, Breinschmid, Piazzolla…

Würden Sie uns über Ihr unvergesslichstes Konzert erzählen?

Letztes Jahr war es beim Open-Air-Konzert windig und eine Stoffbahn wurde vor einen Scheinwerfer geweht – plötzlich rauchte und schwelte es auf der Bühne. Wir haben beim Spielen den Soundtechnikern hektisch Zeichen gemacht und sie haben dann, glaube ich, den Brand mit Wasser- und Bierflaschen gelöscht.

Verfolgen Sie ein bestimmtes Ziel? Wie sieht es aus?

Ich bin dabei, mein neues Streichquartettprojekt, das Move Quartet, voranzubringen. Im Februar nehmen wir unsere erste CD auf. Dafür schreibe ich gerade neue Stücke.

Was steht Ihnen in der Zukunft bevor?

Das wüsste ich auch gerne.

Würden Sie den Public-Republic-Lesern etwas sagen?

Hören Sie viel Musik!

Susanne Paul

Susanne Paul wuchs in einer deutsch-mexikanischen Familie in Kalifornien auf und spielt seit ihrer frühen Kindheit Cello. In der Pubertät wandte sie sich dem Punk-E-Bass und der Flamencogitarre zu, studierte dann doch noch Klassik und fand schließlich zum Jazzcello, wo sie ihre unterschiedlichen musikalischen Interessen am besten vereinen kann.

Sie ist fasziniert von Musik aus aller Welt, insbesondere von Tango, Flamenco, Rock, Funk, Barock und brasilianischer Musik. Diese Interessen bringt sie in zahlreiche Bands und Projekte ein wie das Move Quartet, Uwe Kropinski Trio, Etta Scollo Band. Verschiedenste musikalische Einflüsse und innovative Spieltechniken verbindet sie zu einem eigenen Stil.

Sie spielt, komponiert, arrangiert, unterrichtet, macht Theatermusik, hat zahlreiche CDs eingespielt und in Europa, Asien, Afrika und Südamerika konzertiert.

www.groovecello.de

Kategorien: Frontpage · Szene

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