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Artist of the Week – Telmo Pires

11 Juli, 2011 von · Keine Kommentare

Interview von Dessislava Berndt mit dem Fado-Sänger Telmo Pires

Foto Moritz David Friedrich
Foto: Moritz David Friedrich

    “Einfach weltklasse!”
    Gitte Haenning

    „Telmo Pires begeistert nicht nur. Er verzaubert. Der Sänger hat sein Herz dem Fado verschrieben, diesem süssen portugiesischen Wehmuts-Sound, der einst in den Hafenvierteln von Lissabon geboren wurde.

    Telmo Pires hat dem Fado modernes Leben eingehaucht, ohne die Tradition zu verleugnen. Voller Respekt vor den Wurzeln, gleichermassen modern wie authentisch, transportiert sein Gesang doch stets diese Leidenschaft, Sinnlichkeit und Sehnsucht, die dem Fado seit jeher innewohnt.

    Im weltoffenen Berlin fand Telmo Pires ein gutes Umfeld, um seinen einzigartigen Stil zu prägen. Sein stetig wachsendes Berliner Publikum dankt es ihm oft mit Standing Ovations.“

    Klaus Wowereit
    Regierender Bürgermeister von Berlin

    Telmo, was bedeutet Fado für Dich?

    Für mich ist es die intensivste Art, tief empfundenen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Es ist nicht nur ein Musikstil, sondern eine Art zu leben oder mit dem Leben umzugehen.

    Foto Oliver Walterscheid
    Foto: Oliver Walterscheid

    Wie kamst Du dazu, Fado zu singen?

    Seit meiner Kindheit waren die Stimmen von z.B. Amália Rodrigues und Carlos do Carmo im Haus meiner Eltern präsent. Sie haben mich lange begleitet. Mit etwa 20 Jahren habe ich sie für mich wiederentdeckt und mich in sie und ihre Kunst neu verliebt.

    Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben?

    Das muss ich dem Publikum oder Journalisten überlassen. Ich kann es nicht beschreiben. Ich mache es wie es mir gefällt. Für mich ist es Fado. Ich versuche niemanden zu kopieren, ich singe was ich denke und fühle, daher schreibe ich auch selbst viele Texte und kreire mit der Zeit so mein ganz eigenes Repertoire.

    Was oder wer inspiriert Dich?

    Wahrhaftigkeit. Stimmen, Künstler, Menschen, die die von Gott gegebene Fähigkeit besitzen Wahrhaftigkeit zu vermitteln. Mit dem geringsten Aufwand an “Pomp” das Herz berühren können.

    Telmo Pires_Mike S. Wolff
    Foto: Mike S. Wolff

    Wie ist die Arbeit mit anderen Künstlern?

    Verschieden. Es kann ganz großartig, wunderbar und inspirierend sein. Ich versuche immer von anderen zu lernen. Es kann aber auch ganz einfach enttäuschend und frustrierend sein. Hängt von dem Gegenüber ab. Wie in einer Liebesbeziehung…

    Foto Moritz David Friedrich 02
    Foto: Moritz David Friedrich

    Wie kam es zur Arbeit mit der Pianistin Maria Baptist?

    Ein Zufall und auch nur für dieses eine Album.

    Du lebst in zwei Hauptstädten Lissabon und Berlin? Was gefällt Dir daran? Wodurch unterscheiden sie sich?

    Mir gefällt alles an Berlin und alles an Lissabon (Ausnahmen bestätigen die Regel…lach!). Ich mag die Unterschiedlichkeit. Es sind zwei ganz verschiedene Welten. Ich brauche den Kontrast, die Wärme, die Kälte und die Menschen in beiden Städten. Da ich nie ein “Zuhause” hatte, habe ich mir als Erwachsener Berlin und Lissabon als Zuhause einfach ausgesucht. Und das war eine sehr gute Wahl!

    Foto Moritz David Friedrich 03a
    Foto: Moritz David Friedrich

    Was macht mehr Spaß – die Live-Auftritte oder die Studio-Aufnahmen?

    Es ist beides sehr intensiv und macht Spaß. Aber eine Studio-Aufnahme findet unter ganz anderen Umständen statt. Vergleichbar mit einer Blume aus einem Gewächshaus. Sie ist schön und perfekt, denn alle Fehler werden weggezüchtet. Aber sie hat nicht die Kraft und den Zauber einer Blume die in Deinem Garten gewachsen ist.

    Telmo Pires_Berlin@Passionskirche_1a
    Telmo Pires in der Passionskirche, Berlin

    Ich brauche das Konzert. Eine Aufnahme kann sehr gut sein. Aber das Lied lebt auf der Bühne.

    Was machst Du in der Freizeit?

    Hmm…. Interviews geben! ;-) Mein Beruf ist ja meine “Freizeit”. Ansonsten Sport, ich schwimme gern. Mir unbekannte Orte aussuchen und sie erkunden. Und in letzter Zeit immer wieder Freunde aus Berlin durch Lissabon führen!

    Wovon träumst Du?

    “Träumen” ist vielleicht nicht das passende Wort. Ich “wünsche” eher.

    Wie sehen Deine Pläne für 2011 aus? Wird es besondere Termine geben?

    Ich verbringe gerade meine Zeit in Lissabon. Ich werde mit meinem Produzenten, der schon als Musiker mit Mariza, Ana Moura und Dulce Pontes gearbeitet hat und zum Teil noch arbeitet, demnächst mit den Aufnahmen für mein neues Album beginnen.

    Die Vorbereitungen sind getroffen. Es ist natürlich eine Ehre mit ihm zu arbeiten und es wird meine erste portugiesische Produktion sein. Also mit sehr bekannten portugiesischen Musikern, hier in Lissabon aufgenommen. Ein großer Schritt in meiner Karriere über den ich sehr glücklich bin und der immer zu meinen “Wünschen” (siehe Frage 10!) gehörte.

    Wo sind die nächsten Live-Auftritte?

    Hier in Lissabon singe ich manchmal in den Fado Häusern/Restaurants. Ganz “back to the roots” und übe und lerne… Konzerte sind dann wieder ab Oktober in Deutschland und in der Schweiz und ab 2012 auch dann in Portugal geplant.

    Wo kann man Deine Alben kaufen/hören?

    Die zwei Alben “Passos” (2004) und “Sinal” (2009) kann man im Handel kaufen oder bestellen… Sie sind aber auch bei Amazon und iTunes zu erwerben!

    www.telmopires.com
    www.myspace.com/telmopiresmusic

    Telmo Pires wurde am 3. Juni 1972 in Portugal geboren. Im April 1974, nach der Nelkenrevolution und dem Sturz der Diktatur in Portugal, zog er mit seiner Familie nach Deutschland. Telmo Pires wuchs zweisprachig auf, machte eine Gesangs- und Schauspielausbildung und debütierte 1995 mit seinem ersten Solo-Abend.

    Seine ersten Auftritte bestanden zum größten Teil aus deutschen und französischen Chansons. Mehr und mehr entdeckte er den Fado für sich bis er 2002 mit „Fado azul“ sein erstes Fado-Programm vorstellte. Er verbindet Fado mit Elementen des Jazz und hat so seinen eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt, bei dem Inhalt und Emotion weiterhin an erster Stelle stehen.

    Im Sommer 2008 begann seine Zusammenarbeit mit der deutschen Jazz-Pianistin Maria Baptist. Aus dieser Begegnung entstand das Album „Sinal“, welches im April 2009 veröffentlicht wurde. Seitdem sind Pires und Maria Baptist als Fado-Jazz-Duo auf internationalen Konzertbühnen zu sehen und hören. Im Sommer 2009 begeisterte Telmo Pires das portugiesische Publikum mit seinen ersten TV-Auftritten. Der Sänger lebt in Lissabon und Berlin.

    Diskographie

    2009 Sinal (Monopol Records/ Sony Music)
    2007 Dinner for four – Kurzfilm von Jutta von Stieglitz
    2007 Samba do Cajú – Hörbuch in Deutscher Sprache (Tropical Music)
    2004 passos (Traumton Records Berlin/ Indogo)
    2001 canto (neueTöNe records)
    1998 chansons fado lieder (neueTöne records)

Kategorien: Frontpage · Szene · Um die Welt

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