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Artist of the Week – Thea Soti

8 April, 2014 von · Keine Kommentare

“Die Musik ist das, was mich am glücklisten macht”
Thea Soti im Gespräch mit Anna Simitchieva
Redaktion: Gabriella Rochberg

theasoti_portrait by Turna Kriszta
Fotograf: Turna Kriszta

Hallo Thea, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst, Dich zwischen Proben und Auftritten kurz bei uns vorzustellen! Wie lassen sich Deine vielfältigen Tätigkeiten kurz zusammenfassen?

Hallo! Erstmal muss ich sagen, dass ich mit dem Studium eigentlich fast fertig bin. Momentan absolviere ich mein letztes Bachelorsemester an der Musikhochschule in Hannover. Da ich mich am Ende des Studiums befinde, gehe ich eher in Richtung Praxis.

Die theoretischen Veranstaltungen habe ich schon hinter mir und jetzt nähere ich mich immer mehr an das „wahre Leben“ an; dazu zählt komponieren, singen, organisieren, viel proben. Außerdem widme ich mich vielen Konzerten; ich gebe und besuche selber Workshops, unterrichte, trete auf…das alles macht meinen Alltag aus! Ich bin hauptsächlich eine Jazzsängerin, das habe ich auch in Hannover studiert und ich komponiere meistens die Musik für meine Projekte selbst.

Meine Webseite veranschaulicht die unterschiedlichen Projekte, denen ich mich aktuell widme; dazu zählt unter anderem das Projekt Nanaya – da spielen wir Eigenkompositionen, die durch die arabische und durch die ungarische Volksmusik inspiriert sind.

Außerdem habe ich mich in den letzten Monaten intensiv mit einem sehr komplexen Projekt beschäftigt, nämlich SUNG SOUND. Zusammen mit sechs weiteren jungen Sängerinnen haben wir unsere Eigenkompositionen für die Big Band der UdK Berlin stimmlich vorgesungen.

Die Idee dahinter ist auf jeden Fall innovativ; wir sind eine bunte, kreative Mischung aus Sängerinnen, die in Deutschland studiert haben, aber selbst oft einen ausländischen Background haben. “Gesungener Klang” bedeutet das Projekt wortwörtlich. Jede von uns hat ein vollkommen unterschiedliches Stück geschaffen, wobei der Grundgedanke ist, die Stimme nicht nur als Hauptsolist zu betrachten, sondern auch als Instrument einzubinden. Unsere elf Stücke sind sehr unterschiedlich voneinander und tragen etwas von der Persönlichkeit der Komponistin in sich. Die Tour ist am 08. März 2014 feierlich in Berlin beendet worden.

sungsound_berlin_finale_by Camille Blake
SUNG SOUND in Berlin
Fotograf: Camille Blake

Ansonsten habe ich während meines Auslandssemesters in der Schweiz ein anderes Projekt in die Praxis umgesetzt. Bei diesem beschäftige ich mich hauptsächlich mit Freiimprovisationen, versuche ungewöhnliche Klänge zu erschaffen, und somit neue Wege zu etablieren, um Geschichten zu erzählen. Diese akustischen Kontaktimprovisationen heißen Open Circles.

Eine andere kreative Beschäftigung stellt die Zusammenarbeit mit Viktor Bürkland, einem aus Estland stammenden Klavierspieler, dar. Im Vergleich zu den anderen, mag dieses Projekt etwas schlichter wirken, aber sein Potential entfaltet sich bald. Es hat sich herausgestellt, dass wir unsere Eigenkompositionen erfolgreich kombinieren können.

Viktors Trio und ich gehen Ende April/ Anfang Mai auf Tour durch Osteuropa (Prag, Budapest, Bratislava etc.). Viktor habe ich in Hannover kennengelernt, wo wir beide studiert haben.

Wie man nachvollziehen kann, bewältige ich vieles gleichzeitig, aber genau das ist es, was ich brauche, um kreativ, inspiriert und aktiv zu bleiben. Die verschiedenen Projekte halten mich selbst in Bewegung und künstlerisch in Form.

Du hast zunächst Medienwissenschaft studiert, bevor Du Dich der Musik gewidmet hast. Wie kam es zu diesem Umschwung?

Ich habe mich zunächst für ein Studium im Bereich der Film- und Kommunikationswissenschaft entschieden. Davor wollte ich immer Regie studieren, leider wurde ich mit 17 Jahren von der Filmakademie in Budapest abgelehnt; aber es war mir klar, dass ich mich in dem Gebiet weiterentwickeln mag.

Meine Interessen für Kunst und Film haben mich lange begleitet. Ich habe auch im Kommunikationsbereich aktiv gearbeitet: von Pressearbeit, über Radio bis hin zur redaktionellen Arbeit – dies noch damals in Budapest … ich habe mich im Medienbereich schon eingearbeitet. Allerdings war die Musik immer ein Teil von mir. Seit ich mich erinnern kann, war sie präsent.

nanaya_live in berlin_by Tivadar Nemesi
Nanaya Live in Berlin
Fotograf: Tivadar Nemesi

Ich habe bereits als Kind klassisches Klavier gespielt. Und ich habe immer die Musik geliebt: Pop, Jazz, Chor – viele Arten haben mich inspiriert und das ist eigentlich die einzige Sache, die mich vollkommen glücklich macht. Wie gesagt, ich habe andere Beschäftigungen gehabt bzw. Berufe ausgeübt (in der PR gearbeitet, Englischunterricht gegeben), aber die Musik ist das, was mich als Künstlerin richtig ausmacht. Ich finde die Erfahrungen, die ich davor gemacht habe, sind auch positiv und wichtig, damit ich fest davon überzeugt bin, was ich tatsächlich machen will.

Schließlich bin ich jetzt als Sängerin unterwegs, aber oft übernehme ich die Kommunikation mit den Medien, betreibe selber Pressearbeit. Daher ist mein vorheriges Studium ziemlich nützlich. Aber ich bin vor fünfeinhalb Jahren nach Deutschland gezogen, mit der Idee, dass ich der Musik eine Chance geben will und genau das habe ich getan. Ich habe mich an der Musikschule in Hannover beworben, wurde angenommen, und für mich war das das grüne Licht für meine musikalische Karriere.

Du bist zwar Sängerin aber auch Gesangslehrerin. Welche Tätigkeit empfindest Du als Deine wahre Berufung?

Tatsächlich bin ich seit eineinhalb Jahren auch als Jazzlehrerin tätig und ich muss gestehen, dass es sehr viel Spaß macht. Die Schule, an der ich lehre, befindet sich am Rande von Hannover und ich bin die einzige Jazz/Pop-Lehrerin dort. Folglich betreue ich eine Gruppe von acht bis zehn SchülerInnen. Für mich ist das eine positive Herausforderung, denn ich betrachte mich selbst nicht nur als eine Sängerin, die etwas nachsingen kann, sondern auch als eine Künstlerin, die komponiert, unterrichtet und sich anderweitig entfaltet. Der Umgang mit den Schülern ermöglicht mir vieles.

Ich versuche, die jungen Leute, die eigentlich das Publikum von morgen sind, aktiv auszubilden. Mein Anspruch ist es, diese Leute dazu zu bringen, was Gutes zu entdecken; ihre Sinne für die gute Musik zu schärfen. Es geht mir nicht ausschließlich darum, dass sie alle Sängerinnen werden und auf der Bühne stehen, sondern, dass sie vor allem einen Musikgeschmack entwickeln. Deshalb versuche ich ihnen beizubringen, wie man Musik hören sollte, denn das muss man lernen. Schließlich ist diese junge Generation das Publikum, das in Zukunft zu Konzerten gehen wird.

Das Unterrichten ist sehr belohnend, allerdings bleibt es nur ein Teil meiner Aktivitäten. Ich habe nicht den Anspruch, das hauptberuflich zu betreiben, aber es ist momentan eine sehr kreative Ergänzung meiner Künstlerentwicklung.

Wer sind die Lehrer, die Dir die wertvollste Lektüre beigebracht haben?

Hier kann ich recht viele Namen erwähnen: Romy Camerun, Klaus Heidenreich, Matthias Schubert – das sind Lehrer, die meine Welt jedes Mal neu definiert oder eben durcheinandergebracht haben! Andere Leute, die mich sehr inspiriert haben, sind Simon Nabatov, Susanne Abbuehl, David Grottschreiber, Niels Klein, Nils Wogram, Gerry Hemingway…

All diese Leute sind nicht nur als Dozenten bemerkenswert, sondern sie kommen auch direkt aus der Praxis und wissen gut, welche Schwierigkeiten unser Beruf mit sich bringt. Sie haben es trotzdem geschafft, sich innerhalb der Szene zu etablieren, eine Platte herauszubringen etc. Ich betrachte sie als meine Mentoren und als wahre Vorbilder, denn sie sind sehr inspirierend. Es ist sehr hilfreich, solche Künstler zu kennen, sowohl für die musikalische als auch für die eigene persönliche Entwicklung.

Mit wem würdest Du noch gerne zusammenarbeiten?

Hmmm… ich könnte an dieser Stelle große Namen nennen,aber die Wahrheit ist, dass ich mich noch nicht vollkommen bereit dafür fühle. Was für mich sehr wichtig ist, ist mit jenen Leuten gemeinsame Projekte durchzuführen, welche es auch wichtig und interessant finden, mit mir zusammen zu arbeiten. Genau wie in anderen zwischenmenschlichen Beziehungen, ist auch in diesem Fall die Chemie zwischen den Leuten fundamental. Nur wenn sie dabei ist und stimmt, können die spannendsten Ergebnisse erzielt werden- dann passieren Wunder auf der Bühne.

theasoti_quartet_live by Lang Peter
Thea Soti Quartet Live
Fotograf: Peter Lang

Ich bin auf der Suche nach Künstlern, die sich, genau wie ich, 100- prozentig der Musik widmen wollen, selbst wenn das als Opfern für die Sache zu verstehen ist. Oder anders gesagt, ich suche Leute, die sich in die Musik verlieben lassen wollen.

Du bist eine recht international agierende Künstlerin und somit ständig unterwegs. Woran arbeitest Du aktuell und wo bist Du demnächst zu sehen/hören?

Die letzte große Veranstaltung war das Abschlusskonzert von SUNG SOUND in der Werkstatt der Kulturen in Berlin. Das war der Abschluss der Tour, auf der ich mit den o.g. Kolleginen Eigenkompositionen vorgestellt habe; es war ein tolles Gefühl. Schließlich macht es viel aus, ob man das alleine zu Hause mithilfe eines Programms am Rechner simuliert, oder ob man das live sing, akompaniert von einer 18-köpfigen Bid Band, wo der Klang zahlreicher Instrumente live zu erleben ist…

SUNG SOUND | trailer from thea soti on Vimeo.

Demnächst sind wir auf Tour mit dem Viktor Bürkland Trio. Im Mai sind wir mit Open Circles in Zürich und Luzern, mit Nanaya sind wir auch weiterhin unterwegs. Die Live-Auftritte sind am besten der Webseite zu entnehmen :)

Ansonsten stellt noch das Projekt “Keine Angst vor fremden Klängen” ein spannendes Projekt dar. Das ist ein zwei- bis dreitägiger Workshop, der transkulturelle Kunst zum Hauptthema hat. Viele von den SängerInnen sind, genau wie ich, in Deutschland sesshaft, haben aber keinen deutschen kulturellen Hintergrund. In meinem Fall lasse ich mich sehr von der ungarischen und der serbischen Volksmusik inspirieren, und dieser Einfluss ist in meinen Werke erkennbar.

Welche Bühnen willst Du unbedingt noch erobern?

Um diese Frage zu beantworten, erzähle ich erstmal eine kurze Geschichte über meine Vorstellung von einer Traumbühne. Noch während meines Aufenthaltes in Budapest, bin ich oft zu einer hübschen Location gegangen, wo damals die besten und bekanntesten Jazzbands gespielt haben. Es handelt sich um eine Location auf einem Schiff auf der Donau, bei dem die Zielgruppe sehr vornehm ist. Damals schien es traumhaft, in so einer Bar spielen zu dürfen; die Mischung aus Licht, Zielgruppe und Status hat es in meinen Augen außergewöhnlich gemacht.

Ein paar Jahre später stand ich auf der anderen Seite und durfte selbst auftreten. Zu meiner Enttäuschung war das Erlebnis nicht so spektakulär, wie ich es mir vorgestellt hatte. Es kam einfach kein richtiges Feedback vom Publikum, es gab nicht viele Leute und die Stimmung war nicht ausgezeichnet. Im Gegensatz dazu, haben wir ein unvergessliches Erlebnis in einer winzigkleinen Kneipe in Berlin gehabt, die anfangs nicht sehr vielversprechend aussah.

Ich habe nie in meinem Leben so viel Wärme von einem Publikum bekommen wie dort: es war eines der nettesten Konzerte, die ich mit meiner Gruppe je gehabt habe. Aus diesem Grunde denke ich jetzt, dass die Bühne nicht das Wichtigste ist. Sie ist zwar eines der Elemente, aber das Publikum, die Leute, mit denen man arbeitet, die ganze Atmosphäre, es gibt so viele Aspekte, die zu einer schönen Veranstaltung beitragen. Zusammenfassend lässt sich sagen, nicht alles, was man sich vorerst wünscht, ist das, was einen glücklich macht…

Was wünschst Du Dir selbst von Deiner künstlerischen Zukunft? Mehr Auftritte, mehr Freiheit etc.?

Mehr Auftritte und spannende Kooperationen. Vor allem wenn man die Angst vor einer Zusammenarbeit mit neuen Leuten überwindet und sich für Kooperationen öffnet, dann entstehen schöne Projekte.

sung sound_projektbild
Projektbild SUNG SOUND
Fotograf: Mihael Loewa

Freiheit wünsche ich mir definitiv auch, vor allem in den kommenden 10 bis 20 Jahren, damit ich alles selbst bestimmen kann. So auch, wann ich auf Tour gehe, wann ich zu Hause komponiere oder einfach Urlaub zu einem Zeitpunkt nehme, wenn ich es brauche. Das sind Entscheidungen, die ich mir leisten will treffen zu können, ohne an finanzielle Aspekte denken zu müssen. Sprich, ich will meine Karriere eigenständig beeinflussen können!

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SUNG SOUND in Berlin
Fotograf: Camille Blake

Sängerin, Komponistin und Klangkünstlerin geboren in Subotica (Serbien), die ihre osteuropäischen musikalischen Wurzeln elegant mit Jazz-und Weltmusik kombiniert und der hannover‘schen Musikszene frische Farben und neue Energie bringt. In ihrer Kindheit in Serbien erhielt sie eine klassische Musikausbildung und war als Pianistin bei zahlreichen nationalen und internationalen Wettbewerben erfolgreich. 2005 begann sie sich mit Jazz und populären Musikstilen zu beschäftigen, zunächst in Budapest, später in Berlin. Dort erhielt sie unter anderem Unterricht von Esther Kaiser, Lisa, Bassenge, Matti Klein, Julia Hülsmann und Dirk Strakhof. Mehr Informationen über Thea und ihre volle Künsterbiografie: http://theasoti.com/wp-content/uploads/2013/04/theasoti_infotext.pdf

Kategorien: Art Café · Frontpage · Szene

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